Guns & peanut butter.......................oder Schokolade zum Frühstück ist etwas für Weicheier
NEIN, nein, nein und nochmals NEIN...es konnte doch einfach nicht wahr sein. Mit hochrotem Kopf war ich aus dem Apartment von Rose und Emmett hinaus gestürmt. Ich hatte noch immer die Sachen vom Vortag an. Ich musste zurück zu meinem Bike und zusehen, dass ich nach Hause kam. Aro wird mir den Kopf abreißen. Und verfluchte Scheiße, ich stank. Ich müffelte nach Sex und Alkohol, beides getrennt, nicht unbedingt eine wohlriechende Angelegenheit und kombiniert, einfach nur noch ekelhaft.
Genervt und ohne Plan,irrte ich durch die Straßen und versuchte den Weg zurück, zu dieser verdammten Bar zu finden.
Als wäre der Tag nicht schon beschissen genug, kam ich natürlich an dem Auto von heute Nacht vorbei und man konnte noch deutlich die Abdrücke unserer Hände sehen, da ich mir ja unbedingt ein schwarzes, glänzendes Auto aussuchen musste. In diesem Moment zog sich mein Magen zusammen und ich übergab mich, absolut nicht ladylike, mitten auf die Straße.VERDAMMT!!!
Als ich mich so halbwegs wieder im Griff hatte, versuchte ich mich zu konzertieren, wo ich denn nun mein Bike am Abend zuvor stehen gelassen hatte. Nur langsam kam ich mit meiner Suche voran, da ich meinem Magen noch immer nicht sonderlich vertraute.Zum Glück fand ich es zwei Straßen weiter, dort wo ich es stehen gelassen hatte. Ich schwang mich vorsichtig darauf und startete die PS- Schleuder. Tief ein- und ausatmend checkte ich geistig nochmal alle Vitalfunktionen und machte mich vom Acker. Zum Glück war die Oxford Street nicht allzu weit weg. Und so stand ich schon nach fünfzehn Minuten, mit wackeligen Beinen, in der Garage wo Bobberle schon auf mich wartete. Ich ließ mir nichts anmerken und nickte ihm gelassen zu.
Er senkte den Blick und wisperte vorsichtig, dass Aro mich unverzüglich zu sprechen wünschte und zwar in seinem Arbeitszimmer. Schulterzuckend gab ich ihm zu verstehen, dass ich aber erst noch duschen gehen wollte, woraufhin er mir antwortete, dass er mich notfalls mit Gewalt zu ihm bringen sollte.
Entrüstet starrte ich ihn an und meinte dann süffisant, “Wir wissen beide, dass wenn ich dir jetzt davon laufe, ich doppelt so schnell bin wie du Mopskopf, oder? Und im schlimmsten Fall, wirst du verletzt. Ich weiß zwar nicht, wie sehr du dich und deinen Körper magst, aber ich denke, das ist es nicht wert. Richtig?“ Während ich mich siegessicher auf den Rückzug in mein Zimmer begab, blockierte mir etwas großes, Starkes den Weg. Urplötzlich fiel mir wieder ein, dass Aro ja zwei von den Vollpfosten hatte und zusammen waren sie fast schon Intelligent. Zwei Arme schlossen sich um mich und ich war gefangen, wie in einem Schraubstock. FUCK!!!!. Mit einer Leichtigkeit hob er mich hoch und schleifte mich, wild umher tretend, zu Aro ins Büro. Dort angekommen, ließ mich dieses Arschloch unsanft auf meinen Arsch fallen.
Aro stand am Fenster, mit dem Rücken zu mir gewandt. Eine gefühlte Ewigkeit hörte man ihn nur ein- und ausatmen und bei mir stellte sich die Gänsehaut so weit auf, dass ich tatsächlich aussah, wie eine frisch gerupfte Gans. Es war so sicher wie das Amen im Gebet, dass ich hier nicht so einfach wieder hinaus kommen würde. Meine trotzige Art wäre mein Todesurteil, also beschloss ich einfach abzuwarten. Am Boden fühlte ich mich sicher und setzte mich, mit an den Körper gezogenen Beinen, hin und wartete.
„Ich hab dich zu mir geholt, damit du meine Nachfolgerin wirst. Dir wurden absolut keine Grenzen gesetzt. Du durftest alles machen, was du wolltest. Man hat aus dir buchstäblich eine Kampfmaschine gemacht, du hast soviel Geld, dass du dir wirklich alles leisten kannst, was du willst, und das einzige was du machst...IST IRGENDEINEN DAHERGELAUFNEN KERL AUF EINER MOTORHAUBE FLACHZULEGEN??? Sag mal spinnst du?
Kannst du dir auch nur im geringsten vorstellen, was das für Konsequenzen haben könnte?
Verdammt nochmal Isabelle, du solltest eigentlich ein Vorbild sein. Du musst dringend einen anderen Weg einschlagen, um dein Leben zu leben. Langsam solltest du dich zwischen Ober- und Unterwelt zurechtfinden. Immerhin wirst du dich in beiden bewegen müssen, als wären sie dein Zuhause. Wenn du deine Einstellung, bezüglich deines Verhaltens, nicht bald überdenken solltest, bekommst du tatsächlich eine Anstandsdame an deine Seite. Und ich schwöre dir bei Gott, so wahr ich hier stehe, noch einen Fehltritt und wir ziehen hier ganz andere Seiten auf. Und scheiße noch mal geh duschen, du stinkst wie so ein verlauster Straßenköter!“ Ich konnte Aro nur anstarren, als er auf mich zu kam, mich an den Armen hoch zog und mich an maulte, ob ich nicht vielleicht auch was dazu zu sagen hätte.
