Dienstag, 20. September 2011

vive la revolution...........C'est pas la mer à boire(Es ist nicht so schlimm wie du denkst. )

Ichh habe Tote, und ich liessß sie hin

und war erstaunt, sie so getrost zu sehn,
so rasch zuhaus im Totsein, so gerecht,
so anders als ihr Ruf. Nur du, du kehrst
zurück; du streifst mich, du gehst um, du willst
an etwas stoßen, dass es klingt von dir
und dich verrät. O nimm mir nicht, was ich
langsam erlern. Ich habe recht; du irrst
wenn du gerührt zu irgend einem Ding
ein Heimweh hast. Wir wandeln dieses um;
es ist nicht hier, wir spiegeln es herein
aus unserm Sein, sobald wir es erkennen.

Die Nacht war genauso ätzend wie die davor. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf- nichts machte wirklich Sinn, nichts war wirklich in Ordnung. Nachdem ich ausgiebigst geduscht hatte packte ich eine kleine Tasche mit den nötigsten Sachen für Frankreich. Ein Teil meiner Waffen wurde schon vor 4 Tagen von Seth in Schließfächern und in meinem Hotelzimmer in Paris verstaut. Aros Vorbereitungsprozedere lief streng genommen schon seit Wochen. Er hatte alles bis ins kleinste Detail geplant aber das war ja hinfällig dank Caius.

Es klopfte an meiner Türe und als ich nicht antwortete ging die Türe langsam auf und ein schwarzer Schopf schaute vorsichtig um die Ecke. Als ich erkannte wer es war musste ich instinktiv lachen und begrüßte Alice herzlich. Ihr Besuch war nicht zufällig, sondern wie alles von langer Hand geplant aber ihr Vorhaben beinahe wieder so waghalsig wie damals, als sie mit Alec und dem Tussenteam hier aufmarschiert war. Als sie hektisch in ihre kleinen, elfenhaften Hände klatschte, flog im selben Augenblick die Türe auf und Alec marschierte mit einer seltsamen Fönfrisur und einem purpurfarbenen Anzug ein, hinter ihm stöckelten noch 4 Tussen hinterher. Nach einer überschwänglichen Bussi-Bussi- Begrüßung, die ich noch immer übertrieben widerlich fand, eröffnete er mir, das meine Haare dringend einen Tapetenwechsel brauchen würden und man jetzt Bob trägt. Ehe ich mich versah stand ich wieder auf der Kommode bewaffnet mit einer Haarbürste die ich versuchte so zu halten wie Arees um die Stylingaffen von meinen Haaren fernzuhalten. Alice versuchte ihr bestmögliches um zwischen Alec und mir zu vermitteln aber ein BOB kam nicht in Frage. Zwischenzeitlich waren wir uns einig, dass ich meine Haare schwarz violett färbe und auf dem Flug nach Paris eine blonde BOB-Perücke trage. Alice war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, Alec warf ihr die Sachen vor die Füße und meinte sie solle sich selber mit mir abmühen, denn so etwas Undankbares hatte er in seinem gesamten Leben noch nicht gesehen und so könnte er nicht arbeiten. Ich war mit dem Ausgang unserer überaus prekären Situation zufrieden, denn immerhin wurde ich mit einem Schlag alle außer Alice los. Sie zuckte gleichgültig mit den Schultern und verschwand in meinem Badezimmer. In den folgen 5 Minuten hörte ich Kästchen knallen und das Gepolter von umfallen Fläschchen und Döschen und das Gemurmel von Schimpfwörtern. Alice war wütend, das wusste ich aber ob auf mich oder auf Alec wusste ich nicht so genau und es war mir auch egal.

„Bella würdest du bitte jetzt endlich in dieses beschissene Badezimmer kommen? Dein Flug geht in ein paar Stunden und glaub mir, deine Haare sind nicht unser einziges Problem. Aro sagt ich soll dir ausrichten, dass du um 16 Uhr einen Termin bei Miss Babette hast, sie hat mal wieder ein paar neue Spielzeuge für dich und im Anschluss musst du sofort zum Airport. Dort wechselst du dann in Plan B über.“ teilte sie mir in Sekretärinnen- Art mit. Ich musste über ihren Tonfall lachen aber diese Miss Babette machte mich stutzig. Ich hatte noch nichts von ihr gehört, was meinte Alice mit Spielzeuge und wieso bekomme ich die vor einem Flug? In meinem Kopf stapelten sich die Fragen und die Antworten mussten wie so oft warten und ich HASSTE WARTEN.
„Setz dich endlich auf deinen Arsch und halt einfach nur deinen Kopf still. Schlimm genug das du Alec vergrault hast, jetzt sau nicht auch noch das Badezimmer voll.“ schimpfte sie leicht sauer und ich beschloss, dass es gesünder wäre, wenn ich tat was sie von mir verlangte.

