Carlisle POV:
„Immer wieder macht dieses Kind nichts, als nur Ärger!“, donnerte ich durch die steinerne Halle unseres Hauses. Esme versuchte mich zu beruhigen und mir die Sachlage möglichst genau zu erklären, aber ich hatte es doch schon längst verstanden. Edward verbrachte lieber seine Zeit mit der Volturitochter und ich musste es akzeptieren, weil meine Frau einen Narren an diesem verkorksten Soziopaten gefressen hatte und ich ihr bei unserer Hochzeit zu gesichert hatte, dass ich ihm und seiner Familie nie etwas tun werde. Das hieß aber nicht, dass ich der potenzielle Schwiegervater seiner Adoptivtochter werde. Mein innerer Monolog, der eher dem Ausbruch eines Vulkans glich, verebbte nur langsam, aber Esme tat was sie nur konnte um mich zu beruhigen.
Ich stürmte in mein Arbeitszimmer und sie blieb traurig vor der Türe stehen, denn sie hielt sich ganz genau an unsere Regeln. Hier bestimme noch immer ich die Regeln und auch Edward muss sich an diese halten. Seine eigenmächtige Tour nach Frankreich und die Abänderung unseres Planes war schon riskant genug, aber das Elias, ein eigentlich eher anständiger Arbeiter, aus der Reihe tanzen und die Tochter von Aro angreifen würde, wusste ich nun wirklich nicht, auch wenn man mir gerade bestimmt die Schuld in die Schuhe schob. Ich schloss die Türe, warf mich anschließend in meinen Sessel und schenkte mir einen Schluck Brandy ein.
Natürlich wusste ich wo Edward gerade steckte und ich fand es alles andere als GUT, aber mir waren die Hände gebunden. Dieser Junge durfte ohnehin alles, was er wollte. Esme setzte ihm so und so keine Grenzen und mich nahm er nur ernst, wenn ich ihm das Messer an die Brust setzte.
Jake, dieser Tunichtgut, unterstützte meinen Sohn auch noch wo er nur konnte. Das Blöde an der ganzen Sache war nur, dass die beiden zu meinen besten Männern gehörten und ich sie nicht einfach so aus dem Verkehr ziehen konnte.
Während ich meinen Brandy trank, erinnerte ich mich an den Tag zurück, als Esme beschloss Aro zu verlassen, um mit mir zusammen zu sein. Der glücklichste Tag in meinem Leben, gleich nachdem Tag, an dem mein Sohn geboren wurde und an dem sie mir ihr Ja-Wort gab. Natürlich war ich mir darüber im Klaren, dass man so seine Sachen über mich und meine Ehe redete, aber es war mir egal. Esme wusste nichts von den ganzen unehelichen Kindern, die ich hatte und ich war tunlichst darum bemüht, dass sie es so schnell nicht erfahren würde. Das Aro, dieser Pisser, es wusste war kein Wunder, denn auch er hatte seine Spione in meinen Reihen und verdammt gute Detektive, auch wenn ich ihnen nach und nach auf die Schliche gekommen war und sie den Heldentod starben.
Das Glas, im Schein der Schreibtischlampe schwenkend, ließ ich die Jahre Revue passieren und versuchte mich zu erinnern, wie viele Kinder ich eigentlich hatte. Meiner Erinnerung nach waren es um die 6, aber so sicher war ich mir nicht. Sie waren ja auf allen Kontinenten verteilt. Zugegeben, ich kam viel rum, aber die vielen Frauen, die meine Wege kreuzten, konnten alle Esme nicht das Wasser reichen, geschweige denn sie ersetzen, aber ich brauchte sie, alle – jede Einzelne. Nichts desto trotz hatte ich von all meinen Kindern, in regelmäßigen Abständen, ein Bild bekommen, was auch das Mindeste war, wenn man ihnen schon das Leben finanzierte und keiner erfuhr, wie sich die Damen das Leben leisten konnten.
Eine meiner Töchter hatte es witziger weise als privat Einkäuferin und Ausstatterin zu Aro geschafft, ohne das ich meine Finger im Spiel hatte. Alice war die jüngste meiner Kinder und sie wusste absolut gar nichts davon. Ihre Mutter war von Haus aus schon sehr reich und nahm mein Geld zwar, aber Alice dachte angeblich immer, dass sei eine Art Liebesbeweis von ihrem verkorksten Alkoholiker Vater. Die kleine, quirlige Prinzessin hatte es mir angetan und deshalb verfolgte ich ihr Leben ganz genau und um ehrlich zu sein, hätte ich sie gerne hier gehabt. Sie würde hier gut her passen, aber wie sollte ich das jemals Esme erklären oder gar Edward. Das war einfach nicht möglich und soweit ich das verstanden hatte, war Alice mit ihrem Leben zufrieden.