„uhh ……ähhm…… naja….. also…… Scheiße noch mal, woher weißt du das? Hast du vielleicht überall deine Wachhunde? Was soll die Scheiße, Aro? Ich bin mir meiner tollen Rolle, in diesem mehr als nur kranken Spiel, durchaus bewusst, aber außer Akten sortieren und Leute umlegen, habe ich hier noch nichts gelernt.“, schnautzte ich ihn an. Er wusste, ich hatte Recht und scheiße noch mal, ich wusste, er hatte genauso Recht. Aber eher würde die Hölle einfrieren, als dass ich das, jemals zugeben würde. Wir schauten uns beide tief in die Augen und fochten unseren Kampf ohne Worte aus. Wir hatten uns eigentlich auch nichts mehr zu sagen. Auf meine Frage, wo James war, bekam ich keine Antwort. Ich drohte ihm, mit meinen Methoden zu suchen und er wusste, dass dies keine gute Idee war. Und so gab er mir den einzigen Hinweis, den er angeblich hatte. Er gab mir die Koordinaten und wünschte mir Glück bei der Suche und fügte noch hinzu, dass er hoffte, wir hätten uns ein für alle mal verstanden. Wortlos nahm ich den Zettel entgegen und ging aus dem Arbeitszimmer. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, lief ich hoch in mein Zimmer, riss mir augenblicklich die Klamotten vom Leib und sprang unter die Dusche. Mir war klar, ich sollte eigentlich keine Zeit verlieren, aber ich musste unbedingt die Erinnerungen an letzte Nacht weg waschen und das, so gut es eben ging.
BELLA ENDE
James POV
Ich saß nichtsahnend auf meiner Veranda und hing, wie schon die Tage zuvor, einfach nur meinen Gedanken nach. In meinem alten, auf dem Flohmarkt gekauften Schaukelstuhl, fühlte ich mich ganz wohl. Den Blick immer auf das ferne, aber eigentlich doch so nahe Meer gerichtet. Es war einzigartig, wenn man in der Früh aufstand, hinaus ging und das erste, was man roch, die klare, frische und salzige Luft war. Eigentlich begann jeder Morgen so und jeder Morgen war nahezu perfekt, bis auf die Tatsache, dass Bella hier fehlte.
In meiner Vorstellung begann der Morgen damit, dass ich mit ihr in meinem Armen aufwachte, sie zärtlich küsste und ihr sanft mit der Hand die Wirbelsäule entlang streichelte, um sie zu wecken. Langsam würde sie ihre Schokoaugen aufschlagen, vom Tageslicht geblendet blinzeln und mich dann, friedlich und glücklich anlächeln. Gemeinsam würden wir dann, mit einer Tasse Kaffee auf die Veranda gehen, um uns endgültig von dem bisschen Sonne und der frischen Luft in den Alltag verabschieden zu lassen. Leider blieb dies eine Wunschvorstellung. Alles drehte sich nur um Bella, den ganzen verfickten, langen Tag ging es nur um sie. Trotz allem war ich noch nicht so weit zurück zu gehen, irgendwas sagte mir, dass sie sich erst endgültig mit ihrer Rolle abfinden musste, um sich dann mit so etwas komplexen, wie unserer Zukunft auseinander setzen zu können.
Mein Telefon begann zu klingeln, jedoch hatte ich nicht vor dran zu gehen. Mir gelang es, das erste Klingeln zu ignorieren, das zweite Klingeln kratze schon an den Nerven und beim dritten Klingen hätte ich das Telefon fast ins Meer geworfen. Aber wenn jemand so hartnäckig war, dann schien es dringend zu sein. Als ich schlussendlich dann doch abnahm, war Aro am Telefon. Eigentlich hätte ich es mir denken können, dass es nur ER sein konnte, immerhin war er der einzige, der wusste wo ich war und wie man mich erreichen konnte, aber das hatte ich wohl verdrängt.
