colorblind.....................zu Hause ist dort wo dein Herz wohnt
B-Pov:
Langsam schlug ich die Augen auf, irgendwo gefangen zwischen der Traumwelt und der Realität.
Ich spürte jede Faser meines Körpers, emotionale Glückseligkeit umhüllte mich, das Kopfteil des Bettes, welches in der Nacht seinen Dienst quittierte, lag nahezu zu Brennholz zersplittert, ums Bett herum. Vermutlich war es älter als gedacht und die Meeresluft und das, teils sehr feuchte Klima verkürzte die Lebenszeit um ein Vielfaches. Ich streckte mich noch ein letztes Mal und setzte mich dann langsam auf, gemächlich schwand der Nebel, ich wurde wieder klar im Kopf und meine Gedanken schweiften zu letzter Nacht. Automatisch zierte ein Lächeln meine Lippen.
Hier im Haus war es beängstigend ruhig, also war Edward nicht da. Eigentlich sollte ich jetzt fürchterlich angepisst oder panisch nach ihm suchend in der Villa herumlaufen, aber mein Bauchgefühl verriet mir, dass er bald wieder kommen würde. Da war ich mir mehr als nur sicher. Träge rutschte ich an den Bettrand, stand langsam auf, spürte jeden einzelnen Knochen, als ich mich bückte um sein Shirt aufzuheben, roch daran, zog seinen Geruch tief ein, streifte es mir über und ging, mich selbst umarmend, hinunter in die Küche um mir einen Kaffee zu kochen. Er würde bestimmt bald kommen.
Als ich hinunter kam, sah ich das auf dieser übertrieben neumodischen Kaffeemaschine, wo man einen Fachmann brauchte um sie bedienen zu können, ein Zettel lag. Mir die Zehe an der Essinsel anschlagend, auf einem Bein humpelnd, schaffte ich es dann mehr oder weniger lebend diesen Zettel zu erreichen.
„Guten Morgen meu tudo
ich bin schnell in die Stadt um etwas Essbares zu kaufen, Luft und Liebe macht nicht satt.
Bin bald zurück.
Eu me amo
E.
Ich freute mich wie ein kleines Mädchen über diese paar Zeilen, dass mein ohnehin schon perfekter Tag nur noch besser werden konnte, stellte ich fest, dass man hier die Kaffeetassen nicht über der Maschine aufbewahrte. Mir war das nur noch nie aufgefallen, denn meistens kümmerte sich das Hausmädchen July darum, dass wir hier alles hatten, was wir brauchten. Außerdem, in der Zeit wo ich hier mit Anwesenheit geglänzt hatte, war ich ja besonders pflegeleicht und wenn ich July in ihrem französischen Englischkauderwelsch richtig verstanden hatte, dann hatte Edward in dieser Zeit, in der er hier war, nicht sonderlich viel zu sich genommen. Sie meinte, dass er die ganze Zeit an meinem Bett gesessen hatte oder umhergetigert war, was mich noch mehr berührte.
Mein Tassenproblem löste ich damit, dass es ohnehin gesünder wäre nur Wasser zu trinken und das direkt aus dem Wasserhahn, denn selbst die Gläser waren einfach unauffindbar. Gerade als ich unter dem Hahn hing, hörte ich das Schloss der Vordertüre knacken und erst dachte ich, dass Edward endlich wieder hier wäre, aber der hatte ja bestimmt einen Schlüssel und müsste nicht das Schloss aufbrechen. Panik stieg in mir hoch und instinktiv griff ich auf meinen Rücken. Erschrocken stellte ich fest, dass ich ja noch immer keine Hose anhatte, somit keine Waffe an mir trug und in dem beschissenen Shirt zwar eine äußerst gute Figur machte, aber dies nicht sonderlich zur Verteidigung beitrug. Hektisch begann ich alle Laden aufzureißen, denn auch in dieser Küche mussten irgendwo Messer sein, wie schneidet unsere Haushälterin sonst das Essen...Vielleicht irrte ich mich auch und es war doch Edward und diese Türe hörte sich einfach nur so komisch an, aber sicher war sicher. Nach der hundertsten Lade hatte ich endlich eine gefunden, in der Messer lagen und griff nach dem größten, dass ich gefunden hatte.
