Dienstag, 11. Oktober 2011

It´s all coming back to me now...............


Langsam geht sie durch die Dunkelheit,
es bleibt ihr nur noch die Einsamkeit.
Ihre Augen sind leer,
leuchten nicht mehr.
Kein Ausdruck in ihrem Gesicht,
so als lebe sie nicht.
So oft wurde sie gewarnt.

Nun hat sie ihre Seele verloren
und wurde in der Dunkelheit wiedergeboren.

Jetzt liegt sie da,
ihr Blick so kalt und starr,
gefesselt am Bette,
in der Hoffnung das sie irgendwer rette.
Doch das wird niemals passieren.
Ewig wird sie durch die einsame Dunkelheit marschieren.
Mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt,
bis auch irgendwann ihr Koerper verstummt.
Ich fiel und fiel, das schwarze Etwas unter mir schien näher zu kommen, aber jedes Mal wenn ich meine bleiche Hand danach ausstreckte, rutsche es wieder weg von mir. Schier endlos erschien es mir, so endlos, wie als würde ich in eine Welt ohne Licht fallen.

War ich tot? War das so, wenn man stirbt? Dieser endlose Fall, ich dachte immer, dass man einfach verschwindet, nichts spürt und vor allem nicht von oben bis unten vollgesaut ist mit seinem eigenen Blut. Eigentlich sollte doch alles weich und samten sein, das warme Licht prickelt auf der hellen Haut und wenn man durch das große, goldenen Gartentor ging, stand man in mitten von kleinen und großen warmen Quellen, die verlockend vor sich her dampften. An den Bäumen hingen die verschiedensten, reifen Früchte in allen Farben und Formen. Einige feengleiche Wesen tänzeln freudig im Kreis, andere lagen auf riesigen Seerosenblättern und ließen sich über Seen treiben und wieder andere flochten sich ihre endlos langen Haare. Das Gefühl von Glückseligkeit sollte einen doch so übermannen, dass man gar keine andere Wahl hatte, als sein menschliches Dasein zu vergessen und auf der Welle des Glückes ritt. Soviel zur Theorie....

Mir war kalt, diese endlose Fallerei ging mir auf den Senkel, es war finster, all das konnte ich auf den Tod nicht ausstehen. Das mit dem tot sein hatte ich mir anders vorgestellt. Während ich mich maßlos ärgerte, tauchten immer wieder Szenarien meiner Kindheit auf. Das erste mal Fahrrad fahren oder Eislaufen, die zerschundenen Knie, die ich damals hatte, spürte ich jetzt auf einmal ganz genau oder als ich mir meine Finger in der Autotür eingeklemmt hatte. Die unzähligen Wunden, die ich mir bei meinen vielen Stürzen geholt hatte. Alles war mehr als nur real obwohl es eigentlich gar nicht möglich war, aber scheinbar war das so. Die Urlaube mit Charlie, die Ausflüge mit Granny, Cupcakes backen mit meiner Mutter, all diese wundervollen und guten Momente prasselten hintereinander auf mich ein, als eine Art Strom mich aus der Rückenlage auf den Bauch drehte.

Die Schusswunde begann wieder unaufhörlich zu bluten, der Schmerz war so stark, dass ich schreien wollte, aber aus meiner Kehle entwich kein Ton, nicht mal einen winzig kleinen Laut brachte ich hervor. In weiter Ferne sah ich, wie sich eine überdimensionale, grau-silbrige Wolke zu einer Gestalt rüstete. Je näher ich kam, umso mehr manifestierte sich Phils Visage in diesem Tunnel. Instinktiv versuchte ich meine Beine nach unten zu bekommen, ich begann zu strampeln und zu rudern was das Zeug hielt, aber ich bewegte mich keinen cm von der Stelle. Ich fiel unaufhörlich immer weiter hinein. Sein ekelhaftes, heiseres Lachen polterte in dieser pechschwarzen Röhre und hallte dämonisch zurück. Er sagte unaufhörlich meinen Namen die ganze Zeit ging es mit kratzender Stimme:

