Donnerstag, 21. Juli 2011

Enemy.............................oder die Aneinanderreihung von Tatsachen die keiner vorhersehen konnte

Enemy.............................oder die Aneinanderreihung von Tatsachen die keiner vorhersehen konnte

NEUNZEHN verschissene Stunden in einem Flieger zu sitzen, war nicht besonders lustig, vor allem nicht, wenn man hochgradig angepisst war und scheiße, ……….das war ich. Mich kotzte die gesamte Situation so derartig an. Ich brach Aros heilige Regel und flog direkt zurück nach London, da ja mittlerweile die halbe Welt von meiner Aktion auf dem Dach wissen musste, also war es doch schon scheißegal. Die neunzehn Stunden verbrachte ich überwiegend mit schlafen. Mein Kopf platze.

Die kurze Zeit in Bangkok war einfach nervenaufreibend. Von körperlichen bis hin zu psychischen Schmerzen, war alles vorhanden. Ich war ehrlich gespannt, was auf mich wartete, wenn ich auf Aro traf. Jazz hatte sicher schon seinen Bericht geschickt. Er war ja schon irgendwie ein Arschkriecher, aber einer von der Gattung, mit dem Kopf voran und bis zu den Schultern hinein. Ich weiß, dass das zu denken unfair war, aber hätte er sich nicht um Cullen kümmern können und ich hätte James dann.......allein bei dem Gedanken, wurde ich noch wütender.

Wann James wohl zurück kommen würde? Augenscheinlich hatte er einige schwere Verletzungen davongetragen. Sein Gesicht sah verheerend aus, offene und blutende Lippen und über seinem Auge klaffte eine große Platzwunde. Beide Augen waren zugeschwollen, als wäre er in der Nacht Rocky über den Weg gelaufen. Auf seinem Brustkorb bildeten sich langsam blutunterlaufene Flecken, die eine beängstigende Größe annahmen. Als ich das Zimmer verließ und Jazz mit ihm allein ließ, machte sich in mir eine große dunkle Wolke breit.

Hätte ich da bleiben sollen, auch gegen seinen Willen? Ich war mir doch selber nicht mehr sicher, was jetzt richtig oder falsch gewesen wäre. Scheiße, ich hatte gerade vorhin drei Menschen, ohne mit der Wimper zu zucken, umgebracht. War es das, was ich künftig sein würde? Eine unberechenbare, eiskalte Killermaschine? Die Realität begann mich einzuholen und die ersten Schuldgefühle machten sich in mir breit. Ich versuchte mir einzureden, dass sie es nicht anders verdienten, aber in meinem tiefsten Inneren sah es anders aus. Ich wusste, dass es nicht stimmte. Jeder Mensch hatte das Recht zu leben, auf die eine oder andere Weise. Das oberste Gebot ist leben und leben lassen, wenn es diese Option gibt. Manchmal muss man sich zwischen Richtig und Richtig entscheiden....

Ich schaute mich in der Ankunftshalle um und da ich weder Boris noch Ivan, oder sonst noch jemanden sah, der auch nur im Ansatz zu uns gehörte, nahm ich an, dass Aro entweder noch nichts davon wusste, dass ich heim käme, oder dass es ihn nicht interessierte. Ich musste also allen ernstes mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Da Donnerstag war, konnte ich mir sicher sein, dass niemand im Haus war, außer Viktoria und das Hauspersonal. Ohne Kreditkarte, Handy, Bargeld und vor allem ohne Arees, fühlte ich mich alles andere als wohl und so beeilte ich mich, nach Hause zu kommen.
Nachdem ich den Code auf die kleine Tastatur unserer Haustür gehämmert hatte, konnte ich endlich duschen und meine Kleidung wechseln. Blindlings tappte ich zur Türe hinein und wollte schon die Treppe nach oben laufen, als ich mich gerade noch so vor Viktoria abbremsen konnte, damit ich sie nicht umlief.

„Verdammt, was machst du hier? Kannst du nicht aufpassen?“, schrie ich sie an. Sie hielt sich die Ohren zu und begann lautstark zu fiepen und das raubte mir ehrlich den letzten Nerv. „Verfluchte Scheiße noch mal, hör auf hier in der Gegend herum zu lärmen. Benimm dich endlich wie eine Erwachsene und nicht wie ein kleines siebenjähriges Kind. Mit achtzehn kann man das ja von dir erwarten, oder?“ Zugegeben war es nicht fair, sie so anzuschreien, aber sie machte es mir nicht sonderlich einfach.

Wütend stampfte ich hinauf in mein Zimmer, um endlich eine gut funktionierende Dusche, mit geruchsneutralem Wasser zu nehmen. Nachdem ich aus Ekelgründen, mich und meine Haare dreimal intensiv gewaschen hatte, beschloss ich mich in ein Büro Outfit zu werfen, um dann zu Aro in die Firma zu fahren.

Die Bella, von vor einer Woche, wäre in zerrissenen Jeans und Martens, nach so einem Erlebnis, zu Aro gefahren, aber ich hatte mir fest vorgenommen, diese Sache mit meinem ganzen Herzblut anzugehen. Mein Entschluss stand fest und ich war mir so sicher, wie ich es noch nie in meinem ganzen Leben gewesen war.

Ich würde in geraumer Zukunft die Nachfolgerin von Aro Volturi sein. Besitzer der Volturi Enterprises, Boss einer scheinbar übermächtigen Untergrundbewegung. Ein Mann, der seine Finger überall im Spiel hatte und offensichtlich nichts von dem Satz hielt „Lassen wir es langsam angehen“.

Aro war immer für jeden aus der Inc. da.
Ich setzte mich in mein Auto und machte mich auf den Weg ins Büro, diesmal parkte ich sogar anstandslos auf meinem privaten Parkplatz, neben Aro´s Auto.

Als ich an Chelsea vorbei kam, schaute sie mich dümmlich an, hämmerte auf die Schnellwahltaste ein, die sie direkt mit Aro verband und stotterte irgendwas Unverständliches in ihr Headset. Mir war klar, dass sie gerade Aro darüber informierte, dass ich soeben in das Gebäude marschiert war und mich auf dem direkten Weg zu ihm befand.

Ungeduldig stand ich in diesem Aufzug und wippte mit dem Fuß auf und ab. Am liebsten würde ich vor lauter Ungeduld gleich nach dem Öffnen der Tür, direkt in Aros Büro stapfen und mit Türen schmeißen, aber das durfte ich nicht mehr und aus diesem Grund rief ich mich innerlich zur Vernunft und versuchte Ruhe zu bewahren.

