someone like you--- i´m bad but i´m right Teil2
Es ging alles so schnell, er hatte noch nicht mal mehr Zeit zum Schreien, gab Arees schon seinen dritten und vierten Schuss ab. In dem Moment, wo sein Kopf den Boden berührte, fiel mir mehr als nur ein Stein vom Herzen. All die Qualen, all die emotionale Peinigung, die ich durch diesen Menschen erfahren habe, löste sich von mir, als wäre sie nie dagewesen. Ich fühlte mich frei. Noch bevor sein Blut meine Füße erreichte, setzte ich mich auf meinen Schreibtisch, griff zum Telefon und wählte James Klappe.
Als er endlich ran ging, erzählte ich ihm Stichwortartig was passiert war und keine 5 Minuten später waren 2 Männer in schwarzen Anzügen da und holten die Leiche ab. Eine kleine Vietnamesin kam und reinigte, mit Unmengen an Chlor und anderen Reinigungsmitteln, den Fußboden.
20 Minuten später war es so, als wäre nichts gewesen und Reinhard riss mich aus meiner geistigen Starre.
„Dabei hätte ich so eine schöne Kommode gesehen, die hätte hier perfekt reingepasst.“ meinte er schulterzuckend und hielt mir einen Becher mit Chai-Latte hin, den ich dankend annahm.
„Dann kauf sie doch.“ meinte ich schulterzuckend, während ich aus dem Fenster hinaus schaute. Reini freute sich wie ein kleines Kind, drängte mich ein Stückchen rüber und setze sich ebenfalls auf den Tisch.
Gerade als ich den Becher zum Trinken angesetzt hatte, meinte Reinhard, dass er mir von Jake ausrichten soll, dass ihm Edward gesagt hatte, das er mich sehen will und zwar am höchsten Punkt in London, an dem Tag, an dem der Vollmond am besten zu sehen war und ich spuckte meinen Kaffee gegen das Fenster.
„ER HAT WAS? UND WIESO SAGST DU MIR DAS SO BEILÄUFIG? ICH MEIN GEHTS NOCH? SCHEISSE ICH MUSS GOOGELN WANN DAS WO IST UND ZUM FRISÖR UND ZUR MANIKÜRE, REINI RUF ALICE AN SOFORT!!!“ panisch rannte ich, wie von der Tarantel gestochen, in meinem Büro herum, während sich Reinhard vor Lachen kringelte.
„Hampstead Heath, heute Abend 1 Uhr, Termin mit Alice in genau 20 Minuten bei dir zu Hause“ grinste er nur gelassen und ich fiel ihm danken um den Hals.
Fluchtartig verließ ich die Enterprise, Reinhard würde alle Termine für mich wahrnehmen oder absagen, sodass ich freigespielt war.
Was würde ich ihm sagen, wenn ich ihm gegenüber stand?
Was würde er sagen?
Hat er es verstanden, dass ich keine andere Wahl hatte?
Wäre es so, wie in Frankreich?
Würden wir zusammen bleiben, haben wir jetzt endlich eine Chance?
All diese Fragen und einige mehr machten sich in mir breit und schwirrten in meinen Kopf umher.
In wenigen Stunden hatte ich meine Antwort aber bis dahin muss ich mich von Alice quälen lassen, wobei ich schon recht ansehnlich war in letzter Zeit. Als ich zu Hause ankam, war sie schon da.
Sofort zog sie mich ins Hausinnere und hinauf in mein Badezimmer.
Kaum als ich mich gesetzt hatte, begann sie wie ein Wasserfall zu reden und legte Masken und Kuren auf. Ich kam mir vor, wie ein Versuchskaninchen. Sie spachtelte, tupfte, tunkte, massierte und drückte was das Zeug hielt. Als sie mir die Klamotten vom Leib zog und mich auf eine Liege bugsierte, die mir vollkommen neu war und mir mit dem warmen Wachs zu nahe rückte, wusste ich, was jetzt passierte, aber ich ließ es geschehen. Ich kniff die Augen zusammen und versuchte mich geistig wieder nach Frankreich zu verfrachten. Ich erinnerte mich zurück an dem Abend im Wasser und an die Nacht danach, dass reißen der Stofftücher bekam ich fast nicht mehr mit. ABER NUR FAST.