Die Hoffnung nicht aufgebend, dass er es doch sein konnte, wollte ich schon los stürmten, aber das wäre unvernünftig, hörte ich Miss Babette in Gedanken und entschloss, nicht mit einem überglücklichen Grinsen und dem 45 cm doppelt diamantgeschliffenen Damast- Messer im Rücken Richtung Eingangshalle zu laufen, sondern legte den Weg wie auf der Pirsch, also auf leisen Sohlen und keinem Geräusch und immer die nächste Türe im Blick, zurück. Ja, ich denke Halle war das richtige Wort, denn um die Größe dieses Hausen zu erfassen, was er als einfaches Strandhaus betitelte, musste man schon als verzogener Sohn eines eitlen, stinkreichen Gockels aufwachsen. Das traf in Cullens Fall ja voll und ganz zu. Ich bog vorsichtig um die Ecke und wollte das Messer fast schon wegwerfen, als ich jemanden mit dem Gesicht zu Wand stehen sah, der nicht aussah wie Edward, abrupt stoppte ich und drückte mich gegen die Wand, tat so als wäre ich ein Chamäleon, das sich anpassen möchte und hörte eine traurige, männliche Stimme eisig sagen:
„Hallo Isabella, scheinbar geht es dir besser als erwartet, also muss ich dich wohl nicht vor den Foltermethoden von Cullen befreien, oder? Ich nehm mal an dir geht’s gut und er hat es dir wohl so richtig besorgt, hmmm?“
Langsam drehte sich diese Person um und ich erkannte endlich wer es war. James stand vor mir, tiefe, dunkel Augenringe, blasse, fahle Haut und ein angehender Vollbart bestätigten mir, dass er alles andere als gut geschlafen hatte und sichtlich schon länger unterwegs war.
„Ähhhmm, ich denke nicht, dass ich darauf jetzt antworten muss, aber was zur Hölle machst du hier und wie hast du mich gefunden?“ schrie ich zornig und statt zu antworten, deutete er nur auf seinen Nacken und ich wusste, was ich vergessen hatte- schon wieder. Dieser scheiß Sender wurde mir schon wieder zum Verhängnis.
„Aro vermutet, dass du noch lebst, aber er denkt Cullen senior hat dich übel zurichten lassen. Als mir die Franzosen gesagt haben was war, wusste ich, was gespielt wird. Mir war klar, dass Cullen alles tun würde um dich zu retten, aber ich hätte nicht gedacht, dass die Franzosen Aro ins Gesicht lügen würden um dich und diese Dreckratte zu decken. Ich mein, was DENKST du dir eigentlich? Weißt du was schlimmer ist als Meuterei? Ich sag es dir, da gibt es nicht mehr viel außer, dass die Tochter des Captains mit dem Feind fickt und scheinbar auch nicht vorhatte, es bei dem einem Mal zu belassen. Hast dich wohl hier richtig eingelebt, hmm?“
„Ich ähhhmmm ich, also.....“ stotterte ich, denn auf das war ich nicht vorbereitet.
„Spar es dir, pack deine Sachen und wir gehen und glaub ja nicht, dass du das hier unnötig in die Länge ziehen kannst. Ich trag dich auch nackt zum Flughafen, aber mit nackt hast du ja eh keine Probleme, nicht war Liebes.....“ zischte er mich an und mir gerann das Blut in den Adern, trotzdem wollte und konnte ich nicht mit ihm mit gehen.
„UND SONST GEHT ES NOCH ODER? DU KANNST HIER NICHT REINPLATZEN UND HERUMKOMANTIEREN; WAS DENKST DU WO DU BIST UND VORALLEM WER!!!!“ schrie ich ihn an und fuchtelte dabei unbeholfen mit dem Messer vor ihm herum und er lachte mich nur aus. Ehe ich mich versah, schlug er mir das Messer aus der Hand und ich hang 15 cm über dem Boden, mit seiner Hand an meinem Hals und rang japsend nach Luft.
