Dienstag, 1. November 2011

Vertraue nie einer Frau die Kochen kann

Bella POV:
„JAMMEEEESSSS, JAMES“ schrie ich panisch laut. Meine Stimme glich der von Vicky, wenn sie mal wieder einen ihrer Anfälle hatte, aber er war sofort hinter mir und blickte über meine Schultern und ein lautes „FUCK“ donnerte schmerzhaft durch meinen Gehörgang.

„BRING MICH HIER WEG, sofort, bring mich bitte hier weg, BITTE!“, flehte ich ihn angsterfüllt an, drehte mich automatisch zu ihm und verkroch mich in seinem Arm, mein Gesicht fest an seine Schulter gedrückt. Tränen liefen mir über mein gerötetes Gesicht,meine Atmung wurde unregelmäßig, mein Magen krampfte sich derartig zusammen, dass mir augenblicklich schlecht wurde. Der Anblick, SEIN ANBLICK.............................. Ich hatte schon ein paar Tote gesehen und literweise Blut störte mich nicht, aber DAS war zu viel.

Mit kreidebleicher, aschfahler Haut lehnte er in seinem Sessel, eine Hand lag auf dem Tisch und die Gabel umklammerte er halbseiden, die andere Hand hing schlaff an seiner Kehle, da seine goldenen Armbanduhr sich mit seiner mehrgliedrigen Kette verheddert hatte. Sein Kopf war weit nach hinten gekippt. Vermutlich starb er bei dem Versuch Luft zu holen, denn seine Kinnlade war nach unten geklappt, schaumiger Speichel lief an seinem Kinn entlang, seine langsam einfallenden Augen waren weit aufgerissen, seine Augäpfel nach hinten gedreht, sodass nur mehr das weiße des Augapfels zu sehen war. Ein grauenhaftes Bildnis eines starken Mannes, oder das, dessen er einmal war.

Die Übelkeit siegte und ich erbrach einen Schwall Magensäure in die großen Mingvase, die direkt neben der Türe stand, denn gegessen hatte ich schon länger nichts mehr.
Tief durchatmend versuchte ich wieder Herr der Lage zu werden, wand mich zu James, der betroffen seinen Blick auf ihn gerichtet hatte. „James, denkst du er ist..?“ stammelte ich. Er starrte mich, wie vom Blitz getroffen, an und antwortete „Neeee der tut nur so, MENSCH BELLA, JA IST ER! Wo ist Boris?“ sein Blick glitt suchend durch das Zimmer.
„NEIN, nein, nein, der ist nicht tot, er ist wie Unkraut, das vergeht nicht, sagt man. Schau nach ob er noch lebt, er lebt sicher noch. Schau bitte nach!“ jammerte ich verzweifelt, aber unfähig es selber zu machen. James legte mir den Arm um die Hüfte und zog mich hinüber zu Boris Besenkammerzimmer. Ohne anzuklopfen trat er die Türe ein und Boris schreckte panisch auf, ließ das Taschentuch und die Handcreme fallen und starrte uns verlegen entgegen. Erst als ich die Situation realisierte, war ich fähig etwas zu sagen.

„IST DAS DEINE AUFFASSUNG VON DER ARBEIT EINES BODYGUARD? ICH MEIN, HAST DU DIE LEISESTE AHNUNG, WAS DA DRAUSSEN PASSIERT IST?“ schrien wir ihn gleichzeitig, lautstark an. Boris blickte beschämt, nicht wissend was wir meinten, auf den Boden als ich auf ihn los stürmte und meine Faust in sein Gesicht krachen ließ. Schmerzerfüllt schrie er auf, aber das war mir egal, meine Tränen flossen in Sturzbächen, der Schock saß tief, zu tief. James packte Boris am Kragen und schleifte ihn ins Esszimmer, als er Aro sah, stieß er einen Mark durchbrechenden Schrei los und kippte um wie ein Sack Mehl. Ich verdrehte die Augen und versuchte wieder zu mir zu finden, mich damit abzufinden, dass Aro sich keinen cm mehr von alleine bewegen würde, als ich eine Türe im oberen Stockwerk hörte.