Natürlich stand er schon vor dem Aufzug, als die Türen aufgingen, überrascht und mit hochgezogener Augenbraue stand er da und konnte seinen alten, trüben Augen offensichtlich nicht trauen. Mir war bewusst, dass er mit allem gerechnet hatte, besonders damit, dass ich hier mit zerrissener Kleidung und blutverschmiert auftauchen würde, aber nicht, dass ich im Businesslook ankommen würde.

Er brachte ein verdattertes „Bella?!! Was machst du hier? WO sind die anderen? Was ist passiert?“ über die Lippen. Ich war erstaunt, dass er so simple Sätze verwendete und dass meine Rückkehr ihn offensichtlich aus der Bahn geworfen hatte. Ich beruhigte ihn für diesen kleinen Moment und meinte, wir sollten besser in sein Büro gehen. Wie ein kleiner Schuljunge, den seine Mutter früh morgens vor die Tür stellte und ihn zum Bus schickte, stand er da und schaute mich mit großen Augen an.

Zaghaft lächelte ich ihm zu und hob den rechten Arm, um ihn den Vorrang zu gewähren. Langsamen Schrittes setze er sich in Bewegung, noch immer unschlüssig, was er über diese Situation denken sollte. Im Büro angekommen, schloss ich die Türe ab und begann ihm langsam und behutsam über die Geschehnisse in Bangkok zu berichten. Er hatte sich hingesetzt und die Augen geschlossen, seine Hände waren auf seinem Schoss zusammengefaltet und er hört mir geduldig zu. In seinem Gesicht konnte man nicht lesen, was er dachte. Ich hatte Aro noch nie so gesehen. Als ich bei der kleinen, aber wirklich wichtigen Tatsache ankam, dass ich insgesamt drei Menschen getötet hatte, aber den Cullen Sprössling laufen ließ, riss er plötzlich die Augen auf und starrte mich entsetzt an.

„DU HASSST WASSSS?“, fuhr er mich plötzlich an und ich wusste jetzt nicht, wie ich reagieren sollte. Ich erklärte ihm, dass ich es für das Beste gehalten hatte, da ich mir sicher sein konnte, dass sein Vater ihn rächen würde. Um das zu verhindern, ließ ich ihn laufen. Es entsprach zwar überhaupt nicht der Wahrheit, aber das musste er ja nicht wissen.

Er erklärte mir, dass das so gesehen eine sehr gute Entscheidung war und ich richtig entschieden hatte. „Anscheinend hast du Gefallen an unserer Art Arbeit gefunden, das freut mich unheimlich. Endlich dürftest du dich endgültig dafür entschieden haben und so kann ich dich richtig in die Inc. Einführen.“, meinte er fast schon vor Stolz platzend. Plötzlich, wie von einer Tarantel gestochen, sprang er auf und meinte, wir hätten noch viel zu tun.

Ich hatte ja keine Ahnung, was nun auf mich zukam. Aro schleifte mich die nächsten paar Wochen tagtäglich mit sich herum. Ich war sein Schatten, egal zu welchem Termin er ging, ich war dabei, total von ihm in Beschlag genommen. Die ganzen Treffen mit seinen Geschäftspartnern, die ganzen neuen Namen, die ich mir einprägen musste, neue Gesichter, die ich zuordnen musste, sowohl die der Enterprises, als auch die der Inc. musste ich mir merken. Er hämmerte mir täglich neue Listen, Zahlen und Fakten in meinen Kopf hinein und fragte sie auch aus dem Stegreif ab und wenn ich etwas nicht wusste, dann erklärte er es mir geduldig.

Ich wusste nicht mehr, wo mir der Kopf stand, ich war fix und alle und fiel jeden Abend, wie tot in mein Bett, aber mein Verstand arbeitete auf Hochtouren. Ich träumte normalerweise nicht von anderen Sachen, außer meinem Standarttraum, aber seit neuesten, hatte ich sehr lebhafte Träume und natürlich handelten sie von der Person, von der ich eigentlich nicht träumen wollte. Nicht träumen sollte!!!!

Edward Cullen.

Ich sah ihn auf mich zukommen, oben ohne, jeden einzelnen Schweißtropfen sah ich klar, wie auf einem HD Bildschirm und ich wollte einfach nur zugreifen, ihn packen und küssen. Seine starken, männlichen Arme umschlangen mich, wie eine Schlange, die ihre Beute zermalmte. Ich konnte jede seiner Berührung deutlich auf meiner, mit Gänsehaut überzogenen, Haut spüren. Seine Lippen, die kleine Küsse andeuteten, die er auf meine heiße Haut setzte und seine Hände, die überall und gleichzeitig nirgendwo waren. Als einer seiner Hände an seine Hose griff, um sie zu öffnen, schob meine in Phantasie, oder meine Erinnerung, urplötzlich das Bildnis von James, in diesem ekelhaften Bett in Bangkok, in meinen Traum. Erschrocken, über aller maßen wütend und traurig, fuhr ich hoch und wachte fluchend auf.
Genervt und verzweifelt setzte ich mich auf und schlang meine Arme um die Knie. Ich musste mehr über diesen Cullen erfahren, aber zeitgleich fragte ich mich, wo James und Jazz gerade waren. Ob sie wohl schon aus Bangkok raus waren? Ob alles soweit verheilt war, dass er wieder fliegen konnte? Aro wusste genau so wenig wie ich. Weder James noch Jazz waren erreichbar. Ihre Peilsender waren offline, obwohl das gegen die Abmachung war. Aro waren die Hände gebunden und mir auch. Ich konnte im Moment unmöglich weg von hier. Das große Treffen mit dem Denali-Clan stand an und darauf musste ich mich vorbereiten. Mein Kopf war schon wieder überfüllt mit lauter Gedanken. James, Cullen, Aro und noch ein paar andere wuselten in meinen Gedanken herum.

Genervt ließ ich mich wieder zurück in mein Kissen fallen und versuchte wenigstens noch zwei Stunden Schlaf zu bekommen.

Morgens um sechs Uhr, begann dieser scheiß Wecker, seinen Dienst zu tun und mir brüllte dieser Lambert entgegen und weckte mich mit seinem Fever Geschrei unsanft auf. Mühselig schleppte ich mich ins Bad, um mich bürofein zu machen. Mittlerweile fiel mir dieses tägliche verkleiden nicht mehr ganz so schwer, wie am Anfang.