„Ich hab die Faxen langsam echt dicke, Liebes. Du bewegst dein durchgeficktes Fahrgestell nach oben, ziehst dich an und wir fahren zum Flughafen, es sei denn du willst, dass ich den Störsender bei Aros Laptop deaktiviere und er sofort sieht wo du bist, denn er sitz seit Wochen apathisch davor und hofft, dein scheiß Signal aufleuchten zu sehen. HAST DU MICH JETZT VERSTANDEN? Mach einfach, was ich dir sage und er bleib wenigstens am Leben, klar soweit?“ raunte er mir zu. Ich wollte ihm Contra geben aber in meinem Inneren wusste ich, dass er a) nicht scherzte und b) Recht hatte, denn wenn Aro ihn in die Finger bekommt, dann wäre er mit Sicherheit tot und das musste ich vermeiden. Stumm nickend und den Blick in die Ferne gerichtet gab ich ihm zu verstehen, dass ich kooperieren und klein beigeben werde.
Hart schluckend und die Lunge hastig mit Luft füllend verlangte ich, dass er mir bei allem schwöre, was ihm wichtig sei, dass er Edwards nichts tat. Als er mir ins Gesicht sagte, dass er es bei meinem Leben schwört, wusste ich, dass es eine ausweglose Situation war. Stillschweigend verkniff ich mir meine Tränen und lief ins Schlafzimmer, schnappte mir etwas Kleidung und verschwand im Badezimmer. Keine 10 Minuten später war ich fertig, meine verheulten Augen verdeckte ich mit einer überdimensionalen Sonnenbrille und sein Shirt versteckte ich in meiner Tasche. Missmutig und deprimiert blickte ich noch einmal zurück und ging dann hinunter, einfach an ihm vorbei, direkt hinaus auf die Straße. Meinen Blick fest auf dem Boden gerichtet, schweigend wie ein Mönch, mit den Füssen trampelnd, wie eine Fünfjährige. James versuchte mich über die Geschehnisse aufzuklären, welche sich zugetragen haben, aber sie interessierten mich nicht die Bohne. Der Scheißkerl war sich seiner Sache sehr sicher, denn er zog einen Umschlag heraus und ich wusste, dass hier mein Pass und alle anderen wichtigen Dokumente darin waren. Er trat hinter mich, legte mir seine Hand auf die Schulter und mir rann ein eiskalter, ekelhafter Schauer über den Rücken. Eigentlich mochte ich James, aber hier und jetzt, hasste ich ihn mehr als mein Leben. Er löste seine Hand und murmelte etwas davon, dass er was vergessen hatte und lief noch einmal hinein. Schulterzuckend stand ich da und mir war es wiedermal egal, denn meine Gedanken waren bei Edward. Mein schlechtes Gewissen plagte mich jetzt schon, obwohl es zu seinem Besten war
Die Fahrt zum Flughafen verlief erstaunlich schnell, wehmütig blickte ich noch immer nach hinten und bei jedem schimmernden, bronzefarbenen Haarschopf drehte ich mich nach ihm um, nur um wehmütig und vergebens festzustellen, dass es nur irgendwer war. Ich wollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass er gesehen hatte, dass ich geholt wurde, aber er sah es nicht. Meine Sachen in den Schließfächern hatte ich schon abgeschrieben, denn James hatte es sichtlich eilig.
