Montag, 26. September 2011

you haven´t seen the last of me........ oder i´ll be there wherever you go


Natürlich erkannte Edward mich nicht. Ich wand meinen Blick ab, drehte mich um und ging zurück zu Eric. Wir betraten gemeinsam das Flugzeug, ich suchte meinen Platz und machte es mir schon mal gemütlich. Mein Blick war konzentriert nach außen gerichtet als sich Eric schwerfällig neben mich fallen ließ. Natürlich war es so, dass der Zufall es nicht wollte, dass ich, weder zufällig, noch absichtlich neben Edward saß. Natürlich wusste er nicht, dass wir im selben Flieger saßen, denn es war nichts weiter als ein Zufall, ein verdammt gemeiner und unberechenbarer Zufall aber so war das nun mal mit gut kalkulierten und bis ins kleinste Detail geplanten Plänen, sie funktionieren meistens nicht. Die Flugdauer von knapp zwei Stunden verbrachte ich damit, mir Gedanken darüber zu machen, wie und ob das jemals eine Chance haben wird, ob man uns jemals gestatten würde uns zu sehen, ohne dass wir uns umbringen müssten?

Ich spielte den Gedanken der perfekten, die-Welt-aus den Angeln- hebenden- Beziehung durch und musste mir selber mehr als nur zugestehen, dass mir der Gedanke mehr als nur gefiel. Es war eine der tödlichsten Ideen die ich haben konnte aber ich mochte sie. Seit dem Flug mit Jasper nach Bangkok hatte ich eine Abneigung gegen Flugzeugtoiletten aber, dem Kaffee sei Dank, musste ich, wie sollte es den auch anders sein, ganz dringend meinen Bedürfnissen nach gehen, also zwang ich mich an Eric vorbei und glitt elegant in den schmalen Gang hinein. Automatisch checkte ich unauffällig die Sitzreihen ab, als ich seinen unverkennbaren bronzefarbenen Wuschelkopf von hinten sah, wie er gerade dabei war, der drallen Flugbegleiterin den Kopf gehörig zu verdrehen, denn man konnte ihr förmlich ansehen, dass sie gerade das ganze Flirtrepertoire auspackte. Wut und Eifersucht rangen augenblicklich um den ersten Platz und ich musste mich mehr als nur beherrschen. Die letzten paar Schritte, die noch zwischen mir und der Flugbegleiterin lagen, legte ich schnell zurück und gerade als sie ihm den Kaffee einschenken wollte aber sich weniger auf die Kanne in ihrer Hand, als um seine Erscheinung kümmerte, ging ich mit wiegenden Hüften an ihr vorbei und rempelte sie mit einer eleganten Bewegung an, so dass sie zusammen mit der Kanne vorne überkippte und ihn in Kaffee badete. Seinen Unmut machte er lautstark Luft, so dass ich einfach nur herzhaft lachen musste – innerlich.

Eric, der ja zwangsläufig neben mir saß, redete ununterbrochen nur von seiner Mademoiselle Babette und ich konnte es langsam nicht mehr hören. Ich wollte an meinen perfekten Ort, mit meinem perfekten Edward, in meiner eigenen perfekten Kopfwelt. Halbherzig hörte ich ihm zu, wie er mir versuchte, mit seinem französischen Dialekt, seine genauen Gefühle zu erklären aber wirklich etwas mitbekommen hatte ich nicht. Als wir endlich gelandet waren und Eric unsere Koffer geholt hatte gingen wir zu den, vorsorglich für uns bereitgestellten, Schließfächern, tauschten sicherheitshalber die Reisedokumente und platzierten auch gleich die Rückflugsachen, sowie Bargeld und Kleidung darin. Meinen Blick ließ ich durch die Ankunftshalle schweifen, auf der Suche nach ihm aber weder er noch einer seiner Gefolgsleute waren zu sehen.