Pünktlich um acht Uhr, stand ich in meinem schicken neuen Designerbüro. Ein tiefschwarzer mahagonifarbener Schreibtisch, dunkelviolette Wandschränke, voll mit Büchern und Ordnern, die obligatorische Waffenkammer-Wand und ein schickes funkelnagelneues Mac- Book. Demütig öffnete Chelsea die Tür und brachte mir mein Frühstück herein. Wie jeden Morgen, einen großen Café Latte, eine gestrichene Buttersemmel und einen Obstsalat. Ich dankte ihr und trug ihr auf, dass sie Aro Bescheid sagte, dass ich ihn um12 Uhr zum Lunch traf.

Während ich mein kleines Frühstück zu mir nahm, checkte ich meine E-Mails und meinen Timer. Ich stellte erschrocken fest, dass ich in acht Minuten einen Termin mit Caius hatte, der mir meinen neuen Assistenten vorstellen wollte. Er hatte ihn extra für mich ausgesucht und aus diesem Grund hasste ich ihn jetzt schon. Das Leben mit Caius war um einiges leichter geworden, da er eingesehen hatte, dass ich sein zukünftiger Boss sein würde und größtenteils schon war. Trotzdem herrschte zwischen uns bittere Eiszeit.

Extrem genervt sprang ich auf und checkte noch mal, ob ich adrett genug aussah, wobei ja Aro extrem zufrieden mit mir war, was mein neues Auftreten anging. Mit den Schuhen in der Hand, hechtete ich aus meinem Büro und lief hinüber zum Treppenhaus. Seitdem ich nur mehr abends trainierte, hatte ich das Gefühl nach zu lassen und so ließ ich keine Möglichkeit aus, um mich etwas sportlich zu betätigen. Ich hastete barfuß die sechzehn Stockwerke hinunter und hoffte, dass mich niemand sehen würde. Kaum aus der Puste, nahm ich das letzte Stockwerk mit etwas zu viel Schwung und konnte nicht bremsen, da es in Strümpfen nun mal verdammt rutschig war, auf glatten Marmorfliesen. Wo waren die guten alten anti-rutsch beschichteten Fliesen hin...natürlich wurden die in einem Gebäude, wie diesem, nicht verwendet. Mit lautem Getöse knallte ich volles Pfund gegen die Tür. Das erinnerte mich daran, wie ich als kleines dreijähriges Mädchen Eislaufen gelernt hatte. Da bremste ich auch nur so ab. Fluchend versuchte ich Schadensbegrenzung zu betreiben und schlüpfte in diese unmenschlich hohen Schuhe hinein, richtete noch schnell den hoch gerutschten Rock und ging so anmutig, wie es mir nur möglich war, zu Chelsea und fragte, ob mein zehn Uhr Termin schon zugegen war. Ängstlich stotterte sie etwas davon, dass er schon in der Lounge warten würde und sie entschuldigte sich bei mir, dass sie mir nicht Bescheid gesagt hatte, aber das wäre gerade eben erst gewesen.

Sie war völlig außer sich und hatte Angst vor mir. Ich musste mich bei der armen Frau entschuldigen, denn es war damals nicht fair, sie als Druckmittel zu verwenden.
Ich verschob die Versöhnungabsichten auf irgendwann, wenn ich mehr Zeit hätte und machte mich auf den Weg in die Lounge. Ich betrat diese durch die milchig verglaste, automatische Schiebetür und war heilfroh, dass es keine Drehtüre war, die mir dann vielleicht auch noch zum Verhängnis werden könnte. Etwas stolpernd, trampelte ich in die Lounge und der Mann, der am Fenster stand, drehte sich um und lächelte.

Verdattert schaute ich ihn an. Er lächelte noch immer, ergriff die Initiative und kam auf mich zu.
„Guten Tag, Miss Volturi. Mein Name ist Reinhard Maiclock. Es wäre mir eine Freude, wenn Sie Reinhard zu mir sagen würden, oder Reini.“
„Swaa… ähhmm Volturi….. ähhm…. Fuck…. also BELLA. Nennen Sie mich Bella und wenn wir schon dabei sind, sagen SIE, DU zu mir. Ich bin ja nicht meine Mutter.“, platze es mir einfach so heraus und ich wusste, dass war jetzt nicht so professionell, aber wen interessiert das? Wenn ich richtig verstanden hatte, dann folgte mir dieser Mann überall mit hin, wenn es sein musste, auch bis aufs Klo.

Er war eine interessante Erscheinung. Sein maßgeschneiderter, dunkelgrauer Anzug saß einfach nur perfekt und sein faltenfreies, weißes Hemd, strahlte nur so im Sonnenlicht. Seit wann scheint in London um diese Uhrzeit die Sonne? Naja, ich verschob den Gedanken ganz schnell wieder und machte mich weiter daran, seinen Eindruck zu beurteilen.

Diese giftgrüne Krawatte, war mehr als nur gewagt, aber so etwas konnten nur schwule Männer tragen. Und er war schwul, dass sah man ihm einfach an. Er redete so wie James damals, ohne Punkt und Komma.Was hatte ich nur an mir, dass mich alle Männer, die mich das erste Mal sahen, so nieder labern? Reinhard meinte, dass wir uns ausgezeichnet verstehen würden und ich verdrehte unbemerkt die Augen. Der Nächste, der meinte wir würden uns ach so gut verstehen. Ich fragte ihn ein bisschen aus und beschloss ihn dann, das restliche Gebäude zu zeigen und wo sein Arbeitsplatz war.

Er folgte mir so unauffällig, wie es ihm nur möglich war, aber da er bei jedem Spiegel stehen blieb und die Stuckatur an den Wänden so hinreisend fand, brauchten wir eine halbe Ewigkeit um bis zu den Fahrstühlen zu kommen. Ich fand das Gebäude auch sehr hübsch, aber so genau hatte ich mir noch nie dumme Wände angesehen. Da ich mir einen Spaß erlauben wollte, beschloss ich mit ihm die sechzehn Stockwerke zu Fuß zu gehen. Ich deklarierte es als Hausführung und lief los. Schon nach drei Stockwerken ging ihm die Puste aus und ich musste lachen, denn seine Gesichtsfarbe glich der einer sonnen gereiften Tomate.