Das einchecken und das restliche Abflugprozedere ließ ich einfach so über mir ergehen, denn wirklich etwas tun konnte ich auch nicht. Als wir endlich boarden durften, nahm ich das erste Mal so richtig war, wo wir eigentlich Platz nahmen. Diese Sackratte hat erste Klassetickets gekauft und ich war mir mehr als nur sicher, dass Aro ihm das nie erlaubt hätte. Blöd grinsend über meinen verwunderten Blick meinte er nur: “Deine Kreditkarte macht es möglich und ich denke, so wird Aro auch nichts dagegen haben!“ In mir kroch der Ärger und die Wut nur so empor –was erlaubte dieser impertinente Vollarsch sich, einfach so meine Kreditkarte zu verwenden? Das ging eindeutig zu weit. Ich hockte mich ans Fenster und starte stur hinaus, denn ich wollte mit ihm einfach nichts mehr zu tun haben. Was bildete er sich eigentlich ein? Hatte er das Recht dazu? War er im Recht? Ich mein ja klar, einfach so abtauchen ist einfach nicht richtig, aber zum einen Teil hatte ich nichts dafür können und einfach so wieder abhauen, dafür war es einfach zu schön.
„James, wann genau bist du eigentlich zum Arschloch mutiert?“ wand ich mich ihm zu, unterbrach seinen Redefluss und klimperte mit meinen Augen. Er starrte mich an und war sprachlos. „Zum Arschloch also? Bist du echt der Meinung, dass ich das Arschloch bin von uns beiden? Bist du das wirklich? Ist ER das, was du willst? Bist du tatsächlich der Meinung, dass er es auch nur im Ansatz ERNST mit dir meinen könnte? Sei nicht so naiv, Mädchen. Der Hurenbock vögelt alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Mal ganz davon abgesehen, dass er ein Cullen ist und du, wenn auch nicht sonderlich freiwillig, eine Volturi- was bei Gott schlimmer ist als damals bei Romeo und Julia und die hatten es schon nicht gerade leicht, passt ihr nicht zusammen.“ fauchte er mich mit fixierendem Blick an.
„Ach so, wir passen nicht zusammen und du bist also mein Mister Perfect oder wie habe ich das zu verstehen? Mister, ich verschwinde irgendwo hin aufs Land und hau dann ab und tauche in einem verschissenen Mönchskloster unter. Mister, komm mir nicht zu nahe, denn ich weiß nicht, was ich will. Weißt du, ich war tatsächlich felsenfest der Meinung, dass du hundertmal besser bist als Edward, aber wenn man das alles so im Nachhinein betrachtet, liebster James, bist du nichts anderes als ein verkorkster, einsamer Kerl, der selbstgerecht versucht die Welt nach seinen Vorstellungen zu drehen und obendrein bist du noch falsch und verlogen und jetzt entschuldige mich bitte, neben dir will und kann ich nicht mehr sitzen, deine Nähe ist unerträglich!“ konterte ich, stand auf und ging nach hinten in die Economy-Class.
Ich suchte mir das blondeste Mädchen, mit den hervorstechendsten Gegensätzen und sprach sie an. Sie war sofort Feuer und Flamme, mit mir die Sitzplätze zu wechseln, deshalb musste ich nicht sonderlich lang Überzeugungsarbeit leisten, was ich besonders angenehm fand, denn ich war es leid immer nur reden und erklären zu müssen.
Mit wiegenden Hüften ging sie davon und ich sank in den Sessel und hing meinen Gedanken nach. Der Flug, der eigentlich nicht sonderlich lang dauerte, zog sich Ewigkeiten hin, als wäre ich nicht schon gepeinigt genug gewesen. Ich wollte zurück, dorthin wo ich tatsächlich glücklich war.
