Two Times.............................2 Männer , 2 Perspektiven
James Pov:
Nun lag ich hier, mitten in Bangkok, in einem verschissenen und mit Kakerlaken verseuchtem Zimmer, zusammen mit Jazz, der mir mit jedem seiner Blicke noch mehr Vorwürfe machte, als Bella es getan hatte, als sie verletzt aus der schäbigen Tür hinaus rannte. Natürlich machte ich mir deswegen Vorwürfe. Natürlich bereute ich es, dass ich sie weggeschickt hatte, bereute es, dass ich aus London weggegangen war, dass ich nicht mit ihr gesprochen hatte und das es so gekommen war, wie es gekommen ist. Wenn ich nur vorher mit ihr gesprochen hätte, dann wäre sie mir nicht nach gereist, oder doch?
Scheiße noch mal…… immerhin war sie wegen mir in Bangkok. Nun war es mehr als amtlich, denn ihren Einstandsmord hatte sie ja auch schon absolviert und das mit Bravour. Es war meine Schuld. MEINE VERDAMMTE SCHULD. Hätte ich nicht da am Boden gekniet und hätte ich mich nicht von Cullen genüsslich zu Brei schlagen lassen, dann hätte sie nicht drei Mann umgelegt. Mir ist es mehr als nur ein Rätsel, wie sie es zu zweit geschafft hatten, unbeobachtet auf dieses Dach zu gelangen und auch noch diese Affen lautlos zu töten.
Als Bella dann Lee in der Mangel hatte, wurde mir mehr als nur übel und das lag mit Sicherheit nicht an den Tritten, die ich mir eingehandelt hatte. Ihr Blick war irgendwie irre. Selbst Viktoria brachte dies nicht mal annähernd so zustande, wie Bella in diesem Moment, auch wenn es nicht zwangsläufig dieselbe Art war. Man hätte meinen können, sie fand an der Sache tatsächlich gefallen. Der Blutrausch stand ihr mehr als nur deutlich ins Gesicht geschrieben.
In dem Moment, als sie Edward anpfiff und er sich umdrehte, wusste ich, dass diese Show hier noch lange nicht zu Ende war. Bella hatte zu viel von Emmett gelernt und sich auch viel von den anderen abgeschaut. Eines musste man ihnen lassen, dass Training war ein voller Erfolg gewesen.
Traurig erinnerte ich mich zurück, als sie mich an die Wand im Keller getackert hatte. Bella übte, wie mittlerweile jeden Abend, im Keller mit ihren kleinen Messern. Hin und wieder beobachtete ich sie dabei. Man konnte sehen, wie sich ihre Muskeln, durch das ständige Training mit Rosalie, entwickelt hatten. Sie hatte einiges an Kraft und Geschicklichkeit zugelegt. Ihre Präzision, die sie an den Tag legte, bei jeglicher Art von Waffentraining, war beängstigend. Bella war kein geduldiger Mensch, sie verlangte sich mehr ab, als gut für sie war. Ich verstand nicht wieso. Sie hatte hier doch alles, was sie brauchte. Wieso tat sie Aro bloß den Gefallen und wurde so, wie er es wollte?
An diesem Abend stand sie wieder in ihrem knappen Trainingsoutfit im Keller, welches mir sehr gut gefiel. Sie war davor bestimmt wieder mal etliche Kilometer gejoggt, denn man konnte noch erkennen, dass ihre Wangen leicht rosa gefärbt waren, so dass ihr der Schweiß in feinen, zarten Bahnen über den Nacken lief. Ihr Anblick erweckte in mir wieder den Drang, ihr näher zu kommen, als sie mich lassen würde. Mit Sicherheit hatte ich sie überrascht. Es war mir bewusst, dass es dumm war sich anzuschleichen. Bella erschrak und ehe ich reagieren konnte, kam das Messer schon auf mich zu geschossen und blieb, zusammen mit meiner Hand, in der Wand stecken.
Das kleine `Nieto Gran Lanxador´ saß nicht nur genau mittig in meiner Hand, nein, sie hatte es auch schleifen lassen. Jeder normale Mensch wirft nicht mit geschliffenen Messern - Bella schon. Das erklärte auch die gelegentlichen Schnittwunden auf ihrer Handfläche. Die kleinen, 200 Gramm schweren Messer lagen gut in der Hand und da sie ohne Verzierungen waren, konnte man sie gut werfen.
Bella traf, wie so oft, voll ins Schwarze. Mittlerweile war es ihr egal, ob sich das Ziel bewegte oder nicht. Ich spürte den Schmerz, als das Messer in meine Hand eindrang, teilweise heute noch. Meine Erinnerung wurde erneut durch einen Schwall Schmerzen getrübt, da die Schmerzmittel, die Jazz mir gegeben hatte, langsam nach ließen.
Ich versuchte den Schmerz zu ignorieren und dachte an den Moment, als ich ihr das Bogenschießen beibrachte. Wir standen in Jazz´s Firma und ich erklärte ihr die Feinheiten des Bogens. Interessiert folgte sie mit ihren schönen Augen meinen Händen. Aufmerksam hörte sie zu und hin und wieder stellte sie ein paar Fragen, die ich liebend gerne beantwortete. Das war einer der wenigen Momente, wo ich tatsächlich so dumm war zu glauben, dass es ein WIR gab, dass es nicht so weit kam, dass sie jemals jemanden umbringen würde. Dieses ewige hin und her ging mir ganz schön an die Substanz und trotzdem machte ich weiter.
Bis zu dem Zeitpunkt, als sie einen Schuh nach mir warf und dieser mit dem Absatz neben meiner Schläfe in der Türe stecken blieb. Die Nacht zuvor lag sie wieder einmal schreiend in ihrem Bett. Diesmal schrie sie so laut, dass ich sie hörte, obwohl mein Zimmer weit weg von ihrem lag. Sonst hörte ich sie immer nur, wenn ich mal wieder, wie so oft, vor ihrer Tür auf und ab ging. Diesmal saß ich am Fenster und las ein Buch, dass wusste ich noch ganz genau, denn diese Schreie waren anders als sonst. Es waren solche, die man niemals vergessen würde, da sie einem so tief ins Knochenmark fuhren, dass man dachte, man sei der Mensch, der diese Schmerzen aushalten musste.
Erschrocken lief ich, zwei Stufen auf einmal nehmend, zu ihrem Zimmer. Etwas außer Atem versuchte ich die Türe zu öffnen und war überrascht, dass sie nicht abgesperrt war. Die Schlafzimmertür hätte mir mehr Probleme gemacht, wenn Aro mir nicht den Satz Zweitschlüssel für ihren Wohnbereich gegeben hätte. Den Menschen, den ich in diesem Bett vorgefunden hatte, war nicht die Bella, die ich kannte.
Ich spendete ihr Trost und Halt, das einzige, was ich ihr in dieser Situation geben konnte. Als ich mich zurückziehen wollte, da ich dachte, ich hätte ihr Handeln falsch verstanden, deutete sie mir mit einer einfach Geste, die für mich die Welt bedeutete, dass ich hier bleiben sollte. Sie hielt mich fest und bat mich somit zu bleiben. Früh morgens musste ich los, da ich einige Geschäfte zu erledigen hatte.
Bella ließ ich schlafen, da sie den Schlaf nach dieser Nacht gebrauchen konnte. Als ich am Nachmittag nach ihr sehen wollte, wurde ich mit einem Damenschuh attackiert. Das war zu viel des Guten. Ich konnte nicht mehr. Innerlich zerfressen, zerrissen und wahrlich ausgebrannt, suchte ich nach einem Ausweg. Mir blieb nur mehr die Flucht ins Exil. Die Zeit an der Küste hatte mir geholfen und ich wäre schon fast so weit gewesen, dass ich zurück gehen konnte. Bis zu diesem Telefonat.
Meine Gedanken überschlugen sich und die Erinnerungen prasselten alle durcheinander auf mich ein, aber als Ganzes betrachtet, ergab es trotzdem einen Sinn – eigentlich.
Als Aros Anruf kam, hatte ich nicht mehr viel Zeit. Weder um meine Sachen zu packen, noch um wirklich über seinen Vorschlag nachzudenken. Es stand von vornherein fest, ich musste hier weg, denn sonst wäre alles sinnlos gewesen. Bella war auf dem Weg zu mir. Ich wollte mit ihr reden, aber nicht hier und scheiße nochmal, nicht JETZT. Wie ein Gestörter raste ich zum Flughafen, nahm sogar extra einen andere Strecke, damit nicht die Möglichkeit bestand, dass sie mir entgegen kommen konnte.
SIE.........
Bella hatte sich seit dem Tag am Flughafen in New York verändert. Alles an ihr war anders. Nichts erinnerte einen an das unschuldige Mädchen mit der beschissenen Vergangenheit. Zumindest nicht tagsüber.