„Kindchen, entschuldige bitte, aber SIND WIR BALD DA??? Ich mein, wie du nur unschwer erkennen kannst, bin ich GAY und wir LAUFEN keine 5677 Stockwerke über Treppen, um zu unserem Arbeitsplatz zu gelangen.“, schnaufte er wie eine alte ausrangierte Dampflok.
Unter ohrenbetäubenden, schallenden Gelächter, setzte ich mich mitten auf die Treppe und hielt mir den Bauch, der schon weh tat vor lauter lachen.
„Was giiiieeebts denn da zu Lachen?“, fragte Reini mit hoher Stimme, was mich noch mehr zum Lachen brachte und ich muss ehrlich sein, ich hatte schon so lange nicht mehr so herzhaft gelacht. Dieser Paradiesvogel setze sich ein paar Stufen unter mir und genoss die Pause.


„Na ja, also du hast noch …..ähhhm na ja……dreizehn Stockwerke, schaffst du das?“, fragte ich mit tränenden Augen und er verneinte und tat so, als würde er sogleich in Ohnmacht fallen. Ich ließ mich erweichen, zog ihn am Handgelenk hoch und erklärte ihm, dass wir da aber trotzdem hoch müssten. Da ich nicht daran schuld sein wollte, wenn er heute abend Blasen an den Füssen hatte, zog ich ihn noch ein Stockwerk hinauf und dirigierte ihn zum Fahrstuhl.

Rein zufällig stand Caius in der Kabine und musterte uns argwöhnisch und ich beachtete ihn, wie die meiste Zeit nicht und Reinhard tat es mir gleich. Das war der Moment, in dem er mir absolut sympathisch war. Genervt stiegen wir bei unserem Stockwerk aus. Ich seufzte und meinte, dass so ein Starbuckskaffee jetzt echt was feines wäre. Reinhard setze sich, wie sonst nur so dralle blonde Sekretärinnen, auf die Kante meines Schreibtisches, lehnte sich lasziv zu meinem Telefon hinüber und schaute mich erwartungsvoll voll an.

„003, dann landest du bei Chelsea in der Telefonzentrale“, antwortete ich ihm, als hätte er mich soeben gefragt, welche Durchwahl die Uschi da unten hätte.
Er tippte die drei Nummern ein und wartete bis sie sich meldete. Als sie scheinbar abhob, säuselte er „Kindchen? Können Sie mich hören, hello? Hier spricht Reinhard Maiclock, aus dem Büro von Isabella Volturi! Wir hätten gerne zwei Café Latte Venti. Einmal halbfett Milch und einmal lactosefrei und bringen Sie bitte den Zucker extra mit, den Weg kennen Sie ja! Dankeschön.“

Ehe Chelsea auch nur ein Wort sagen konnte, hatte er schon aufgelegt und grinste mich breit an. Meinen Blick ließ ich über die große, silberne Wanduhr schweifen und bemerkte, dass es kurz vor zwölf war und eigentlich wollte ich mich mit Aro im Ramsey´s zum Lunch treffen. Ich sprang auf, entschuldigte mich bei Reinhard und erklärte ihm, dass ich dringen weg musste, aber er gerne bis
13:30 Mittagspause machen konnte. Ich stürmte zum Fahrstuhl, aus dem gerade Chelsea kam. Unabsichtlich rempelte ich sie an und die beiden Starbucksbecher ergossen sich über ihre, ohnehin schlecht gebleichte Bluse.

Ich murmelte eine halbseidene Entschuldigung und hämmerte auf den Knopf ein, der den Lift dazu brachte, die Türe schneller zu schließen.
Ich kramte in meiner Tasche nach dem Schlüssel für mein Auto und öffnete es, sobald ich es erblickte. Ich rief Aro an und entschuldigte mich schon vorab für die Verspätung. Er nahm es relativ gelassen.

ARO-POV:

Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk saß ich hier, in Bellas Lieblingslokal und wartete auf sie. Natürlich schaffte sie es nicht pünktlich zum Lunch, weil sie sich garantiert mit Herrn Maiclock verplaudert hatte. Ich war mir sicher, dass Caius diesbezüglich die richtige Wahl getroffen hatte.
Während ich den Kellner wegschickte, da es sich ja nicht ziemte zu bestellen, ohne dass alle am Tisch saßen, dachte ich so über die Erlebnisse der letzten Zeit nach.

Der Tag, an dem Bella aus Bangkok zurück kehrte, war der schönste in meinem Leben. Naja …..fast. Als sie dann ganz Business- like vor mir stand, dachte ich erst, ich sehe nicht richtig. Ihr Aufzug, ihr verändertes Wesen und die Neuigkeiten aus Bangkok waren zu viel für mich. Sie hatte nicht nur Lee und seine Affen ermordet und auch noch Jazz und James das Leben gerettet, sondern auch noch dem verwöhnten Cullensprößling ordentlich den Marsch geblasen. Carlisle hatte mir eine Nachricht zukommen lassen, dass er äußerst erfreut darüber war, dass ich scheinbar eine Nachfolgerin gefunden hatte. Carlisle Cullen war noch immer derselbe ekelhafte, schleimscheißige Betrüger wie damals in der Schule. Nicht nur, dass er mit der Frau verheiratet war, die für mich mein Leben bedeutete, nein, er hatte es auch auf mein Imperium abgesehen. Ich hasste ihn mehr als man beschreiben kann. Irgendwann kommt der Moment, an dem ich mich an ihm rächen werde und wenn es das Letzte ist, was ich tue. Ich verwarf den Gedanken an Carlisle, denn jeder Gedanke an diesen Mann, ist ein verschwendeter.

Ich machte mir ernsthafte Gedanken über Jasper und James. Sie waren schon länger als die geplanten drei Monate weg. Ihre Sender hatten sie ausgeschaltet und Bells wusste nicht, wohin sie verschwunden waren, da sie von James weggeschickt wurde. Es bestand die Möglichkeit, dass die beiden sich in ein Kloster zurück gezogen hatten, da die medizinische Versorgung in einem Kloster hundertmal besser war, als die in einem Krankenhaus. Mir waren die Hände gebunden, ich musste abwarten und mich in Geduld üben....Geduld... wenn ich dieses Wort nur hörte, bekam ich Aggressionen. Natürlich war ich nach außen hin die Ruhe in Person, aber innerlich rumorte es unaufhörlich. Ich hoffte, dass sie sich bald melden würden, so dass ich auch meine Ruhe fand und das mit ihnen alles in Ordnung war und sie bald wieder in meiner Nähe wären. Ich wusste allerdings nicht, wie lange ich Bella noch bei Laune halten konnte und vor allem, beschäftigt. Tanya berichtete mir, dass Bella wieder extrem schlecht schlief. Selbstverständlich versetzte mich diese Neuigkeit in Sorge, da ich ihr nicht helfen konnte. Sie hasste mich zwar nicht mehr so abgrundtief, aber von mögen waren wir noch weit entfernt.