2 Stunden und 15 Minuten später beschloss der kleine Teufel, dass er fertig war und entließ mich in Richtung Kleiderkasten. Zusammenfassend hätte man sagen können, dass es ihr recht gewesen wäre, wenn ich nackt zu dem Treffen gegangen wäre, denn das entspräche dem, was sie mir als adäquate Kleidung empfehlen wollte. Irgendwann beschloss ich, dass ich eine seitlich geschnürte, hautenge Lederhose anziehen würde, ein einfachen Top darüber und eine taillierte Lederjacke, an den Füssen statt den gewünschten Highheels simple Doc´s. Das war ICH und zwar pur. Gerade in so einer Situation wäre es sehr blöd, wenn ich mich dann auch noch extra unwohlfühlen würde, versuchte ich Alice zu erklären, aber die zog schmollend von dannen. Ich lud Arees nach und setzte mich wartenderweise aufs Sofa und zappte durchs Fernsehprogramm, denn auch wenn er es verdient hatte zu sterben, habe ich heute wieder einen Menschen getötet und das ging einfach nicht so spurlos an mir vorbei.
Er hatte gesagt, er musste Moms Unterschrift fälschen, dass hieß, sie wusste von all dem und sie hatte mich dennoch nicht gesucht oder hatte er es verhindert? Bis wohin hatte Aro seine Finger wirklich im Spiel? Hatte er sie da überhaupt im Spiel oder wusste er genauso wenig von der Fälschung wie ich? Er meinte er hätte Abschiedsbriefe geschrieben. Hatte sie dann irgendwann echt geglaubt, dass ich sie hasste? Ich mein ja, ich hasste sie, aber sicher aus anderen Gründen als da drin standen!
Mit Phils Tod starben auch viele negative Erlebnisse in mir ab, aber vergessen werde ich sie nie gänzlich, auch wenn das Leben damit leichter werden würde. Bestimmt würden diese Träume aufhören so real zu sein.
Die Uhr schlug gerade erst 22 Uhr als jemand an meiner Zimmertür klopfte. Genervt stand ich auf um die Türe zu öffnen. Es war James, warum wunderte es mich nicht?
„Ich hab schon gehört, dass er sich mit dir treffen will...“ druckste er herum wie ein kleiner Junge.
„ JAAAA und…“ meine Stimme klang gelangweilt und ich wartete, bis er endlich mit der Sprache heraus rückte. Als er mir sagte, dass er einen Brief in meinem Namen hinterlassen hatte, ohrfeigte ich in an die 4 Mal.
„DAS konnte doch nicht wahr sein. Phil schreibt Briefe in meinem Namen, du schreibst welche in meinem Namen, was geht mit euch? Glaubt ihr alle, ich sei zu blöd dazu oder wo ist euer Problem? Ich hab die Schnauze echt voll langsam!“ schrie ich und wollte ihm schon die Türe vor der Nase zuschlagen.
„Ich wollte nur, dass du es weißt.“ meinte er gleichgültig, drehte sich um und ging. Noch nicht mal ein Einfaches „es tut mir leid“ brachte er über die Lippen.
JA toll...er wollte nur, dass ich es weiß, dass verbesserte natürlich die Situation um ein Vielfaches. Ich schrie ihm nach, was er denn da hinein geschrieben hatte und seine Antwort traf mich wie ein Schlag. Wie konnte er es nur wagen, dass er Edward, in meinem Namen sagte, er sei nicht gut für mich! Was bildete er sich ein? Etwa, dass er der Richtige für mich wäre, wohl kaum, wie man an Alexis-Florentin sah. Die hatte ihn doch um den Finger gewickelt, wenn sie etwas sagte sprang er sofort auf, trug sie bis ans Ende der Welt und noch viel weiter.
Oh ich war eifersüchtig und wie ich das war, jeder durfte glücklich sein nur ich nicht. Was war das für eine ungerechte Welt. Mir legen alle Steine in den Weg und ich soll mich dann auch noch für sie freuen, oder wie? Die einzigen die mich verstehen waren Reinhard und Miss Babette.
Unsicherheit machte sich in mir breit. Ich hatte das Gefühl, dass der Abend über alles entscheiden wird, aber wie wird es ausgehen? Für mich oder wiedermal gegen mich?
Mit Edward gegen den Rest der Welt, das war das, was ich wollte. Jetzt müsste es doch möglich sein, oder? Aro war nicht mehr und somit gab es keine Fehde mehr oder habe ich die auch mit geerbt?
Konnten sich die Zeiger dieser Uhr nicht einfach schneller bewegen? Ich war ohnehin schon nicht sehr geduldig und außerdem hasste ich warten.