Himmel war ich angepisst, als Aro mich nach New York schickte. Er gab mir ein Foto. Als ich es ansah, fragte ich, ob das sein Ernst sei. Er konnte nicht von mir verlangen, dass ich ein Mädchen umbrachte. Aro wusste, dass ich keine Frauen und Kinder tötete, egal wer es war. Ich hielt Aro geschlagene fünfzehn Minuten einen Vortrag darüber, wieso ich nicht tun konnte, was er von mir verlangte, bis er schallend zu lachen begann. Er erklärte mir, dass ich die Kleine nur hierher bringen sollte. Ich gab mich geschlagen und fragte nicht weiter nach, da mich Aro unmissverständlich an unseren Deal erinnerte.
Dieser scheiß Deal, der alles ermöglichte, mich aber so derartig an Aro band, dass ich tun musste, was er sagte. Langsam dämmerte mir auch, wieso er das komplette Haus umgebaut und all diese Anschaffungen getätigt hatte. Er brauchte das Mädchen nicht, wie sonst auch, als Druckmittel, sondern er versuchte seine eigene, zugegebenermaßen missratene, Tochter Victoria zu ersetzen. Eigentlich eine Arschlochnummer, aber er war von dieser fixen Idee nicht abzubringen, dass ein Mädchen sein Erbe übernimmt. Nur das Beste war für dieses Mädchen gerade gut genug.
Ich wollte mit ihr nichts zu tun haben, außer sie in New York einzusammeln, um sie hier her zu bringen. Mir war noch immer nicht klar, wie sie heraus fanden, dass sie nicht nach Port Angeles flog. Aber vermutlich wieder über irgendwelche Mittelsmänner, die überall stationiert waren, so wie immer. Er hatte mir nur gesagt, dass ihr Stiefvater Phil dafür sorgte, dass sie überhaupt zu ihrem Vater flog. Dass dieses eigenwillige Ding ihren eigenen Kopf durchsetzte, damit hatte keiner gerechnet. Selbst Aro nicht. Ich erinnerte mich genau, wie mich Aro aus dem Meeting mit Jazz und Emmett gerissen hatte, um mir besagtes Foto zu geben und mich unverzüglich nach New York schickte. Dabei wollte ich lieber den Deal von Notre Damme abschließen.....
Den Moment am Sicherheitscheck, als sie glaubte, sie hätte mich unabsichtlich angerempelt, werde ich nie vergessen. Als ich in ihre unglaublichen, schokobraunen Augen gesehen hatte, dachte ich, dass ich in einen Fluss aus Schokolade eingetaucht war. Ihre Haut war schneeweiß, obwohl sie in einem sonnenreichen Gebiet lebte. Ich musste so lachen, als ich sie dabei erwischte, wie sie ein Bild von mir schoss und wie zickig sie sich danach im Flieger verhielt.
Ob sie sich genauso verhalten hätte, wenn sie gewusst hätte, dass sie mit mir unter einem Dach leben müsste? Vermutlich, denn sie hasste mich dafür. Sie gab mir die Schuld, dass sie hier war. Das Aro sie wollte, bevor ich noch überhaupt von ihr gewusst hatte …
Diese Momente an der Themse waren nicht erzwungen. Es gehörte nicht zu Aros Plan. Sie wären perfekt gewesen, wenn sich Laurent nicht eingemischt hätte. Wenn ich an Laurent dachte, wurde ich sofort wütend, da ich dieser Pissnelke drei angeknackste Rippen zu verdanken hatte. Zum Glück hatte Aro ihn nach Sibirien geschickt, ob er dort wohl jetzt Pinguine zählte? Gab es dort überhaupt Pinguine? Naja egal…….. Rentiere gab es dort bestimmt, er hatte sich seinen eigenen Rudolf verdient. Wobei, der Job dort gefällt ihm mit Sicherheit. Den ganzen Tag Waffennummern ausgravieren und neue eingravieren, ist sicher eine tolle Arbeit. Laurent ist nichts anderes, als ein Mittelsmann, der dachte, er sei etwas Besseres. Ich erinnerte mich daran, wie sie mit ihm gesprochen hatte. Man sah ihr gar nicht an, dass sie so cool sein konnte, wenn ihr süßer Knackarsch in Schwierigkeiten steckte.
Aro hatte ja schon irgendwie recht, sie würde gut zu uns passen, aber das die Sache so außer Kontrolle gerät, hätte ich niemals gedacht. Hätte sie sich nicht einfach in die Enterprise einleben können und ein, mehr oder weniger, langweiliges Tussi- Leben führen können. Nicht das sie jemals zu einer werden würde, aber ich meine, scheiße nochmal, dass konnte nicht geplant gewesen sein, dass sie lernt, wie man mit einer beschissenen Panzerfaust umging, oder mit einem Scharfschützengewehr aus zig Metern Entfernung, jemanden genau zwischen die Augen traf. Ja ok, ……….Aro träumte immer schon von einer Super-Tochter, aber das er sich eine auf diese Art und Weise beschaffen würde, hätte ich nicht gedacht.
Aro..., wenn ich nur an ihn dachte, begann meine Faust dermaßen zu kribbeln. Er war mir wenigstens einmal noch Rede & Antwort schuldig. Das wäre bestimmt, das Letzte, was ich tun würde, da er mir dann Boris oder den anderen, minder intelligenten Vollpfosten auf Hals hetzt...oder vielleicht sogar gleich Bella, sein Killerqueenschnittchen. Okay …….., das war ungerecht. Sie würde mir nichts tun, dessen war ich mir sicher. Isabella wäre mir nicht nach Bangkok nach gereist und hätte sich in Lebensgefahr gebracht, wenn sie mich nicht wenigstens ein kleines bisschen mögen würde. 'Mögen'......., ob dass das richtige Wort war? Reden wir hier tatsächlich in allen Bereichen von Gefühlen?
Damals, bei einem der Abendessen mit Caius, Marcus, Seth und Sam, an dem ich auch teilnehmen musste, redete er von nichts anderem, als seiner Bella. Wie tolle Fortschritte sie doch machte und wie sicher er sich war, dass sie hier rein gehörte. „Wie Arsch auf Eimer“, platze mir damals heraus. Dafür erntete ich abwertende Blicke von Aro und einen kräftigen Tritt gegen mein Schienbein von Seth. Gott und die Welt stand auf Bella, obwohl sie noch nichts anderes getan hatte, als zu versuchen, sich irgendwie in dieser ekelhaften Welt, voller Gewalt, Sex und Drogen, zurecht zu finden. Ja, sie war eindeutig noch auf dem Selbstfindungstrip. Im Moment war sie jedoch einfach nur schräg. Ihre ganze Art passte nicht zu dem, wie ich sie am Flughafen kennengelernt hatte.
Seitdem sie hier in London war, hatte ich sie nur ein einziges Mal locker und entspannt gesehen. Erst einmal, ein einziges, verschissenes Mal. Da streifte sie mit ihrer Kamera durch den Hydepark und fotografierte jeden Stein, jede Blume und jedes Eichhörnchen. Man sah es ihr an, dass es das war, was sie gern machte. Arees hatte sie dabei, wie fast immer, aber sie war bei weitem nicht so schreckhaft oder vorsichtig wie sonst. Sie zog sie nicht bei jeder kleinsten Kleinigkeit. Mich wunderte es, dass sie noch nie beim Tragen der Waffe erwischt wurde, aber sie besaß das unglaubliche Talent, Arees so gut an ihrem Körper zu verstecken, dass es nicht auffiel.
Aros Vorhaben, sie das erste Mal, zu einem Auftrag nach Dublin zu schicken, konnte ich mit meinem Abgang scheinbar verhindern. Er war mir nicht böse, es war auch nicht seine Art, sich wegen so etwas aufzuregen, aber er war schon leicht angepisst. Mir persönlich war es scheißegal, was Aro war oder nicht. Ich hasste ihn. Ich hasste ihn dafür, dass er aus Bella, das gemacht hatte, was sie jetzt war. Sie war größtenteils so abartig kaltherzig, man schafft es kaum, sie augenscheinlich dazu zu bewegen, sich über etwas zu freuen.
Jede ihrer Regungen und Bewegungen wirkten einstudiert, künstlich, beinahe bühnenreif. Nach dieser einen Nacht wusste ich, dass es anders auch ginge, aber sie ließ es nicht zu. Sie war wie in einem kalten, steinharten Gemäuer eingesperrt und Innen drinnen, ganz tief Innen drinnen, war da Bella Swan……. lang bevor sie Phil zum Stiefvater bekommen hatte. Damals, als sie noch glücklich mit Renee war. Ich hab mir ihre Geschichte ein bisschen angesehen, soweit das zu bewerkstelligen war, den Rest habe ich mir, aus ihren wirren Gebrabbel, nachts, während sie schlief und ich wartete, bis sie zu schreien aufhörte, zusammen gereimt.