Sich tausendmal entschuldigend teilte er mir mit, dass Bella auf dem Weg zu mir war. Falls ich mich dazu entschließen sollte, mit ihr zu reden, sollte ich hier warten. Er schlug mir vor, für den Fall, dass ich nicht auf Bella warten wollte, ihm einen kleinen Gefallen zu tun. Meine Alternative war der Millionendeal in Süd-Ostasien. Eigentlich hatte ich so absolut keinen Bock auf eines von Aros Schneegeschäften, aber irgendwie gingen mir die Argumente aus, um dieses Angebot nicht anzunehmen. Der Flug ging um unmenschliche, verdammte zwei Uhr morgens. Um diese Zeit flogen hauptsächlich Drogendealer, seltsame Workaholics oder freakige Touristen, die der Meinung waren, sie würden was verpassen, wenn sie am Anreisetag nicht noch mindesten vier Sehenswürdigkeiten besichtigen konnten. Ich packte die notwendigsten Sachen ein und zog die rote, morsche Holztür hinter mir nur zu. Abschließen wäre sowieso zwecklos gewesen, da ich mir sicher war, dass Bella die Tür sonst zu Streichhölzern verarbeiten würde. So hatte sie wenigstens den Funken einer Chance, Bella in einem Stück zu überleben. Mein kleines rostiges Auto würde ich wohl bald wieder gegen etwas besseres umtauschen müssen, denn lange würde es diese Rostlaube nicht mehr machen und die salzige Luft hatte auch ihren Beitrag dazu geleistet. Ein paar Gebete, dass ich es noch bis zum Flughafen schaffen würde und einige Kilometer später, lenkte ich die Rostschüssel in eine frei Parklücke, stieg aus und warf den Schlüssel in das offene Auto. Lässig schlenderte ich in die Abflughalle des Flughafens und begann nach Aros Kontaktmann zu suchen, der mir die wichtigsten Daten auf einer Mikro- SD- Karte überreichte, inklusive meines Laptops. Ebenso gab er mir einen Umschlag, in dem ich die nötigen Reisedokumente für diesen Trip fand und eine kleine Tasche, mit notwendigen Klamotten. Ich vermutete, es war wieder mal ein schwarzer Anzug. Aro stand auf den Mafia Look. Mir gefiel er überhaupt nicht. Und nach solchen Deals war der Anzug sowieso immer, auf die eine oder andere Art und Weise, kaputt und außerdem gab es bei weitem bessere Klamotten für solche Angelegenheiten, aber Aro war eben Old- School. Umständlich und wie der erste Mensch, öffnete ich den Umschlag und zog zwei Reisepässe, drei verschiedene Rückflugtickets und ein Hinflugticket heraus. Aro´s Wink mit dem ganzen Gartenzaun hatte ich verstanden. Der Alte ging davon aus, dass wir mit den Schlitzaugen einige Probleme bekommen würden und ich vermutlich nicht als derselbe das Land verlassen konnte, wie ich es betrat. Eine direkte Rückreise nach London wäre immer äußerst unvernünftig.
Das hieß, der Auftrag würde in der Regel wenige Stunden dauern, aber die Heimreise mindestens drei Wochen. Grinsend schüttelte ich den Kopf, da man mich diesmal um die halbe Welt schickte, bis ich dann endgültig wieder in London ankam. In dem Umschlag entdeckte ich noch ein paar Safecodes, einige Reservierungsdaten und vier Schließfachschlüssel. Sofort wusste ich, dass in diesen Fächern kein übliches Gepäck drin war und ich war schon jetzt ganz gespannt, welche Schmuckstücke mir Aro diesmal ausgesucht hatte. Bei der Waffenauswahl hatte er nämlich ein exorbitant gutes Händchen. Gerade als ich den Umschlag in meine Tasche packen wollte, fiel mir ein, dass ich mir wenigstens die Reisepässe anschauen sollte. So entdeckte ich, dass Aro wieder mal ganze Arbeit geleistet hatte. Ich reiste als Zachary Brinks nach Süd-Ostasien ein und als Charles Wang wieder aus. Den Brinks Pass schob ich in die Gesäßtasche meiner Jeans und machte mich auf die Suche nach einem ruhigen Plätzchen. Da ich hier, auf diesem betriebsamen Flughafen, keinen ruhigen Platz fand, beschloss ich, mit meiner Visa Karte in der Air einzuchecken, denn da war meist wenig, bis gar nichts los. Heute hatte ich extremes Glück. Kein einziger Gast machte von dem All-You-Can-Eat Food Gebrauch und so blieb die ganze Lounge für mich alleine. Ich setzte mich in einer der Ecken, die so gut wie gar nicht von den Überwachungskameras erwischt wurde, schob die Micro- SD Karte in den Card Reader und öffnete die Dokumente. Aro hatte wieder mal alles fein säuberlich geplant und durchdacht. Einer korrekten Erfüllung des Auftrages, stand nichts mehr im Wege. Blöderweise musste ich mein Haus so früh verlassen, dass ich noch einige Stunden hier verbringen würde. Ich lernte, wie immer, die Eckdaten auswendig, und studierte die Raumpläne. Ich kramte in der Tasche, die mir mitgebracht worden war und fand auch ein HTC- Handy, welches ich wohl für diesen Auftrag verwenden sollte. Nachdem ich es aktiviert hatte, verband ich es augenblicklich mit meinem Laptop und zog die wichtigsten Daten und Pläne auf den Massenspeicher.
Gemächlich kroch die Zeit in Richtung Abflug.
James POV ENDE
Bella POV:
Wie von einer Tarantel gestochen, sprang ich in das Erstbeste, was ich zum anziehen fand, was bei diesem Koloss von Kleiderschrank ja keine Probleme darstellte. Dann schnappte ich mir noch schnell eine Sonnenbrille, da meine Augen noch immer nicht so happy über helles Licht waren. Umständlich und fast auf die Fresse fallend, hatte ich es ohne gröbere Verletzungen geschafft, mir meine Schuhe anzuziehen. Als ich Arees geschultert hatte, überprüfte ich noch mal im Spiegel, ob ich auch ja standesgemäß das Haus verließ und man Arees nicht so deutlich sah. Halbwegs zufrieden stürzte ich fast die Treppe hinab, da ich so dermaßen unkonzentriert war. Mehr oder weniger in einem Stück in der Garage ankommend, suchte ich den Schlüssel vom Ferrari und schlüpfte behände auf den Fahrersitz. Das Ziel hämmerte ich in das Navigationssystem und startete den Boliden. Noch bevor sich das dahin kriechende Garagentor vollständig geöffnet hatte, war ich schon drunter durchgefahren und reihte mich in den fließenden Straßenverkehr ein. Wie eine Gestörte raste ich meinem Ziel entgegen. Als ich nach einer gefühlten, endlosen Ewigkeit bei einer alten, kleinen Hütte, irgendwo an der Englischen Küste ankam, begann mein Herz wie wild zu rasen. Ich wusste nicht, was jetzt auf mich zu kommen würde, aber er musste hier sein, denn Aro würde mich nicht einfach so irgendwo hinschicken.