Schlagartig wurde mir klar, dass Victoria im begriff war herunter zu kommen. Ich ließ meinen Blick von Aro zu James und dann zu Boris schweifen und sah zurück zu James.
„Nimm sie und bring sie weg! Bring sie zu Miss Babette, richte ihr aus, dass ich dich schicke und sage ihr bitte, dass ich sie umgehend anrufe, aber schleife den Affen bitte ins Esszimmer und beeile dich, sie ist gleich bei uns.“ befahl ich ihm leise und er tat wie befohlen. Zusammen mit Boris und dem toten Greis saß ich nun hier fest und belauschte James, der sich freundlich mit Vicky unterhielt. Jubelnd und mehr als nur begeistert stimmte sie sofort zu, mit ihm einen Ausflug zu machen. Heilfroh darüber, dass er es geschafft hatte, nahm ich all meinen Mut zusammen und ging hinüber zu Aro oder das, was von ihm über war.

Sein Essen sah so aus wie immer, aber er hatte keine Verletzungen, also Gewalteinwirkung konnte keine Todesursache sein. Ich sah mir sein Essen bzw. das, was davon über war, noch einmal genauer an, aber selbst da konnte ich nichts erkennen, außerdem, wieso sollte Andrea das tun. Ich drehte mich schwungvoll um, eilte erst einmal zielsicher in die Küche und schaute mich dort noch um, aber so wirklich glaubte ich nicht daran, dass ich etwas finden würde, als mir neben der Schüssel mit dem Som Tan etwas auffiel, das so aussah wie Petersilie, aber eigentlich nur entfernt. Ich nahm es in die Hand und erkannte, dass oben etwas ab gerupft war und auch noch in der Mischschüssel lag. Automatisch roch ich daran und ein seltsamer Geruch machte sich in meiner Nase breit.

Mit der Pflanze in der Hand stürmte ich hinaus in das Esszimmer und sah mir, wenn auch nur widerwillig, Aros Leiche noch einmal an und erkannte, dass auf seinem Teller noch unzählige Knospen lagen und auch in seinem Mund klebten noch Rückstände davon. Sein Speichel, der aus seinem Mund kam, wies auch Rückstände von dem Zeug auf. Mein Magen wollte sich schon wieder entleeren, aber dafür hatte ich keine Zeit. Mit der Pflanze in der Hand lief ich hoch in mein Zimmer um schnell den Computer zu starten.

Nach kurzer Zeit konnte ich eins und eins zusammenzählen. Er wurde vergiftet und ich ahnte auch von wem, aber das Motiv war mir alles andere als klar. Und was machte man mit einer Leiche? Ich mein, wo muss er hin? Im Keller lagert man die ja bekanntlich nicht, gibt es nicht so etwas wie einen Mafialeitfaden? Ein Buch, wo drin stand, was man in bestimmten Fällen macht? Natürlich nicht....

Ich überlegte einige Zeit nach einer Lösung, aber so einfach war das leider nicht. Instinktiv wollte ich zu meiner Waffe greifen, aber ich griff ins Leere, denn ich war nach wie vor unbewaffnet. Meine Sachen lagen ja noch immer in Frankreich und dort würden sie vermutlich auch liegen bleiben, also musste ich mir meinen Reserveschlüssel aus dem Safe holen, was nicht unbedingt eine Schwierigkeit darstellte.

Zielstrebig steuerte ich das Bild über meinen Schreibtisch an und hob es auf die Seite, öffnete den Safe und fand darin Arees. Verwundert nahm ich sie und schaute ins Magazin, es war voll und irgendwie wirkte es so, als ob sie auf mich gewartet hätte. Eigentlich war ich ja der Meinung, dass ich sie bei Babette gelassen hatte, aber vermutlich hatte sie dafür gesorgt, dass Arees hier her kam.
Ein vergilbter Umschlag mit einem Wachssiegel, der im hinteren Teil des Safes lag, fiel mir in die Hände. Erstaunt über den Fund, verwirrt über den möglichen Inhalt und nervös wegen der Tatsache, dass es sehr unheimlich war, nahm ich den Umschlag in die Hand, drehte ihn und erkannte Aro´s kracklige Schrift, die auf dem Brief prankte. Wie auf Kommando begannen meine Finger zu zittern. Mit aller Vorsicht öffnete ich das Siegel, musste mich aber hinsetzen, denn ich spürte wie mein Kreislauf verrückt spielte. Ich zog den Inhalt heraus und hielt inne um tief ein und aus zu atmen. Langsam öffnete ich meine Augen und richtete sie auf die Zeilen vor mir.