Ich überlegte fieberhaft, welches Gebiet ich ihr noch überlassen sollte. Das südostasiatische Territorium gehörte wieder uns und dafür hatte sie gesorgt, wenn auch unabsichtlich. Keiner der Schlitzaugen würde auch nur einen Finger rühren für Cullen.
Ich überlegte, ob ich ihr Irland und Frankreich geben sollte, allerdings müsste sie sich da mit Liam & Siobahn anlegen und mit diesen irischen Kobolden war nicht zu spaßen. Allerdings war ich mehr als nur zuversichtlich, dass Bella das schaffen würde, wenn auch noch nicht ganz unblutig. In Frankreich warteten „nur“ Françoise und Vince, die beiden waren auch schon gefühlte 1000 Jahre im Geschäft. Mit den beiden würde sie bestimmt auch alleine fertig werden, beziehungsweise wäre es eigentlich praktisch, wenn wir mit ihnen ein Bündnis eingehen würden. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Dieser Deal hatte noch Zeit.

Ungeduldig schaute ich auf die Uhr. Bella war schon fünfzehn Minuten zu spät, wenigstens hatte sie angerufen. Was ja so etwas, wie ein kleines Highlight war.

„Hallo, Aro. Es tut mir unglaublich leid das ich zu spät komme, aber der neue Assistent hatte so viele Fragen und wollte so viel wissen, dass ich einfach die Zeit vergessen hatte. Sorry dafür!“, riss Bella mich aus meinen Gedanken.
„Hallo mein Kind, schön das du es doch noch geschafft hast, denn länger hätte ich wirklich nicht mehr gewartet“, lächelte ich sie an.

Nachdem wir endlich bestellt hatten, druckste sie herum. Ich hatte das Gefühl, dass ihr eine wichtige Frage auf der Seele brannte. Ich wusste, dass sie von alleine nicht fragen würde, also sprach ich sie darauf an. Zu meiner Verwunderung rückte sie direkt mit der Sprache heraus und wollte von mir unbedingt mehr über Edward Cullen wissen. Dieser Frage musste ich mich wohl oder übel stellen, das war ich ihr schuldig. Das war allerdings ein Thema, dass ich nicht hier am Mittagstisch besprechen konnte und wollte, also erklärte ich ihr, dass wir das am besten heute Abend, zu Hause, in Ruhe besprechen würden. Das sie das anstandslos hin nahm, war auch eines der vielen, kleinen Wunder, die ich erlebt hatte, seitdem sie wieder hier war. Ich war so stolz auf sie. Isabella war für mich wie eine eigene Tochter geworden. Sie war mehr für mich, als eine potenzielle Erbin. Sie schien mit der Antwort, dass wir heute Abend reden würden, zufrieden zu sein. Wir plauderten noch ein wenig über die alltäglichen Dinge, bis unser Essen gebracht wurde. Sie aß, wie immer nur eine Kleinigkeit, aber das kannte ich ja schon von ihr. Isabella verabschiedete sich nach dem sie hastig gegessen hatte, um sofort wieder zurück ins Büro zu fahren. Ihre strebsame Art konnte sie meinetwegen noch lange beibehalten. Während ich appetitlos in meinen Tagliatelle Verde stocherte, driftete ich wieder in meine Gedanken ab.

Natürlich liebte ich Viktoria auch, immerhin war sie ja mein Fleisch und Blut. Es tat mir im Herzen weh, dass sie so krank war, aber kein Spezialist konnte uns bisher helfen. Jeder gottverdammte Seelenklempner auf diesem Planeten war schon bei uns und das Resultat war immer vernichtend. Je mehr Medikamente sie bekommen hatte, umso apathischer wurde sie, aber dadurch hatte sie sensationelle, klare Momente. Ich wünschte mir von ganzem Herzen, dass sie eines Tages ein ganz normales Leben führen können würde. Leider hatte Viktoria keine Mutter, die sich um sie kümmern konnte und litt zusätzlich noch darunter, dass ich viel arbeitete. Ich versuchte das mit materiellen Dingen auszugleichen, aber selbst das gelang mir nicht. Was Familie anging, war ich echt nicht mit Glück gesegnet, bis jetzt. Diane, meine Frau, war kurz nach Viktorias Geburt gestorben. Die Umstände waren mehr als nur unglücklich. Es konnte ja keiner ahnen, dass dieses Blutgerinnsel sich lösen würde... . Vielleicht wäre auch alles anders gekommen, wenn ich mehr Zeit für sie und vor allem, für uns gehabt hätte...Die Schuld an ihrem Tot gab ich mir bis heute. Natürlich hasste ich mich dafür, dass ich Viktoria so sträflich vernachlässigte, aber nachdem sie als siebenjähriges Kind damit begann, sich merkwürdig zu Verhalten und wegen ihrer Art aus dem Ganzjahres- Internat verwiesen wurde, hatte ich sie zu Hause und ich wusste ganz ehrlich nicht, was ich mit ihr machen sollte. Bis zu dem heutigem Tage hatten wir schon dreiundzwanzig Ammen. Keine Einzige blieb länger als drei Monate. Dazwischen kamen immer Wochen und Monate, wo ich niemanden für Viktoria finden konnte und Boris und Ivan hatten weder die geistige Kompetenz, noch die Nerven dafür, um auf Vicky aufzupassen. Eines Tages stand dann Tanya vor meiner Türe. Keine zwei Minuten nach dem sie ihr Begehren vorgetragen hatte, war sie angestellt und seitdem lebte sie bei uns. Ich war dieser Frau dankbar, mehr als ich sagen konnte. Den Tag, als James bei uns einzog, werde ich auch nicht so schnell vergessen. Er war ja ein netter Junge, aber ich verstand nicht, wieso er sich auf diesen alles verheißenden Deal eingelassen hatte. Klar war ich froh darüber, dass er das getan hatte, denn er war ein fähiger Mann. Die Tatsache, dass er mein Neffe war, stimmte mich immer noch traurig, da ich ihn nur unter Druck dazu brachte in die Inc. einzutreten. Ich hätte seiner Mutter auch so helfen können und wollen, aber als er eines Abends bei mir im Haus gestanden war, um mich darum zu bitten, dass ich Laura half und er alles, aber auch WIRKLICH alles dafür tun würde, egal was ich forderte, fiel mir dieser grenzgeniale Plan ein. Immerhin schlug ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich konnte meiner Schwester helfen, ohne das sie es ablehnen konnte und Dimitri konnte ich auch endlich austauschen. James konnte sich erst überhaupt nicht in seinem neuen Leben zurecht finden und die Sache mit dem Töten bereitete ihm bis heute noch Schwierigkeiten, aber dafür entwickelte er ein sagenhaftes Talent, die meisten Deals unblutig abzuschließen.
Meine Gedanken sprangen zurück zu den Cullens. Wehmütig dachte ich daran, dass Carlisle das größte Glück auf Erden am 14.04. zu seiner Frau genommen hatte. Esme. Natürlich liebte ich Diane, doch Esme wird immer meine unerfüllte Liebe bleiben.