Mit Schnappatmung, wie nach einem Marathonlauf und einem Herzen, das so stark pumpte, als wäre es eine Hochleistungskellerpumpe, versuchte ich, auf wackligen Beinen, Richtung Eingangstür zu gehen. Eine Armlänge von der Tür entfernt blieb ich stehen und versuchte mich ein wenig zu sammeln, was mir jedoch überhaupt nicht gelingen wollte. Allen Mut zusammen nehmend, machte ich die letzten beiden Schritte, klopfte sachte an die Tür und wartete. Als nichts geschah, klopfte ich etwas fester, nicht mehr so zaghaft wie grade eben noch. Ich klopfte auch ein drittes und ein viertes Mal, bis ich den Klingelknopf entdeckte. Nachdem ich einmal läutete und sich nichts tat, läutete ich wieder ein zweites, ein drittes und sogar ein viertes mal. Da sich immer noch nichts bewegte, klopfte ich so fest gegen die Türe, dass ich Angst hatte, dass sie gleich nach innen umfällt. Sturm läuten brachte auch nicht den gewünschten Effekt und so versuchte ich die Tür einfach mal zu öffnen. Als die Tür tatsächlich nach innen aufschwang, war ich zwar etwas verwundert, trat aber trotzdem zögerlich ein. Ich rief seinen Namen, aber ich bekam keine Antwort. Langsam wurde ich panisch. Ich rief ihn nochmal und noch weitere Male, aber es kam nichts. Ich war mir verdammt nochmal todsicher, dass er hier sei und deshalb begann ich, das Haus auf den Kopf zu stellen. Jedoch fand ich nichts, außer ein paar getragenen und ungetragenen Klamotten. So langsam wurde ich sauer. Einkaufen konnte er auch nicht sein, da der Kühlschrank gut gefüllt war. In mir stieg die Wut hoch und ich vermutete, dass wohl einer von Aros Leuten ihm Bescheid gegeben und er die Zelte hier abgebrochen hatte, da er nicht mit mir reden wollte. Innerlich kochend und bebend vor unbändiger Wut, zertrat ich einen der morschen Stühle. Einige Vasen und Bilder mussten leider auch dass zeitliche segnen. Während ich in diesem Haus tobte und Stück für Stück zerschlug, ebbte meine Wut ab und endlose Traurigkeit machte sich in mir breit. Ich verstand ihn nicht. Warum wollte er mich nicht sehen, oder mit mir sprechen? Verzweifelt ging ich durch das Chaos, welches ich gerade angerichtet hatte und fand auf einem Haken an der Wand, neben der Verandatür einen Pullover von ihm. An diesem hing immer noch sein unglaublich gut riechender, männlicher Duft.
Das Kleidungsstück vom Haken nehmend, öffnete ich die Türe und Schritt auf die Veranda hinaus. Den Pulli dicht an mich gepresst, atmete ich tief seinen Geruch ein. Automatisch schlossen sich meine Augen und ich hatte das Gefühl, er stünde direkt neben mir. Eine wohlig warme Wolke umnebelte mein Hirn und ein wenig Glückseligkeit machte sich in mir breit. So schnell, wie sich das Gefühl aufgebaut hatte, so schnell war es wieder weg. Ich landete augenblicklich wieder im knallharten und beschissenen Hier und Jetzt. Meinen Blick lies ich herum schweifen und ich verstand, wieso sich James hier versteckt hatte. Es war einfach nur traumhaft hier. Als ich den Schaukelstuhl entdeckte, musste ich grinsen. Den Pulli dicht an mich gepresst, machte ich die paar Schritte auf den Stuhl zu und setze mich hinein. Während ich auf das endlose Meer hinaus blickte und ein lauwarmer Wind wehte, atmete ich seinen Geruch immer und immer wieder ein. Ich wusste, ich würde ihn nicht finden, wenn er es nicht wollte, es sei denn, Aro hatte seine Finger im Spiel. Der wusste nämlich ganz genau, wo James war. Mit dem Ziel vor Augen sprang ich auf und lief zum Auto. Die Eingangtür zog ich beim Hinauslaufen zu. Der Rückweg war deutlich kürzer als der Hinweg, allerdings war ich mir sicher, dass mir die Raserei das eine oder andere Knöllchen einbringen würde, aber es war mir scheißegal. Während der Fahrt überlegte ich fieberhaft, wie ich die von mir gewünschte Information aus Aro heraus kitzeln konnte, ohne das er sauer wurde. Aber eigentlich war es mir scheißegal, ob ich mir seinen Unmut zuzog oder nicht.