Zwei Tuben Haarfarbe, 45 Minuten und mehreren Haarkuren später erstrahlten meine Haare in einem kräftigen Schwarzviolett. Es war nicht schlecht aber ungewohnt. Alice händigte mir 2 Perücken aus, die eine tussenblond, die andere feuerrot, ich wirkte wie eine billige Hure auf abwegen. Sie teilte mir mit, dass sie die rote bevorzugen würde aber ich sicherheitshalber das Haus mit der blonden verlassen sollte, so wie es ja der eigentliche Plan gewesen wäre und ich sie, bevor ich eincheckte, ändern sollte, ebenso wie meine Kleidung. Sie reichte mir 2 Kleiderhüllen die eine feuerrot und die andere weiß. Den Inhalt der weißen Hülle sollte ich sofort anziehen und die rote zusammen mit der Perücke wechseln. Mir war zwar klar, dass ich Cullen und Co. verwirren sollte aber im Moment fand ich das alles mehr als nur schräg.

Fachmännisch frisierte Alice meine Haare zu feinen Strähnen rund um meine Kopf und legte ein Netz darüber, so dass ich die Perücken anziehen und wechseln konnte. Der Blick in den Spiegel ließ mich aufschreien, denn das war nicht ich, das war gar nicht ich. Al legte mir 2 Packungen Kontaktlinsen auf den Tisch und zeigte mir wie man sie einsetzte. Die Scheiße brannte in meinen Augen wie Feuer. Dann begann sie mich zu schminken und steckte mich in einen engen Nappalederrock und in eine sehr kleine weiße Seidenbluse, die mehr preisgab als sie versteckte und meine Brüste noch weiter nach oben pushte. Ich wusste, dass ich mich gegen das vorgesehene Schuhwerk nicht wehren konnte und akzeptierte die 12cm hohen Absätze mit einem ängstlichen Nicken. Ganz klar, sie wollte mich umbringen. Das Resultat war nicht nur sehr ungewohnt sondern abschreckend. Ich sah aus wie einer dieser Bordsteinschwalben aus den einschlägigen Hollywoodfilmen. Alice musterte mich begeistert und je erfreuter sie herumsprang und in die Hände klatschte, umso mehr verging mir das Lachen.

„Perfekt, einfach nur perfekt und jetzt schau zu, dass du lebend die Treppe runter kommst. Dein Auto steht vor der Türe und Miss Babette bekommt eine Mords-Laune, wenn man sie warten lässt. Ihre Adresse ist im Navi gespeichert. Ich rate dir nur, dass du es nach dem Abstellen des Motors am Zielort aus dem Fenster wirfst, denn das ist so ein Wegwerfgerät. Es löst sich quasi in Luft auf!“ kicherte Alice teuflisch. Ich verzog meine seltsam geschwungene Augenbraue und versuchte, mit der ganzen Pampe im Gesicht, skeptisch zu schauen, was eher einer Clown- Fratze glich als meinem Gesicht. Unvorbereitet packte sie mich, schob mich zur Türe hinaus und schleppte meine Tasche und die anderen Sachen hinter mir her. Kurz vor der ersten Stufe blieb ich stehen, schaute verzweifelt nach unten, drehte mich zu Alice um und suchte ihren Blick. Sie gab mir zu verstehen, dass ich da jetzt durch müsste und es besser wäre, wenn ich unverletzt unten ankommen würde.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und übermenschlichen Todesängsten schaffte ich es lebend, mit beiden Händen an das Treppengeländer der Treppe gekrallt, unten anzukommen. Aro kam mir gerade entgegen, blieb verdattert stehen, musterte mich von oben bis unten und nickte Alice, die ja noch immer hinter mir stand, zustimmen zu. Es war wiedermal eine dieser Konversationen, die keinerlei Worte bedarf, so wie es hier üblich war. Alice drückte mir plötzlich meine Sachen in die Hände, drehte sich um und verschwand wortlos nach oben. Ich hörte Türen scheppern und lautes Geschreie. Ich vermutete, dass Alice versuchte James zu stylen und musste innerlich lachen. Boris kam mit Ivan aus der Küche. Sie blieben ebenso verdattert stehen und als sie sich scheinbar wieder gefangen hatten pfiffen sie synchron durch die Zähne und ernteten eiskalte Todesblicke von Aro, die sie aber wissentlich ignorierten.