Wir holten unsere Mietwagen ab und fuhren getrennt los, denn wir hatten uns in verschiedenen Hotel eingebucht und außerdem habe ich nach Caius Ableben noch schnell die Hotels gewechselt, aus Sicherheitsgründen, denn man wusste nie was auf einem zu kommen konnte. Wir konnten nur hoffen, dass unsere Männer hier gut arbeiteten, denn wenn sie es nicht zustande gebracht hatten, die restlichen Waffen in unsere Zimmer zu bringen wird es schwierig werden. Die kleinen Handfeuerwaffen und die Wurfsterne von Babette sind zwar nett aber leider nicht annähernd ausreichend. Mich wunderte es ohnehin noch, dass ich sie einfach so, am Körper tragend, durch die Sicherheitskontrolle gebracht hatte aber soweit ich das beurteilen konnte, bestanden sie aus Glasfaser verstärktem Kunststoff. Ich wusste es nicht so genau, da ich mich nicht damit beschäftigte, da es mir nur wichtig war, dass ich sie mit hatte auch wenn sie nicht besonders hilfreich waren, wenn es hart auf hart kommt. Eric fuhr in da Le Burgundy Paris, welches direkt an der Rue Duphot lag. So hatten wir es bis zu unserem Treffpunkt nicht sonderlich weit und einen geeigneten Fluchtwagen in greifbarer Nähe, denn eine der vielen Auflagen war, dass wir ohne Waffen und Fluchtwagen kamen aber bei den Waffen habe ich mich geweigert und zwar solange, bis die beiden Froschfresser endlich zugestimmt und auch eingesehen haben, dass es zu viel verlangt wäre, wenn wir uns auf dem silbernen Teller servieren würden. Bis zum Tage meiner Abreise war unklar gewesen, wer mich begleiten würde, darum wählte ich zwei Hotels in einem eher belebten Bereich aus. Da neben dem Burgundy die berühmte Rue Saint Honoré mit ihren Designer-Geschäften nur 50 m vom Hotel entfernt lag, sowie auch der Place de la Madeleine und die Opéra Garnier konnten wir sicher sein, dass ein Anschlag auf dieses Hotel den Cullens zu viel Aufsehen erregen und sie es nicht wagen würden. Mein Hotel lag etwas weiter weg, war aber nicht weniger zentral, denn wenn alles geklappt hatte blickte ich direkt auf den Louvre, die Champs-Elysées und die Place de la Concorde lagen keine 5 Minuten von hier entfernt und so war auch dieses Hotel keine Option für die Cullens. Leider hieß das noch nicht, dass wir auf der absolut sicheren Seite waren, denn das war nie möglich.

Nach knappen zwanzig Minuten kam ich im Hotel an und hatte auch schon eingecheckt. Meine erste Amtshandlung war, dass ich das „Bitte nicht stören!“ Schild an meiner Tür anbrachte und dann begann ich damit, mich wieder zurück zu verwandeln. Nachdem ich die Klamotten und vor allem diese Schuhe gegen eine simple schwarze Jeans und bequeme Martens getauscht hatte, versuchte ich das Make-Up schichtweise herunter zu kratzen, was mir nach einer Rolle Watte-pads und einer Flasche Make-up Entferner für den Theaterbedarf auch gelang. In meinem Gesicht bildeten sich rote Flecken und Striemen, an den Stellen wo ich besonders fest aufdrücken musste. Ich fragte mich immer noch, was Alice da nur alles draufgeschmiert hatte. Als ich mir wieder ins Gesicht sehen konnte ohne zu erschrecken, nahm ich diese schreckliche, feuerrote Perücke ab und löste das Netz von meinem Kopf. Ich war froh, als ich die gekordelten Strähnen gelöst hatte und die tausend Haarklammern in meinem Zahnputzbecher zwischenlagerte. Ich stellte zufrieden fest, dass ich wieder ich war, zwar mit Locken aber wieder ich.