„Bella, Bella, Bella, Bella, Bella, Bella“ dann machte er eine kurze Pause und wiederholte es immer und immer wieder. Zwischendurch summte er die Melodie von dem dummen Kinderspiel „wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“. Ich erinnerte mich, das summte er immer, wenn er in meine Nähe kam und wieder begann er von vorne meinen Namen zu sagen. Immer und immer wieder kam: “Bella, Bella, Bella, Bella, Bella, Bella“ Ich wollte schreien, davonlaufen, mich wehren und kämpfen gleichzeitig, aber mein Körper reagierte nicht, das Einzige was ich spürte, waren heiße, unerträglich brennende Schmerzen, die sich verstärkten, je näher ich dieser Wolke kam.

Als ich in diese Wolke eindrang durchfuhr es mich als würde ich am Boden stehen und mich an einer 10.000 Volt Leitung festklammern. Das erst mal seitdem ich hier war, spürte ich Boden unter den Füssen und hatte das Gefühl, dass mein Körper reagierte. Ich sank sofort zusammen, drückte instinktiv beide Hände auf meinen Bauch, da wo sich ein roter Fleck gebildet hatte, aber als ich hin griff fühlte ich etwas weiches, so als wären es Mullbinden. Ich verstand es nicht, wie kamen die hierher? Wie aus dem nichts tauchten meine Eltern und Granny auf, stellten sich um mich herum auf und wiederholten zusammen mit Phil immer wieder meinen Namen, abwechselnd begannen sie mich auszulachen. Ich versuchte mir meine Ohren zuzuhalten, als ein wohlig warmes Gefühl mich überkam und mich wieder zurück in die Wolke der Glückseligkeit beförderte.

Ich erinnerte mich, sowas hatte ich schon einmal erlebt, nur nicht so intensiv. Diese Wolke kam immer wieder, wenn man mir Morphium spritzte, das war erst brennend kalt und dann wohlig warm. ICH ERINNERTE MICH!! Ich war nicht tot, ich war nur gerade nicht ich selbst. Während mich das Morphium in unendliche Höhen katapultierte, war der Fall immer besonders schmerzhaft. Als ich wieder durch meine nicht so glückliche Vergangenheit fiel, bildete ich mir ein, eine sehr melodische Melodie zu hören, aber was war hier schon echt. Hier endeten noch nicht mal die Tage, an diesem Ort war es immer gleich. Das einzige, was sich veränderte, war meine Schusswunde, die verschwand langsam, aber was war mit mir? Musste ich hier bleiben? War das die Endstation? Ich wusste es nicht und ich konnte mit der ständigen Berg und Talfahrt hier nichts anfangen. Hier wusste man nie, was als nächstes kam. Das einzige Gute an der Sache war, man konnte nichts falsch machen, denn während man Richtung Hölle flog, konnte man sich nicht bewegen und oben in den Wolken war alles im Überfluss vorhanden. Irgendwer hat mal gesagt: “Das Leben ist Scheiße und dann stirbt man.“ Tja..., der sollte mal bei Bella-Airline buchen, dann wusste man was ein Höllentrip war.

Die letzte Zeit über stand scheinbar wieder Höllentrip auf dem Programm, denn die Höhenflüge blieben aus. Während ich wieder durch Phil- Wolken fiel und sie mir immer weniger ausmachten, kamen Szenen von James und Edward hinzu. Situationen mit Viktoria, die Adoptionspapiere, Caius Tod, Bangkok, scheinbar wollte mein Geist mich wieder auf die Realität vorbereiten, aber fragte mich wer ob ich das überhaupt wollte? Ich wusste zwar nicht was ich wollte, aber hier war es, bis auf die kleinen Abstecher in die persönliche Hölle, doch voll ok. Meine Rundfahrt im Vorzimmer des Teufels veränderte sich und alles wurde schlagartig grausam hell. Geblendet von dem sonnenähnlichen Licht, konnte ich nichts sehen, angewidert schlug ich meine Hände vor meine Augen.