Aus dem oberen Stockwerk hörte man wieder lautes Geschreie aber diesmal mischte Vicky kräftig mit. Aro verdrehte die Augen, denn nach ihrem letzten Fauxpas ist er alles andere als gut auf sie zu sprechen und das merkte man auch richtig. Boris und Ivan beratschlagten sich leise. An ihren heimlichen Blicken zu mir herüber erkannte ich, dass sie nicht wussten wer ich war, wenn die Menschheit doch immer so leicht zu beeindrucken wäre. Ich befeuchtete meine dick geschminkten Lippen, kaute etwas auf meiner Unterlippe und zwinkerte Boris verstohlen zu. Sein Mund klappte auf, sein Erbsenhirn arbeitete auf Hochdruck und sein Körper pumpte gerade alles Blut in seine Lendengegend. Ivan rammte Boris seinen Ellbogen genau in die Rippen und zog ihn dann am Arm hinaus aus dem Zimmer. Boris Blick wanderte immer wieder zu mir zurück und als ich ihm eine Kusshand zu warf wurde er knallrot und starrte sofort nach vorne.

Die Türklingel ließ mich aufschrecken und als Aro mit einem Lächeln auf den Lippen zu Tür eilte wusste ich, dass dies nichts Gutes verhieß. Er öffnete und reichte jemanden die Hand um ihn sogleich herein zu bitten. „Salut Eric, bien que vous êtes là. Avez-vous eu un bon vol? C'est ma fille Bella!*» sprach er in einwandfreiem Französisch, ich wusste noch nicht mal, dass er Französisch konnte. Stocksteif stand ich nun da, denn ich hatte nichts außer meinem Namen verstanden und er stand da und starrte mich an. Was hatten den heute alle nur, permanent gaffte mich wer an. Er kam ein Stück auf mich zu und hielt mir die Hand hin aber nicht so wie man es macht um jemanden zu begrüßen, sondern wie in den alten Filmen. Ich reichte ihm meine Hand und er hauchte einen Kuss darauf. „enchanté ma petite renoncule“ hauchte er mit samtener, hocherotischer Stimme, so dass es mir eiskalt den Rücken runter fuhr. Ich lernte aber auch nur solche Leute kennen. Ich vermute, dass dieser Eric unser froschfressender Mitarbeiter war, der uns immer die neusten Informationen über Vince und Francois zu gespielt hatte aber so sicher war ich mir nicht mehr. Ich lächelte wohlerzogen und blickte dann wahllos auf einer der Wände hinter ihm. Als James die Treppe herunter gepoltert kam und an mir vorbei zog erschrak ich im ersten Moment fürchterlich, denn man konnte diesen Eric und ihn kaum mehr auseinander halten. Beide trugen eine viel zu enge Raulederhose mit seitlicher Kreuzschnürung und ein tailliertes weißes kurzärmeliges Hemd. Ihre blonden Haare waren zurück gegelt und mittlerweile verstand ich auch wieso James sich so aufgeregt hatte, denn das war einfach nicht sein Style aber verdammt heiß sahen sie beide schon aus. Alice war eine wahre Meisterin aber das durfte sie auf keinen Fall wissen, denn sonst würde ich mich nie wieder erkennen.

„Ach schau an, mon petit Froschschenkel ist auch schon da, Ca va? UUUHHH Quelle belle mademoiselle“ sprach er leicht irre und verbeugte sich vor mir und zeigte Eric so seinen Allerwertesten, auf welchen er seine Hand gelegt hatte und ihm den Stinkefinger zeigte. James Unmut über diese skurrile Situation war deutlich zu spüren, mir ging es ja nicht anders.