Esme.... immer wenn ich an sie dachte, überkam mich eine Welle der Traurigkeit. Hätte ich doch damals die Zeichen besser gedeutet, dann hätte ich sie nicht an Cullen Senior verloren. Unsere Beziehung war das großartigste auf dieser Welt, was man sich nur vorstellen konnte. Es war meine verdammte Schuld, dass wir uns getrennt hatten, da ich Gefühle nicht so ausdrucksstark darbringen konnte und Esme oft dachte, ich würde sie nicht lieben. Das es genau das Gegenteil, war konnte ich ihr einfach nicht sagen.




Als sie eines Morgens mit gepackten Koffern unsere Verlobung löste und auszog, brach meine Welt in tausend Scherben. Nichts war mehr wichtig. Ich ließ keinen Versuch aus, um ihr zu zeigen, wie viel sie mir bedeutete, aber alles war vergebens. Ich hatte sie an Carlisle verloren. Dieser feige Hund hatte ihr schon Monate zuvor den Hof gemacht. Sie umgarnt und ihr die Welt so zu Füssen gelegt, wie ich es hätte tun müssen, aber dieser Zug war endgültig abgefahren. Mein Vater hatte wenig Verständnis für so etwas wie Gefühle. Für ihn zählten nur Daten und Fakten. Fakt war, dass Diane´s Familie eine gute Partie war und so wurde von mir verlangt, dass, wenn ich schon nicht an das Vermögen der Evenson´s heran kam, so wenigsten an das der Call´s. Es war ihm gleich, ob ich glücklich war oder nicht. Hauptsache war, dass sein Imperium wuchs. Für ihn waren nur Macht und Geld wichtig. Diese Sichtweise übernahm ich im Laufe der Zeit zur Gänze. Diane versuchte ihr menschenmögliches um mir eine gute Ehefrau zu sein und als sie schwanger wurde, freute ich mich. Dies war der Wendepunkt, den ich mir herbei gesehnt hatte. Ich dachte mit einem Kind wäre alles nicht mehr so unerträglich. In dieses Kind legte ich alle Hoffnung auf ein normales Leben. So normal es nur ginge, wenn man davon absah, dass ich in eine Mafia-Familie hineingeboren wurde. Als Diane starb als Viktoria 5 Monate alt war, brach meine Welt erneut zusammen. Ich war eindeutig nicht vom Glück verfolgt. Allein und total überfordert, flüchtete ich mich in die Arbeit und überließ Viktoria einer Hebamme.

Die Stimme des Kellners riss mich aus meiner Erinnerung und so wurde ich unsanft wieder zurück in die Realität gerissen. Ich bezahlte die Rechnung und beschloss, meinen Arbeitstag ausnahmsweise schon zu beenden. Die ganze Aufregung in der letzten Zeit forderte ihren Tribut.
Ich war eindeutig zu alt für diesen ganzen Müll. Eigentlich sollte ich zu Hause, in einem Schaukelstuhl auf der Veranda sitzen und meinen Enkeln im Garten zuzusehen. Enkel werde ich wohl nie welche bekommen und ob Bella jemals Kinder haben wollte...darüber machte ich mir bei Gott noch lange keine Gedanken.

Ich beschloss eine Runde im Hydepark zu drehen und dann zu Vicky heim zu fahren und mit ihr eines ihrer Lieblingsspiele zu spielen. Mir war zwar schleierhaft, was sie an Memory fand, aber wenn es ihr denn Spaß bereitete, dann spielten wir den restlichen Nachmittag Memory.

Zu Hause angekommen, ließ ich die Türe lautstark ins Schloss fallen und machte mich auf den Weg zu Viktoria ins Spielzimmer. Leider traf ich nur Tanya dort an, die mir mit bedauern mitteilte, dass sie Vicky mal wieder ruhig stellen musste, da sie wieder mal schreiend am Boden gesessen hatte und Gott und die Welt verdammt hatte. Bestürzt schüttelte ich den Kopf und ging leise ins andere Zimmer hinüber.
Viktorias Zimmer war in einem lichten hellgrün gestrichen. So wie es Diane damals wollte... Die Ecken und Kanten mussten wir mit Schaumgummi überkleben, da sie sich sonst immer verletzte, wenn sie mal wieder einen ihrer Anfälle hatte. Gleich neben der Tür befand sich der Medikamentenkasten, der stets gut gefüllt und versperrt war. In einem ihrer klareren Momente, hatte sie mich einmal mit Caius und Marcus im Arbeitszimmer überrascht. Leider bekam sie mit, wie die beiden darüber gesprochen hatten, dass Vicky nur ein Klotz am Bein war und wir uns mit ihr zum Gespött machen. Ich sah das ganze nicht so, aber ehe ich was sagen konnte, sah ich nur mehr einen Schatten, der los lief. Beinahe kam ich zu spät, da ich mir noch eine Ausrede einfallen lassen musste, warum ich so plötzlich aufsprang. Viktoria hatte den gesamten Inhalt des Röhrchens mit den Antidepressiva geschluckt. Ich kam so spät, dass sie bewusstlos auf den grauen, samtenen Teppich gesunken war. Die nächsten 48 Stunden waren wie ein Höllentrip für mich. Keiner verstand, wieso ich in diesem Krankenhaus zum Tiger wurde, nur weil der Chefarzt für mich keine Zeit hatte. Erst nachdem ich die Krankenschwester quasi über die Theke gezogen hatte, nahm man mich ernst genug und piepste den Oberarzt an. Marcus und Caius hatten mich zwar begleitet, waren aber keine besonders guten Stützen gewesen. Ihre damalige Amme hatte sich auch nicht sonderlich für die Geschehnisse interessiert und so war ich mal wieder ganz alleine mit meinen Problemen.

Ich verwarf diese grausamen Gedanken und ging bestürzt in mein Büro um dann doch noch einige
Dinge zu erledigen.