HALT, STOP, alles auf ANFANG..ICH SCHLUG MEINE HÄNDE...hieß das, dass ich meine Körperteile wieder frei bewegen konnte? Bedeutete DAS, dass ich wieder zurück war? Ich gab meinen Augen die Chance sich an die neue Situation zu gewöhnen, hielt die Luft an und wartete. Langsam öffnete ich, Stück für Stück, erst ein Auge, dann das Andere. Ich befand mich in einem weißen Zimmer, in einem Bett aus Daunen und Seide, neben mir stand ein Nachtkästchen mit weißen Lilien darauf.

Ich hasste Lilien.

Mein Blick schärfte sich von Sekunde zur Sekunde, ich blickte im Zimmer umher, als ich plötzlich erstarrte. Heilige Scheiße, da saß doch nicht etwa allen Ernstes Edward und schlief? Himmel nochmal wo war ich? Ich erinnerte mich dunkel an eine Schusswunde, griff automatisch an meinen Bauch und spürte die Reisverschlussähnliche Narbe und da fiel mir alles schlagartig wieder ein. Nach Luft japsend ließ ich mich wieder ins Kissen sinken. Nachdem sich meine Atmung wieder beruhigt hatte, versuchte ich vorsichtig aufzustehen. Wäre ich in Gefahr, würde er nicht im Sessel sitzen und schlafen.

Zögerlich ließ ich meine Beine über den Bettrand hängen und rutschte solange nach vorne, bis meine nackten Fußsohlen den kalten Boden berührten. Weißer Marmor, war ja klar, auch im Hause Cullen herrschte der Luxus, man zog es auch vor auf eben diesen zu Sterben, denn auf der Straße war zu normal. Warum richtete man dann nicht auch das Quartier für sein Entführungsopfer so her?

Ich war felsenfest davon überzeugt, dass er mich entführt hatte!

Auf wackeligen Beinen setze ich einen Schritt vor den anderen und gelang so, mehr schlecht als recht, zur Terrassentüre, die natürlich nicht versperrt war. Wozu auch, ich hatte kein Bedürfnis davon zu laufen. Ich käme in diesem Nachthemd vermutlich nicht sonderlich weit und ohne Geld und Waffe konnte ich genauso gut hier bleiben. Ich stand vor der Türe und blickte über einen weißen Sandstrand mit großen hohen Palmen.

„Bella“ hörte ich hinter mir erleichtert seufzen und ich wusste gerade nicht, wie ich reagieren sollte.
„Bella?“ fragte er nochmal nach und ich reagierte noch immer nicht, so als wäre er nicht da. Fieberhaft biss ich auf meiner Unterlippe herum, denn ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Ich wog das für und wieder ab. Es war die einzige Möglichkeit heraus zu finden, was er wirklich wollte, aber war es richtig? Er legte seine Hand auf meine Schulter. Ich wollte instinktiv meine darauf legen und mich an ihn lehnen, drehte mich aber schlagartig um, starrte ihn gespielt entsetzt an und schüttelte den Kopf.

„Bella, was hast du? Geht es dir nicht gut? Soll ich dich zurück ins Bett bringen?“ in seiner Stimme lag die pure Verzweiflung und er tat mir jetzt schon leid, aber ich denke es war das Richtige.