„James, James James, du ´ast disch ja über´aupt nischt verändert. Du bischt noch immer der verzogene Fratzen wie vor 5 Jahren aber isch schätz du wirscht nischt, darüber reden wollen... alors...Aro es ischt mir eine ….ähmm Freude, dass du mich ausgesuch ´ast dein reizende Tochter zu begleiten.“ meinte er in seinem seltsamen Dialekt, dass es einem die Zehennägel aufstellte. Ich wollte nur mehr weg und nutzte meinen Termin bei Miss Babette um abzuhauen. Höflich entschuldigte ich mich bei allen und entfernte mich schleunigst aus unserem Vorzimmer. Auf der Straße stand der Wagen den Alice meinte, als ich dieses Auto sah, wusste ich, dass man ihr eindeutig nicht mehr erlauben sollte Autos für uns zu kaufen, denn ein schwarzer Bugatti Veyron war eindeutig eine sehr kostspielige Angelegenheit. Vorsichtig öffnete ich die Türe und rutschte ehrfürchtig hinter das Lenkrad. Der Duft des neuen Leders stieg mir sofort in die Nase, sowie ein zarter Orchideenduft. Die beiden Düfte harmonierten hervorragend miteinander, ich habe zwar nichts anderes erwartet aber trotzdem verwunderte es mich immer wieder auf neue. Auf dem Beifahrersitz lag ein Kuvert mit einem Kartonstück darin. Vorsichtig mit nervösen Fingern zog ich es heraus und kurz bevor ich vermutete, dass die Schrift zu sehen sein muss, hatte ich die Augen geschlossen, denn ich war mir sicher, dass es wieder einer von Cul.. Edwards Briefen sein musste...vielleicht saß er auch in derselben … „NEIN BELLA!“ schrie ich mich in Gedanken an, denn er wird nicht in derselben Maschine sitzen. Er wird dir auch nicht den Vortritt lassen bei dem Deal und er wird sicher nicht versuchen, dich zu beschützen. Träum weiter aber erst wenn du zu Hause bist und das ganze lebend. Genervt von mir und meinen endlosen inneren Monologen öffnet ich hoffnungsvoll die Augen und blickte auf ein in der Mitte gefaltetes Kärtchen. Die blöde Augenzukneiferei war somit umsonst und ich genau so nervös wie zu vor. Mit bebenden Fingern öffnete ich es und starrte auf einen einfache Kugelschreiberschrift mit dem Codewort für die Automatische Sprachsteuerung und dem Benutzernamen. Hysterisch lachend schüttelte ich den Kopf, denn ich lachte über mich selber.

Ich suchte den auf der Karte beschrieben Knopf, als ein Summen zu hören war und eine sehr maskulin weibliche Stimme mich aufforderte mich zu identifizieren. Erschrocken suchte ich den Lautsprecher, als mich diese Stimme noch einmal aufforderte mich zu identifizieren. Die ersten beiden Versuche gingen daneben, da ich zu schnell oder zu leise sprach. Ich atmete noch einmal kräftig durch und wiederholte laut und deutliche meine Kennung. Nach dem dritten Versuch und dem Selbstzweifel, dass ich zu blöd wäre „Black Swan Codenummer 55987314“ aufzusagen, sprang Gott sei Dank der Motor an und eine Halterung mit einem Navi fuhr aus dem Armaturenbrett heraus. Die Route wurde berechnet, noch ohne dass ich auch nur einen Knopf drücken musste. Ich konnte Routen, die mit dem Satz „Bitte wenn möglich wenden.“ endeten, nicht leiden. Die Nervosität wechselte sich mit purer Konzentration ab, denn ich musste mir den Weg ja auch noch merken. Nach 20 Minuten Irrfahrt durch London stand ich vor einem alten, englischen Gebäude mit großen quadratischen Fenstern, die in viele, kleine, weiß umrandete Quadrate unterteilt waren. Die alten, roten Backsteine waren auf einer Seite mit einer Efeuranke überzogen und die 4 Stufen vor der Haustüre war mit leuchtend grünem Moos gesäumt. Aus dem alten Rauchfang stieg grauer Rauch auf und aus dem leicht geöffneten Fenster strömte mir der Geruch von frischen, warmen Waffeln mit Zimt und geschmolzener Karamellschokolade entgegen. Für einen Moment dachte ich, ich stehe zu Hause bei Granny aber der betriebsame Lärm auf der Straße holte mich schnell wieder zurück aus meinem Tagtraum. Ich streckte mich kurz durch und stieg vorsichtig die feuchte Treppe nach oben, eine Hand fest um den schwarzen gusseisernen Handlauf gekrallt und die andere zum Auffangen bereit. Bei der tiefschwarzen mit Rissen durchzogenen Eingangstüre angekommen atmete ich kräftig durch und betätigte den Klingelknopf. Statt einer Glocke donnerte ein schwerer tiefer Gong durch die dicke Türe, also überhören konnte man den kaum. Die Tür öffnete sich federleicht als wäre sie aus Pappe oder der Mensch dahinter ist Hulk, nervös kaute ich auf meiner Lippe und ließ jeden Finger einzeln knacken, als ich ein zierliches Gesicht blickte, welches mich freundlich ansah.