Zielsicher steuerte ich, nachdem ich das Chaos im Badezimmer beseitigt hatte, dieses riesengroße, französische Doppelbett an, ließ meinen Blick durch das Zimmer schweifen und überlegte, wo unser Verbindungsmann meine Waffen verstaut haben könnte, als mir ein Griff am Sockel des Bettes auffiel. Ich ging hin, bückte mich und zog kräftig daran. Als sie federleicht aufrollte, stolperte ich nach hinten und mein Blick viel auf den Inhalt, der leider nur eine weitere Garnitur Bettzeug darstellte, was prinzipiell das perfekte Versteck war. Davor kniend, räumte ich die gesamte Lade leer aber darin war nichts, außer diese Bettdecke und das Kissen. Gerade als ich sie zu pfeffern wollte, entdeckte ich, dass der Boden sich leicht bewegte und diesen tastete ich mit beiden Händen ab. Als ich ihn genauer untersuchte, merkte ich, dass er sich bewegte und der Boden, der scheinbar ein Deckel war, fuhr mit etwas Druck nach oben und gab meine ganz persönliche Waffenlade frei. Ich nahm den gesamten Inhalt und warf ihn aufs Bett. Sogar an einer dieser super schmalen Kugelsicheren Westen hatte man gedacht. Ich war schwer beeindruckt, denn da war ausnahmsweise mal ein Profi am Werk gewesen, was nicht immer vorkam. Ich setze den Nachbau von Arees, denn ich extra anfertigen ließ, sorgfältig zusammen, lud das Magazin voll und steckte sie mir hinten in den Hosenbund. Ebenso sorgfältig räumte ich alles wieder weg und begann mir die Sachen aus dem Schließfach genauer anzusehen. Eigentlich nichts Brauchbares, außer einem Handy und einem Kuvert mit den Codes drinnen. Ich startete das Gerät, tippe die vierstellige Nummer ein und fand genau eine Telefonnummer im Verzeichnis. Es konnte nur Eric´s Nummer sein, alles andere wäre unlogisch gewesen.

Ich wählte die Nummer und erfuhr, dass auch Eric schon seine Waffen gefunden hatte. Das Treffen mit den Chevalier Gebrüdern war für den nächsten Tag angesetzt. Sie wollten sich zu Mittag in einem ihrer Restaurants treffen. Mir machte eine pikfeine Lokalität immer noch zu schaffen, denn ich wusste nie wie ich meine Waffen unter diese viel zu engen Cocktailkleider verstauen sollte. Ich lief im Zimmer auf und ab als mit die zündende Idee in den Kopf schoss. Ich schnappte mir das Zimmer Telefon und wartete bis sich einer der Rezeptionisten meldete, damit ich ihn verklickern konnte, dass ich mit der nächsten besten Damenboutique verbunden werden wollte. Er verband mich, so als käme das hier öfters vor, mit einer netten Dame, die sich freundlich, aber leider auf Französisch meldete. Da kam ich mit meinen Grundkenntnissen nicht sonderlich weit aber als ich einfach auf Englisch zu sprechen begann, wechselte sie einfach so die Sprache. Nach einem kurzen Gespräch hatte ich ihr mitgeteilt was ich mir vorstellte, in welcher Größe ich es brauchen würde und sie versprach, dass in einer Stunde einer ihrer Mitarbeiter bei mir wäre und mir eine kleine Auswahl, der in Frage kommenden Kleidungsstücke, bringen würde.

Diese Art von Service war mehr als nur zuvorkommend und eindeutig unersetzbar, man gewöhnte sich mit der Zeit sehr daran. Ungeduldig wartete ich, im Zimmer auf und ab laufend, darauf, dass die Rezeption anrief und nach einer kleinen Ewigkeit geschah dies dann auch endlich. Ich ordnete an, dass man sie herauf schickt und der Rezeptionist fragte irritiert, ob ich damit ALLE meinte, ungeduldig bejahte ich die all seien Fragen und wartete auf das zaghafte Klopfen an meiner Türe. Das folgende Schauspiel erinnerte mich an Alice ersten Auftritt, denn scheinbar wurde soeben die gesamte Boutique hier herein gebracht und dies bereitete mir mehr als nur Angst.

