Dienstag, 24. Januar 2012

Circle in the Sand

James Pov:

Wen ich zurück denke, bereue ich so einiges, was passiert war, kann es aber nicht mehr rückgängig machen. Nur auf Aros Befehl hin, habe ich mich auf den Weg nach Phoenix gemacht. Wäre dieser dumme Deal nicht gewesen, dann hätte er sich einen anderen Dummen suchen müssen, der das Leben eines Mädchen so einschlägig verändert...

Isabella hat in der Anfangszeit in London, als Laurent sie zwanghaft zu Aro gebracht hatte, keine Nacht durchgeschlafen. Man hörte sie durchs ganze Haus schreien, wenn sie nicht nachts umher schlich und versuchte müde zu werden. Irgendwann kam der Moment, wo sie sich scheinbar damit abgefunden hatte, denn sie begann zu trainieren und machte in Aros Augen große Fortschritte.

Das anfänglich leichte Knistern zwischen uns, hatte sich auf ihrer Seite scheinbar mehr in eine Hassliebe entwickelt, denn sie ließ keine Möglichkeit aus, um mir eines hinein zu würgen. Sie gab mir die Schuld an allem und ich liebte sie. Ich liebte sie wirklich, auch wenn ich mit meiner Flucht aus London das Gegenteil zeigte, aber es hatte keinen Sinn, denn ich konnte ihrer launischen Art nicht länger standhalten. Dieses ewige sich nahe kommen und wieder mit beiden Händen weg stoßen war zu viel für mich, darum zog ich die Notbremse.

Als ich in Bangkok Cullen über den Weg gelaufen war und eingesehen hatte, dass es eine erstklassige Falle gewesen war, in die Aro mich da hatte laufen lassen, dachte ich, es sei ein Wink des Schicksals. Ich würde Bangkok nicht lebend verlassen und hatte mich in dem Moment damit abgefunden, als Cullen mich von zwei Leuten festhalten ließ und mich als persönlichen Punching - Ball missbrauchte. Als Bella, zusammen mit Jazz, auf das Dach geschlichen kam, musste ich jetzt, Monate später, zugeben, war ich beeindruckt, auch wenn ich ihr anfänglich Vorwürfe gemacht hatte, wie eiskalt sie geworden war. Das nichts von dem Mädchen aus Phoenix über war und das sie einfach nur den Volturi- Plan lebte.

Sie hatte mir das Leben gerettet, in jeder Hinsicht, aber da kam ich auch erst sehr spät drauf. Um ehrlich zu sein, beanspruchte dies einige Zeit. Ich spürte immer, dass auf dem Dach etwas mit uns geschehen war und vor allem mit ihr. Meine Befürchtung, dass sie sich in diesen Cullen verliebt hatte, bestätigte sich schnell. Sie versuchte, jede Verbindung mit ihm geheim zu halten, aber selbst das gelang ihr nicht richtig, wie denn auch, die Geschehnisse überschlugen sich buchstäblich.

Als Caius uns verraten hatte und er dieses mit seinem Leben bezahlen musste, verschwieg Aro mir die wichtigsten Details, weil er Angst hatte, dass ich Bella wieder Vorwürfe machen würde, aber die machte ich einzig und alleine nur ihm. Sie tat nur das, was man von ihr verlangte. Ihr Zusammenbruch nach ihrer Tat, verwunderte mich nicht besonders, denn irgendwann braucht der Geist eine Auszeit, das hatte ich in Bangkok gelernt. Als sie wach wurde und sofort wieder so tat, als wäre sie einsatzbereit, wusste ich, wie stark sie eigentlich wirklich war.