Liebe Bella,
ich weiß, wir hatten nie das Verhaeltnis, was ich mir fuer uns gewuenscht habe, aber die Zeit reichte leider nicht aus. Wenn du das liest, gehe ich davon aus, dass ich tot bin. Irgendwann wirst du verstehen, dass man spürt, wann es Zeit ist zu gehen ist. Alle Anzeichen waren da, aber ich wollte sie nicht wahrhaben.

Bitte tue mir den Gefallen und kümmere dich um meine kleine Prinzessin. Ich weiß, du magst sie nicht, aber ich könnte es über meinen Tot hinaus nicht ertragen, wenn sie in fremde Haende kaeme.
Bitte Bella! Dies ist meine einzige Sorge, da ich sie allein, in der grausamen Welt lasse. Du kommst alleine zurecht, das hast du uns allen oft genug bewiesen, aber meine kleine Vicky nicht.

Auch wenn es bestimmt nicht allzu ueberraschend kommt, möchte ich, dass du die Inc. und die Enterprise gewissenhaft weiterführst. Ich weiß, du kannst das. Ich lege mein Lebenswerk in deine Haende.

Nimm es mir bitte nicht mehr allzu übel, dass ich dich in dieses Leben unfreiwillig gesteckt habe, aber es war meine einzige Chance und ich weiß, du bist die Richtige dafuer.

Aufrichtigst und in ewiger Dankbarkeit
Aro

Ich musste die Zeilen einige Male lesen, bis ich endlich begriff, worum es ging. Ich blickte in den Spiegel, der mir gegenüber hing, starrte mir selber in die Augen, nahm meine kalkweiße Haut wahr, die Schatten unter meinen Augen zeugten nicht von besonders großen Taten, aber ich konnte sie nicht verbergen. Entsetzten stand mir ins Gesicht geschrieben, der Schock saß tief. Unsicher fixierte ich mich selber und versuchte alles zu verarbeiten. Ungläubig las ich alles noch einmal aufmerksam, aber die Zeilen veränderten sich einfach nicht. Es blieb immer der verheißungsvolle Text, der meine Zukunft mehr als nur richtungsweisend bestimmte. Dieser Text setzte mich an die Spitze eines Milliarden-Unternehmens, stellte mich an die Spitze einer Underground- Bewegung und machte mich zur Ziehmutter eines bekloppten Kindes, welches auf dem Papier, meine Schwester war. Ich konnte mir gratulieren. Wollte ich das alles überhaupt? War das nun meine große Aufgabe?

Jeder bekam in seinem Leben eine Aufgabe gestellt. Die meisten waren so einfach, dass man sie unmöglich nicht erfüllen konnte, aber manche sind so unvorstellbar unlösbar......
War es das? Unlösbar, einfach nicht schaffbar oder konnte ich es bewerkstelligen? Würde mir jemand helfen? Wäre das die Chance für Edward und mich?

„BELAAAAAAA?“ hörte ich James herum brüllen und die Treppe herauf laufen und so antwortete ich ihm mit einem schrillen Pfiff wo ich war. Atemlos stand er in meiner Türe und schnaufte wie eine Dampflok. Wortlos hielt ich ihm den Brief hin. Er machte ein paar schnelle Schritte und nahm das Papier entgegen. Ungläubig und mit offenem Mund starrte er abwechselnd mich und den Zettel an und deutete mit seiner freien Hand immer auf das Papier. Ich bestätigte ihm, dass er sich nicht verlesen hatte und das dort, genau das steht, was er gelesen hatte und er sich auch nichts einbildete.

Ratlos warf ich mich aufs Sofa und wusste weder aus noch ein.
Fakt war: 1) Ich hatte eine Firma.
2)War Boss einer Mafiabewegung.
3)Mächtig viel Geld häufte sich auf den Konten.
4)Edward und ich könnten eine Zukunft haben.
5)Granny konnte aus dem Heim raus.
6)Ich hatte eine Schwester, deren Erziehung nun mir oblag.
Immer wieder sagte ich mir das vor und James stand teilnahmslos da und beobachtete mich.

„Bella? Kommst du klar oder brauchst du einen Arzt?“ fragte er nach einiger Zeit vorsichtig und riss mich aus meinem Zustand. „NEIN, es ist alles BESTER ORDNUNG, außer die kleine TATSACHE das ARO tot da unten in seinem Sessel hängt, ich zwei, mehr oder weniger legale, Firmen habe, ein Kind mit Dachschaden und selber noch nicht mal in der Lage bin mein eigenes Leben ohne gröbere Schwierigkeiten zu meistern. Also wenn man das ALLES weglässt, scheint mir die SONNE aus dem ARSCH, danke der Nachfrage!“ schrie ich ihn hysterisch an und er tat nichts weiter, als mich in den Arm zu nehmen.