In meinem Kopf herrschte ein einzigartiges Durcheinander. Alle Erinnerungen prasselten auf einmal auf mich ein. Mein Kopf brannte wie Hölle. Meine mehrmals gebrochenen Rippen verursachten mir höllische Schmerzen. Der Spross von Mr. C hatte einen sagenhaften Tritt. Seine Schläge saßen, jeder einzelne war ein Volltreffer.
Ich verstand nicht, wieso Bella sich so zu ihm hingezogen fühlte. Als die beiden sich gegenüberstanden, konnte man sofort die Chemie spüren. Es war, wie ein aufgeladenes Gewitter. Die beiden provozierten sich gegenseitig. Jazz schaffte mich, Gott sei dank, bei Zeiten weg, denn das mit anzusehen, erzeugte hundert, nein tausendmal mehr Schmerzen, als jede einzelne, gebrochene Rippe und jeder Schlag. Wäre Bella nicht gewesen, wäre ich jetzt tot. DAS wäre wohl besser gewesen, als mit anzusehen, dass wir uns weiter als bisher, voneinander entfernt hatten. Erschöpft und ruhig gestellt fiel ich einen tiefen Schlaf.
Edwards Pov:
Es war wieder einer dieser unerträglich heißen und schwülen Tage hier in Bangkok. Nach dem ätzenden Morgen Meeting mit Carlisle via Videokonferenz wusste ich, dass ich wiedermal mit Lee arbeiten musste. Ich hasste diesen Typen. Er ging mir so dermaßen auf den Sack, dass ich ihm am liebsten, mit viel Beton an den Füssen, im Meer verschwinden lassen würde.
Mein Auftrag war klar... Ein Treffen mit einem von dem Volutri- Abschaum. Sicher schickte der alte Greis wieder diesen blonden, blauäugigen, meiner Meinung nach, homophonen Jüngling James, oder wie er auch hieß. Ich konnte ihn nicht ausstehen, diese Sackratte. Er hatte mir ein Mädchen ausgespannt und einen Heroindeal versaut. Mir waren schon wieder drei Millionen durch die Lappen gegangen. Carlisle war endlos sauer auf mich.
So wie jeden Tag, machte ich mich auf den Weg ins Fitnesscenter. Diese Stadt kotzte mich schon so endlos an, es wurde endlich Zeit den Standort zu wechseln. Aber Carlisle war der Meinung, Aro sei zu alt, um sich um diesem Bereich zu kümmern und einen Nachfolger hatte er ja auch noch nicht…….außer seine Tochter, diese kleine Gestörte da. Mit der hatte er sich keinen Gefallen getan. Man munkelt ja, er hätte sich eine Tochter gekauft, aber ich gab nicht sonderlich viel auf solches Waschweiber Gewäsch. Dafür war mir meine Zeit zu schade. Nach einem leichten Workout von kurzen 45 Minuten, begab ich mich in die Kraftkammer. Immerhin musste ich ja dafür sorgen, dass ich was hermachte. Kaum zu glauben, was dass für ein Getratsche gäbe, wenn ich statt einem gut ausgeprägtem Six- Pack einen Wohlstandbauch hätte. Zusammen mit meinem Kumpel Jake trainierte ich jeden Tag. Eigentlich machten wir sowieso fast alles gemeinsam. Natürlich konnte mir Jake nicht das Wasser reichen, aber das sollte er auch nicht. Wir verstanden uns echt gut und zum Glück hatten wir nicht das Problem, dass wir uns die Frauen teilen mussten, da Jake eher auf Kerle stand. Hin und wieder sammelte, er meine Beziehungsleichen auf und tröstete die Damenwelt, die mir zu Opfer gefallen war, aber in der Regel stand er auf Kerle.
Wir standen nach dem Training unter der Dusche. Man gewöhnt sich daran, mit jemanden zu duschen, der über deinen Arsch das selbe denkt, wie zwei drittel der weiblichen Bevölkerung, dieses Planeten. Das restliche Drittel war entweder homosexuell, frigide oder im Kloster. Nach dem duschen stand ich wie immer vor dem Spiegel und beglückwünschte mich selber, ICH zu sein und bemerkte, wie Jake mich auslachte. Schulterzuckend ging ich an ihm vorbei und überlegte mir, ihm mit der flachen Hand auf den Arsch zu schlagen, aber das war mir dann doch zu heikel...... Ich schlüpfte in meine schwarze, eng anliegende Lei,nenhose und knöpfte mein weißes Hemd ¾ zu. So Sachen wie Unterwäsch, war in Bangkok nicht notwendig, da es eindeutig zu heiß dafür war. Jake wurde von Carlisle zu einigen Geldeintreiberein geschickt, deshalb musste er gut drei Stunden vor mir los.
Langsam machte ich mich auf den Weg, zu dieser Bruchbude von Hotel, wo Aros Mann untergebracht war. Mittlerweile war es ein leichtes, an die passenden Infos zu kommen. Im klassischen Mafiastyle entschloss ich mich, mal zur Abwechslung, eine simple Nachricht auf einem ordinären Block zu hinterlassen. Als ich in dieses Zimmer kam, traf mich der Schlag. Hier sah es schlimmer aus wie bei Hempels unterm Sofa. Überall lagen Zeichnungen herum, ob das wohl seine neue Masche war Frauen abzuschleppen? Wohl kaum, da auf den Bilder immer ein und dieselbe Person abgebildet war. Ich ging in die Knie, um mir eines dieser Bilder genauer anzusehen. Auf diesem Bild, welches ich in der Hand hielt, stand ein Mädchen mit langen Haaren vor einer Art Spiegel. In der einen Hand hielt sie eine Waffe und das Spiegelbild zeigte, statt der Waffe, eine Art Kamera. Dieses Bild war mehr als nur faszinierend, gleichzeitig aber auch schockierend gruselig. Ich faltete das Bild zweimal und schob es in meine Hosentasche. Dieser Raum ekelte mich an. Ich musste hier so schnell wie möglich hinaus. Ich schrieb meine Nachricht auf die Seite des Blockes und machte mich schleunigst vom Acker. Es war an der Zeit Lee zu treffen, um mit ihm die Feinheiten von Heute abzuklären und das konnte mit unter mehrere Stunden in Anspruch nehmen, da dieser Reisfresser eher unterbelichtet war. Was mein Vater an ihm fand, verstand keiner so genau. Der Rezeptionistin zunickend, verschwand ich genau so unauffällig, wie ich gekommen war.
Um zu Lee zu gelangen, musste ich über den Pak Klong Talat. Das ist der örtliche Blumenmarkt und ein wahrhaftiges Farbenspiel bot sich hier dar. Wäre ich schwul, dann wäre das wohl so etwas wie ein kleines Paradies für mich. Im Prinzip ist ganz Bangkok ein großer Markt. Tausende von Händlern sind ständig auf den Straßen anzutreffen und bieten ihre Waren feil. Das eigentliche Flair dieser Märkte besteht darin, dass sie von einer Vielzahl von Garküchen, Essens- und Getränkeständen durchzogen waren. Durch die schwül warme Luft, den Geruch der, meist auf Holzkohle gegrillten Sate-Spieße und die Menschenansammlung verleihen dem ganzen Treiben ein asiatisches, aufregendes Flair. Vorbei an all den kleinen Ladengeschäften, bog ich dann in eine kleine Wäscherei ab. Der Laden gehörte Lee´s Mutter oder so, auf jeden Fall war er dort immer anzutreffen. Der Geruch von Chlor und Stärke stieg mir schon meilenweit vorher in die Nase, wodurch ich wusste, dass ich gleich da war. Ohne zu grüßen, betrat ich den kleinen Laden und ging zielstrebig nach hinten durch. Lee hatte hier so etwas, wie ein kleines Büro, wofür auch immer. Eigentlich hatte mir Esme beigebracht zu klopfen, wenn ich einen geschlossenen Raum betrat, aber sind wir mal ehrlich, es ist doch nur ein Reisfresser.
Schwungvoll öffnete ich die kleine, schmale Tür, an der der Lack abblätterte und stand vor dem Schockerlebnis dieser Woche. Lee stand vor mir, mit herunter gelassener Hose, sein schäbiges Pseudo-Seidenhemd hing schlampig an ihm herab. Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf, denn vor Lee lag eine kleine silkonverpfuschte Thailänderin, die sich gerade genüsslich anal befriedigen ließ, während SIE!!!! sich einen runter holte. Mit offenen Mund und der Kinnlade irgendwo in Nebraska, stolperte ich rückwärts aus dieser kleinen Besenkammer. „Scheiße MANN …… schließ doch diese verfickte Tür zu, wie kannst du nur?? Da vorne steht deine Mutter und bügelt Hemden und du ..WÄÄÄÄÄHH“, kaum als ich diesen Satz fertig gesprochen hatte, musste ich mich einfach nur übergeben. Schade um das Mittagessen.