„Mein Name ist also Bella?“ fragte ich verwundert und er starrte mich mit weit aufgerissenen Augen, geschockt an. Misstrauisch musterte er mich von Kopf bis Fuß, aber ich hielt seinen Blicken stand, auch wenn es schwer fiel. Er sah mir tief in die Augen und ich verlor mich in dem endlosen grün, welches mich magisch in den Bann zog. Innerlich betete ich, dass er mir die Wahrheit sagte und nicht dahinter kam, dass ich ihn gerade anflunkerte. Mir war klar, dass es nicht fair war, ihn zu belügen aber was war schon fair. Was geschah dann, wenn er mir die Wahrheit sagte? War dann alles klar? Wir gegen den Rest der Welt? Wir gegen 2 Väter, die in der Lage wären, die Welt in Schutt und Asche zu legen oder wir zwei, bis an unser Lebensende auf der Flucht?

„Ja, dein Name ist Bella, du bestehst geradezu auf dieses Kürzel, denn wenn man dich bei deinem Vornamen nennt, wirst du richtig ungemütlich!“ meinte er mit seinem schiefen Grinsen. Verlegen schaute ich zu Boden als er seine Hand unter mein Kinn schob und meinen Kopf anhob. „Hier bin ich, nicht da unten....du wirst mich schon ansehen müssen, wenn wir uns schon von vorne kennen lernen müssen!“ gerade als ich antworten wollte legte er mir seinen Finger auf die Lippen und setzte seinen Satz ungestört fort: „Also, mein Name ist Edward Anthony Cullen und es ist mir eine wahre Freude dich erneut kennen zu lernen und um ehrlich zu sein, es ist harmonischer als beim Ersten Mal!“ beendete er seine Vorstellung und zwinkerte mir zu.

„Ähhmm Bella, ich habe gerade gehört mein Name ist Bella und ich denke ich freu mich auch, dich kennen zu lernen.“ Er lachte laut auf und nahm mich bei der Hand, öffnete mit seiner freien Hand die Terrassentüre und zog mich langsam hinaus in die Sonne. Als er merkte, dass ich noch nicht so sicher auf den Beine war, hob er mich kurzentschlossen hoch und trug mich hinunter ans Meer. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte er mit mir bis in die Wüste Ghobi gehen können, Hauptsache er trägt mich bis dahin. Vorsichtig ließ er mich in den Sand gleiten, wartete bis ich bequem saß und setzte sich neben mich. „Ich denke, ich stell dich mal für dich vor, denn so wird das nichts! Also, dein Name ist Isabella Marie, soviel zu den Vornamen, und jetzt wird auch schon kompliziert. Bist du dir sicher, dass du das schon schaffst?“ meinte er halblaut und sehr vorsichtig, immer darauf bedacht mir nicht den Boden unter den Füssen wegzuziehen, da er ja dachte, ich hätte mein Gedächtnis verloren. Ich wusste gar nicht, dass jemand wie er, überhaupt so sein konnte. Das Schlimme an der ganzen Sache war, dass er es so ehrlich rüber brachte, dass ich es ihm glaubte. Zaghaft nickte ich und er atmete tief ein und aus.

„Also, soweit ich weiß, heißt du eigentlich Swan. Deine Mutter heißt René und dein Stiefvater Phil. SO und nun wird es kompliziert, denn du wurdest von Aro Volturi adoptiert. Frag mich bitte nicht wieso, denn das ist einer der Sachen, auf die ich noch nicht gekommen bin.“ Als er das letzte Wort ausgesprochen hatte, schaute er mich gespannt an und wartete meine Reaktion ab. Verfluchte Scheiße noch mal, wie sollte ich jetzt reagieren? Wie reagierte man den jetzt am besten? Unsicher schaute er mich von der Seite an und wartete wohl darauf, dass ich zu weinen begann, ausflippte oder weiß der Teufel was er erwartete.

„Ähmm ok, soweit so gut. Vermutlich sollte ich jetzt ausrasten, oder? Aber irgendwie fühlt es sich so an, als wüsste ich das in meinem tiefsten Inneren schon! Wo habe ich dich kennen gelernt? Und wieso weißt du so viel über mich? Was haben wir miteinander zu tun? Wo sind wir gerade?“ ich fragte ihn tausend Sachen und war gespannt, wie seine Antworten lauteten. Die ganze Sache hier war so dumm und so surreal, dass sie nur mir passieren konnte. In mich hineingrinsend sah ich ihn an und wartete bis er zu sprechen begann, während ich meine Füße in den kühlen Sand vergrub.