Das schrill läutende Telefon riss mich alarmierend aus den Gedanken. Verwirrt ging ich ran und erkannte Andrea am anderen Ende der Leitung. Aufgebracht versuchte sie mir hastig mitzuteilen, dass sie meinen Auftrag, wie gewünscht, ausgeführt hatte und das Aro nun röchelnd in seinem Sessel saß und verzweifelt um sein Leben kämpfte. Diesen Satz sagte sie mit einem tief teuflischen Lachen in der Stimme, dass ich instinktiv grinsen musste, auch wenn ich gerade nicht so genau verstand, wieso sie mich anrief und mir mitteilte, dass mein Auftrag erfüllt wurde.
Irritiert bestätigte ich ihre Nachricht und mit einem Mal wurde mir schlagartig klar, was genau gerade geschehen war. Andrea hatte gedacht, dass ich Aros Tod angeordnet hatte und bestätigte mir gerade den positiven Verlauf der Aktion Schwarzwälder Kirschtorte. Geschockt und in Bedrängnis, was ich denn nun Esme erklären sollte, verwirrt, wie Andrea es passieren konnte, dass sie mich mit Edward verwechselte und verwundert darüber, was vorgefallen sein musste, das Edward dies durchführen ließ.
Mit rasendem Puls und angespannten Nerven griff ich zu meinem Handy, drückte die Schnellwahltaste auf dem Display und wartete auf ein Freizeichen. Dieses monotone Piepen ging mir gerade mächtig auf die Nerven, als sich endlich eine träge Stimme am Telefon meldete. Allem Anschein nach war er betrunken.
„Was zur Hölle geht hier vor?“ schrie ich zornig in das Telefon hinein, was mit einem heiseren Lachen quittiert wurde.
„AHHHH mein werter Herr Vater, schön das du anrufst. Ich hätte ja schon viel früher mit dir gerechnet, wie gehts den so?“ lallte mein Sohn.
„EDWARD ANTHONY CULLEN, du ordnest Aktion Schwarzwälder an, verschwindest TAGEEEE lang irgendwo an der französischen Küste, gehst dann völlig betrunken ans Telefon und fragst mich wie es DEN SO GEHT? IST DAS DEIN ERNST?“ völlig außer mir und zornig ging unser Gespräch weiter.
„HEEEYYYY Papa, jetzt komm mal wieder runter, ich hab doch nur Bellas Va....“ unterbrach er seinen Satz und begann irritiert von vorne, denn scheinbar wollte er mir gerade die ungeschönte Wahrheit am Tisch knallen, aber bekam gedanklich wohl gerade nochmal die Kurve. Natürlich würde er mir nichts neues erzählen, aber ich ließ ihn einfach mal in dem Glauben, dass ich nicht wüsste, worum es gerade geht. „Ich ähhhmm ja, hier hatte es einige Komplikationen gegeben und die kleine Volturi wurde von Elias angeschossen, der jetzt im übrigen nichts weiter als eine Kiste braucht. Hab die Kleine zum Arzt gebracht und gewartet, bis es ihr wieder besser geht, dann ist sie sowieso von selber abgehauen, also alles easy Paps!“ versuchte er mich zu beruhigen, was mit dieser Story nicht wirklich gelang.
„AHA“ war das einzige was mir auf diese, an den Haaren herbei gezogene, Geschichte einfiel.
„UND DU DENKST, dass ich es nicht erfahren haben, dass du Andrea das Codewort gesagt hast um den Alten um die Ecke zu bringen?“ schrie ich ihn wieder an und er erinnerte mich nur daran, dass wir hier am Telefon waren und wer weiß, ob die Leitungen sicher sind. Natürlich hatte er damit Recht, aber er trieb mich in den Wahnsinn. Esme würde mir den Kopf abreißen, auch wenn sie mich nur Tage-Wochen-Monatelang ignorieren würde. Ein Knacken in der Leitung beendete unsere Verbindung und ich wusste, dass Edward in ein, zwei Tagen wieder hier sein würde.