Bella Pov Ende
Edward Pov:
Als ich meine Augen aufschlug war es schon taghell, SIE lag tief und fest schlafend, angekuschelt neben mir. Durch die Bettdecke zeichnete sich die ebenmäßige Form ihres perfekten Körpers ab und ich konnte meinen Blick kaum von ihr abwenden, aber ich musste, wenn ich sie mit einem Frühstück wecken wollte. Somit löste ich meine Arme nur unwillig von ihr und sie lang da, wie ein schlafender Engel. Den Kopf fest ins Kissen gepresst und sich an der Decke festkrallend, machte sie einen äußerst zufriedenen Eindruck. Ich rutschte von ihr weg um dann schnell aufzustehen. Als sie begann sich langsam zu bewegen und zu räkeln, dachte ich schon, ich hätte sie aufgeweckt aber sie drehte sich nur um, schmatzte zufrieden und schlief weiter. Einige Schritte rückwärts machend, um noch mehr von ihrem Anblick in mich aufzunehmen, trat ich auf etwas – oder erspürte etwas. Als ich mein Bein hob, sah ich, was es war, hob die Kondomverpackung auf und warf sie in den Mülleimer. Scheinbar war meine Treffsicherheit im Eifer des Gefechtes schwer beeinträchtigt. Ich war froh, dass wir wenigstens an das gedacht hatten. Gut gelaunt, fast schon überglücklich, ging ich hinüber ins Badezimmer um schnell zu duschen. Fast lautlos huschte ich wieder zurück ins Schlafzimmer und sie schlief noch immer. Ich stahl mir einen Kuss und huschte hinunter um schnell in die Stadt zu fahren, hinterließ ihr aber sicherheitshalber einen Zettel, welchen ich auf der Kaffeemaschine befestigte.
*******
Der Einkauf hatte, gottseidank, nicht so lange gedauert, aber scheinbar hatte ich mir etwas in den Reifen gefahren, denn aus ihm war die Luft entwichen. Als ich endlich, nach gefühlten Stunden, beim Haus ankam, riss die Türe weit auf und stürmte hinein. Nachdem sich im Erdgeschoss noch nichts getan hatte, lief ich schnellen Schrittes nach oben. Das Bett war verlassen und die Dusche leer. Panik machte sich schlagartig in mir breit und ich stürzte nach unten. Erst jetzt viel mir das Kuvert auf der Vorzimmerkommode auf. Ich nahm es in beide Hände und wusste innerlich schon so ungefähr was darin stand, aber damit gerecht hatte ich nicht. Ich schob meinen Finger unter den Falz und hob es hoch, schnell riss ich es gänzlich auf und fischte das Blatt Papier heraus.
Edward,
ich musste gehen, da ich deine Gegenwart nicht länger ertragen kann.
DU bist nicht NICHT gut für mich!!
Ich werde den Kontakt zu dir nicht mehr suchen und es wird so sein, als hätte es mich nicht gegeben.
Bella
Wütend zerknäulte ich das Stück Papier in meiner Hand, nur um es sofort wieder auseinander zu nehmen. Ich las die Zeilen noch 2, 3, 4- mal und Verzweiflung löste meine blinde Wut ab. Wie konnte sie das nur so schreiben? Das war nicht sie, dass war auf keinen Fall sie! Ich fischte mit einer Hand mein Feuerzeug aus der Hose und zündete den Brief an. Während er langsam Feuer fing, steckte ich mir eine Zigarette daran an und sog den Rauch hastig und tief in meine Lunge ein. Langsam spürte ich, wie das Nikotin in meinen Körper eindrang, sich verteilte aber nicht die dringend benötigte Ruhe über mich brachte, die man diesem Nervengift nachsagte.
Es war ohnehin zu spät, denn ich hatte das brennende Papier fallen gelassen und meine Hand dreimal, mit aller Kraft gegen die massive Ziegelmauer geschlagen. Die Haut, die sonst straff über meinen Knöchel spannte, war aufgeschürft und blutete. Sie schmerzte höllisch, dennoch war dieser Schmerz nichts im Vergleich zu dieser endlosen Leere, die sich in meinem Inneren breit machte. Tausendprozentig war ich mir sicher, dass sie geholt wurde, denn nichts in ihrem Tun und Handeln oder in ihren Blicken der letzten Tage verriet mir, dass etwas Falsches an ihr war. Es musste so sein, sie musste zurückgeholt worden sein, so als würde man dem Entführer, die Entführte entführen.