Das Auto einfach über zwei Parkplätze in der Nähe der Firma eingeparkt, marschierte ich, auf direkten Weg, hinauf zu Aros Büro. Chelsea machte schon Anstalten und wollte mich aufhalten, ich hob nur meine ausgestreckte Hand und gab ihr zu verstehen, dass sie besser blieb, wo sie war. Die Pute starrte mich mit so großen Augen an, als wäre ich Kurt Cobain persönlich. Auf den Aufzug wollte ich nicht warten, dass würde entschieden zu lange dauern. Ich stürmte die Treppen hinauf und wollte gerade die Türe, wie üblich aufreißen, da fiel mir ein, dass Aro ja wollte, dass ich klopfte. Also klopfte ich artig, wie es sich gehörte, an und wartete bis er `Herein´ rief, bevor ich eintrat. Er lächelte mich an und fragte "Na, das hat ja gar nicht so lang gedauert. Hast du ihn wieder mit nach Hause gebracht?"
„Tu nicht so, du weißt genau, dass er nicht da war!“ meinte ich so lässig, wie ich bei meinen bebenden Gefühlen nur sein konnte. Plötzlich ging die Tür auf und Boris trat ein. Noch bevor er registrierte, dass ich auch im Raum war, teilte er Aro mit, dass James den Kontaktmann getroffen habe und ICH ein leeres Haus vorgefunden hatte. Gerade als er meinen Namen aussprach, bemerkte er mich und verschluckte den restlichen Satz. Boris fiel die Kinnlade hinunter und meinte einfach nur „OHHH Fuck Bella!!! Fuck Bella…. Uhh…… Ähmm …….was machst du hier? Aro ich muss mich noch dringend um etwas kümmern.“ Er flüchtete, rückwärts stolpernd, aus dem Büro. So schnell hatte ich Boris bis heute noch nie gehen gesehen. Aros Gesichtsausdruck war göttlich. Er war entlarvt und ihm fehlten einfach nur die Worte. Man sah es ihm an, dass seine grauen Gehirnzellen auf Hochdruck arbeiteten, krampfhaft nach einer guten Ausrede suchend.
„Ahhh, du hast James also einen Auftrag gegeben? Bevor oder nach dem ich die Koordinaten hatte??? MAN Aro, was soll der Scheiß? Ich leide seit Wochen wie ein Hund und du……du schickst ihn absichtlich weg? Wohin hast du ihn geschickt? Raus damit Aro, du hast genau gewusst, dass James nicht mehr da ist und hast mich trotzdem hin fahren lassen. Warum? Wie konntest du nur!“, meinte ich vorwurfsvoll und mich mit beiden Armen auf seinem Schreibtisch abstützend. In meinen Blick legte ich den kompletten Hass und die Verzweiflung, die ich gerade fühlte, wobei ich ihm direkt in die Augen sah. Man konnte Aro Volturi normalerweise nicht direkt in die milchigen, graublauen Augen schauen, aber ich hielt seinem Blick heute stand und war mir sicher, diesmal bekam er mit, was ich gerade fühlte. Aro schaute traurig zurück, wusste anscheinend noch immer nicht, was er mir sagen sollte. „Bella, mach mal halblang, ich komm ja gar nicht mehr mit. Du willst wissen wo er ist, dass kann ich dir sagen. Er regelt wichtige Geschäfte für mich in Bangkok und es war sehr kurzfristig, aber er ist der einzige, der mit den Leuten dort zurecht kommt.Und außerdem……. er wollte nicht mit dir reden. Tut mir leid, aber ich hab ihn zu nichts gezwungen. Er ist freiwillig gegangen und er wird auch so schnell nicht wieder kommen.“ Mit dieser Antwort hatte ich nicht gerechnet. Mir knickten die Knie weg und ich musste mich hinsetzen. Meine Knie zog ich an und meinen Kopf ließ ich darauf nieder. Normalerweise müssten sich meine Gedanken gerade überschlagen, aber da war nichts. In meinem Kopf war gähnende Leere. Aro stand mittlerweile hinter seinem alten Mahagoni Schreibtisch und schaute mich an. Man sah ihm an, dass er krampfhaft versuchte, eine Lösung für diese Misere zu finden, nur die einzige Lösung wäre gewesen mich nach Bangkok zu schicken. WARTE.... Den Gedanken hatte ich noch nicht mal richtig fertig gesponnen, als ich hoch fuhr und er sich zutiefst erschrak. Ich schrie ihn schon beinahe euphorisch an, dass ich SOFORT und ohne unnötige Verzögerungen, nach Bangkok fliege. Ich flehte ihn schon halb an, dass er mir den genauen Aufenthaltsort von James mitteilte. Aro schüttelte nur erstaunt den Kopf und meinte, dass ich nicht einfach so nach Bangkok reisen konnte. Ich würde den ganzen Deal gefährden. Das wäre eine Katastrophe, aber ich war mir absolut sicher, dass er nur Ausreden suchte. Wir wussten beide, dass ich mittlerweile so präzise schoss, dass ich JEDES Ziel, mit einer beängstigten Genauigkeit, traf.