Ich befahl ihm duschen zu gehen und in exakt zwanzig Minuten vor der Türe zu stehen und die Kotze sollte er auch noch vom Boden wischen. Zwanzig Minuten und zwölf Sekunden später, stand er dann neben mir und starrte schweigend den Boden an. Genervt ignorierte ich ihn und machte mich, wütend und im Laufschritt, auf zu Carlisles Intelligenzschleudern. Tim und Al gingen ja noch, aber Tylor und Marten konnte man vergessen. Die waren sogar zu blöd, um sich die Schuhe zuzubinden, darum kaufte ihnen Dad immer Schuhe mit Klettverschlüssen.
Das Meeting mit allen dauerte mehrere Stunden, sodass wir nur knapp vor dem vereinbarten Zeitpunkt am Dach ankamen.
James saß schon auf einem kniehohen Schacht und spielte mit einer Münze. Ich verabscheute diesen Typen, aber ich war mir sicher, dass ich ihn heute zum letzten Mal sehen würde.
„ James …..“
„Cullen, was willst du von mir?“ er sprang auf und macht ein paar betont lässige Schritte auf mich zu.
„ Nett, dass du zu unserem kleinen Plauderstündchen gekommen bist. Hast ja scheinbar doch Eier in der Hose....“, meinte ich und gab den Affen das Zeichen, dass sie ihn umzingeln sollten.
„Ach Cullen... wird es dir nicht langsam langweilig, mir immer noch auf den Nerv zu gehen, nur weil ich dir damals deine kleine Schlampe ausgespannt habe?“ Wollte er mich verarschen? Die Haut um meine Knöchel, färbte sich weiß, meine Muskeln begannen zu zittern. Ehe ich mich versah, schnellte meine feste Faust reflexartig nach vorne und traf ihn genau am Kinn. Sein Kopf flog in den Nacken und seine Lippen sprangen sofort auf. Als ich sein Blut sah, konnte ich mir mein Lächeln nicht mehr verkneifen. Mein Knie bohrte sich in seine Magengegend und er sank automatisch auf die Knie.
„Und jetzt reden wir über das Geschäft, du kleiner Pisser. Du glaubst doch nicht wirklich, dass wir euch Bangkok überlassen, richtig?“, fragte ich ihn, während ich sein Kinn mit meiner großen Hand umfasste und zusammendrückte. Eigentlich wollte ich es zermalmen, so dass jeder Zahnarzt seine helle Freude damit hätte. Die Diskussion mit diesem Spacken ging noch einige Zeit weiter, sein Gesundheitszustand veränderte sich rapide zum Negativen und ich fand ehrlich Gefallen daran, ihn als Punchingball zu benutzen.
Ein schriller Pfiff riss mich aus meinen Blutrausch und ich musste mich umdrehen. Als ich dieses Mädchen von der Zeichnung dort stehen sah, wurde mir anders. Das Blut in meinen Adern gefror augenblicklich, nur um sofort wieder glühend heiß weiter zu fließen. Ich traute meinen Augen nicht. Waren wir in eine Falle getappt? Wohl kaum, denn so wie James gestarrt hatte, war auch er sehr überrascht. Ich konnte mich trotzdem nicht von diesem Mädchen abwenden. Wie Ishtar persönlich stand sie hier und hielt eine gottverdammte Waffe auf den Reisfresser gerichtet. Er befahl mir doch allen ernstes, dass ich James in ruhe lassen sollte. Ich staunte mehr als nur Bauklötze, als sie den Abzug drei Mal betätigte und Lee rücksichtslos und kalt, mit einem simplen Adieu, verabschiedete und zu Boden fallen lies.
Ich vermutete, dass das die ominöse, gekaufte Tochter war, aber sicher war ich mir nicht. Sie sah dem Gesicht auf der Zeichnung verdammt ähnlich und ich konnte meine Augen nicht von ihr lassen. Sie scheinbar aber auch nicht von mir. Am Rande bekam ich mit, dass dieser andere Kerl, der scheinbar zusammen mit ihr hier war, seine Knarre erst noch auf die Jungs gerichtete hatte und dann auf mich. Als sie nach einem kurzen Wortgefecht meinte, ich sollte stehen bleiben, sonst würde sie auf mich schießen, machte mich das so verschissen abartig an. Langsamen Schrittes ging ich auf sie zu. Sie zog mich quasi mit ihren Blicken aus, aber mir erging es bei ihr nicht besser. Wie sich das wohl anfühlte, wenn ich sie berühren würde? Würde sie wirklich auf mich schießen? Wohl kaum?
Ich hatte den Gedanken noch nicht mal zu ende gedacht, da streifte mich auch schon ein Schuss. Fuck...Hell….. Yeah, das tat weh und ich konnte nicht anders, als sie anzuschreien. Als sie rotzfrech meinte, ich soll mich nicht wie ein Mädchen aufführen, wurde ich echt sauer. Wäre sie kein weibliches Wesen gewesen, dann hätte ich sie auf der Stelle kalt gemacht. Scheinbar empfand sie etwa für James, aber er war irgendwie pissig oder so. Nachdem er sie ignoriert hatte und der eine Kerl, den ich bis jetzt erst einmal gesehen hatte, James zurück ins Hotel brachte, machte sie mir mit Nachdruck klar, dass das ihr Revier ist und das es für mich besser wäre, wenn ich in meinem Viertel bliebe.
Als sie den Nahkampf ansprach, war ich sofort Feuer und Flamme für diese Idee, aber ich konnte es mir nicht verkneifen, mein Hemd dabei auszuziehen und schon war sie so derartig abgelenkt, dass ich sie ohne Probleme hätte entwaffnen können, aber ich wusste, dass sie mir in diesem Moment nicht gefährlich werden konnte. Sie fixierte mich mit ihrem Blicken und ich genoss jeden einzelnen. Eigentlich war ich es gewohnt, dass mich die Frauen so ansahen, aber so intensiv wie diese, tat das bis jetzt noch keine. Als ich ihre Hand nahm und sie mir auf die Brust legte, durchfuhr mich ein einzigartiger Schauer. In diesem geladene Moment hielt ich die Luft an, denn es war einer dieser Momente, wo ich die Augen nach hinten hätte rollen können und meinen Kopf in den Nacken legen wollte.
Es war mir mehr als nur ein Bedürfnis, ihr nahe zu sein und ich musste diese Lippen kosten. Als sie mit ihren zarten, weichen Fingern mein Tattoo nach fuhr, spürte ich, wie ein heißer Schauer mir langsam die Wirbelsäule entlang kroch. Ob sie wusste was „ Eu não servirá*“ bedeutete? Vermutlich nicht und selbst wenn, würde sie damit nicht viel anfangen können. Keiner wusste mit diesem simplen Spruch etwas anzufangen. *ich will nicht dienen
Oh Gott, als ihre Hände auf Wanderschaft gingen und ich Unterwäsche getragen hätte, hätte ich ihn verlagern müssen, aber so zeichnete er sich, aufdringlich wie er war, durch die Leinenhose ab, doch es war mir scheißegal. Ein knurren entwich meiner staubtrockenen Kehle, bis plötzlich meine verdammte Schulter zu brennen begann, als hätte man mir eine Tonne Salz auf die Wunde gestreut.
Instinktiv stieß ich Bella von mir. Ich wollte nicht, dass sie sich verletzte, aber verhindert konnte ich es auch nicht. Dieses kleine Biest hatte mir doch tatsächlich mit voller Absicht, die schweißgebadete Hand kräftig in die Wunde gedrückt. Als sie mich auslachte und an mir vorbei ging, fehlten mir schlicht und ergreifend die Worte und Edward Cullen fehlten nie die Worte. Das musste ich ihr heimzahlen, das Wann und Wo musste mir noch einfallen. Als sie mir, Mittelfinger zeigender Weise, noch ein schönes Leben wünschte, wusste ich, wir würden uns nicht das letzte Mal begegnet sein.
Bevor ich mich vom Dach stahl, bearbeitete ich noch die kleine Mauer mit meinem Taschenmesser.
Nachdem ich meine Wunde behandelt hatte, musste ich erst einmal Carlisle von den Geschehnissen berichten, denn er würde alles andere, als erfreut darüber sein. Aros Zögling war brandgefährlich und anders als angenommen, auch noch unglaublich geschickt und intelligent. Sie würde uns gefährlich werden und was noch viel schlimmer war, sie würde MIR gefährlich werden.