Meine leise Vermutung, dass sie uns doch als ihre neue Familie ansah, bestätigte sich als ich miterlebte, wie sie mit Aros Tod umging. Es tat ihr leid, sie weinte, wenn auch heimlich. Ich erwischte sie dabei, wie sie gedankenverloren in der Bibliothek stand und sich bei dem Ölgemälde mit seinem Bild  beschwerte, weil irgendjemand unnötig kompliziert sei, oder wenn sie nach Antworten suchte und sich lautstark bei ihm beschwerte, weil sie nicht nachvollziehen konnte, wo er Dinge ablegte, oder was er sich bei manchen Sachen dachte. Einmal hörte ich, wie Bella mit sich selber schimpfte, weil sie Aro damals nicht zugehört hatte. Das waren die Momente, wo es ihr etwas besser ging, aber ihre Alpträume blieben. Sie war auch schweigsamer als ohnehin schon, kein Lächeln mehr, als zwingend notwendig, verließ ihre Lippen, sie ass wenig, verbrachte ihre Freizeit in der Bibliothek oder im Trainingsraum. Emmetts Verlobte, Rose, hatte alle Hände voll zu tun mit ihr. Sie versuchte Trauer und Schmerz mit körperlicher Betätigung zu unterdrücken. Floskeln über ihr Wohlbefinden oder ernst gemeinte Fragen, wie es ihr ginge, wies sie mit belanglosen Sätzen ab.

Sie ließ mich nicht an sich heran.

Keines meiner Geschenke nahm sie an. Ich brachte ihr eine neue Kamera, sie legte sie in die Ecke. Bücher stellte sie ungesehen in ihre Regale. Ausflüge schlug sie aus, oder sagte zu, nur um zehn Minuten später wieder abzusagen. Einzig und allein bei der Pressekonferenz ließ sie sich von mir auf die Bühne bringen und sich mit mir fotografieren, aber als wir zurück im Backstagebereich waren, weit ab von den ganze Paparazzi, löste sie sich von mir und ging, ohne ein weiteres Wort zu sagen, weg. Auf der einen Seite war ich stolz auf sie, dass sie es trotzdem so gut gemeistert hatte. Nur das sie sich von mir nicht helfen lassen wollte, machte mir schwer zu schaffen.


 Beim gemeinsamen Frühstück mit Reinhard, der jeden verdammten Tag hier aufschlug, unterhielt sie sich nur mit ihm. Wenn ich auch nur einen Satz zu viel sagte, starrte sie mich an, rollte mit den Augen und blickte weg. Einzig und alleine Reinhard schenkte sie ein Lächeln, manchmal sogar einen herzhaften Lacher. Mir war klar, dass ich etwas falsch machte, aber was ging mir nicht so genau ein.

Isabella machte sich über alles mögliche Sorgen und Gedanken, aber sie vergab mir nie. Nie verzieh sie mir, dass ich sie erpresst habe mit mir mit zu kommen, aber ich konnte nicht zulassen, dass er meine Bella bekam.

Bis zu dem Rückflug aus Frankreich war ich auch der Meinung, dass ich es aus Liebe zu ihr getan hatte, dass ich nie wieder jemanden anderen außer sie lieben können würde, bis zu dem Zeitpunkt, als sich Alexis neben mich setzte, mich das erste Mal anlächelte und wir den ersten Satz wechselten.

Plötzlich blieb die Zeit stehen, meine Prioritäten verschoben sich und Alexis nahm Bellas Platz ein.
Eines Abends, nachdem Lexi bei uns eingezogen war und ich mit Bella an der Themse, direkt unterm London Eye, saß, fragte sie mich, wie aus heiteren Himmel, ob ich eigentlich noch immer dachte, ich sei unsterblich in sie verliebt gewesen und wie es jetzt war. Ich lehnte mich zu ihr vor, nahm ihre Hand und küsste sie auf die Wange. Sie errötete wie damals auf dem Flughafen.

„Ich liebe dich, Bella“, antworte ich ihr wahrheitsgemäß und sie senkte ihren Blick.

„Wie eine Schwester.“, beendete ich meinen Satz und sie atmete auf. 