Ganze 45 Minuten später hatte der ganze Spuk endlich ein Ende und ich einen taillierten schwarzen Hosenanzug an in dem ich ohne Probleme meine Waffen unterbrachte und trotzdem noch mehr oder minder elegant aussah. Fein säuberlich verstaute ich meine neue Kleidung über der Stuhllehne und beschloss mir etwas zu Essen zu besorgen. Meine Haaren waren schlampig zusammen gebunden und mein Outfit wäre für einen Städtetouri angemessen nur sicher nicht für einen Gast eines 5 Stern Hauses aber es war mir egal. Ich schnappte mir meine Tasche und begab mich auf den Weg nach unten. Als ich die Lobby durchquerte erntete ich abfällige Blicke, die ich mit einem aufreizenden Hüftschwung konterte. Arees2 hatte ich im Hosenbund, da ich mich nicht alleine aus dem Hotel traute aber mit meinem Schätzchen in greifbarer Nähe war ich immer sicher. So nett Frankreich bis jetzt war, so sehr langweilte es mich schon. Ich spazierte zum Eiffelturm, denn man sagte bei Nacht ist er traumhaft. Ich kaufte mir eine Karte und einer der beiden Doppeldeckeraufzüge brachte mich hinauf bis zur ersten Plattform aber das war mir noch nicht hoch genug, ich wollte und brauchte mehr. Höher und weiter hinaus. Zielstrebig ging ich hinüber zum Nordpfeiler, über den man mittels Gondeln zu der ersten von den beiden großen Aussichtsplattformen gelangte. Die Aussicht war schon fast perfekt aber ich wollte noch höher. Ich hatte die Wahl zwischen dem, der drei Meter breiten Wendeltreppe oder den grässlichen orangefarbenen Aufzügen und so wählte ich lieber die 654 Stufen.

276 Höhenmeter und eine Aussicht zum Niederknien. Fasziniert ging ich in den Freiluftbereich und lehnte auf dem Handlauf der höchsten, öffentlich begehbaren Aussichtsplattform Europas. Die kühle, dünne Höhenluft tat mir gut und so ließ ich meinen Gedanken freien Lauf. Leicht fröstelnd stand ich hier oben und unter mir breitete sich das nächtliche Paris aus. In wenigen Stunden würden einige wichtige Gebäude zur Inc. Gehören und dann wären wir ein Teil dieser betriebsamen Stadt. Unvorstellbar, dass es so leicht war die Unterwelt dieses Planeten mit so simplen Mittel an uns binden. Na gut, so viel hatte ich dann auch noch nicht erlebt. Ich erinnerte mich zurück an die Zeit mit meiner Mutter, noch bevor sie Phil kannte. Damals als wir noch viel gereist waren und T- Shirts gesammelt hatten, von jeder Stadt wo wir stoppten. Granny, die dann am Wochenende auf uns wartete und immer frische Waffeln oder Kekse für uns hatte....

Schön hier oder?“ riss mich eine vertraute Stimme aus meinen Gedanken. Instinktiv zog ich Arees2 und hielt sie der Person neben mir an den Kopf. Gerade als ich zu realisieren begann bemerkte die Stimme süffisant, dass wir doch eigentlich über diesen Status schon hinaus waren und ich murmelte eine Entschuldigung, konnte meine Gedanken aber nicht richtig einordnen.