Es musste Aro gewesen sein, also nicht er persönlich, denn dieser alte Greis käme ja noch nicht mal bis zum Flughafen, wenn ihn seine Affen nicht hintragen würden und auf einmal fiel es mir wieder ein. ANDREA, sie saß doch näher als nah, wenn sie auch nur halb so loyal war, wie sie immer sagte, dann wartete sie schon auf meinen Anruf. Ungeduldig fischte ich mein Handy aus der Tasche und prompt fiel es mir aus der Hand. Zum Glück war es kein I-Phone, denn sonst wäre es eben gerade in tausend Scherben zerbrochen. Ich hob es auf, entsperrte das Display und durchsuchte die Kontaktliste, fand was ich wollte und drückte den Hörerbutton. Eine gefühlte Ewigkeit verging als sich eine zierliche Frauenstimme am Telefon meldete und mich mit „Hallo, Mom“ begrüßte und ich wusste, sie war gerade bei Aro im Haus. Ich sprach leiser als gewohnt und fragte sie, ob sie die Schwarzwälder Kirschtorte schon fertig hätte, für „VATIS“ Geburtstag und sie bejahte ordnungsgemäß und versprach pünktlich zur abendlichen Feierlichkeit anwesend zu sein. Ich verstand, dass Aros sein Som Tan, pünktlich zum Abendessen, mit einer guten Dosis Schierling serviert bekommen würde und ich lächelte selbstzufrieden, bedankte mich bei ihr so, wie eine Mutter es bei ihrer Tochter tun würde und legte auf.
Som Tan aß ich gerne, allerdings konnte ich auf die Beigabe von Schierling verzichten, aber das war der Nachteil an den guten Giften heutzutage, man musste höllisch aufpassen, was man wo rein mischte. Schierling konnte man nur mit etwas scharfen mischen, sonst würde sogar der alte Saftsack es schmecken. Zufrieden ging ich ins Schlafzimmer hinauf um meine Sachen zu packen, als ich bemerkte das mein Shirt fehlte und als ich meinem Blick durchs Zimmer schweifen ließ und auf den überdimensionalen Wandspiegel blickte, auf dem mit einem schwarzen Stift, der einfach zu Boden geworfen wurde und davorlag, ein einfaches „SORRY“ geschrieben wurde.
Mein Herz machte einen Satz und begann im Galopp zu schlagen. Wie ein Irrer packte ich meine Sachen im Eiltempo zusammen, ich musste sofort nach London und wenn es das Letzte ist, was ich tun werde....
E-POV ENDE
BELLA- Den Teufel werd ich tun und dorthin zurück gehen- Volturi
Als wir gelandet waren traf ich, nach dem Aussteigen, wohl oder übel, wieder auf James, der sich gerade von der blonden Frau verabschiedete und ihr seine Visitenkarte zusteckte. Jeder hatte so scheiß Karten. Ich hatte noch nicht mal eine sichere Handynummer, die nicht rund um die Uhr abgehört wurde. Genervt stand ich da, die Hände auf meinen Hüften abgestützt, schaute ich ihn genervt an. Blondie blickte zu mir herüber, formte ein unechtes „Dankeschön“ und ich zuckte nur gleichgültig mit meinen Schultern. Soll sie doch mit dem Arschloch glücklich werden, ich mein sie wird es schon früh genug feststellen, was für ein egoistischer, egozentrischer Vollarsch er doch eigentlich sein kann, wenn ihm etwas nicht passte. Ich mein, ich mochte ihn wirklich, aber scheinbar war er, im alles entscheidenden Moment, irgendwo in diesem Scheiß-England, an irgendwelchen Klippen und hat nachgedacht. NACHDENKEN hätte er in London auch können, dann wäre vermutlich alles anders, aber ich bereue aktuell nicht, dass es so gekommen ist. Ich bereue es nur, dass ich jetzt wieder in London bin und so weit weg von Edward. Jeder Gedanke an ihn, jedes Fünkchen Sehnsucht, das in mir loderte, verursachte übermenschliche Schmerzen, auch wenn es nur Phantomschmerzen waren, sie waren realer, als die gesamte Realität, die gerade um mich herum existierte und geschäftig voran trieb.