„James weißt du, ähhmm du musst nicht bei mir bleiben. Was auch immer dich an die Inc bindet.... ich entbinde dich davon. Du kannst gehen, wenn du möchtest. Er ist tot und ich kann dich nicht dazu zwingen bei mir zu bleiben, das bin ich nicht, das weißt du, ich.....“ Sanft legte ich ihr beide Handflächen auf ihren Mund und brachte sie zum schweigen.

„Shhhhh, sprich nicht weiter Bella, ich weiß, es ist meine Entscheidung und ich möchte bleiben. Jetzt, wo er mich nicht mehr dazu zwingt, habe ich das Gefühl, dass ich hier doch hier hin gehöre. Ich habe mein ganzes Leben nichts anderes getan, als das. Außerdem, wer passt denn sonst auf dich auf?“, wisperte ich ruhig und sie lächelte mich dankbar an. Von da an schien alles geklärt zu sein, es war lockerer, bis auf die kleine Tatsache, dass sie noch immer nicht wusste, dass ich in Frankreich dafür gesorgt habe, dass er dachte, sie wollte ihn nicht mehr. Ich konnte es ihr bis jetzt einfach nicht sagen, denn ich hatte Angst, dass alles wieder so wie vorher werden würde und Bella erneut begann, mich mit Verachtung zu bestrafen. Bella litt innerlich wegen diesem Cullen, ließ es sich kaum anmerken, aber ich erkannte das, egal was sie tat und egal wie sehr man sie ablenkte, sie sich nicht komplett fühlte. Sie vermisste ihn, nachts rief sie oft nach ihm. Mein schlechtes Gewissen ihr gegenüber wuchs und wuchs. Erst als ich erfuhr, dass er in der Stadt war, konnte ich über meinen Schatten springen und es ihr beichten. Bella war stock sauer und ich konnte es ihr noch nicht einmal übel nehmen. Jede einzelne der vier Ohrfeigen hatte ich verdient, aber sie schmerzten. Ihr verachtender Blick und ihre abwehrende Reaktion ließen mich wieder in mein altes Verhaltensmuster sinken. Ich entschuldigte mich niemals für etwas, wo ich der Meinung war, es sei richtig. Und das war ich hier.

Cullen war nicht gut für sie, aber scheinbar brauchte sie ihn, wie die Luft zum atmen.

Ich hatte Angst, dass nach diesem Treffen alles anders sein würde. Bella schien nervös zu sein.
Seit dieser Pressekonferenz im Fernsehen kannte sie jeder und alle Welt blickte nur auf die „junge Volturi“, wie man sie nannte und wartete darauf, dass sie einen Fehler begann. Erstaunlicherweise lief die Enterprise so gut wie noch nie. Einige Millionen zweigte sie ab und ließ sie in Charity-Projekte fließen. Sie nannte es „den Versuch, etwas gut zu machen“, wenn man schon in einer Welt voller Gewalt, Drogen und lauter halb legalen Sachen lebte. Für sie war das alles noch immer eine Gratwanderung zwischen Gute & Böse. Ich verstand sie, denn es war für mich nichts anderes.

Meine Aufgaben in der Inc. haben sich auch drastisch verändert. Handlanger Tätigkeiten gab es keine mehr. Bella hatte die Aufgabenbereiche neu verteilt und gefühlvoll untermauert. Wie die Königin ihr Volk hatte sie die Areamanager um sich versammelt und ihnen ihre persönliche Art der Inc. vorgestellt. Sie stellte neue Budgets auf und sortierte die Machtverhältnisse neu. Keiner hatte mehr oder weniger Aufgaben als der Andere. Mir über gab sie Asien, Emmett bekam Italien, Portugal und Spanien. Jasper kümmerte sich weiterhin um unser Training, war aber auch für Frankreich und Griechenland zuständig. Bella übernahm Mexiko, Europa und Australien. Erst als wir an einem Tisch saßen und sie die Welt in Volturi und Cullen- Teile teilte, wurde mir das erste Mal bewusst, wie mächtig wir waren und wie weniger Aro wollte, dass wir das wussten.