Was fand Edward nur an diesem Mädchen. War sie das für ihn, was Esme für mich war? Ich meine, Edward hatte auch den lieben, langen Tag nichts Besseres zu tun, als sich eine nach der anderen ins Bett zu holen, da wird er doch nicht ernsthaft daran denken, sich auf diese eine zu fixieren? Jetzt schon? Ich meine, ich war Esme treu, denn für mich hieß Treue nicht, dass ich nur eine einzige Frau an meiner Seite hatte und mit sonst keiner anderen schlafe, sonder für mich hieß Treue, dass ich einer Einzigen, so abgöttisch verfallen bin, dass es mein größtes Anliegen ist, dass es ihr gut geht, dass sie alles hat was ihr Herz begehrte. Esme war mein zu Hause, mein persönlicher Place-to-be. Ich liebte sie mit fast jeder Faser meines Körpers. Mit einer anderen zu schlafen hatte immer wieder den Reiz des neuen, aber war nur kurz befriedigend, jedes mal wurde die Sehnsucht nach Esme überdurchschnittlich groß und ich wollt nur noch nach Hause.
Esme war nicht einfach irgendjemand, sie war mein Leben. Bestimmt konnten so manche mein Tun und Handeln nicht verstehen, aber das musste auch keiner. Als ich Esme damals sah, wusste ich, sie oder keine und ich hab sie umgarnt wie ich noch nie jemanden umgarnt hatte. Jedes mal, wenn sie alleine unterwegs war, war ich auch, rein zu fällig, in der Nähe. Immer öfter trafen wir uns und irgendwann begannen wir miteinander zu reden. Ich konnte ihrer Stimme und ihren Geschichten ewig lange zuhören. Die endlosen Spaziergänge, in den Parks, während Aro versuchte seinem Vater alles Recht zu machen, ebneten mir stückchenweise den Weg zu Esme. Letztendlich war der alte Volturi der Grund, wieso Esme entschied, sich von Aro zu trennen.
Ich war ihm unendlich dankbar dafür, dass er so war, wie er war. Sie konnte Aro nie ganz vergessen, auch wenn mir das lieber gewesen wäre, aber Aro war immer ein Teil dieser Beziehung und ich hasste ihn dafür. Mit dem Gedanken, dass sich Edward jetzt mit einer seiner Brut herumtrieb, konnte ich mich so gar nicht abfinden, auch wenn es noch nicht mal sein eigenes Fleisch und Blut war.
„CARLISLE MACH SOFORT DIESE TÜRE AUF SONST...!“schrie Esme wütend und klopfte so fest dagegen, dass ich zusammen zuckte. Mein erster Gedanke war, dass sie es wusste. Natürlich wusste sie es.
„Carlisle, ich weiß, dass du DA drin bist und ich bringe dich mit meinem eigenen Händen um, für das, was du getan hast, das schwöre ich dir!“ hörte ich sie schimpfen. Ok, sie war mehr als nur sauer und ich hatte nichts getan und bevor ich nicht wusste, was Sache war, konnte ich es ihr noch nicht mal erklären. Zum wiederholtem Male brachte mich Edward in eine Situation, wo man so einfach nicht raus kam und meine wütende Ehefrau war zwar nicht das Schlimmste, was passieren konnte, aber es tat mir weh sie so zu sehen, denn es lag mir fern ihr mit Absicht weh zu tun.
„Carlisle, mach diese scheiß Tür auf oder ich schieße sie auf!“ schrie sie wieder und ich dachte, ich hätte mich verhört. Sie schießt sie auf? Wie? Woher? Ohhhhh EDWARD, dachte ich nur und mir wurde schlagartig klar, dass er ihr gezeigt hatte, wo bei uns im Haus die Waffen versteckt waren und vor allem, wie man damit umging.
Ich ging zur Tür hinüber, legte meine Hand um den Türgriff, atmete schnell durch und riss die Türe mit einem Ruck auf. Mein kleiner, persönlicher Hausdrache, der im Normalfall alles andere als gefährlich war ,stand nur da, den Lauf einer 45iger auf mich gerichtet und starrte mich mit einem fixierenden Blick wütend an.