23:45 JA WELT QUÄLE mich ruhig noch ein bisschen. Kann man die Zeiger an dieser blöden Uhr hier in London anschieben, dass sie schneller rum gehen? Ich mein, kann es angehen, dass 1 Minuten ganze 60 Sekunden hat und das eine Stunde ganze 60 Minuten hatte? Ich meine, das ist doch die pure Quälerei, oder? Während ich meinen inneren Kampf gegen die Zeit bestritt, tigerte ich in meinem Zimmer auf und ab. Richtete vertrocknete Blumen, zupfte Tischdecken zurecht, drehte Bilderrahmen gerade. Ordnete meine Socken nach Farben und nach Stoffbeschaffenheit.
24:05 Nein Welt, ist kein Thema, stress dich bloß nicht, ich habe JA ZEIT!! fluchte ich innerlich und stampfte hinunter in die Garage, schwang mich ohne Helm auf meine violette Yamaha und machte mich, alles andere als langsam und gemächlich, auf den Weg nach Hampstead Heath. Ich überlegte, ob ich mein Bike abstellen und zu Fuß auf die Lichtung des Parks gehen sollte oder ob ich verbotener Weise mit der Maschine hinfahren, aber ich hatte ja noch mehr als genug ZEIT und beschloss zu Fuß zu gehen.
Ich lief durch den Park um schnellst möglich an die höchste Stelle zu gelangen. Leicht außer Atem kam ich an und lehnte mich gegen eine dieser Picknickbänke, die hier überall aufgestellt waren. Die Aussicht war der Hammer, kaum zu vergleichen mit Frankreich, denn es war tausendmal besser.
Die Sterne, die meiner Meinung nach perfekt angeordnet waren, der Vollmond, der in seiner vollen Pracht mit meiner guten Laune um die Wette strahlte, an die tausend Schmetterlinge, die in meinem Bauch Samba tanzten, das kaum zu überbietende Hochgefühl, das durch meinen Körper jagte und alles nur, weil er sich gemeldet hatten. Beinahe wäre die Zeit stehen geblieben, aber das konnte ich gerade noch verhindern. Der kühle Wind wehte durch mein Haar, leicht fröstelnd stand ich nun da und wartete. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich warten hasste?
Der Wind spielte mit herbstlich gefärbten Blättern und drehte sie gekonnt im Kreis, Kastanien flogen von den Bäumen. Jedes rascheln, dass ich nicht sofort zuordnen konnte, ließ mich erschauern, denn ER musste jeden Moment hier auftauchen.
Wenn er den auftauchte....
Links eine Kastanie, Rechts ein nachtaktives Streifenhörnchen, vor mir der Wind, der die Blätter aufwirbelte und dennoch war das Gefühl im Rücken anders. Wärmer, dennoch ließ es mich eiskalt erzittern. Ich spürte seinen Blick, seine Anwesenheit, mein Körper reagierte auf seinen. Wie ein Magnet, der sich nach seinem Gegenstück ausrichtete...
Automatisch drehte ich mich langsam um, so als würde die Zeit stehen bleiben, dabei tat ich doch eigentlich alles dafür, dass sie schneller ging und dann sah ich ihn auf der Böschung hinter mir.
Das imposante Mondlicht warf seine perfekte Silhouette meterweit vor ihm her, jede einzeln abstehende Haarsträhne bildete ich mir ein zu sehen, seine perfektionierte Gestalt bewegte sich animalisch auf mich zu.
Mein Atmen ging schwer, ich ballte die Fäuste, streckte die Knie durch und alles nur um zu verhindern, dass ich auf ihn zu lief wie eine Teenie, dass seinen Schwarm endlich wieder sah.
Regungslos nach Luft japsend stand ich da, wartete...
Herrgott noch mal beweg dich doch schneller, in der Zeit hätte ich dich in Stein meißeln können, rief ich ihm in meinem Kopf zu, nach außen hin stand ich da, eine Hand in die Hüfte gestemmt, die andere fasste meine Haare so zusammen, dass es nicht nur mordsmäßig lässig aussah, sondern dass ich jede seiner Bewegung wahrnehmen konnte.
„NICHT STEHEN BLEIBEN, DAS IST DOCH KEIN CATWALK!!!“ brüllte ich ihn innerlich an, nach außen hin grinste ich nur. Oh mein Gott, ich war kurz davor umzukippen, ich versuchte meinen hyperventilierenden Atem bestmöglich unter Kontrolle zu bringen, aber je näher er mir kam umso hektischer wurde ich.
Heiß, kalt, windig, eisig, eisig-windig, warm all diese Empfindungen und die Schmetterlinge in meinem Bauch ließen mich fast abheben, als er keine 7,5 Meter mehr von mir entfernt stand.
„Bella,....“ sagte er mit seiner hypnotisierenden Stimme und meine Knie wurden zu Gummi.
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