Unsicher, wie ein kleiner Junge, begann er zu erzählen, dass er mich in Bangkok kennen gelernt hatte, allerdings das Drumherum erzählte er relativ geschönt, aber wenn ich mich wirklich nicht erinnern hätte können, wäre ich ihm sicher dankbar gewesen, denn er war sehr vorsichtig. Edward redete und redete, seiner Stimme konnte man gut zuhören und so verging die Geschichte wie im Fluge und klang wie ein neumodisches Märchen, aber wir wussten beide, dass es das einfach nicht war. Lediglich die Frage, was wir miteinander zu tun haben, umging er taktisch klug. Doch plötzlich richtete er sich gerade auf und instinktiv, wie ein Magnet der sich nach seinem Gegenstück richtete, tat ich es ihm gleich. Er schloss seine Augen, atmete tief durch, ballte seine Finger zu Fäusten und öffnete sie gleich wieder. Streckt eine Hand nach meiner aus und verschränkte sie mit meiner Hand. Ich spürte es ganz genau, dass das, was er jetzt sagen möchte, nicht leicht für ihn ist.

„Und jetzt zur elementarsten Frage des heutigen Tages, nämlich der, was wir wie gemeinsam miteinander zu tun haben. Am liebsten würde ich dir sagen, dass du mein bist, dass wir verheiratet sind und das wir uns gegenseitig abgöttisch lieben und vorhaben die Welt gemeinsam zu erobern, aber....“ er legte eine Sprechpause ein, die wir beide dringend nötig hatten, denn mein Blut preschte wie auf dem Highway durch meine Adern, mein Herz galoppierte wie eine Herde wildgewordener Lipizzaner in meiner Brust.

„ABER..., das wäre einfach nicht die Wahrheit und um ehrlich zu sein, ich habe noch nie so oft hintereinander die Wahrheit gesagt und wir lassen es nicht zu Gewohnheit werden, denn es ist seltsam. Ich fühle mich einfach nur nackt. Bella, ich wünschte es wäre so, dass wir auch nur ein Fünkchen an Chance hätten, aber es ist nicht so. Dein Adoptivvater und mein Vater hassen sich bis aufs Blut, sie bekämpfen sich seit Jahren und wir beide sind ihre stärksten Waffen und glaube mir, wenn sie wüssten, dass wir hier sind, dann hätten wir den Arsch ehrlich offen, aber im selben Atemzug muss ich dir gestehen, dass ich dich diesmal nicht mehr einfach so gehen lasse, auch wenn du dich nicht erinnern kannst wovon ich gerade spreche. Irgendwann kommt der Augenblick, da erinnerst du dich bestimmt wieder und ich möchte, dass du dann weißt, dass ich dich...“ bevor er fertig sprechen konnte schloss ich seinen Mund mit meinen Lippen. Tränen liefen heiß über meine Wangen........, ich löste meine Hand aus seiner und umschlang seinen Hals, zog mich regelrecht an ihn heran als wäre er der Rettungsring, das Tau welches mich wieder zurück ans Land zog, zurück ins Leben.

Ich glaubte ihm, vertraute in die Ehrlichkeit seiner Worte, war dankbar, dass er mich gerettet hatte, heilfroh, dass er mich nicht direkt an seinen Vater übergeben hatte. War überrascht, wie einfach es war mit ihm hier zu sein, auch wenn ich nicht wusste, wo wir waren, aber was machte das schon. Meine Gedanken überschlugen sich, meine Nervenbahnen glühten, jeder einzelne Muskel war angespannt, seine Hände die vorsichtig über meinen Rücken wanderten, stets darauf bedacht nicht mehr zu wollen oder zu weit zu gehen. Gentleman like, aber das passte nicht so ganz in mein Bild von Cullen Junior, nichts desto trotz genoss ich diesen einfachen, aber sich endlos ziehenden, unschuldigen Kuss, von dem man nicht genug bekam.