Zufall?“ murmelte ich und er antworte mit einem schiefen Grinsen und einem simplen WAHR.
Du fühlst dich der Schönheit der Nacht genauso hingezogen wie ich und um ehrlich zu sein wundert es mich nicht, dass du hier bist, aber dass wir uns hier treffen wundert mich schon. Wie hast du es gemacht, dass du nach Frankreich kommst? Mein Vater hatte auf dem ganzen Flughafen seine Intendanten stehen und du bist scheinbar einfach durchmarschiert und ich verstehe es nicht. Ehrlich nicht.“ flüsterte er leise mit dem Blick in die Nacht gerichtet und ich schmolz nur so dahin, ignorierte aber seine Frage. Sein Haar, welches vom Wind noch mehr zerzaust wurde, stand wie immer in alle Richtungen ab und im betriebsamen Lichte, des nächtlichen Paris sah es nicht nur perfekt sondern auch verwegen aus. Mein Bedürfnis ihm ins Haar zu greifen stieg mit jeder Sekunde die verstrich. Seine durch den starken Wind leicht zusammengekniffenen Augen folgten aufmerksamen dem bunten Treiben auf den Straßen von Paris - der Stadt der Liebenden - oder aber auch die Stadt der Verdammten, die erfolglos den Klischees der Zeit nach liefen und immer noch nach der großen Liebe suchten.
Was habt ihr vor?“ fragte ich plump, denn zu mehr war ich gerade nicht fähig.
Ja, das ist eine gute Frage, eigentlich müssten wir dich suchen aber ich werde sie schon irgendwie auf die falsche Spur bringen.....ich werde nicht zulassen, dass dir etwas zustößt, das will ich nicht.“ sprach er leise und traurig, fasste nach meiner Hand und suchte nach meinem Blick, den ich starr in die Ferne gerichtet hatte. Diese Berührung durchschoss meinen Körper wie ein Blitz und im selben Moment flogen zwei Sternschnuppen über unsere Köpfe hinweg. Ich schloss die Augen um mir etwas zu wünschen und als ich sie wieder öffnete wusste ich, was zu tun war.

Edward...........du kannst mich nicht beschützen ohne dich in Gefahr zu bringen. Ich weiß, das Caius deinem Vater alle Details verraten hatte die er wusste aber bitte, glaub niemals, dass ich nie einen Reserveplan besitze. Verfolge deine Anweisung so wie ich die meinen, wenn die Zeit reif ist, stehen wir uns schon noch gegenüber, versprochen.“ ich lächelte ihn an, hoffte er wüsste was ich damit meinte. Vorsichtig legte ich meine Hand auf seine Wange und streichelte mit dem Daumen sachte darüber. Er legte seine große starke Hand auf meine und zog mich mit der anderen näher zu sich. Meine Knie wurden weich und begannen zu zittern, mein Puls beschleunigte sich rapide und meine Gefühle tanzten Achterbahn. Seine Lippen waren nur mehr wenige cm von dem meinen entfernt als mein verdammtes Telefon läutete. Mit meiner freien Hand zog ich es heraus und starrte darauf. Eric, wer sonst, niemand anderer außer vielleicht James hatte es drauf zu stören. Ich drückte den Anruf sauer weg und begann mich aus der Umklammerung zu lösen. Er ließ mich gewähren, denn er wusste, dass man mich nicht aufhalten konnte. Gerade als ich den Fuß auf die erste Stufe setzten wollte, hörte ich ein weinerliches „Bella bitte“ hinter mir herrufen aber ich blieb nicht stehen.

Am ersten Treppenabsatz angekommen, warf ich einen Blick zurück und er stand oben, wollte mir gerade nachlaufen hielt inne. „Bella, bitte ich li...“ hastig unterbrach ich ihn in dem ich ihm zurief: „NICHT heute und NICHT hier Edward. Bis bald.“ und lief weiter. Wieder einmal lief ich ihm davon, wieder einmal ergriff ich die Flucht. Es waren zu viele Zufälle, ich vertraute ihm aber ich vertraute mir nicht. Ich konnte keine Marionette meiner Gefühle werden, das ging nicht.