„James, ich dachte du hättest es so SCHEISSE eilig, dass du mich noch nicht mal einen Kaffee trinken hast lassen, also beweg deinen Prachtarsch endlich herüber, SCHATZ!“ rief ich gespielt liebreizend und noch bevor ich den Satz richtig zu Ende gesprochen hatte, klebten ihm schon 5 perfekt manikürte Finger im Gesicht. Eine zornige Blondine klimperte ihn wutentbrannt an und fiepte mit nasaler hoher Stimme: „SCHATZ also? Gerade eben warst du noch Single, immer diese Scheißmänner.“ Sie stampfte in meine Richtung, viel mir um den Hals und bedankte sich bei mir, dass ich ihr die Augen geöffnet habe. Diese dusslige Kuh, die hat bestimmt nicht nachgedacht. Schon allein weil Bella sie ja zu ihm geschickt hat und auf einmal Schatz sagt.
„Wie heißt du eigentlich?“ fragte sie mich aufgeregt, vermutlich war das wieder so eine, die dachte wir würden die besten Freunde werden, aber ich antwortete trotzdem wahrheitsgemäß.
„Bella, cool! Also mein Name ist Alexis-Florentin, aber Lexie reicht vollkommen.“ meinte sie dämlich grinsend und ich antwortete nur mit einem simplen „nett“, wobei ich die beiden T´s besonders betonte. Während James sie verträumt anschaute, wünschte ich ihr gerade die Pest, inklusive aller Seuchen, die es so auf dieser gottverdammten Welt gab, an den Hals. Dümmlich grinsend drehte sie sich um und gerade als sie gehen wollte, klärte ich sie auf, dass James ganz sicher nicht mein Freund wäre und er deshalb auch nicht mein „Schatz“ war. Kaum hatte ich diesen Satz ausgesprochen, lief sie zu ihm und warf sich ihm um den Hals. Richtig widerlich und es wirkte so, als wären die beide wie Magnet und Metall, so zog es die beiden zueinander, aber irgendwie auch nicht. James wirkte so verkrampft, so als würde er sich gegen etwas zu wehren versuchen, was er aber gar nicht so wirklich will. Soll er doch, dachte ich mir, denn der Volltrottel kann sich ruhig genauso beschissen fühlen wie ich.
„Ich kenn da ein nettes Restaurant, mitten in der Stadt, da müssen wir unbedingt einmal hingehen.“ flötete Barbie und mir kam ein Schauer eiskalt über den Rücken. Innerlich äffte ich sie nach, aber eigentlich soll auch James glücklich werden, NUR NICHT JETZT, nicht wo er mich mit allen Mittel von Edward weggerissen hatte. „Herzzerreißend, aber können wir dann endlich mal gehen? Mir hängt der Magen bis zu den Knien und ich bin sicher, Aro wartet schon auf mich. Wir wollen ihn nicht noch länger warten lassen, gell.“ schmetterte ich über Barbie hinweg, aber sie raffte es nicht, dass sie störte. James löste sich von ihr und kam endlich in die Gänge, als ich bemerkte wie sie ihm treuherzig hinterher blickte. Wie Flocki, wenn sein Herrchen ihn alleine in der Wohnung lässt, dachte ich mir, sagte aber nichts.
Scheinbar hatte es James bis über beide Ohren erwischt und ich hoffte inständig, er würde es sich bald erlauben, denn das hieß, dass er mich endlich aufgeben würde und ich vielleicht eine Chance hätte, zurück zu Edward zu kommen. Jeder Gedanke an ihn erfüllte mich mit tiefem Schmerz, denn nichts anderes würde ich lieber tun als bei ihm zu sein. Jede Minute ohne ihn, war eine Verlorene, das war mir mittlerweile mehr als nur klar. Schmerzhaft erinnerte ich mich an die Zeit mit Edward zurück und musste mir krampfhaft eine Träne verdrücken. Seine Hände, die meinen Körper berührten, seine Lippen, die meinen Mund liebkosten und das Gefühl, ihn ganz zu spüren?