Vorsichtig sog ich seine Unterlippe ein Stückchen in meinen Mund um an ihr zu knabbern und mit meiner Zungenspitze um Einlass zu bitten, den er mir auch gestattete. Innerlich jubelnd, dem Paradies ein winzig kleines Stückchen näher zu sein, auch wenn es unglaublich dumm, kindisch und naiv war, sich über diese Situation gerade zu freuen, hatte es, wenn man das Ganze aus einem sehr extremen Blickwinkel betrachtet, eigentlich schon einen Touch Normalität mit einer Brise Urlaub und einer gehörigen Portion unausgesprochenen Gefühlen.

Unsere Zungen fochten den unerbittlichen Kampf der Sehnsucht und Begierde. Langsam aber sicher konnte ich nicht mehr garantieren, dass ich noch lange Herr meiner Sinne war und vor allem, dass mein Verstand nicht auch schon seinen Dienst quittiert hatte.....Ein letztes Mal versuchte ich ihn noch ein Stückchen enger an mich heranzuziehen, ungeschickt wie ich war verlor ich natürlich mein Gleichgewicht und kippte hinten über. Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich ihn verwirrt an, denn er musste lachen, tat dies aber halb in meinen Mund hinein, denn scheinbar war eine richtige Unterbrechung unseres Kusses keine adäquate Lösung für ihn, eben so wenig wie für mich.

Nach einer gefühlten Ewigkeit löste er sich für einen kurzen Moment um mir in die Augen zu schauen. Wieder einer dieser Momente, wo ich sehnsuchtsvoll vor mich her seufzen hätte können, es aber nicht tat, weil es mega peinlich gewesen wäre. Halb auf mir liegend und mich fest im Arm haltend, begann er mir weitere Dinge zu erzählen, die er über mich wusste und von den Geschenken und von meiner Aufgabe bei Aro. Gelegentlich starrte ich ihn verwirrt an, ab und an entsetzt, aber nicht, weil mich seine Erzählungen schockten, sondern eher, weil er ganz nah an mich heran kam, ohne dass ich es bemerkt hatte, aber ich konnte ihn ja nicht wirklich direkt fragen. Am liebsten würde ich ihn fragen, wie er sich das alles vorstellt, ob er eine Idee hat oder nur einen halbseidenen Plan, wie wir gegen den Rest der Welt ankommen sollten. Ich lauschte seinen Worten, emotional und körperlich total ausgeliefert. Um nichts in der Welt hätte ich diesen Moment aufgeben wollen, selbst wenn man mich in den nächsten 5 Minuten umbringen würde, ich wäre dabei gerade glücklich gewesen.
* * * *

Die Tage vergingen und sie waren viel zu kurz, egal wie früh wir aufgestanden sind. Ich kam mir vor wie in einem Paralleluniversum, weit weg von allem. So langsam konnte ich auch durchblicken lassen, dass ich mich erinnern konnte, was alles passiert war und hoffte er würde mir nicht auf die Schliche kommen, dass ich ihn hinters Licht geführt hatte. Meine Schusswunde am Bauch war auch so gut wie verheilt, was mich wunderte, denn eigentlich dachte ich immer, das so etwas ewig brauchen würde, aber was war bei mir den schon normal. Ich saß gerade auf der Veranda und schlürfte an einer Tasse französischer Trinkschokolade mit Marshmellows darin und dachte über die letzten Tage nach.