Ich bekam sie nicht mehr aus meinem Kopf.
Nun lag ich hier, mitten in Bangkok, in einem verschissenen und mit Kakerlaken verseuchtem Zimmer, zusammen mit Jazz, der mir mit jedem seiner Blicke noch mehr Vorwürfe machte, als Bella es getan hatte, als sie verletzt aus der schäbigen Tür hinaus rannte. Natürlich machte ich mir deswegen Vorwürfe. Natürlich bereute ich es, dass ich sie weggeschickt hatte, bereute es, dass ich aus London weggegangen war, dass ich nicht mit ihr gesprochen hatte und das es so gekommen war, wie es gekommen ist. Wenn ich nur vorher mit ihr gesprochen hätte, dann wäre sie mir nicht nach gereist, oder doch?
Scheiße noch mal…… immerhin war sie wegen mir in Bangkok. Nun war es mehr als amtlich, denn ihren Einstandsmord hatte sie ja auch schon absolviert und das mit Bravour. Es war meine Schuld. MEINE VERDAMMTE SCHULD. Hätte ich nicht da am Boden gekniet und hätte ich mich nicht von Cullen genüsslich zu Brei schlagen lassen, dann hätte sie nicht drei Mann umgelegt. Mir ist es mehr als nur ein Rätsel, wie sie es zu zweit geschafft hatten, unbeobachtet auf dieses Dach zu gelangen und auch noch diese Affen lautlos zu töten.
Als Bella dann Lee in der Mangel hatte, wurde mir mehr als nur übel und das lag mit Sicherheit nicht an den Tritten, die ich mir eingehandelt hatte. Ihr Blick war irgendwie irre. Selbst Viktoria brachte dies nicht mal annähernd so zustande, wie Bella in diesem Moment, auch wenn es nicht zwangsläufig dieselbe Art war. Man hätte meinen können, sie fand an der Sache tatsächlich gefallen. Der Blutrausch stand ihr mehr als nur deutlich ins Gesicht geschrieben.
In dem Moment, als sie Edward anpfiff und er sich umdrehte, wusste ich, dass diese Show hier noch lange nicht zu Ende war. Bella hatte zu viel von Emmett gelernt und sich auch viel von den anderen abgeschaut. Eines musste man ihnen lassen, dass Training war ein voller Erfolg gewesen.
Traurig erinnerte ich mich zurück, als sie mich an die Wand im Keller getackert hatte. Bella übte, wie mittlerweile jeden Abend, im Keller mit ihren kleinen Messern. Hin und wieder beobachtete ich sie dabei. Man konnte sehen, wie sich ihre Muskeln, durch das ständige Training mit Rosalie, entwickelt hatten. Sie hatte einiges an Kraft und Geschicklichkeit zugelegt. Ihre Präzision, die sie an den Tag legte, bei jeglicher Art von Waffentraining, war beängstigend. Bella war kein geduldiger Mensch, sie verlangte sich mehr ab, als gut für sie war. Ich verstand nicht wieso. Sie hatte hier doch alles, was sie brauchte. Wieso tat sie Aro bloß den Gefallen und wurde so, wie er es wollte?
An diesem Abend stand sie wieder in ihrem knappen Trainingsoutfit im Keller, welches mir sehr gut gefiel. Sie war davor bestimmt wieder mal etliche Kilometer gejoggt, denn man konnte noch erkennen, dass ihre Wangen leicht rosa gefärbt waren, so dass ihr der Schweiß in feinen, zarten Bahnen über den Nacken lief. Ihr Anblick erweckte in mir wieder den Drang, ihr näher zu kommen, als sie mich lassen würde. Mit Sicherheit hatte ich sie überrascht. Es war mir bewusst, dass es dumm war sich anzuschleichen. Bella erschrak und ehe ich reagieren konnte, kam das Messer schon auf mich zu geschossen und blieb, zusammen mit meiner Hand, in der Wand stecken.
Das kleine `Nieto Gran Lanxador´ saß nicht nur genau mittig in meiner Hand, nein, sie hatte es auch schleifen lassen. Jeder normale Mensch wirft nicht mit geschliffenen Messern - Bella schon. Das erklärte auch die gelegentlichen Schnittwunden auf ihrer Handfläche. Die kleinen, 200 Gramm schweren Messer lagen gut in der Hand und da sie ohne Verzierungen waren, konnte man sie gut werfen.
Bella traf, wie so oft, voll ins Schwarze. Mittlerweile war es ihr egal, ob sich das Ziel bewegte oder nicht. Ich spürte den Schmerz, als das Messer in meine Hand eindrang, teilweise heute noch. Meine Erinnerung wurde erneut durch einen Schwall Schmerzen getrübt, da die Schmerzmittel, die Jazz mir gegeben hatte, langsam nach ließen.
Ich versuchte den Schmerz zu ignorieren und dachte an den Moment, als ich ihr das Bogenschießen beibrachte. Wir standen in Jazz´s Firma und ich erklärte ihr die Feinheiten des Bogens. Interessiert folgte sie mit ihren schönen Augen meinen Händen. Aufmerksam hörte sie zu und hin und wieder stellte sie ein paar Fragen, die ich liebend gerne beantwortete. Das war einer der wenigen Momente, wo ich tatsächlich so dumm war zu glauben, dass es ein WIR gab, dass es nicht so weit kam, dass sie jemals jemanden umbringen würde. Dieses ewige hin und her ging mir ganz schön an die Substanz und trotzdem machte ich weiter.
Bis zu dem Zeitpunkt, als sie einen Schuh nach mir warf und dieser mit dem Absatz neben meiner Schläfe in der Türe stecken blieb. Die Nacht zuvor lag sie wieder einmal schreiend in ihrem Bett. Diesmal schrie sie so laut, dass ich sie hörte, obwohl mein Zimmer weit weg von ihrem lag. Sonst hörte ich sie immer nur, wenn ich mal wieder, wie so oft, vor ihrer Tür auf und ab ging. Diesmal saß ich am Fenster und las ein Buch, dass wusste ich noch ganz genau, denn diese Schreie waren anders als sonst. Es waren solche, die man niemals vergessen würde, da sie einem so tief ins Knochenmark fuhren, dass man dachte, man sei der Mensch, der diese Schmerzen aushalten musste.
Erschrocken lief ich, zwei Stufen auf einmal nehmend, zu ihrem Zimmer. Etwas außer Atem versuchte ich die Türe zu öffnen und war überrascht, dass sie nicht abgesperrt war. Die Schlafzimmertür hätte mir mehr Probleme gemacht, wenn Aro mir nicht den Satz Zweitschlüssel für ihren Wohnbereich gegeben hätte. Den Menschen, den ich in diesem Bett vorgefunden hatte, war nicht die Bella, die ich kannte.
Ich spendete ihr Trost und Halt, das einzige, was ich ihr in dieser Situation geben konnte. Als ich mich zurückziehen wollte, da ich dachte, ich hätte ihr Handeln falsch verstanden, deutete sie mir mit einer einfach Geste, die für mich die Welt bedeutete, dass ich hier bleiben sollte. Sie hielt mich fest und bat mich somit zu bleiben. Früh morgens musste ich los, da ich einige Geschäfte zu erledigen hatte.
Bella ließ ich schlafen, da sie den Schlaf nach dieser Nacht gebrauchen konnte. Als ich am Nachmittag nach ihr sehen wollte, wurde ich mit einem Damenschuh attackiert. Das war zu viel des Guten. Ich konnte nicht mehr. Innerlich zerfressen, zerrissen und wahrlich ausgebrannt, suchte ich nach einem Ausweg. Mir blieb nur mehr die Flucht ins Exil. Die Zeit an der Küste hatte mir geholfen und ich wäre schon fast so weit gewesen, dass ich zurück gehen konnte. Bis zu diesem Telefonat.
Meine Gedanken überschlugen sich und die Erinnerungen prasselten alle durcheinander auf mich ein, aber als Ganzes betrachtet, ergab es trotzdem einen Sinn – eigentlich.
Als Aros Anruf kam, hatte ich nicht mehr viel Zeit. Weder um meine Sachen zu packen, noch um wirklich über seinen Vorschlag nachzudenken. Es stand von vornherein fest, ich musste hier weg, denn sonst wäre alles sinnlos gewesen. Bella war auf dem Weg zu mir. Ich wollte mit ihr reden, aber nicht hier und scheiße nochmal, nicht JETZT. Wie ein Gestörter raste ich zum Flughafen, nahm sogar extra einen andere Strecke, damit nicht die Möglichkeit bestand, dass sie mir entgegen kommen konnte.
SIE.........
Bella hatte sich seit dem Tag am Flughafen in New York verändert. Alles an ihr war anders. Nichts erinnerte einen an das unschuldige Mädchen mit der beschissenen Vergangenheit. Zumindest nicht tagsüber.