Aro Pov Ende


BELLA POV:

Nachdem ich von dem seltsamen Treffen mit Aro zurück ins Büro kam, traf mich beim Eintreten in den Raum, der eigentlich mein Büro sein sollte, der Schlag.
Reinhard saß, wiedermal mit überschlagenen Beinen und wippenden Fuß, auf meinem Schreibtisch und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Ich zog skeptisch meine Augenbraue nach oben und begutachte mein ehemaliges Büro. Reinhard fackelte nicht lange und brabbelte sofort los, dass er hoffte meinen Geschmack getroffen zu haben und er fand halt, das hier noch unbedingt einige Accessoires hinein gehörten, denn in so einem ekeligen, sterilem Raum konnte man doch nicht wichtige Geschäfte geschäften.

„Geschäften??“ wiederholte ich und war mir nicht sicher, ob ich ihn wirklich verstanden hatte.
„Ja Kindchen, du hast mich schon richtig verstanden. Wir beide werden die Weltherrschaft an uns reißen und ein bisschen diese Stockfisch ähnlichen Lackaffen hier revolutionieren!“, meinte er mit bestimmter Stimme und ich brach in lautstarkes Gelächter aus, da er dastand, wie Napoleon persönlich. Nur mehr der seltsam eckige Hut und die in die Jacke geschobene Hand hätten noch gefehlt. Mir traten die Tränen in meine Augen und ich musste mir den Bauch halten, der vor lachen schon richtig weh tat. Ich war anfangs sehr skeptisch was Reinhard anging, aber nach dieser Dekorationsaktion war ich mir sicher, wir würden uns tatsächlich verstehen. Er drückte mir einen Starbucksbecher in die Hand und meinte, dass das der Kaffee von vorhin war, den ich nicht getrunken hatte und er einen neuen geholt hatte, da er sich sicher war, dass ich den von vorhin, nicht aus Chelseas Bluse saugen wollte. Bei diesem Satz verzog ich angewidert das Gesicht, aber kurz darauf musste ich wieder lachen. Der Tag mit Reinhard verging wie im Fluge, leider blieb auch eine Menge Arbeit liegen, aber es machte mir recht wenig aus. Kurz nachdem ich das Bürogebäude verlassen hatte fiel mir wieder ein, dass ich heute noch ein Gespräch mit Aro hatte. Unsicher darüber, was auf mich zukam, verängstigt über das, was ich erfahren könnte und gespannt darüber, was Aro mir erzählen würde. Mein Magen tat mir weh und mein Nervensystem war überreizt. Aufgeregt fuhr ich nach Hause, parkte mein Auto zügig in der Garage und eilte in mein Zimmer hoch. Egal wie sehr ich mich anpasste, aber in meinen normalen Klamotten, fühlte ich mich noch immer am wohlsten. Frisch geduscht suchte ich in der Küche nach etwas Essbarem. Das Abendessen, das Andrea für uns jeden Abend kochte, hatte ich, wie fast jeden Tag verpasst. Mittlerweile haben sie sich hier schon daran gewöhnt, dass ich nur daran teilnahm, wenn Aro mich darum bat. Andy hatte mir ein paar Sandwiches vorbereitet. Den Teller und eine Flasche Wasser schnappte ich mir im vorbeigehen und lief zu Aro hoch ins Büro. Dort angekommen musste ich feststellen, dass er scheinbar schon auf mich wartete. Er bat mich herein und bot mir an, in einem seiner ledernen Ohrensessel platz zu nehmen. Heilfroh darüber nahm ich platz, da ich ohnehin schon unruhig das Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagerte. Aro fragte mich wie mein Tag so war und geduldig antwortete ich ihm. Er wusste, dass ich kein Fan von Smalltalk war und darum legte er auch relativ schnell los und erzählte mir davon, wie er Cullen Senior kennen gelernt hatte.

Cullen Senior heiratete Esme Evenson und bekam dadurch einiges an Macht und Geld. Die Evensons importierten Waren aus Japan und Shanghai nach Nord und Südamerika. Dadurch, dass Carlisle die Firma mit 26 Jahren übernahm und Charles Evenson abdanktes konnte er schalten und walten wie er wollte. Der Weg in den Drogen und Rauschgifthandel war kein schwerer. Dort länger als 48 Monate zu überleben schon. Er schloss sich mit den Uley´s zusammen. Jeder in dieser „Branche“ wusste, dass man sich mit dem Quileute Pack entweder gut stellte, oder am besten einen großen Bogen um sie machte. Charles schaffte es mit dem alten Oberhaupt, den alle liebevoll „Old Quil“ nannten, einen Pakt zu schließen, der relativ lang galt. Zusammen bedienten sie relativ große Teile von Shanghai und Nordamerika. Südamerika brachte ihnen erst das Bündnis mit den Black´s. Carlisle konnte sich als Anführer behaupten. In einem Film wäre er dann so etwas wie der Pate. Ihre Geschäfte liefen großteils so, aber sie achteten darauf, dass sie den Volturi´s nie in die Quere kamen. Dies änderte sich vor 10 Jahren, aber dazu später.

Als Carlisle und Esme nach vier Jahren Ehe ihren Sohn zu Welt brachten, war zumindest einmal der Nachfolger geboren. Allerdings wusste keiner, dass der untreue Carlisle bei seinen angeblichen, wochenlangen Dienstreisen, sich noch mehrere andere Frauen hielt. Einige waren bezahlt, aber mit der ein oder anderen pflegte er doch, ein eher weitläufiges Verhältnis. So wurden in etwa zur selben Zeit auch Edwards Halbgeschwister geboren. Carlisle versuchte sie weitgehend geheim zu halten, aber dies gelang ihm nur mäßig. Esme erfuhr davon bis heute nichts und dies sollte auch so bleiben. Edward hatte eine mehr oder weniger gewöhnliche Kindheit. Er wurde als Kind schon in einigen Kampfsportarten unterrichtet, seine ersten Schießübungen hatte er mit elf Jahren. Mit sechzehn wurde er in den Coven eingeführt und seitdem war er Carlisle's rechte Hand. Esme war von dem Ganzen weniger begeistert, fügte sich aber dem Willen ihres Mannes. Edward war ein verzogener, arroganter Spross, der keine Achtung besaß.

James und Edward trafen sich das erste Mal, als Carlisle sich nicht an die ausgemachten Grenzen hielt und meinte, er könne sich in unsere Angelegenheiten einmischen. Den 30 Millionen Doller Deal damals, ließen die Russen mit Absicht platzen, um die ohnehin gespannte Situation zwischen unseren Familien noch mehr zu reizen. Als die beiden Jungs dann alleine erneut aufeinander trafen, gab es zum Glück keine Toten, aber es entstand ein verbitterter Kampf, in dem es nicht nur um Drogen, Geld oder Waffen ging.