Tränen flossen in Strömen, ich ließ alles in sein Shirt laufen, aber das störte ihn nicht. Es war im gleich, er war einfach nur da. Immer wieder versicherte er mir, dass er sich tausend prozentig sicher wäre, dass ich das schaffen kann und das er mir tatkräftig unter die Arme greifen wird, wenn ich seine Hilfe benötigte. Gemeinsam würden wir das hinbekommen, sagte er pausenlos ohne müde zu werden.

Es klang ja alles schön und gut, aber wusste er überhaupt wovon er da sprach? Ich mein, wie stellte er sich das vor? Die Inc. und die Enterprise waren nicht so einfach zu führen. Bei der Enterprise musste ich DAS erst mal dem Vorstand nahe bringen und ihn dann ganz vorsichtig darauf vorbereiten, dass ich ihnen künftig den Chef mimen würde. Bei der Inc. war das nicht ganz so schwer, denn da galt ich ohnehin schon als Killermaschine, auch ohne großartigem Zutun, aber als Erziehungsberechtigte sah ich mich so gar nicht und auch das teilte ich James mit, denn ich könnte noch nicht mal auf meinen Hamster aufpassen, ohne das er mir elendig krepierte.

Er löste die Umarmung, schaute mir fest in die Augen und begann leise zu sprechen: „Weißt du, es gäbe da eine Möglichkeit... du weißt doch, meine Mutter, also die Schwester von Aro lebt doch auf dem Land in einem Haus. Ich denke, wenn ich ihr sage, worum es geht und was geschehen ist, dann würde sie Vicky sicher zu sich nehmen, es sei denn, du willst dir Viktoria auch noch um den Hals hängen, aber bist du dir sicher, dass du das willst?“ Ich begann einfach nur mehr zu lachen. Hatte er ernsthaft gefragt, ob ich das möchte? Ist er noch ganz bei Trost? Dem ersten, der dieses Mädchen bei sich aufnehmen will, bring ich es persönlich vorbei und bezahle auch noch den doppelten Unterhalt, Hauptsache ich bin sie los. Es klingt alles andere als nett, freundlich oder fair, aber erst muss ich mit allem anderen klar kommen und irgendwann werde ich mich dann um sie kümmern. Ich schwieg James einfach nur an, denn ich war zu müde etwas zu sagen. Das Gefühl von Trauer machte sich in mir breit.

Ich war traurig, denn insgeheim mochte ich den alten Greis ja doch, dankbar war ich ihm auch, zumindest dafür, dass er mich von Phil weggeholt hatte, aber auf keinen Fall dafür, dass ich in diesem Leben steckte, selbst wenn es mir manchmal doch mehr Spaß bereitete, als ich jemals laut zugeben würde.

Die Zeit verging wie im Fluge. Ich war so sehr mit mir selber beschäftigt, dass ich noch nicht mal mitbekommen hatte, dass James gegangen war. Ich stand in meinem Zimmer am Fenster und beobachtete das geschäftige Treiben auf den Straßen von London. Die Arme fest und beinahe gänzlich um mich geschlungen, stand ich hier. Am Ende, der ein Anfang ist und mitten drin, statt nur dabei. Undankbarer geht es fast nicht mehr, zu beschränkt um maßlos traurig zu sein, aber zu sehr involviert um gänzlich kalt zu sein.

Die nächsten Tage verließ ich mein Zimmer nicht. James hatte sich um Aro´s Abtransport und Begräbnis gekümmert, denn ich konnte es einfach nicht. In meinem Kopf spielten sich Szenarien und Horrorvorstellungen ab, dass ich stundenlang paralysiert dasaß und zu nichts im Stande war. Gelegentlich kritzelte ich einige Zeilen nieder, aber es war nie ganz, aber auch nie nur halb, es war kein Reim, kein Gedicht, es war auch kein Lied, es war einfach nur ich. Meine Gedanken, geschwängert von der Zukunftsangst, den Konsequenzen der Vergangenheit und die Ungewissheit, wenn beides aufeinander trifft.

Bella POV Ende

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