Himmel war ich angepisst, als Aro mich nach New York schickte. Er gab mir ein Foto. Als ich es ansah, fragte ich, ob das sein Ernst sei. Er konnte nicht von mir verlangen, dass ich ein Mädchen umbrachte. Aro wusste, dass ich keine Frauen und Kinder tötete, egal wer es war. Ich hielt Aro geschlagene fünfzehn Minuten einen Vortrag darüber, wieso ich nicht tun konnte, was er von mir verlangte, bis er schallend zu lachen begann. Er erklärte mir, dass ich die Kleine nur hierher bringen sollte. Ich gab mich geschlagen und fragte nicht weiter nach, da mich Aro unmissverständlich an unseren Deal erinnerte.
Dieser scheiß Deal, der alles ermöglichte, mich aber so derartig an Aro band, dass ich tun musste, was er sagte. Langsam dämmerte mir auch, wieso er das komplette Haus umgebaut und all diese Anschaffungen getätigt hatte. Er brauchte das Mädchen nicht, wie sonst auch, als Druckmittel, sondern er versuchte seine eigene, zugegebenermaßen missratene, Tochter Victoria zu ersetzen. Eigentlich eine Arschlochnummer, aber er war von dieser fixen Idee nicht abzubringen, dass ein Mädchen sein Erbe übernimmt. Nur das Beste war für dieses Mädchen gerade gut genug.
Ich wollte mit ihr nichts zu tun haben, außer sie in New York einzusammeln, um sie hier her zu bringen. Mir war noch immer nicht klar, wie sie heraus fanden, dass sie nicht nach Port Angeles flog. Aber vermutlich wieder über irgendwelche Mittelsmänner, die überall stationiert waren, so wie immer. Er hatte mir nur gesagt, dass ihr Stiefvater Phil dafür sorgte, dass sie überhaupt zu ihrem Vater flog. Dass dieses eigenwillige Ding ihren eigenen Kopf durchsetzte, damit hatte keiner gerechnet. Selbst Aro nicht. Ich erinnerte mich genau, wie mich Aro aus dem Meeting mit Jazz und Emmett gerissen hatte, um mir besagtes Foto zu geben und mich unverzüglich nach New York schickte. Dabei wollte ich lieber den Deal von Notre Damme abschließen.....
Den Moment am Sicherheitscheck, als sie glaubte, sie hätte mich unabsichtlich angerempelt, werde ich nie vergessen. Als ich in ihre unglaublichen, schokobraunen Augen gesehen hatte, dachte ich, dass ich in einen Fluss aus Schokolade eingetaucht war. Ihre Haut war schneeweiß, obwohl sie in einem sonnenreichen Gebiet lebte. Ich musste so lachen, als ich sie dabei erwischte, wie sie ein Bild von mir schoss und wie zickig sie sich danach im Flieger verhielt.
Ob sie sich genauso verhalten hätte, wenn sie gewusst hätte, dass sie mit mir unter einem Dach leben müsste? Vermutlich, denn sie hasste mich dafür. Sie gab mir die Schuld, dass sie hier war. Das Aro sie wollte, bevor ich noch überhaupt von ihr gewusst hatte …
Diese Momente an der Themse waren nicht erzwungen. Es gehörte nicht zu Aros Plan. Sie wären perfekt gewesen, wenn sich Laurent nicht eingemischt hätte. Wenn ich an Laurent dachte, wurde ich sofort wütend, da ich dieser Pissnelke drei angeknackste Rippen zu verdanken hatte. Zum Glück hatte Aro ihn nach Sibirien geschickt, ob er dort wohl jetzt Pinguine zählte? Gab es dort überhaupt Pinguine? Naja egal…….. Rentiere gab es dort bestimmt, er hatte sich seinen eigenen Rudolf verdient. Wobei, der Job dort gefällt ihm mit Sicherheit. Den ganzen Tag Waffennummern ausgravieren und neue eingravieren, ist sicher eine tolle Arbeit. Laurent ist nichts anderes, als ein Mittelsmann, der dachte, er sei etwas Besseres. Ich erinnerte mich daran, wie sie mit ihm gesprochen hatte. Man sah ihr gar nicht an, dass sie so cool sein konnte, wenn ihr süßer Knackarsch in Schwierigkeiten steckte.
Aro hatte ja schon irgendwie recht, sie würde gut zu uns passen, aber das die Sache so außer Kontrolle gerät, hätte ich niemals gedacht. Hätte sie sich nicht einfach in die Enterprise einleben können und ein, mehr oder weniger, langweiliges Tussi- Leben führen können. Nicht das sie jemals zu einer werden würde, aber ich meine, scheiße nochmal, dass konnte nicht geplant gewesen sein, dass sie lernt, wie man mit einer beschissenen Panzerfaust umging, oder mit einem Scharfschützengewehr aus zig Metern Entfernung, jemanden genau zwischen die Augen traf. Ja ok, ……….Aro träumte immer schon von einer Super-Tochter, aber das er sich eine auf diese Art und Weise beschaffen würde, hätte ich nicht gedacht.
Aro..., wenn ich nur an ihn dachte, begann meine Faust dermaßen zu kribbeln. Er war mir wenigstens einmal noch Rede & Antwort schuldig. Das wäre bestimmt, das Letzte, was ich tun würde, da er mir dann Boris oder den anderen, minder intelligenten Vollpfosten auf Hals hetzt...oder vielleicht sogar gleich Bella, sein Killerqueenschnittchen. Okay …….., das war ungerecht. Sie würde mir nichts tun, dessen war ich mir sicher. Isabella wäre mir nicht nach Bangkok nach gereist und hätte sich in Lebensgefahr gebracht, wenn sie mich nicht wenigstens ein kleines bisschen mögen würde. 'Mögen'......., ob dass das richtige Wort war? Reden wir hier tatsächlich in allen Bereichen von Gefühlen?
Damals, bei einem der Abendessen mit Caius, Marcus, Seth und Sam, an dem ich auch teilnehmen musste, redete er von nichts anderem, als seiner Bella. Wie tolle Fortschritte sie doch machte und wie sicher er sich war, dass sie hier rein gehörte. „Wie Arsch auf Eimer“, platze mir damals heraus. Dafür erntete ich abwertende Blicke von Aro und einen kräftigen Tritt gegen mein Schienbein von Seth. Gott und die Welt stand auf Bella, obwohl sie noch nichts anderes getan hatte, als zu versuchen, sich irgendwie in dieser ekelhaften Welt, voller Gewalt, Sex und Drogen, zurecht zu finden. Ja, sie war eindeutig noch auf dem Selbstfindungstrip. Im Moment war sie jedoch einfach nur schräg. Ihre ganze Art passte nicht zu dem, wie ich sie am Flughafen kennengelernt hatte.
Seitdem sie hier in London war, hatte ich sie nur ein einziges Mal locker und entspannt gesehen. Erst einmal, ein einziges, verschissenes Mal. Da streifte sie mit ihrer Kamera durch den Hydepark und fotografierte jeden Stein, jede Blume und jedes Eichhörnchen. Man sah es ihr an, dass es das war, was sie gern machte. Arees hatte sie dabei, wie fast immer, aber sie war bei weitem nicht so schreckhaft oder vorsichtig wie sonst. Sie zog sie nicht bei jeder kleinsten Kleinigkeit. Mich wunderte es, dass sie noch nie beim Tragen der Waffe erwischt wurde, aber sie besaß das unglaubliche Talent, Arees so gut an ihrem Körper zu verstecken, dass es nicht auffiel.
Aros Vorhaben, sie das erste Mal, zu einem Auftrag nach Dublin zu schicken, konnte ich mit meinem Abgang scheinbar verhindern. Er war mir nicht böse, es war auch nicht seine Art, sich wegen so etwas aufzuregen, aber er war schon leicht angepisst. Mir persönlich war es scheißegal, was Aro war oder nicht. Ich hasste ihn. Ich hasste ihn dafür, dass er aus Bella, das gemacht hatte, was sie jetzt war. Sie war größtenteils so abartig kaltherzig, man schafft es kaum, sie augenscheinlich dazu zu bewegen, sich über etwas zu freuen.
Jede ihrer Regungen und Bewegungen wirkten einstudiert, künstlich, beinahe bühnenreif. Nach dieser einen Nacht wusste ich, dass es anders auch ginge, aber sie ließ es nicht zu. Sie war wie in einem kalten, steinharten Gemäuer eingesperrt und Innen drinnen, ganz tief Innen drinnen, war da Bella Swan……. lang bevor sie Phil zum Stiefvater bekommen hatte. Damals, als sie noch glücklich mit Renee war. Ich hab mir ihre Geschichte ein bisschen angesehen, soweit das zu bewerkstelligen war, den Rest habe ich mir, aus ihren wirren Gebrabbel, nachts, während sie schlief und ich wartete, bis sie zu schreien aufhörte, zusammen gereimt.