„OH MAN, Alice hat dich ganz schön zugerichtet, das geht ja mal gar nicht. Wenn ich dich auf der Straße sehen würde, würde ich meinen du bist ne Schlampe. Komm erstmal rein bevor uns noch wer sieht...!“ plapperte sie drauf los und zog mich an der Hand schnell herein, so dass ich und meine Schuhe getrennt im Flur ankamen. „Ups, das war wohl zu schnell.“ meinte sie lachend aber ich winkte nur ab und sagte ihr, dass ich es gewohnt sei auf dem Boden zu sitzen. Ich musterte sie und nahm diese Erscheinung in Person in mich auf.

Enganliegende, blaue stonewash Röhrenjeans und schwarzen Ballerinas gingen nahtlos in ein schulterfreies, knallenges Oberteil über, wo das einzige was luftig weit wirkte die Ärmel waren. Lange, schwarze Haare mit blutroten Strähnen machten das Rocker-Killeroutfit perfekt und ich musste schlucken. Sie sah echt nicht übel aus, komisch aber auch, dass für Aro immer so perfekte Leute arbeiteten, wenn ich mich an Bangkok erinnerte, dieser Lee war alles andere als hübsch anzusehen.

„Kleines, willst du da unten Wurzeln schlagen oder soll ich dir aufhelfen?“ fragte sie mich freundlich. Erschrocken sah ich zu ihr auf und hielt ihr dann die Hand hin. Sie meinte außerdem noch, dass es besser für alle wäre, wenn diese Schuhe und ich für die nächste Zeit getrennte Wege gehen würden. Ich hatte enormen Respekt vor ihr, denn ich war mich sicher, diese Frau konnte mich mit dem kleinen Finger töten. „Jetzt komm schon, ich werde dich schon nicht mit dem kleinen Finger ums Eck bringen. Wir haben noch viel zu tun und du bist, um ehrlich zu sein, etwas zu tollpatschig um trödeln zu können.“ mit großen Augen schaute ich sie entsetzt an und ehe ich mich versah hatte sie mich hoch gezogen und barfuß ins nächste Zimmer geschoben.
Sie ging zu dem großen, alten, viktorianischen Kamin und ich folgte ihr gehorsam. Als wir das Zimmer mit dem unebenen, alten Holzfußboden betrat, sah ich das Licht, welches durch eines der Fenster, das mit den schweren samtenen bordeauxroten Vorhängen umrahmt war, hereinschien und sich im Kristallluster brach. Es fiel an eine Wand mit Postkarten – wie mir schien aus aller Weltenländer. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus und sie blickte mich stolz wie Oscar an und ich fragte sie, ob sie da schon überall war. „Na klar, mit dem Finger auf der Landkarte...“ meinte sie salopp und ich konnte nicht erkennen, ob das der pure Sarkasmus war oder ihr Ernst aber es war auch nicht wichtig, denn eine lautes Knarren erhalte im Raum. Der Kamin stand einen Meter weiter vorne und dahinter wurde ein langer, schmaler Korridor zum Vorschein gebracht. Ich konnte gerade noch erkennen wie Miss Babette die Hand von einer Büste nahm, die aussah wie David Draiman, der Sänger von Disturbed. Ich vermutete, sie stand auf diese Band genauso sehr wie ich, was mich nicht wunderte, denn diese Frau war das Sinnbild für den geschmackvollen Tod auf zwei Beinen. Eiskalt lief es mir den Rücken hinunter als sie geschmeidig wie ein Raubtier im Gang verschwand und melodisch lachte. Sie fragte mich wieder ob ich hier Wurzeln schlagen wollte und ich verneinte schüchtern und verängstigt, wie ein kleines Schulmädchen am ersten Schultag, die als Einzige keine Schultüte bekam.