Ich höre Aro gespannt zu und hatte ab und an mal eine Frage, aber im Großen und Ganzen verstand ich, worum es ging. Er meinte auch, dass es noch einiges mehr zu erzählen gab, aber dies nicht so wichtig sei im Moment. Oberste Priorität hätte es fürs Erste, die Länder Frankreich und Irland dazu zu bringen, uns zu vertrauen und mit uns gemeinsame Sache zu machen. Ich nickte nur und wusste, dass dies meine Aufgabe wäre. Ich sollte nie wirklich in der Enterprise arbeiten, dessen war ich mir mittlerweile sicher.

Ich dankte ihm, dass er mir soviel über den Cullen Coven erzählt hatte, aber ich war mir im Klaren, dass dies noch lange nicht alles war. Meine Anspannung und Nervosität hatte sich schon längst gelöst, aber trotzdem brannte mir noch eine einzige Frage auf der Seele. Ich musste einfach wissen, was mit James und Jazz war. Traurig schaute Aro mir in die Augen und ich konnte die Antwort an seinen Augen ablesen. In diesem Moment begann mein Herz wie wild zu schlagen, mein Blut raste nur so durch die Adern und ich begann, nervös auf meinen Fingernägel herum zu kauen. Ich kaute eigentlich nie an meinen Fingernägeln. Alice würde mir wieder eine Standpredigt halten, aber jedes Mal, wenn ich auch nur an ihn dachte, begann ich nervös an ihnen zu kauen.

Fieberhaft überlegte ich, was wir tun konnten und mir kam nur eine einzige Lösung in den Sinn. Einer von uns musste unbedingt nochmal zurückkehren. Vielleicht waren sie ja noch dort, oder hatten eine Spur für uns hinterlassen. Ich überlegte wen wir schicken könnten, da Aro sagte, er würde es auf keinen Fall zulassen, dass ich alleine hin fliegen würde. Ich zermalmte mein Hirn und ging geistig sämtliche Namen durch, die mir eingefallen waren. Emmett wollte ich nicht alleine fliegen lassen und ich brauchte ihn hier. Laurent war ja noch in Sibirien und das würde sich sobald nicht ändern. Eigentlich blieben nur Felix, Peter und dieser Kerl von der Motorhaube, der sich im Nachhinein ja als einer von Aros Männern herausstellte. Wenn mir nur sein Name einfallen würde. Verdammte Scheiße noch mal, ich hätte ihn doch nicht so verdrängen dürfen.

„Ähm Aro... du sag mal...also der Typ da ... na du weißt schon welcher..“, stammelte ich rot wie eine Tomate anlaufend und er zog nur seine wuchernde Augenbraue hoch und grinste mich fies an.
„Nein Bella, ich habe absolut keine Ahnung, was du jetzt meinst, beziehungsweise sagen möchtest.“, meinte er und mir war es so etwas von klar, dass er sich unwissend stellte.

Genervt verdrehte ich die Augen, atmete tief ein und aus und presste ein „Na gut, du willst es ja nicht anders!“ zwischen den Zähnen hervor. Meine rechte Hand begann meinen Nasenrücken zu massieren und die andere krallte ich in den Sessel.
„Also, ich meine diesen einen Kerl, den du auch kennst, mit dem ich in aller Öffentlichkeit auf der Motorhaube eines Jeep Commanders hemm........“ Mit einem lauten AAHHHHH unterbrach Aro meinen gut angesetzten, weit ausgeholten und sehr ausführlichen Personen und Situationsbericht und meinte, er wüsste ganz plötzlich doch wieder, wen ich meinte, denn wenn ich jetzt weiter reden würde, würde es wohl in der Tat, sehr unangenehm für uns beide werden.

Wir einigten uns darauf, dass wir also diesen Seth nach Bangkok schicken würden. Aro würde wie immer alles für seine Abreise vorbereiten. Extrem müde und endlos aufgewühlt beschloss ich, in mein Zimmer zurück zu gehen. Als ich gerade zur Türe hinaus gehen wollte hielt Aro mich auf, drückte mir ein Paket in die Hand und meinte, er musste das heute entgegen nehmen, da der Postbote darauf bestand, dass dies von jemanden entgegen genommen wird, der Volturi hieß.

Skeptisch nahm ich das Päckchen in beide Hände und betrachtete es ausführlich. Aro starrte mich mit großen Augen an, ich zuckte nur mit den Schultern, drehte mich galant mit einer ballettreifen Drehung um, wünschte ihm noch eine gute Nacht und tapste auf leisen Sohlen in mein Zimmer.
Oben angekommen setze ich mich auf mein neues, großes, weißes Sofa und wendete die Schachtel erneut in meinen Händen.

Es gab keine Karte und keinen anderen Hinweis, der auf den Absender deutete. Ob es vielleicht von James war und er nicht wollte, dass Aro ihn sofort wieder zurück orderte? Wohl kaum. Den Gedanken verdrängte ich ganz schnell wieder, da ich mir sicher war, dass Aro James ohne zu zögern „beurlauben“ würde.

Ich betrachtete die geschmackvolle silberne Verpackung und löste vorsichtig, mit zwei Fingern, die elegant geschwungene Schleife. Leise und federleicht fiel das Bändchen neben mir auf das Sofa. Meine zitternden Hände legte ich an die Seiten der Schachtel und hob den silbernen Deckel in die Höhe. Zum Vorschein kamen ein Kissen aus gefütterter Seide und ein kleines Seidentuch, das irgendetwas bedeckte. Ich stellte die Schachtel links von mir aufs Sofa und zog meine Füße zu mir hoch. Im Schneidersitz davor sitzend, begann ich nervös eine Melodie zu summen, die mir meine Granny immer vorgesummt hatte. Meine rechte Hand streckte ich langsam und behutsam aus, packte das seidene Tuch an einer Ecke und zog leicht daran. Ich schloss die Augen und atmete tief ein und aus. Allen Mut zusammen nehmend, beschloss ich JETZT, an diesem verschissenen Tuch zu reißen, wie bei einem Pflaster, das man abziehen musst. Ich zählte bis drei und mit einem Ruck riss ich an dem Tuch. Als ich freie Sicht auf den Inhalt der Schachtel hatte, traute ich meinen Augen kaum. Das konnte doch nicht wahr sein, oder?......

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