In meinem Kopf herrschte ein einzigartiges Durcheinander. Alle Erinnerungen prasselten auf einmal auf mich ein. Mein Kopf brannte wie Hölle. Meine mehrmals gebrochenen Rippen verursachten mir höllische Schmerzen. Der Spross von Mr. C hatte einen sagenhaften Tritt. Seine Schläge saßen, jeder einzelne war ein Volltreffer.
Ich verstand nicht, wieso Bella sich so zu ihm hingezogen fühlte. Als die beiden sich gegenüberstanden, konnte man sofort die Chemie spüren. Es war, wie ein aufgeladenes Gewitter. Die beiden provozierten sich gegenseitig. Jazz schaffte mich, Gott sei dank, bei Zeiten weg, denn das mit anzusehen, erzeugte hundert, nein tausendmal mehr Schmerzen, als jede einzelne, gebrochene Rippe und jeder Schlag. Wäre Bella nicht gewesen, wäre ich jetzt tot. DAS wäre wohl besser gewesen, als mit anzusehen, dass wir uns weiter als bisher, voneinander entfernt hatten. Erschöpft und ruhig gestellt fiel ich einen tiefen Schlaf.
Edwards Pov:
Es war wieder einer dieser unerträglich heißen und schwülen Tage hier in Bangkok. Nach dem ätzenden Morgen Meeting mit Carlisle via Videokonferenz wusste ich, dass ich wiedermal mit Lee arbeiten musste. Ich hasste diesen Typen. Er ging mir so dermaßen auf den Sack, dass ich ihm am liebsten, mit viel Beton an den Füssen, im Meer verschwinden lassen würde.
Mein Auftrag war klar... Ein Treffen mit einem von dem Volutri- Abschaum. Sicher schickte der alte Greis wieder diesen blonden, blauäugigen, meiner Meinung nach, homophonen Jüngling James, oder wie er auch hieß. Ich konnte ihn nicht ausstehen, diese Sackratte. Er hatte mir ein Mädchen ausgespannt und einen Heroindeal versaut. Mir waren schon wieder drei Millionen durch die Lappen gegangen. Carlisle war endlos sauer auf mich.
So wie jeden Tag, machte ich mich auf den Weg ins Fitnesscenter. Diese Stadt kotzte mich schon so endlos an, es wurde endlich Zeit den Standort zu wechseln. Aber Carlisle war der Meinung, Aro sei zu alt, um sich um diesem Bereich zu kümmern und einen Nachfolger hatte er ja auch noch nicht…….außer seine Tochter, diese kleine Gestörte da. Mit der hatte er sich keinen Gefallen getan. Man munkelt ja, er hätte sich eine Tochter gekauft, aber ich gab nicht sonderlich viel auf solches Waschweiber Gewäsch. Dafür war mir meine Zeit zu schade. Nach einem leichten Workout von kurzen 45 Minuten, begab ich mich in die Kraftkammer. Immerhin musste ich ja dafür sorgen, dass ich was hermachte. Kaum zu glauben, was dass für ein Getratsche gäbe, wenn ich statt einem gut ausgeprägtem Six- Pack einen Wohlstandbauch hätte. Zusammen mit meinem Kumpel Jake trainierte ich jeden Tag. Eigentlich machten wir sowieso fast alles gemeinsam. Natürlich konnte mir Jake nicht das Wasser reichen, aber das sollte er auch nicht. Wir verstanden uns echt gut und zum Glück hatten wir nicht das Problem, dass wir uns die Frauen teilen mussten, da Jake eher auf Kerle stand. Hin und wieder sammelte, er meine Beziehungsleichen auf und tröstete die Damenwelt, die mir zu Opfer gefallen war, aber in der Regel stand er auf Kerle.
Wir standen nach dem Training unter der Dusche. Man gewöhnt sich daran, mit jemanden zu duschen, der über deinen Arsch das selbe denkt, wie zwei drittel der weiblichen Bevölkerung, dieses Planeten. Das restliche Drittel war entweder homosexuell, frigide oder im Kloster. Nach dem duschen stand ich wie immer vor dem Spiegel und beglückwünschte mich selber, ICH zu sein und bemerkte, wie Jake mich auslachte. Schulterzuckend ging ich an ihm vorbei und überlegte mir, ihm mit der flachen Hand auf den Arsch zu schlagen, aber das war mir dann doch zu heikel...... Ich schlüpfte in meine schwarze, eng anliegende Lei,nenhose und knöpfte mein weißes Hemd ¾ zu. So Sachen wie Unterwäsch, war in Bangkok nicht notwendig, da es eindeutig zu heiß dafür war. Jake wurde von Carlisle zu einigen Geldeintreiberein geschickt, deshalb musste er gut drei Stunden vor mir los.
Langsam machte ich mich auf den Weg, zu dieser Bruchbude von Hotel, wo Aros Mann untergebracht war. Mittlerweile war es ein leichtes, an die passenden Infos zu kommen. Im klassischen Mafiastyle entschloss ich mich, mal zur Abwechslung, eine simple Nachricht auf einem ordinären Block zu hinterlassen. Als ich in dieses Zimmer kam, traf mich der Schlag. Hier sah es schlimmer aus wie bei Hempels unterm Sofa. Überall lagen Zeichnungen herum, ob das wohl seine neue Masche war Frauen abzuschleppen? Wohl kaum, da auf den Bilder immer ein und dieselbe Person abgebildet war. Ich ging in die Knie, um mir eines dieser Bilder genauer anzusehen. Auf diesem Bild, welches ich in der Hand hielt, stand ein Mädchen mit langen Haaren vor einer Art Spiegel. In der einen Hand hielt sie eine Waffe und das Spiegelbild zeigte, statt der Waffe, eine Art Kamera. Dieses Bild war mehr als nur faszinierend, gleichzeitig aber auch schockierend gruselig. Ich faltete das Bild zweimal und schob es in meine Hosentasche. Dieser Raum ekelte mich an. Ich musste hier so schnell wie möglich hinaus. Ich schrieb meine Nachricht auf die Seite des Blockes und machte mich schleunigst vom Acker. Es war an der Zeit Lee zu treffen, um mit ihm die Feinheiten von Heute abzuklären und das konnte mit unter mehrere Stunden in Anspruch nehmen, da dieser Reisfresser eher unterbelichtet war. Was mein Vater an ihm fand, verstand keiner so genau. Der Rezeptionistin zunickend, verschwand ich genau so unauffällig, wie ich gekommen war.
Um zu Lee zu gelangen, musste ich über den Pak Klong Talat. Das ist der örtliche Blumenmarkt und ein wahrhaftiges Farbenspiel bot sich hier dar. Wäre ich schwul, dann wäre das wohl so etwas wie ein kleines Paradies für mich. Im Prinzip ist ganz Bangkok ein großer Markt. Tausende von Händlern sind ständig auf den Straßen anzutreffen und bieten ihre Waren feil. Das eigentliche Flair dieser Märkte besteht darin, dass sie von einer Vielzahl von Garküchen, Essens- und Getränkeständen durchzogen waren. Durch die schwül warme Luft, den Geruch der, meist auf Holzkohle gegrillten Sate-Spieße und die Menschenansammlung verleihen dem ganzen Treiben ein asiatisches, aufregendes Flair. Vorbei an all den kleinen Ladengeschäften, bog ich dann in eine kleine Wäscherei ab. Der Laden gehörte Lee´s Mutter oder so, auf jeden Fall war er dort immer anzutreffen. Der Geruch von Chlor und Stärke stieg mir schon meilenweit vorher in die Nase, wodurch ich wusste, dass ich gleich da war. Ohne zu grüßen, betrat ich den kleinen Laden und ging zielstrebig nach hinten durch. Lee hatte hier so etwas, wie ein kleines Büro, wofür auch immer. Eigentlich hatte mir Esme beigebracht zu klopfen, wenn ich einen geschlossenen Raum betrat, aber sind wir mal ehrlich, es ist doch nur ein Reisfresser.
Schwungvoll öffnete ich die kleine, schmale Tür, an der der Lack abblätterte und stand vor dem Schockerlebnis dieser Woche. Lee stand vor mir, mit herunter gelassener Hose, sein schäbiges Pseudo-Seidenhemd hing schlampig an ihm herab. Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf, denn vor Lee lag eine kleine silkonverpfuschte Thailänderin, die sich gerade genüsslich anal befriedigen ließ, während SIE!!!! sich einen runter holte. Mit offenen Mund und der Kinnlade irgendwo in Nebraska, stolperte ich rückwärts aus dieser kleinen Besenkammer. „Scheiße MANN …… schließ doch diese verfickte Tür zu, wie kannst du nur?? Da vorne steht deine Mutter und bügelt Hemden und du ..WÄÄÄÄÄHH“, kaum als ich diesen Satz fertig gesprochen hatte, musste ich mich einfach nur übergeben. Schade um das Mittagessen.