Aro war halt der Meinung, da ich noch keinen Menschen umgebracht hatte, sei er sich noch nicht so sicher, ob ich nicht zögern würde. Als ich zu lachen begann, während ich ihn fragte, welchen der vielen Menschen hier im Gebäude er entbehren, oder auf wenn er verzichten konnte, erntete ich mehr als einen bösen Blick. Als plötzlich die Tür aufging, weil wir scheinbar das Klopfen überhört hatten und Chelsea davor stand, zog ich blitzschnell meine Waffe und sie erstarrte an Ort und Stelle. Mit leiser aber fester Stimme stellte ich Aro die Frage, ob er sich sicher sei, dass ich nicht willkürlich irgendjemanden töten könnte. Meine nächste Frage, ob er Chelsea entbehren könnte, beantwortete er mit „NEIN“. Er flehte mich fast an, dass ich die Waffe runter nahm und die arme Frau von ihrem Höllentrip erlöste. Erst nachdem er mir versicherte, dass er meine Reise nach Bangkok organisieren würde, erlöste ich sie. Die Gute brach an Ort und Stelle zusammen, da ihre Nerven nicht mehr mitspielten. Aro rief Ivan zu sich ins Büro und lies Chelsea ins nächste Krankenhaus bringen. Kaum das Ivan mit ihr auf den Armen das Zimmer verlassen hatte, öffnete er den Safe, nahm einige Umschläge heraus und legte sie schweigend vor mir auf den Tisch. Er schloss noch zwei weitere Kästchen auf und zog noch mehr Umschläge und Schachteln hervor. Als er scheinbar alles hatte, setze er sich mir gegenüber.
Er hatte noch immer kein einziges Wort gesagt und auch ich sah ihn nur an. Als ich den ersten Umschlag öffnete, fielen mir 3 Pässe in die Hand. Mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtete ich die Pässe. Die Namen, die in den Pässen standen, interessierten mich einen feuchten Scheißdreck. In den anderen Umschlägen befanden sich Schlüsselkarten und Codes, sowie Schließfachnummern und Schlüssel. Während ich alles akribisch genau betrachtete, hing Aro am Telefon und buchte den Hinflug und reservierte auch noch verschiedene Flugtickets auf meinen und Jaspers Namen. Ich konnte den Kerl nicht leiden, war ihm aber dankbar, dass er mit flog, auch wenn ihm eigentlich keine andere Wahl blieb. Ich öffnete die Schachteln und fand eine Art Navigationsgerät, nur wusste ich nicht wozu. Ich drehte und wendete es in meinen Händen, bis Aro scheinbar genug hatte mir zu zuschauen und mir angepisst erklärte, dass dies das Gerät war, mit dem ich dann James finden würde. Da all seine Leute einen hoch kompliziert entwickelten Peilsender mit sich trugen, den man nur mit einer bestimmten Software finden könne, da er auch nicht so einfach so zum Orten wäre, bräuchte ich es unbedingt. Interessiert hörte ich ihm zu, während er über die Vor- und Nachteile dieser Technologie redetet. Nachdem ich die Schachtel geschlossen hatte öffnete ich die Nächste. In dieser befanden sich interessante Utensilien. Eine kleine Flasche, mit so einer Nadelöffnung, eine Spritze mit einer übelst langen Nadel, kleine filigrane Pinzetten mit gepolsterten Spitzen, inklusive einer undurchsichtigen Schachtel. Ich vermutete, dass dies einer von diesen Peilsendern war und wenn ich mich nicht irrte, dann war dies meiner. Von der Idee mit einem Peilsender geimpft zu werden war ich nicht sonderlich begeistert, denn die Tatsache, dass er mich dann tatsächlich immer finden würde, beunruhigte mich ungemein. Aro dürfte meinen Zweifel bemerkt haben, denn er versicherte mir, dass der Sender nicht zu spüren sei, die Implantation nicht schmerzhaft war und ich mir sicher sein konnte, dass er ihn nur anwählt, wenn es gar keine andere Möglichkeit gäbe. Des weiteren wäre es so, dass der Träger ihn über eine bestimmte PC-Software de- und aktivieren konnte. Aro nahm mir das Versprechen ab, dass ich den Sender immer aktivieren würde, wenn die Möglichkeit bestand, in Gefahr zu geraten, oder wenn ich einen Auftrag ausführte. Er wollte auch, dass ich ihm versprach, dass ich Jaspers Anweisungen folge leiste und auf gar keinen Fall etwas tat, das auch nur irgend wen in Gefahr bringen würde. Himmel Arsch …..ich versprach ihm Gott und die Welt, aber konnten wir jetzt endlich James suchen? Mir war noch immer nicht so ganz klar, wieso es mir so ein Bedürfnis war, aber es zog mich magisch zu ihm. Erst in seiner Nähe, war ich komplett.
Aro packte den Sender mit Hilfe der kleinen Pinzette auf eine Art Objektträger, zog mit der Spritze etwas NACL auf und tropfte etwas davon auf die kleine Platine. Vorsichtig und konzentriert zog er den Sender in die Spritze und setzte die große Nadel darauf. Mir wurde mehr als nur übel, als ich die Spritze sah. Aro musste lächeln. Ich fand das alles andere als lustig. Mit beiden Händen hielt ich mich krampfhaft an den Lehnen des Stuhles, in dem ich gerade saß, fest. Panisch schaute ich zwischen Aro und der Nadel hin und her. Er versuchte mich zu beruhigen und mir zu erklären, wie er den Sender unter die Haut brachte. Ich hörte ihm mehr oder weniger aufmerksam zu und seine Erklärung klang für mich wie die, eines Tierarztes, der versucht dem Frauchen einer Fußhupe zu erklären, wie das chippen ihres Hundes von statten ging. Während er mir das haargenau erklärte, wurde ich unaufmerksam und driftete in meine Gedankenwelt ab. Als er dann meinte, er wäre fertig und es blutete kaum, schaut ich ihn verwirrt an. Er bestätigte mir, das er mir gerade den Chip unter die Haut implantiert hatte. Ich tastete an die vermeidliche Stelle und spürte tatsächlich eine Erhebung, aber es tat nicht weh. Ich war verblüfft.