„Weißt du, ich liebe dich wirklich, aber wir hatten einen Deal und du hast dich nicht daran gehalten. Du hast ihn eiskalt umbringen lassen und dann bist du auch noch so FEIGE und lässt es jemand anderen machen, denn MISTER CULLEN macht sich doch nicht an einem Volturi die Finger schmutzig, du bist ein ekelhafter Hund, weißt du das Carlisle? DU wusstest, dass er mir, nach all den Jahren, noch immer viel bedeutete und du lässt ihn von deiner KÖCHIN umbringen? Ich meine, wie krank ist das bitte?“ sie atmete hysterisch ein und aus.
„Esme, nimm die Waffe runter und lass dir bitte erklären, was ich bis jetzt darüber in Erfahrung bringen konnte, aber erwarte nicht zu viel, denn Edward.....“ wollte ich sie beruhigen, aber es ging nicht.
„LASS EDWARD AUS DEM SPIEL, immer wenn etwas Schlimmes passiert, ist es angeblich immer er und wir wissen beide, von WEM er das hat. Er hat bestimmt auch Kinder in allen Herrenländer, an die er monatlich UNSUMMEN an Geld überweist und er ist bestimmt auch so frech und unterschreibt die Schecks mit C. Cullen, oder? HALT MICH NICHT FÜR DUMM! Wir wissen beide, dass ich es schon mehr als ein paar Jahre weiß und trotzdem sage ich nichts dazu.
Nein, das wussten wir nicht beide! dachte ich und mir rutsche mein Herz in die Hose, denn ich hatte mit allem gerechnet, aber damit nicht.
„JETZT schau nicht wie ein begossener Pudel im Mitternachtsregen, dachtest du wirklich, dass ich auch nur einen Moment lang geglaubt habe, dass du jemals treu sein kannst? Der einzige Grund, wieso ich dazu nichts sage ist, weil du immer wieder reuig nach Hause zurück gekrochen kommst und dann immer den treu liebenden Ehemann spielst, der mir die Welt, ach was, DAS UNIVERSUM, zu Füssen legt.“ spottete sie fast schon über mich und ich wusste, ich hatte es verdient.
„Du brauchst mir auch nicht zu sagen, dass du es NIEMALS mehr wieder tun wirst, denn auch das wäre nur eine weiter Lüge auf deiner Unwahrheitenliste, also erspare uns das beide und sag mir einfach nur, was du wieder getan hast. Ich werde schon damit klar kommen, irgendwie.“ führte sie ihre Rede mit eiskalter Stimme fort. Ich sah es ihr an, dass sie versuchte stärker zu sein, als sie es war und ich bewunderte sie dafür.
„Ich habe diesmal nichts getan. Andrea rief mich gerade an und sagte mir, dass sie den Auftrag erledigt hatte und ich wusste nicht, wovon sie sprach, als mir schlagartig klar wurde, dass es nur Edward gewesen sein konnte, denn keiner sonst wusste davon. Ich vermute, es hatte mit Aro´s Adoptivtochter zu tun, die er in Frankreich gerettet und sich, mit ihr zusammen, an der Küste versteckt hatte. Zu meiner Verteidigung möchte ich sagen, dass ich von seinem Versteckspiel wusste, aber nichts unternommen hatte. Jaques hatte mich angerufen und mir berichtet wo er war, was er tat und wie anders er wirkte und ich hab ihn einfach nur sein lassen, da er angeblich so glücklich gewirkt hatte! Bitte Schatz, du musst mir dieses eine Mal noch glauben.“
„Das mit dem Mädchen weiß ich. Er hat mich angerufen und es mir erzählt. Du hast recht Carlisle, er ist glücklich gewesen, bis sie aus dem Haus verschwunden war. Warum sie wohl plötzlich weg war, hmmm?“ meinte sie in argwöhnischem Ton, beinahe so, als gäbe sie mir die Schuld an ihrem verschwinden.
Natürlich gab sie mir die Schuld, wem den sonst. Es war eindeutig einer dieser Tage, wo man am bestem im Bett bleibt, denn sonst hat man nur Scherereien und die hatte ich gerade zur Genüge. Ich wusste nicht was ich tun konnte um das alles wieder in die richtige Bahn zu lenken.
„BRING DAS IN ORDNUNG CARLISE und bis dahin, wohnst du in einem der Gästezimmer!“ sprach sie mit donnernder Stimme, machte kehrt und ging davon. Kurze Zeit später hörte ich die Türe von unserem Schlafzimmer zuschlagen und wie sie das Schloss versperrte.
JA, eindeutig Arschkarte, dachte ich, ging zu meinem Schreibtisch und schenkte mir noch einen Brandy ein.
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