Die Cote´A´zure war einfach ein traumhafter Fleck Erde. Als er mir endlich verriet wo wir eigentlich waren, stand ich mit offenem Mund da und blickte auf das schäumende, von der Abendsonne gerötete Meer. Er tippte mit seinem Finger leicht auf mein Kinn und lächelte mich schief an, als mir plötzlich der edle Holzboden unter den Füssen weggezogen wurde und ich mich in seinen starken Armen wiederfand. Herzhaft lachend lief er mit mir in den Armen hinunter zum Strand und warf mich, in das immer noch von der Sonne erhitzte, warme Salzwasser. Der weiße Sand, den man durch das glasklare, sonst türkisfarbene Wasser sehen konnte, die Muschelschalen, die in der Abendsonne glitzerten und sein perfekter Körper, der das überirdische Bild, eines perfekten Urlaubes unglaublich ergänzten. Seine starken Arme die mich federleicht im Wasser an sich zogen und umschlangen, seine Lippen die meinen Hals küssten, seine Hände die überall waren und heiße Spuren auf meiner Haut hinterließen, das elektrische Gefühl durchzog mich, als wäre ich auf einen Zitteraal getreten. Langsam ließ ich meine Hände, die ich fest um seinen starken Nacken geschlagen hatte, über seine Schultern hinunter zu seinen Oberarmen gleiten und fuhr auf einer Seite über eine kleiner Erhebung. Irritiert fuhr ich zurück, tastete nochmal darüber, warf einen Blick darauf, schaute ihn wieder fragend an, blickte zurück, beugte mich vor und setzte einen Kuss auf die Narbe.

„Das tut mir im übrigens noch immer leid.“ murmelte ich leise und er erstarrte und schaute mich total erschrocken.

„Was hast du da gerade gesagt, sag das nochmal?!“ meinte er kopfschüttelt so als wüsste er nicht ober er erfreut oder entsetzt sein soll.

„Ich ähm, entschuldigte mich gerade für die Narbe.“ meinte ich ängstlich.


„Du kannst dich erinnern? Ich mein du weißt es?“ flüsterte er noch immer verwirrt und ich nickte nur vorsichtig. Sofort umarmte er mich heftig und verlangte, dass ich ihm alles erzählte was ich wusste und ich erklärte ihm, das alles sehr nebelig und verschwommen sei, aber ich mich daran erinnerte, dass ich ihn angeschossen habe, aber nicht weiß wieso und das ich mich erinnerte, dass an diesem Ort mehrere Leute waren, aber mehr wusste ich nicht. Mir taten diese unnötigen Halblügen sofort leid, aber einen anderen Ausweg hatte ich noch nicht gefunden. Ich wartete auf irgendeine, noch so kleine Reaktion von ihm, als er mich wieder an sich und seine Lippen auf meine drückte.

Erst ganz zärtlich, dann immer fordernder, fast schon stürmisch war sein Kuss und ich ließ mich mitreißen von seinen Lippen. Unaufhaltsam, in eine ganz eigene Sphäre katapultieren, wo es nichts weiter gab als uns und unsere Gefühle. Langsam ließ er erneut seine Hände über meinen Rücken wandern, sie heimlich meine Hüfte hin abgleiten und umfasste meinen Po, drückte mich noch ein Stückchen näher an sich heran und schlang meine Beine um seine Taille. Mein vernebelter Verstand meldet sich geistig kurz zu Wort, aber meine wallenden Gefühle erschlugen seine Einwände schon im Ansatz. Natürlich machte es das alles nicht einfacher, aber es war das, was wir beide wollten, außerdem war es doch sowieso schon mehr als nur klar, dass wir uns Gegenseitig brauchten. Es war nur noch nicht ausgesprochen, aber das war nicht nötig.

„Wir sollten wohl langsam aus dem Wasser raus, bevor uns die Anemonenfische für essbare Schwämme halten und uns anknabbern!“ hauchte er mir ins Ohr und ich begann zu kichern wie ein kleines Mädchen. Schief grinsend schüttelte er nur den Kopf und trug mich durch die sternenklare Nacht zurück ins Haus.


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