Nach weiteren 30 Minuten und einer endlosen Belehrung von Aro, kam dann Jasper lässig durch die Türe herein, natürlich ohne zu klopfen ... Die Sonnenbrille noch immer auf der Nase, schwang er sich, für einen Mann verdammt graziös und zum Leidwesen von Aro, behände auf den alten antiken Aktenschrank.
„Hey Aro, sag an, was hat Jamsi schon wieder ausgefressen, das ich ihm den Arsch retten muss, huh?“
„Nun ja, diese Angelegenheit ist etwas verworren, lieber Jasper. Ich denke Isabella kennst du schon, oder? Du wirst Isabella zu James nach Bangkok begleiten und darauf achten, dass ihr nichts passiert und sie so wenig Scheiße anstellt wie nur möglich. Am besten wäre gar NICHTS anstellt, aber ich glaube, das ist unmöglich.“, meinte Aro mehr als nur besorgt. Nichtsdestotrotz verdrehte ich die Augen.
„Aro, du weißt genau, dass das Schicksal nichts nimmt, was es nicht gegeben hat. Ich passe so gut auf sie auf, wie es in meiner Macht steht, aber erwarte nicht, dass ich das Kindermädchen deiner Tochter spiele.“, meinte Jasper so bestimmend, dass sogar Aro kurz zusammenzuckte.
„Sooooo….. nachdem wir dann jetzt geklärt hätten, wer hier auf wem aufpasst, KÖNNEN wir dann ENDLICH zum Flughafen fahren? Ist ja nicht so, als hätte ich es auch nur irgendwie ein bisschen eilig. Scheiße noch mal. Sitzen hier und schwingen Reden.“, fluchte ich zwar bestimmend laut, aber eher mehr an mich gerichtet. Natürlich verstanden die beiden, was ich wollte. Während sich Jasper träge auf die Füße sinken ließ, schaute Aro mich traurig an. Ich verstand, winkte aber ab. Mein Entschluss stand fest. Ich würde in exakt vier Stunden nach Bangkok fliegen. Bei seinem Blick fragte ich mich jedes mal, wie ein Mensch wie er, es jemals schaffen konnte, zu dem zu werden, was er war. Ein nach außen hin rücksichtsloser, arroganter, steinreicher Spießer mit mehr Dreck am Stecken, als einem lieb ist. Man sah es ihm an, dass er uns nicht gehen lassen wollte. Drei Leute, wobei jeder einzelne, ein schmerzhafter Verlust für Aro wäre, bei einem schicksalhaften Zufall gleichzeitig alle zu verlieren, wäre eine Katastrophe. Er konnte aus 13.424 km Entfernung nichts tun, außer zu beten und das am besten ab dem Zeitpunkt, wo wir das Gebäude verließen. Ich bedankte mich nochmal leise bei ihm und er nickte nur. Jazz legte eine Hand auf meinen Rücken und schob mich schon fast zur Türe hinaus.
„Oh ähhm BELLA?? Deine Waffe“, meinte Aro plötzlich mit seltsam belegter Stimme. Verwirrt drehte ich mich zu ihm um, legte den Kopf schief, so wie ich es immer tat.
„Ja? Was ist damit?? Aro, was ist mit meiner Waffe ?? Ich hab nicht mehr so lange Zeit, dass ich hier jetzt WER-WEISS-WAS spielen kann!“, meinte ich dezent genervt und gestresst. Jetzt mischte sich Jasper ein, da er nicht wollte, dass Aro und ich uns mit wortkargen Blickgefechten duellierten. Er nahm sie aus meinem Gurt und warf sie Aro zu. Entrüstet starrte ich ihn an. In mir kroch eine unbändige Wut empor. Dann erklärte er mir, dass ich nicht bewaffnet fliegen konnte und in den Schließfächern in Bangkok eine Neue für mich bereit lag. Zwar nicht die selbe, aber was solls. Ich rollte mit den Augen und stampfte zielsicher Richtung Auto. Jasper wechselte noch mit Aro ein paar kurze Sätze und holte mich selbstverständlich schnell ein.
Keine 30 Minuten später, kamen wir endlich in Stansted Airport an und suchten uns sofort den Schalter der Air Asia Berhad. Das überaus freundliche Bodenpersonal händigte uns, nach einer intensiven Passkontrolle, unsere First Class Tickets aus und wünschte uns einen angenehmen Flug. Unsicher fragte ich Jasper, wie wir jemals durch den eigentlichen Sicherheitscheck durch kommen sollten. Er nahm mich bei der Hand und drückte sie vorsichtig. Mit leiser Stimme flüsterte er mir zu, dass alles gut wird. Jasper fragte mich, ob ich ihm vertraute. In diesem Moment war die einzig richtige Antwort JA! Obwohl ich ihn nicht einschätzen konnte und auch nicht sonderlich gut kannte, war ich mir im klaren darüber, dass das, was er gerade für mich tat, nicht selbstverständlich war. Total in meinen Gedanken versunken, merkte ich noch nicht mal wirklich, dass er uns schon durch die halbe Sicherheitskontrolle durchgeschleust hatte. Irgendwann beschloss mein Hirn auch wieder seinen Dienst vollständig auf zunehmen und so realisierte ich, dass wir schon längst in der Nähe unseres Gates waren. Ich wusste noch nicht einmal wie lange wir überhaupt flogen, aber es war mir auch fast egal.