Irritiert fragte ich sie, ob es nur diese beiden Familien gab und sie schüttelte lachend den Kopf. „Aber sie arbeiten größtenteils für uns“, lachte sie freudig. „Die Uratoh´s sind immer ganz unentschlossen, wer ihnen jetzt die besseren Angebote machte, aber am Ende bekam dann doch ich den Zuschlag und Asien blieb in Volturihand. Babette hatte sich mit Witz und Charme Deutschland unter den Nagel gerissen und half mir bei Europa, aber in internen Kreisen galt sie schon als `Die Patin von Deutschland.`“, lachte sie halbherzig und führte die Besprechung zu Ende. Um ehrlich zu sein, vor ihr hatten die meisten ohnehin Angst.

Als Boris anrief, dass jemand in unserem Haus gewesen sein musste, packte ich schnell meine Waffen zusammen und fuhr heim. Wir hatten diesen Lackaffen nach Aros Tod nicht entfernt, allerdings durfte er für Bella nicht mehr arbeiten. Sie war etwas sauer auf ihn. Ich konnte es ihr nicht verübeln, denn wenn er besser aufgepasst hätte, dann wäre Aro vielleicht noch am Leben...

An unserem Haus angekommen stellte ich fest, dass man sich hier scheinbar gewaltsam Zutritt verschafft hatte, denn da, wo einst mal ein Schloss war, prangten drei große Löcher. Man hatte es aufgebohrt und die Türe geöffnet, vorher die Alarmanlage gekappt. Wer auch immer hier war, er wusste was er tat. Auf dem Sims im Vorzimmer lagen Alexis Sachen, inklusive Schlüssel und Handy. Wie ein wahnsinniger schrie ich los und suchte das ganze Haus ab, aber sie war nicht da. Vermeintliche Kampfspuren waren im ganzen Haus zu sehen. Bellas und meine Privaträume waren verwüstet. Bella war sicher noch bei diesem Cullen und ich verwettete meinen Arsch darauf, dass er etwas damit zu tun hatte. Dies war sicher nichts weiter als ein schlechtes Ablenkungsmanöver.
Ich fand an den Wänden im Flur Fußspuren, die zu Alexis Schuhen gehören konnten. Einer ihrer Schals lag am Treppenabsatz und ihre Jacke lag noch über der Lehne im Vorzimmer. Alles deutete darauf hin, dass man sie entführt hatte. Vermutlich wollten die Cullens nur demonstrieren, zu was sie fähig waren, um die Verhandlungen mit schlagenden Argumenten zu optimieren.

Mit zittrigen Händen öffnete ich die Schublade von Aros ehemaligen Schreibtisch und suchte mit dem Zeigefinger nach der kleinen, unscheinbaren Unebenheit, drückte sie leicht und der doppelte Boden sprang auf. Da lag es, das Notfalltelefon, welches Bella extra hier deponiert hatte. Ich war mir nicht sicher, ob ich sie deswegen wirklich anrufen sollte, allerdings, wenn dies kein Notfall war, was dann. Immer dazu bereit, doch wieder aufzulegen, wählte ich ihre Nummer. Als sie sich leise, mit bestimmter Stimme meldete und im Hintergrund jemand unterdrückt leise knurrte, wusste ich, dass ich Recht hatte. Sie war noch bei diesem Arschloch und vermutlich hatte ich sie gerade gestört, aber es war mir egal. Schnell und sachlich versuchte ich ihr zu berichten, was geschehen war. Ihre Antworten waren sehr einseitig, aber ich wusste, dass sie sich dazu jetzt nicht laut äußern würde, alleine schon wegen Cullen. Wir beendeten unser Gespräch und während ich wartete, versuchte ich Hinweise zusammen zu tragen.

Das quietschen zweier Reifen verriet mir, dass Bella sich gerade vor unserem Haus eingebremst hatte. Die ohnehin offene Tür schwang auf und krachte lautstark in die Wand. Mit finsterer Miene und Lippen zu einem schmalen Strich gezogen stand sie da und starrte mich an. Sie wand den Blick ab, trat ein und begann den Raum abzusuchen. Missachtend blickte sie das Schloss der Türe an und murmelte etwas Unverständliches.