„ERDE AN BELLAAAAAAAAA, ich rede die ganze Zeit mit dir und du läufst nur bedröppelt hinter mir her und sagst noch nicht mal was.“ schrie James mich himmelhochjauchzend an und ich blickte nur aggressiv zurück, „Ja ok ok ok zugegebener weise, war es nicht unbedingt die feine englische Art dich aus Frankreich abzuholen, aber Aro macht sich echt Sorgen und Vorwürfe und weiß der Geier, was noch alles und ich hatte auch höllische Angst, dass du nicht lebend aus der ganzen Sache raus kommst, aber als Francoise angerufen hatte und mir erzählte, dass du von Cullen junior persönlich gerettet wurdest, spürte ich, in meinem tiefsten Inneren, dass du nicht mehr in Gefahr warst, aber ich wusste auch, dass ich dich dort schnellst möglichst raus bekommen musste, denn es war unser sicherer Untergang. Man kann keinem Cullen glauben, das weißt du! Bella, bitte schau mich nicht so verhasst vorwurfsvoll an. Es tut mir ehrlich leid aber glaube mir, es war das Beste.“
„Spar es dir einfach, es interessiert mich nicht die Bohne. Date dein Barbiepüppchen und lass mich in Ruhe. Für mich existierst du nur mehr, als einer von Aros Leuten, als Befehlsnehmer.“ sagt ich leise und ging zu der überdimensionalen Stretch- Limo mit unserem Wappen auf der Türe. Protziger ging es ja wohl kaum, aber so war er eben.
Natürlich war ich nervös, innerlich zitterte ich wie Espenlaub, aber nach außen hin war ich teilnahmslos, es prasselte alles an mir ab. Ich musste seinem treuherzigen Dackelblick standhalten, auch wenn es schwer fiel, aber DAS verzeihe ich ihm niemals nicht. Meine Gedanken schweiften wieder zurück zu Aro. Würde er mich anschreien, ignorieren oder diesmal bestrafen? Vielleicht ist er auch einfach nur froh oder vielleicht kombiniert er die Reaktionen? Was hat James ihm alles erzählt? Wie viel würde er wissen wollen?
Ich hatte ganz vergessen wie NAH alles lag. Die Fahrt zum Haus verging, noch ehe sie begonnen hatte. Stocksteif stieg ich aus, die Angst saß tief in meinem Knochen und ich spürte, wie sich ein Zittern in meinem Körper breit machte, meine Narbe begann auf einmal höllisch zu schmerzen, sodass ich instinktiv eine Hand schützen darüber legte. Ich hämmerte den Code in die kleine Tastatur und die Türe sprang summend auf. Zögerlich ging ich voraus und James folgte mir. Aus dem oberen Stock brüllte „Hey Pippi Langstrumpf“, aber niemanden schien das zu stören. Unsicher schlich ich im Schneckentempo voran. Im Wohnzimmer lag ein schwerer Geruch, den ich noch nicht zuordnen konnte, aber es roch auf jeden Fall nach Papaya. Langsam kroch ich voran, bis ich mir die Nase zuhalten musste, denn der scharfe Geruch von Chilis und das Süßliche, von den Papayas paarte sich mit Limonen und geröstete Erdnüssen. Man musste kein Koch sein um zu wissen, dass Andrea ihm wiedermal sein Leibgericht gekocht hatte.
Diese Stille hier im Haus bereitete mir Unbehagen. Zu keinem Zeitpunkt war einzig und allein nur Vicky zu hören, hier war immer was los. Entweder einer der Affen veranstalte Terror oder Aro hatte Besuch oder ich stritt mich lautstark mit Victoria, aber hier und jetzt war es unheimlich ruhig.
Mein Magen rumorte, alles in mir wehrte sich buchstäblich gegen diese Situation, jeder einzelne Nerv war zum Bersten gespannt. Eine Hand lag über meiner Narbe, die Andere hatte ich zur Faust geballt, damit ich das Zittern unterdrücken konnte. Als ich das Esszimmer erreichte, stockte mir der Atem, ich blieb wie angewurzelt stehen und riss meine Augen weit auf. Ich konnte es einfach nicht glauben...................
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