Eilig lief ich die Treppen hinunter, solange bis ich gezwungen wurde, den Lift zu nehmen. Kaum unten angekommen rief ich Eric zurück, der nur wissen wollte ob alles klar sei. Ich beantwortete seine Frage wahrheitsgemäß mit einer Lüge und konnte gerade noch so verhindern, dass er sich noch mit mir treffen wollte. Ich beeilte mich ins Hotel zurück zu kommen ohne darauf zu achten ob ER mir folgte oder nicht. Er würde mir nichts tun, das wusste ich. Durch die Lobby laufend, stürmte ich zum Aufzug und drückte den Knopf wie eine Irre hintereinander, so als würde es etwas bringen. Im Zimmer oben angekommen ließ ich mir erst einmal ein heißes Bad ein. Meine Gedanken überschlugen sich und ich ließ diese Situation immer und immer wieder Revue passieren. Nur zu gerne hätte ich seine warmen sanften Lippen, seine zärtlichen Hände und seinen ganzen Körper........ich konnte keinen der Gedanken wirklich zu Ende denken, deshalb rutsche ich in der Wanne so weit nach unten, dass mein Kopf unter Wasser war. Meine Luft so lange anhalten bis ich einer Ohnmacht nahe war, ließ meine Gedanken wieder zurück in die Realität katapultieren und ich tauchte hastig auf. Wischte mir mit beiden Händen über das nasse Gesicht und prustete das Wasser lautstark aus. Ich musste über mich selber lachen, genoss weiter mein Bad und als meine Haut langsam aussah als ob sie sich ablösen würde und mir Schuppen und Kiemen wachsen würden, entschied ich mich, dass es an der Zeit war, mich fertig zu machen Nachdem ich mich abgetrocknet hatte, cremte ich mich noch schnell ein und schlüpfte in ein nachthemdähnliches Teil und verschwand in dem riesigen Bett.

Mühsam schlug ich meine Augen auf, da jemand gleichzeitig am Zimmertelefon und auf meinem Handy anrief und gleichzeitig mit seinen Schlägen gegen die Türe, diese beinahe demolierte. Verschwommenen Blickes versuchte ich die Ziffern auf der großen, marmorierten Standuhr zu erkennen und als ich erkannte wie die Zeiger tatsächlich standen, erschrak ich höllisch. Ich fuhr auf schrie etwas, dass sich so ähnlich anhörte wie ein halb gestöhntes „ich komme“. Die Telefone verstummten und die Türe drohte nicht mehr aus den Angeln zu fallen, stattdessen hörte ich Eric lachen und teuflisch sagen: “Es reischt wenn Mademoiselle in dix minutes unten in der Lobby steht. ANGEZOGEN“ „Oh du blöder, französischer briochfressender Frosch, ich beeil mich ja schon!“ schrie ich ihn durch die zugemachte Türe entgegen und erntete eine lautstarkes Lachen mit einem süffisanten „Isch mag disch auch.“
Vor lauter Entsetzen rutsche ich auf einem Handtuch von gestern Nacht aus und landete auf dem beheizten Fliesenfußboden. Oh wie ich meine Tollpatschigkeit manchmal hasste. Ich zog mich am Waschbecken in die Höhe und rieb mein brennend, schmerzendes Hinterteil, quälte mich schnell mit der Zahnbürste ab, versuchte meine Haare mit der Haarbürste zu bändigen und begann mich anzuziehen. Die Hose verbat es Waffen darin zu verstecken aber an den Knöcheln konnte ich wenigstens ein Wurfmesser und zwei Sterne von Babels unterbringen. Kaum hatte ich meinen Gedanken fertig gedacht, ermahnte ich mich selber, denn Miss Babette hatte sicher etwas dagegen, wenn ich ihr einen Cosenamen verpassen würde aber mir war danach und sie ist nicht unbedingt in der Nähe (AN: MISS BABETTE: liebe bella wenn du wüstest das ich gerade dein kap hier durchgehe lol). Nachdem ich das schwarze Trägertop angezogen hatte, zog ich die schusssichere Weste darüber und schlüpfte in den Blazer hinein. Arees schob ich in den Halfter, den die Weste integriert hatte. Wer auch immer diese designt hatte, dachte sich dabei etwas, denn man konnte sie auch so tragen, dass sie wirkte, als hätte ich eine leichte Korsage an. Zufrieden betrachtete ich mich noch schnell im Spiegel und eilte hinunter in die Lobby, aus den geforderten zehn Minuten wurden locker 20, aber was solls, jede Frau brauchte länger im Bad, warum also nicht auch ich.