„Wenn das auch einer deiner miesen Tricks war James, dann sei dir gewiss, dass ich dich persönlich an deinen Eiern aufhänge!“, sagte sie mit ruhiger Stimmer. 'AH, da war es wieder' dachte ich 'das Cullen- Misstrauen, das ich ohnehin schon zur genüge genoss.

Mir reichte es.

„Du hältst mich echt für das größte Arschloch auf diesem Planeten oder?“, sagte ich traurig und wütend zugleich. Ihr knappes „aktuell Ja“ ließ mich nur ungläubig den Kopf schütteln. „Glaub doch was du willst, aber damit habe ich nichts zu schaffen und das weißt du. Hör auf für ihn immer eine Erklärung zu suchen, du siehst doch zu was seine >Familie< fähig war.“

„DU hast so was von keine Ahnung, aber immer gibst du deine scheiß Meinung ungefragt ab. Was weißt du schon über deine ach so tolle Freundin. Genau so wenig, wie ich über Edward, also spar es dir einfach und überlege lieber, wo wir sie finden könnten!“, schrie sie mich an, wand sich von mir ab, untersuchte das Schloss und sah sich die restlichen Indizien für die Entführung an.


Gerade als ich mich bücken wollte um Alexis Schal aufzuheben, traf mich etwas direkt in den Oberarm. Ein leiser Schrei entwich mir und eine kalte, brennende Flüssigkeit verteilte sich in meinem Körper. Ich spürte, wie mein Geist Schwierigkeiten damit hatte, sich auf eine Sache zu fokussieren. Taubheit machte sich in mir breit und legte sich wie ein Schatten über meinen Verstand.
Mir wurde kalt und es wurde dunkel......


Bella Pov:

Aus den Augenwinkel bemerkte ich, wie James vorn über kippte. Gerade als ich meinen Kopf drehen wollte, um nach zu sehen, was genau passiert war, erfüllte ein reisender Schmerz meinen Nacken. Instinktiv lies ich die Hand hin schnellen, bemerkte aber das es zu spät war. Eine Druckluftkapsel drückte eine kalte, brennende Flüssigkeit hinein und um mich herum wurde es dunkel.

Edward....war das letzte, woran ich dachte, als mein Verstand aussetzte.


Edward Pov:

Gerade noch schien alles geklärt und perfekt zu sein, als dieses beschissene Telefon läutete. Ihre Vorwürfe verstand ich nicht. Sie trafen mich absolut unvorbereitet und ich konnte mich auch nicht  erklären, da ich nichts davon wusste. Man sah ihr an, dass sie gerade etwas erfahren hatte, was scheinbar nicht so gut war, aber wieso warf sie mir vor, darin verwickelt zu sein.

Sie ließ mich einfach hier stehen und ging. Drohte mir, mich und meinen Vater auseinander zu nehmen, wenn ich ihr, irgendeine Alexis, nicht wieder brachte.

Die Türe flog krachend zu und ich war wieder alleine.

Ließ mich auf dem Sofa nieder, verstand die Welt nicht mehr und stützte meinen Kopf auf meinen Händen ab.

„Das kann doch einfach nicht wahr sein!“, schrie ich in den Raum, als ob er mir antworten würde.

Ich schnappte mir mein Telefon und wählte Jakes Nummer. Ein verwundertes, keuchendes „Hallo“ unterbrach das monotone Freizeichen und ich seufzte. Scheinbar war er beschäftigt. Ich schilderte ihm kurz die Geschehnisse und er riet mir, mich schnellstmöglich zu Bella zu begeben, denn er hatte den leisen Verdacht, dass wir dort eventuell einiges aufklären konnten.