Ich betrat den feuchten, nach Petroleum riechenden Gang und versuchte tunlichst an den mit Moos überzogenen Backsteinen anzukommen. Nach nur wenigen schnellen Schritten lief ich beinah in Miss Babette hinein, die abrupt stehen blieb und eine endlose Kombination auf einem Touchscreen einhämmerte. Leise summend öffnete sich eine Türe und gab den Blick auf eine weitere frei. Diese musste sie mit einer gesummten Melodie öffnen, die klang wie Nothing Else Matters aber sich war ich mir nicht, denn sie summte es mit sehr hoher Stimme. Auch diese Türe sprang tonlos auf. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass Musik hier eine tragende Rolle spielte aber unser unterirdischer Spaziergang war noch nicht zu Ende. An den Wänden waren Fackeln angebracht, die das Ganze in ein schummriges Licht tauchten. Ich fühlte mich als wäre ich in den Gefängnissen des Towers of London, nur das man HIER sicher nicht lebend herauskam. In den Abständen zwischen den Fackeln hingen Schwarz- Weiß- Fotografien. Eine blieb mir ganz besonders in Erinnerung, denn da stand ein Mann und vor ihm kniete eine Frau. Ihre Beine waren in einem, meiner Meinung nach, sehr schmerzenden Winkel abgespreizt, ihr Rücken war im wahrsten Sinne des Wortes kerzengerade und demütig beugte sie ihren Kopf nach unten. Die Hände lagen mit den Handflächen nach oben auf den Knien. In dem Blick lag etwas Beherrschendes aber gleichzeitig so viel Gefühl, dass es mich in seinen Bann zog.
„Das gefällt dir, oder?“ erschrocken starrte ich sie an, errötete sofort und blickte betroffen auf den Boden. Ich brachte keinen Ton heraus und sie lachte. „Du bist nicht die Erste, die so reagiert aber ist ja nichts dabei. Schau es dir ruhig noch einen Moment an. Ich warte am Ende des Ganges auf dich aber mach nicht so lang, ja?“ meinte sie und tätschelte mir den Rücken. Kaum war sie aus der Reichweite, sah ich, einen Schritt auf das Bild zugehend sofort wieder hin und erkannte etwas das ich so nicht erwartet hätte.
„Fuck, das bist ja DU ähm SIE ähmm oh“ schrie ich viel zu laut auf und am Ende des Ganges hörte man wieder nur ein Lachen. Schnell lief ich zu ihr und starrte sie einfach nur an. Solange bis sie meinte, wenn ich nicht gut verschnürt am Boden knien will, wäre es besser, wenn ich aufhöre sie an zu starren. Meine Hände wurden ganz schwitzig, denn ich bekam es schlagartig mit der Angst zu tun und folgte ihr aufs Wort und sie lachte. Langsam aber sicher machte sich in mir das Gefühl breit, dass sie mich auslachte und selbst wenn es so war, ich konnte nichts dagegen tun. Babette bog nach links ab und ich folgte ihr bis wir wieder vor eine Art Tresortüre standen. Diese öffnete sie mit 3 Schlüsseln und einer Art Klopfsignal, das sich sehr kompliziert anhörte.
Vor mir erschloss sich ein weiterer Raum in dem schwere Metallplatten an den Wänden verschweißt waren. Der hintere Teil des Raumes war mit Regalreihen vollgestellt in dem allerhand Sachen lagen. Babette eilte zu einem Tisch und hob eine Sonnenbrille hoch und ich fragte mich, ob das ihr Ernst sei. Hier konnte man gerade so viel sehen, dass man erkennen konnte, was man in der Hand hielt und eine Sonnenbrille war eindeutig nicht von Nöten. Sie kam mit dem Ding auf mich zu und setze es mir auf. Der dunkle Raum erstrahlte in einem satten Grünton und ich konnte alles klar und deutlich sehen. Ein lautes „Oh“ entwich meiner Kehle und Babette begann die Vorzüge und die Funktionen dieser Brille zu erklären und außer Nachtsichtgerät und Fernglas mit Zielvorrichtung habe ich nicht viel verstanden. Sie schwörte darauf, dass diese Brille zu jedem Outfit passen würde als ob mich das interessierte. Babette griff nach einem Rucksack, der auch auf dem Tisch lag und erklärte mir, dass sich darin eine komplette Kletterausrüstung inkl. Glasschneider befinden würde. Im vordersten Fach würden sich die Wurfsterne befinden. Die mit dem roten Punkt setzen das Ziel in Brand, die mit dem gelben Blitz verfügen über eine Batterie, die, wenn sie in einem Körper steckte, dank der Wiederhaken nur schwer entfernt werden konnte und eine Ladung gebündelten Strom ablieferte und die mit den schwarzen Punkt waren Giftsterne. Sie trichterte mir ein, dass egal was passierte, ich mich nicht an ihnen verletzen durfte, denn die vier Milligramm blauer Eishut wirkt tödlich und das wollte man ja, zumindest bei mir, verhindern. Aus ihrem Schreibtisch reichte sie mir 4 Kapseln und forderte mich auf, immer eine mit mir mitzuführen. „Süße, das ist Botulimustoxin es ist tödlich. In den Kapseln ist die 3-fache Dosis, die der Mensch verträgt. 