Ich befahl ihm duschen zu gehen und in exakt zwanzig Minuten vor der Türe zu stehen und die Kotze sollte er auch noch vom Boden wischen. Zwanzig Minuten und zwölf Sekunden später, stand er dann neben mir und starrte schweigend den Boden an. Genervt ignorierte ich ihn und machte mich, wütend und im Laufschritt, auf zu Carlisles Intelligenzschleudern. Tim und Al gingen ja noch, aber Tylor und Marten konnte man vergessen. Die waren sogar zu blöd, um sich die Schuhe zuzubinden, darum kaufte ihnen Dad immer Schuhe mit Klettverschlüssen.
Das Meeting mit allen dauerte mehrere Stunden, sodass wir nur knapp vor dem vereinbarten Zeitpunkt am Dach ankamen.
James saß schon auf einem kniehohen Schacht und spielte mit einer Münze. Ich verabscheute diesen Typen, aber ich war mir sicher, dass ich ihn heute zum letzten Mal sehen würde.
„ James …..“
„Cullen, was willst du von mir?“ er sprang auf und macht ein paar betont lässige Schritte auf mich zu.
„ Nett, dass du zu unserem kleinen Plauderstündchen gekommen bist. Hast ja scheinbar doch Eier in der Hose....“, meinte ich und gab den Affen das Zeichen, dass sie ihn umzingeln sollten.
„Ach Cullen... wird es dir nicht langsam langweilig, mir immer noch auf den Nerv zu gehen, nur weil ich dir damals deine kleine Schlampe ausgespannt habe?“ Wollte er mich verarschen? Die Haut um meine Knöchel, färbte sich weiß, meine Muskeln begannen zu zittern. Ehe ich mich versah, schnellte meine feste Faust reflexartig nach vorne und traf ihn genau am Kinn. Sein Kopf flog in den Nacken und seine Lippen sprangen sofort auf. Als ich sein Blut sah, konnte ich mir mein Lächeln nicht mehr verkneifen. Mein Knie bohrte sich in seine Magengegend und er sank automatisch auf die Knie.
„Und jetzt reden wir über das Geschäft, du kleiner Pisser. Du glaubst doch nicht wirklich, dass wir euch Bangkok überlassen, richtig?“, fragte ich ihn, während ich sein Kinn mit meiner großen Hand umfasste und zusammendrückte. Eigentlich wollte ich es zermalmen, so dass jeder Zahnarzt seine helle Freude damit hätte. Die Diskussion mit diesem Spacken ging noch einige Zeit weiter, sein Gesundheitszustand veränderte sich rapide zum Negativen und ich fand ehrlich Gefallen daran, ihn als Punchingball zu benutzen.
Ein schriller Pfiff riss mich aus meinen Blutrausch und ich musste mich umdrehen. Als ich dieses Mädchen von der Zeichnung dort stehen sah, wurde mir anders. Das Blut in meinen Adern gefror augenblicklich, nur um sofort wieder glühend heiß weiter zu fließen. Ich traute meinen Augen nicht. Waren wir in eine Falle getappt? Wohl kaum, denn so wie James gestarrt hatte, war auch er sehr überrascht. Ich konnte mich trotzdem nicht von diesem Mädchen abwenden. Wie Ishtar persönlich stand sie hier und hielt eine gottverdammte Waffe auf den Reisfresser gerichtet. Er befahl mir doch allen ernstes, dass ich James in ruhe lassen sollte. Ich staunte mehr als nur Bauklötze, als sie den Abzug drei Mal betätigte und Lee rücksichtslos und kalt, mit einem simplen Adieu, verabschiedete und zu Boden fallen lies.
Ich vermutete, dass das die ominöse, gekaufte Tochter war, aber sicher war ich mir nicht. Sie sah dem Gesicht auf der Zeichnung verdammt ähnlich und ich konnte meine Augen nicht von ihr lassen. Sie scheinbar aber auch nicht von mir. Am Rande bekam ich mit, dass dieser andere Kerl, der scheinbar zusammen mit ihr hier war, seine Knarre erst noch auf die Jungs gerichtete hatte und dann auf mich. Als sie nach einem kurzen Wortgefecht meinte, ich sollte stehen bleiben, sonst würde sie auf mich schießen, machte mich das so verschissen abartig an. Langsamen Schrittes ging ich auf sie zu. Sie zog mich quasi mit ihren Blicken aus, aber mir erging es bei ihr nicht besser. Wie sich das wohl anfühlte, wenn ich sie berühren würde? Würde sie wirklich auf mich schießen? Wohl kaum?
Ich hatte den Gedanken noch nicht mal zu ende gedacht, da streifte mich auch schon ein Schuss. Fuck...Hell….. Yeah, das tat weh und ich konnte nicht anders, als sie anzuschreien. Als sie rotzfrech meinte, ich soll mich nicht wie ein Mädchen aufführen, wurde ich echt sauer. Wäre sie kein weibliches Wesen gewesen, dann hätte ich sie auf der Stelle kalt gemacht. Scheinbar empfand sie etwa für James, aber er war irgendwie pissig oder so. Nachdem er sie ignoriert hatte und der eine Kerl, den ich bis jetzt erst einmal gesehen hatte, James zurück ins Hotel brachte, machte sie mir mit Nachdruck klar, dass das ihr Revier ist und das es für mich besser wäre, wenn ich in meinem Viertel bliebe.
Als sie den Nahkampf ansprach, war ich sofort Feuer und Flamme für diese Idee, aber ich konnte es mir nicht verkneifen, mein Hemd dabei auszuziehen und schon war sie so derartig abgelenkt, dass ich sie ohne Probleme hätte entwaffnen können, aber ich wusste, dass sie mir in diesem Moment nicht gefährlich werden konnte. Sie fixierte mich mit ihrem Blicken und ich genoss jeden einzelnen. Eigentlich war ich es gewohnt, dass mich die Frauen so ansahen, aber so intensiv wie diese, tat das bis jetzt noch keine. Als ich ihre Hand nahm und sie mir auf die Brust legte, durchfuhr mich ein einzigartiger Schauer. In diesem geladene Moment hielt ich die Luft an, denn es war einer dieser Momente, wo ich die Augen nach hinten hätte rollen können und meinen Kopf in den Nacken legen wollte.
Es war mir mehr als nur ein Bedürfnis, ihr nahe zu sein und ich musste diese Lippen kosten. Als sie mit ihren zarten, weichen Fingern mein Tattoo nach fuhr, spürte ich, wie ein heißer Schauer mir langsam die Wirbelsäule entlang kroch. Ob sie wusste was „ Eu não servirá*“ bedeutete? Vermutlich nicht und selbst wenn, würde sie damit nicht viel anfangen können. Keiner wusste mit diesem simplen Spruch etwas anzufangen. *ich will nicht dienen
Oh Gott, als ihre Hände auf Wanderschaft gingen und ich Unterwäsche getragen hätte, hätte ich ihn verlagern müssen, aber so zeichnete er sich, aufdringlich wie er war, durch die Leinenhose ab, doch es war mir scheißegal. Ein knurren entwich meiner staubtrockenen Kehle, bis plötzlich meine verdammte Schulter zu brennen begann, als hätte man mir eine Tonne Salz auf die Wunde gestreut.
Instinktiv stieß ich Bella von mir. Ich wollte nicht, dass sie sich verletzte, aber verhindert konnte ich es auch nicht. Dieses kleine Biest hatte mir doch tatsächlich mit voller Absicht, die schweißgebadete Hand kräftig in die Wunde gedrückt. Als sie mich auslachte und an mir vorbei ging, fehlten mir schlicht und ergreifend die Worte und Edward Cullen fehlten nie die Worte. Das musste ich ihr heimzahlen, das Wann und Wo musste mir noch einfallen. Als sie mir, Mittelfinger zeigender Weise, noch ein schönes Leben wünschte, wusste ich, wir würden uns nicht das letzte Mal begegnet sein.
Bevor ich mich vom Dach stahl, bearbeitete ich noch die kleine Mauer mit meinem Taschenmesser.
Nachdem ich meine Wunde behandelt hatte, musste ich erst einmal Carlisle von den Geschehnissen berichten, denn er würde alles andere, als erfreut darüber sein. Aros Zögling war brandgefährlich und anders als angenommen, auch noch unglaublich geschickt und intelligent. Sie würde uns gefährlich werden und was noch viel schlimmer war, sie würde MIR gefährlich werden.
Ich bekam sie nicht mehr aus meinem Kopf.
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