Wie ein Gestörter sprang ich auf, schlüpfte in meine Kleidung und stürmte hinaus. Die verstörten Blicke der Rezeptionistin ignorierte ich wissentlich und machte mich auf den Weg in die Oxfordstreet. Nach kurzer Zeit kam ich an meinem Ziel an und lief die Auffahrt hoch. Die Türe war nur angelehnt, denn selbst wenn man wollte, konnte man sie nicht schließen, da drei große Löcher darin klafften. Ich stieß sie mit dem Fuß auf und stand in einem Vorraum. Geschmack hatten sie, das musste man ihnen lassen, aber als ich Fletcher am Boden entdeckte, ahnte ich Fürchterliches. Ich blickte mich nach Bella um, fand sie aber nicht.


Fletcher, der sich langsam wieder begann zu bewegen, krächzte und stöhnte, versuchte sich aufzurappeln, aber es gelang ihm nicht, denn scheinbar hatte er seine Gliedmaßen noch nicht  so ganz unter Kontrolle. Ich versuchte mir einen Lachkrampf zu verkneifen, als sein geschockter Blick in meine Richtung fiel.

Er riss seine Augen weit auf, zog sie schnell wieder zusammen und begann, hektisch mit den Armen zu rudern. Seine Versuche aufzustehen endetet damit, dass er wie ein Maikäfer auf dem Rücken kugelte. Ich grinste leise, ging eine Schritte auf ihn zu, nahm ihn an den Schultern und zog ihn zur Wand hinüber, setzte ihn hin und wartete, bis er sich beruhigte.

Unzählige Schimpfwörter flogen in meine Richtung und wenn er gekonnt hätte, dann wären seine Fäuste, statt wahllos irgendwo, bestimmt in meinem Gesicht eingeschlagen.


„Scheiße nochmal, jetzt beruhige dich endlich und höre auf, um dich zu schlagen, du triffst sowieso nicht!“, zischte ich ihn an.

„Wo ist Bella und Alexis?“, schrie er mich an und ich zuckte nur mit den Schultern.
„Das wüsste ich auch gern, zumindest wo Bella steckt.“, antworte ich ruhig.

„Wie, das wüsstest du auch gerne? Der ganze Scheiß hier, ist doch auf deinem Mist gewachsen. Wenn du nicht wärst, dann wäre alles vermutlich einfach und besser! Ich frag dich noch einmal, wo ist ISBELLA?“, schrie er mit zitternder Stimme. Er klang besorgt, dass mir meine zu vorige Belustigung beinahe schon leid tat. Ungefähr so besorgt, wie ich es war, denn irgendwer hatte den Menschen in seiner Gewalt, für den ich sterben würde, aber wie machte man das jemanden wie James klar.

Er war so verbissen in dem Glauben, dass ich an dem Ganzen schuld war, dass es egal war, was ich sagte. Seine Drohungen wurden immer absurder, denn mittlerweile hetzte er mir dir halbe Mafia an den Hals und jede verfügbare Streitmacht, die er schmieren könnte.

Resignierend schüttelte ich nur den Kopf und setzte mich ihm gegenüber, mit etwas Abstand, und wartete ab. Ich wusste, dass wenn er sich wieder rühren konnte, er auf mich los gehen würde, aber mir blieb nichts anderes über als abzuwarten, denn irgendwie musste ich sein Vertrauen gewinnen, zumindest einen Teil davon, denn  nur gemeinsam würden wir es schaffen, die beiden zu finden.

Gerade als ich überlegte, was ich tun sollte, traf mich seine Faust direkt am Kinn. Mein Kopf flog zurück und knallte gegen die steinerne Mauer, an der ich lehnte.


„Boaaaaa du Arschloch! Geht’s noch? Wann kapierst du endlich, dass ich damit nichts zu tun habe?  Wenn du es genau wissen willst, hast du uns mit deinem Anruf unterbrochen und sie ist, ohne mir  zu erklären was sie meinte, aufgesprungen und weggelaufen. Glaubst du wirklich, ich bin nicht besorgt? Glaubst du wirklich, dass ich das gewollt hätte? Wenn ich gewusst hätte, was hier passieren sollte, dann hätte ich es verhindert.......“ schrie ich ihn an, griff gleichzeitig nach seinem Kragen, wand uns um und drückte ihn gute zwanzig Zentimeter über den Boden an die Wand.