Eric würdigte mich keines Blickes aber damit hatte ich gerechnet und es störte mich nicht sonderlich. Wir verließen das Hotel, bestellten uns ein Taxi und fuhren zu dem Restaurant der Beiden. Ich fühlte mich unwohl aber hatte nicht das Gefühl, dass wir in ein Falle liefen. Vince und Francois erwarteten uns schon und die Begrüßung war mehr freundschaftlich als geschäftlich. Zugegeben, es machte mich stutzig aber nicht mehr als alles andere auch. Die Verhandlungen an sich verliefen erstaunlicher Weise besser als ich dachte, da die Beiden von Haus aus mehr Zugeständnisse machten als gedacht. Wir bekamen 3 Firmen, die wir nutzen konnten um unser Geld zu waschen, des Weiteren stiegen die Möglichkeiten für den Waffenhandel um ein Vielfaches an. Frankreich war die reinste Goldgrube und somit ein Teil der Inc. und Aro war den Cullens wieder mal einen Schritt voraus.

Der Tag verlief besser als ich gedacht hatte. Ich vermutete, dass Francoise und Vince sich zu sehr treuen Mitarbeiten mausern würden und genau das ist das, was die Inc. brauchte. Selbstzufrieden grinste ich in mich hinein und klopfte mir geistig auf die Schultern. Die beiden luden uns auf ihr Grundstück, nicht weit von hier, ein und ich folgte der Einladung sehr gerne, da die Verhandlungen zwar an sich sehr einfach und harmlos abliefen, nichts desto trotz sehr mühsam waren. Trotzdem waren meine Sinne geschärft, denn immerhin war er in derselben Stadt.

Ich verstand nicht wieso die meisten mir gegenüber immer so handzahm wurden aber diesen Vorteil musste ich einfach ausnutzen. Gerade als wir in eine eher abgelegene Seitengasse einbiegen wollten, bemerkte ich, dass uns jemand folgte. Augenblicklich schlugen sämtliche Alarmglocken aus. Ich befürchtete, wir sind in eine Falle gelaufen aber auch die beiden Brüder hatten den Verfolger bemerkt und wurden sichtlich unruhig. Eric richtete sich kerzengerade auf, fasste in sein Sakko hinein, legte seine Hand fest um seine Waffe und ich tat es ihm gleich. Nervös begann ich auf meiner Unterlippe zu kauen und Schweiß sammelte sich in meinen Handflächen. Eric begann an seiner freien Hand jeden einzelnen Finger knacksen zu lassen, die beiden Brüder, die sichtlich unbewaffnet erschienen sind und ihre Bodyguards vorhin weggeschickt haben, suchten panisch nach Fluchtmöglichkeiten. Ich nickte ihnen zu um ihnen zu verstehen zu geben, dass ich bereit sei aber das beruhigte sie nur minimal. Ich konnte sie verstehen, denn ihr Leben lag in unseren Händen, was, um ehrlich zu sein, keine besonders gute Option für mich wäre, wenn ich an ihrer Stelle wäre. Eigentlich hatte ich angenommen, dass Edward seine Meute auf eine falsche Spur locken wollte aber ich hatte mich wohl geirrt. Schlagartig erinnerte ich mich wieder an Reini´s Worte: “Vertraue niemanden und schon gar nicht einem Mann und erst recht nicht wenn er Cullen heißt!“ Tja die Einsicht kommt bekanntlich immer zu spät und jetzt mussten wir dafür sorgen, dass wir lebend hier wieder raus kamen.