4,5 Milliardstel Gramm töten einen Menschen binnen Sekunden, also nur nehmen, wenn sie dich foltern würden und du dir sicher bist, dass du nicht lebend dort raus kommst, kapiert?? sprach sie in sachlicher Tonlage ohne auch nur einen Funken Gefühl. Nachdem sie mir einen Moment gab um meine wirren Gedanken zu ordnen, fuhr sie ihre Waffenpräsentation fort. Sie zeigte mir die verschiedensten Bögen, Messer und Schusswaffen. Manche sahen noch nicht mal so aus als wären sie das, was Babette gerade gesagt hatte. Ich wusste aber, dass ich, sobald ich wieder hier war, noch mal bei ihr vorbei sehen musste, denn einige der Sachen interessierten mich schon sehr. Irgendwann beendete sie ihren Vortrag und merkte vorsichtig an, dass es Zeit wird, denn ich müsste langsam zum Flughafen. Verwirrt und unsicher nickte ich und folgte ihr wieder diese endlosen Gänge zurück bis wir dann schlussendlich wieder in dem Postkartenzimmer standen.
Ich beobachtete sie genau und bemerkte den Besucher, der sich scheinbar selber Zutritt verschaffen hatte erst, nachdem er sich räusperte. Erschrocken fuhr ich um und starrte Eric direkt in die Augen, als im selben Moment meine Anspannung nachließ, da keine Gefahr bestand, allerdings sah das Miss Babette anders. Die Augen zu schmalen Schlitzen geschlossen, die Stirn in Zornesfalten gelegt sah man ihr an, dass sie Eric scheinbar nicht besonders mochte. Ein Hand schnellte zu ihrem Gürtel zog etwas 20cm langes heraus, in dem Moment, den ich benötigte um zu realisieren das es ein Wurfmesser war, hatte sie sich schon umgedreht und ihn mit einem gekonnten Wurf an die Wand genagelt. Ich konnte meinen Augen nicht trauen, denn sie warf höllisch gut und aus diesem Winkel war es verdammt schwer überhaupt zu treffen, aber dann gleich so, ohne ihn zu verletzten? Mit festen, bestimmten Schritten ging sie auf ihn zu, hob die Hand, holte aus und ein kräftiges Klatschen erhellte den Raum. Er sog die Luft hastig ein und schaute sie erstaunt an.
„Du bist ein Scheißkerl, und das weißt du! Wie kannst du nur einfach einen Zettel aufs Kissen legen und dann verschwinden?“ schrie sie ihn bitterböse mit enttäuschter Stimme an. Das war der Moment, wo man eigentlich höflichkeitshalber den Raum verlässt aber diese Situation war zu spannend, denn ich wollte wissen wie Eric auf diese Ohrfeige reagierte.
„Mäusezahn, merde, es tut mir so leid. Isch wollte ja, aber Aro...du weißt ich muschte es tun, átte keine Wahl.“ sprach er in seinem französischen Dialekt und der war, um ehrlich zu sein, zum niederknien. Denn Eric war groß, hatte eine stattliche Figur und einen definitiv durchtrainierten Oberkörper. Man konnte ihn natürlich nicht mit Edward vergleichen aber bevor man ihn von der Bettkante stößt, sollte man es sich eindeutig zweimal überlegen.
„Es ist mir sowas von scheissegal, warum du gehen musstest. Du hättest dich ja mal melden können oder WIEDER KOMMEN, ich mein 2 Jahre sind eine lange Zeit und du hättest ja eine verschissene EMAIL oder eine Postkarte, eine Brieftaube oder einen verschissenen Minnesänger schicken können oder schlicht und ergreifend einfach anrufen können aber du schaffst ja nicht mal das. Und........“noch bevor Miss Babette ihre Schimpftriade beenden konnte hatte Eric das Messer mit dem er noch immer mit seinem Hemd an der Wand befestigt war herausgezogen und siein die Arme genommen, nach hinten übergekippt und ihre Lippen mit seinen versiegelt. Erst waren noch einige Schimpfwörter zu hören, die sie in seinen Mund hinein schrie aber die verstummten schnell und dieser Kuss wurde, meiner Meinung nach, immer leidenschaftlicher. Ich musste grinsen und trat den Rückzug an. Im Vorraum dieses Hauses lagen auf der Kommode neben der Eingangstür ein Block mit Post Its und einige Kugelschreiber fein säuberlich in einem Becher nach Farben geordnet. Sorgfältig kritzelte ich für Eric eine Nachricht auf den Block, dass wir uns am Flughafen treffen würden, nahm meine Schuhe und stahl mich heimlich davon.