Wütend röchelte er   „Bullshit“. Fest umschlangen seine Finger meine Handgelenke.

„Bis einer weint“, hörte ich eine Stimmer hinter mir sagen. Erst als ich meinen Kopf in die Richtung, aus die die Stimme kam, wand, registrierte ich, dass es Jakes Freund gewesen sein musste, denn sie lehnten beide graziös im Türrahmen und grinsten.

„Wisst ihr, es ist so.. rein hypothetisch gesehen...nehmen wir mal an...Edward hätte etwas damit zu tun, dann wäre das ziemlich unnötig, wenn er erst Alexis entführt und dann Bella, wenn man bedenkt, dass Bella ihm vorher, naja sagen wir es mal so, 'ohnehin schon ausgeliefert' war, oder?“, analysierte Jakes Begleitung fachmännisch und er hatte ja Recht. Immerhin wäre es ein leichtes gewesen, Bella zu entführen, wenn das jemals mein Plan gewesen wäre.

„James...Reinhard hat Recht“, bestätigte Jake zustimmend. James Blick heftete sich an Reini und wenn er damit töten könnte, wäre Reinhard gerade einfach nur explodiert.

„Ach ne, is klar und weil ihr gerade, REIN ZUFÄLLIG, in London seit, dachtet ihr euch, ihr rettet dann mal eben zufällig Alexis und Bella aus den Fängen von Mister X oder wie? Was seit ihr, die heiligen drei Könige?“, schrie James wütend. Ich konnte mir wenigstens das Lachen noch verkneifen, aber Reinhard meinte nur, dass er der sein möchte, der in der Mitte geht und den Weihrauch schwingt. Kaum hatte er diesen Satz beendet, brach Jake in schallendes Gelächter aus und riss alle Anwesenden mit.

Ich ließ James los. Er fiel unvorbereitet auf den Boden und fluchte erneut. Er rappelte sich auf und schaute uns erwartungsvoll, aber argwöhnisch an. Zugegeben, wir standen hier etwas ratlos, da keiner so richtig wusste, welcher Schritt jetzt der Nächstbeste war.

Erst als Jake sich räusperte und seine Worte an mich richtete, kam wieder Leben in die Anwesenden. Er schlug vor, dass wir zurück zu meinem Vater gingen und ich ihm den reuigen Sohn  vorspielen sollte, um herauszufinden, wo er Bella hingebracht hatte.

Erstmal wurde der Verdacht konkretisiert, dass niemand anderes, als mein Vater einen Vorteil davon tragen würde, wenn Bella verschwand – in jedem erdenklichen Sinne. Und er hatte Recht. Meiner Mutter würde es das Herz brechen, wenn sie erfuhr, was er nun schon wieder getan hatte, aber es wird mir nichts anderes überbleiben, als ihr davon zu erzählen.

James´s Frage, was denn mit Alexis sei, schwiegen wir solange zu Tode, bis Reinhard, den die Fragerei zu nerven schien, damit hervor platzte, ob er wirklich so dämlich sei oder es nur nicht wahr haben wollte, denn wenn er dachte, Alexis sei auch entführt worden, hätte er sich geschnitten. Er sprach uns aus der Seele und ich war froh, dass nicht ich es war, der es ihm sagen musste, aber so wie es aussah, war James in die Falle meines Vater getrampelt.



Wir beschlossen beinahe einstimmig, dass Reini unser Kontakt zum Volturi- Clan sein würde und er versprach, sich mit allen Beteiligten in Verbindung zu setzten und diesen sturen Hund von James endlich dazu zu bringen, zu begreifen.

Ich versprach mir eines, wenn auch nur heimlich:

Ich würde sie finden und wenn es das Letzte war, was ich tat.

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