Dennoch beschloss ich Jasper zu fragen. Als er meinte, knappe neunzehn Stunden, wurde mir dezent übel. Mittlerweile hatte das Boarding schon begonnen und die Leute,drängten sich mühsam Richtung Eingang. Nach dem Gequetsche und Gedrängel der ganzen Leuten, die wohl der Meinung waren, dass sie als erstes im Flieger sein müssen, da der Flieger sonst ohne sie fliegen könnte, schlenderten wir langsam hinüber zum Eingang für die First Class. Einer der Vorteile die man hatte, wenn man in Aros Gunst stand. Endlich im Flieger angekommen, brachte uns die Stewardess, mit der meiner Meinung nach, viel zu knappen Uniform und außerdem auch noch mit Jasper flirtend, zu unseren Plätzen..Ich machte es mir am Fenster gemütlich und beobachtete weiter, wie Jasper mit der Flugbegleitung liebäugelte. Ob er wohl schon wusste, dass die Frau Sally hieß? Wohl kaum, denn er hatte, glaub ich, noch nicht unbedingt die Gelegenheit, sich mit etwas so banalem, wie ihren Namen, zu beschäftigen. Na das konnten ja noch heitere neunzehn Stunden werden. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging das Personal dann mit Sekt, Nackenrollen und Decken durch die Reihen und natürlich ließ Sally es sich nicht nehmen, Jazz persönlich zu zeigen, wie man die Nackenrolle anbrachte und wie man sich zu deckte. Als wüsste er das nicht. Wobei, wenn ich ihn mir so ansah, wusste er gerade gar nichts mehr. Er starrte die ganze Zeit auf ihre dunkelblaue Unifrom, die ihr, wie ich mir selber eingestehen musste, außerordentlich gut stand. Endlos genervt stopfte ich mir die Kopfhörer in die Ohren und überlegte, wie diese Sally wohl reagieren würde, wenn ich es mir, einfach so, auf Jazz Schoss bequem machen würde. Ihm wäre es mit Sicherheit egal, da er ja einer von diesen Männern war, die sowieso immer und überall wollten. Das ganze Szenario ging mir gerade fürchterlich auf die Nerven und ich wartete sehnsüchtig darauf, dass sie ihm unabsichtlich den Tomatensaft über das weiße Hemd schüttete, aber es passierte irgendwie nicht. Deshalb wand ich mich wieder dem Fenster zu und starrte hinaus.
Das Essen für die erste Klasse sah wahrhaft appetitlich aus, allerdings bekam ich keinen Bissen runter. Jasper hatte scheinbar unglaublichen Hunger, denn er verschlang nicht nur sein Menü, sondern meines gleich mit. Als er dafür unsere Tabletts austauschte, entdeckte ich auf seinem so etwas ähnlichem, wie einen Brief liegen. Von der Neugier gepackt, nahm ich den Zettel in die Hände und entfaltete das doppelt zusammengelegte Papier. Die Zeilen nur so überfliegend, spürte ich, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Das dürfte Jasper dann doch bemerkt haben und schaute mich, noch während er sich hastig eine Gabel mit Nudeln in den Mund schob, mit nach oben gezogenen Augenbrauen an. „Wasch ischn?“, sprach er mit vollen Mund und ich rutschte noch ein Stückchen von ihm ab, damit ich nichts abbekam, falls er zu spucken begann. Dämlich grinsend faste ich den eindeutigen Brief zusammen und teilte ihm kurz und knapp mit, dass diese Sally ihn, in exakt zwölf Minuten und vierunddreißig Sekunden vor der Toilette erwartete und es vorteilhaft wäre, wenn er schon „bereit“ wäre. Jasper war jetzt plötzlich fertig mit dem Essen und kramte hektisch in seinem Handgepäck, lies ein kleines Päckchen in der Hosentasche verschwinden und legte noch etwas Parfum auf. Ich konnte beim besten Willen nicht mehr und musste lauthals loslachen, sodass sich einige nach uns umsahen. Er zuckte dann einfach nur die Schultern und setzte sich wieder neben mich. Obwohl er gerade roch wie eine französische Bordsteinschwalbe, da er zu viel erwischt hatte, musste ich innerlich zu geben, dass er gar nicht mal so schlecht roch.
Nach elf Minuten und vierunddreißig Sekunden sprang er auf und meinte zu mir, ich sollte ihm doch viel Spaß wünschen und mich hier nicht zu sehr langweilen. Dann drückte er mir einen Kuss auf die Wange und machte sich schnellen Schrittes auf zur Toilette. Ich warf ihm noch ein schnelles `viel Glück´ hinterher und begann in einer Zeitschrift zu blättern und ein bisschen nachzudenken.
In ein paar Stunden würde das große Abenteuer beginnen.
Werden wir James finden? Wie es ihm wohl so erging? Ob der Deal schon über die Bühne gegangen war? Ich wünschte es mir. Ob das nun endlich der Anfang wäre, oder doch eher das Ende? Mal wieder stand ich an einem Punkt, wo ich nicht wusste, wie es weiter ging, aber nichtsdestotrotz waren diese Sessel hier in der ersten Klasse mehr als nur fucking bequem, sodass ich schnell müde wurde. Als ich meinen Sitz in die Liegeposition gebracht hatte, driftete ich auch schon in einen traumlosen, langen Schlaf.
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