Die Fahrt zum Flughafen ging schneller vorüber als ich dachte. Ich parkte mein Auto sicher im Parkhaus, denn dieses Baby wollte ich eindeutig behalten, schnappte meine Kleiderhülle und lief ins Innere des Gebäudes. James passte mich beim Starbucks ab und mich wunderte es gar nicht mehr, denn ich befand mich in einem gut funktionierenden Uhrwerk. Er nickte mir zu, würdigte mich aber keines Blickes mehr als unbedingt notwendig. Seine Art zu agieren kränkte mich etwas aber darüber jetzt zu reden hatten wir leider keine Zeit. Wir passierten die ersten Sicherheitskontrollen und ich verschwand kurz bevor wir in den Boardingbereich wechselten auf die Toilette um mein Outfit zu ändern.
20 Minuten und einige verzweifelte Kämpfe mit der Perücke später trat ich aus dem Klo heraus und Eric nahm mich in Empfang. Jeder normale Mensch hätte sich jetzt gewundert aber wir waren nicht normal. Es war normal immer mit den seltsamsten Sachen zu rechnen. Ich hakte mich bei ihm unter und wir gingen zum Gate. Fragend sah ich Eric an und er antworte bloß „Barcelona“ und ich verstand. Aro schickte James nach Barcelona und ich wusste, er musste José wiedermal erklären wie die Inc. funktionierte. Das kam öfters vor aber so waren die Mexikaner eben. Ich zollte dem ganzen recht wenig Beachtung, denn es war nicht wirklich wichtig. Die Idee, dass wir das Ganze so verwirrend inszenieren war perfekt, denn Eric und James sahen sich wirklich verdammt ähnlich und mit den großen Sonnenbrillen erkannte man nur schwer, dass es nicht ein und dieselbe Person war. Ob das ganze Manöver gefruchtet hatte würden wir in Frankreich sehen.
Am Gate angekommen, setze ich mich ans Fenster, beobachtet die startenden Flugzeuge und schenkte Eric kaum Beachtung. Das eine Mal als ich ihn von der Seite anstarrte erkannte ich 4 feine Kratzspuren, die scheinbar von seinem Genick bis über den Oberkörper reichten, entweder hatte Miss Babette ihn doch noch verprügelt oder sie hatten noch schnell ihren Spaß. Ich hoffte letzteres, denn ein entspannter Partner ist eindeutig überlebenswichtig. Nach einer kurzen Zeit langweilten mich dir Flieger und ich stand auf um mir etwas zu trinken zu holen. Bei dem Kaffeestand angekommen, bestellte ich eine Flasche Wasser und einen Cafe Latte. Während ich wartete ließ ich meinen Blick durch die Glaswand schweifen, die uns von den anderen Passagieren trennte, welche andere Destinationen anflogen. Irgendwie sahen heute alle gleich aus. Ich starrte weiter hinaus, die Zeit hielt plötzlich an und alles bewegte sich nur mehr wie in Zeitlupe als mein Blick an den Personen bei der letzten Sicherheitskontrolle haften blieb. Sie wirkten so anders, so fremd, die stylische Pilotenbrille verdeckten die Augen aber die knallenge Jeans und das schwarze Hemd, sowie das perfekt gestylte bronzefarbene Haar des einen, ließ mein Herz in die Hose rutschen. Aus den Augenwinkel heraus beobachtete ich wie seine Blicke schnell und gezielt alle Frauen abcheckte. Je länger und erfolgloser seine Suche blieb um so enttäuschter wurde seine Gesichtsausdruck. Mein Blut begann in meinen Adern zu rasen, denn als er bei mir angekommen war, schaute er mir in die Augen, unsere Blicke verknoteten sich miteinander.
Würde er mich erkennen?
Würde er im Flieger neben mir sitzen, zufällig?
Würden wir uns überhaupt begegnen oder wusste Eric es zu verhindern wissen?

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