Hinter mir begann ein Gerät zu piepen und mir wurde schlagartig klar, dass es ein Ortungsgerät war. FUCK- die Peilsender, Caius hatte bestimmt meinen Code weiter gegeben und ich habe ihn natürlich nicht ausgeschalten- ein Fehler der tödlich sein könnte. Verschissenes Scheißteil, wenn Caius nicht schon auf Eis liegen würde, dann würde ich ihn jetzt töten. Ein teuflisches Lachen hallte durch die Gasse, ich zog die Waffe und drehte mich schlagartig um, gefasst darauf Edwards und seinen Leuten ins Gesicht zu sehen. Eric ahnte was ich vorhatte und tat es mir gleich. Anmutig und synchron drehten wir uns gegen den Uhrzeigersinn, selbst Lara Croft wirkte plump dagegen.

Erleichtert darüber, dass es nicht Edward war, stieß ich ein heimliches Stoßgebet zu dem da oben, der mich echt zu hassen schien und fixierte meinen Blick auf seine gesamte Gestalt. Eric checkte die Gegend und meinte salopp: „Just une.“ was ich so deutete, dass der arme Trottel alleine sein mußte als ein Schuss zu hören war. Eric kippt vorne über und sein Blut kroch langsam, sich in eine Lache verwandelnd, über das Kopfsteinpflaster. Der Angreifer hatte eine zweite Waffe gezogen und auf Vince gezielt und Eric hatte sich in die Schusslinie geworfen. Sein Schrei riss mich aus meiner Starre und man hörte nur mehr leise ein paar Worte.

Ma cher Babette....je t´aime“ er röchelte kurz und ich verstand es nicht. Wie konnte die Kugel durch die Weste durch. Die waren doch kugelsicher! Das konnte doch nicht sein. Sofort fixierte ich wieder meinen Feind, das rote Tuch legte sich wieder über meinen Geist, Adrenalin feuerte den Killerinstinkt an und mein Überlebensinstinkt war bereit dafür zu kämpfen. Vince lief schnellen Schrittes zu Eric, kniete sich neben seinen Kopf, drehte seinen Körper rücklinks und platzierte seinen Kopf auf seinen Knien. Eine Hand drückte fest auf die Wunde, aus der noch immer sehr viel Blut quoll. Sein weißes Hemd mittlerweile blutrot gefärbt, der Boden mit dem Lebenssaft überzogen. Tränen liefen über Vince´s Gesicht und meine freie Hand bebte vor Zorn.

DU MISSGEBURT EINES DRECKIGEN KUHEUTERS, was fällt dir ein! Ach, was frag ich überhaupt noch? Du bist noch nicht mal das hundertstel eines Mäuseschisses wert, dass ich mich mit dir beschäftige. Das war dein aller letzter Fehler, das verspreche ich dir!“ schrie ich ihn an, entsicherte meine Waffe und gerade als ich abdrücken wollte, sah ich im Augenwinkel, dass Eric zu zittern begann und sich aufbäumte. Eine Millisekunde war ich abgelenkt als ich hörte, wie sich ein Schuss donnergrollend löste und ein Schmerz meinen Körper durchfuhr. Meine Augen weit aufgerissen, versuchte ich zu erfassen, was gerade passiert war - Arees2 fiel zu Boden und meine Hände fuhren instinktiv zu meinem Bauch. Das Ziehen ging in ein Brennen über und ich spürte, wie mein warmes Blut austrat. Die Weste war zu nichts gut, denn der Schuss ging glatt durch. Es war eine Falle oder war es etwa ein Detail, das ich in meinem Plan B vergessen hatte? Es war egal, mein Körper fühlte sich gerade sehr fremd an, die Schmerzen zogen sich bis hinauf in meinen Kopf. Ein Schwindelgefühl bekämpfte meinen Gleichgewichtssinn erfolgreich. Mit allerletzter Kraft griff ich unter die Weste und zog einen der Sterne hervor und versuchte ihn kraftvoll in die Richtung meines Feindes zu schleudern. In sehr weiter Ferne hörte ich den Motor eines Motorrades und eine bekannte Stimme schreien. Das scharren von Carbon und Kunststoff über den Asphalt war das letzte was ich hörte, bevor ich in ein endloses schwarzes Loch eintauchte...........

ENDE BELLA POV

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