Killing me....killing you
E-Pov
„Es tut mir aufrichtig leid, Mister Cullen, aber ihr Koffer ist....“, stotterte der Flughafenangestellte und schaute mich ängstlich an, weil ich ihn am liebsten mit meinen Blick umgebracht hätte.
„Wo ist mein Koffer? Wollen sie mir gerade erzählen, dass mein Koffer...“, schrie ich den Mitarbeiter unerbittlich und stinksauer an.
„Ed beruhige dich, wir sind hier in London. Wir kaufen dir einfach neue, es ist doch nichts passiert....es ist bloß Kleidung.“ Jake schob sich zwischen mir und dem Tresen, versuchte mich zu beruhigen, umfasste meinen Ellbogen und drückte mich vom Schalter weg.
Er hatte ja recht. Ich war ja nicht zum Weltkongress der Serienmörder geladen. Nichts desto trotz wären saubere Sachen echt hilfreich gewesen, mal abgesehen davon, dass ich meine Bücher und ein, zwei private Dinge auch noch gerne wieder gehabt hätte.
Jake schob mich aus dem Flughafengebäude in Richtung Bahnhof. Ach ja, Bahnhof...wir fahren ja mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wieder ein Grund, wieso ich London eigentlich nicht so mochte.... eigentlich, denn wenn das Bellas Heimat war, dann war es die beste Stadt auf dieser verschissenen Welt, zumindest war das mein Argument, das ich mir immer und immer wieder einredete. Wenn ich am Flughafen stand und mich unter die Menschenmenge mischte, die geduldig sich dem Trott ergaben und zu einer gut funktionierenden Maschinerie mutierten, die sich reibungslos auf die Bahnsteige verteilten, nachdem sie, wie die Lemminge, ein gestempelt hatten.
Jeder Gefühlsausbruch war das Resultat meiner flachliegenden Nerven. Ich war eine tickende Zeitbombe. Unaufhörlich telefonierte Jake und es sah nicht danach aus, als würde er heute noch damit aufhören. Absolut multitaskingfähig, manövrierte er uns durch den dichten Londoner Verkehr. Ich dagegen stolperte schlicht hinter ihm her, denn zu mehr war ich nicht in der Lage.
Ich musste sie treffen, sie sehen, sie hören, sie riechen, sie spüren. Sie sollte, mit mir an ihrer Seite, beide Familien zusammenführen, so dass wir eine neue Zukunft planen konnten, denn ich wollte das alles nicht mehr. Ich war es leid, einzelne Körperteile in Paketen, an nicht kooperierende Mitläufer zu schicken, einen nach dem anderen das Leben auszulöschen, dem scheinheiligen Konkordat beider Familien, der einen Waffenstillstand hervor zwang, folge zu leisten, wenn man etwas Größeres, Besseres hervorbringe konnte. Zumal es ja so war, dass mein Vater nichts zu befürchten hatte, denn durch Aros Tot und dem Bündnis, das Bella und ich eingehen würden, würde es ihn unmittelbar zum höchstrangigen Boss machen, auch wenn ich mir selber eingestehen musste, dass die Volturis mehr Ansehen genossen, als es den Cullens jemals gelungen wäre. Daran war nur der verbissenen, unbeholfene Zwang meines Vaters, nach Macht und Ansehen schuld, denn er ging, im Gegensatz zu Aro, über zu viele Leichen....
Wie Bella alles weiterführte hörte man kaum, denn so ruhig, wie es aktuell um die Volturi stand, war es solang ich denken konnte noch nie. Egal was sie tat - sie machte ihre Arbeit gut. Scheinbar hatte sie alle Spitzel ausfindig gemacht, denn es sickerte nichts durch, was vor sich ging. Einzig und allein Jake konnte mir ab und an sagen, was er von seinem aktuellen Stecher, aka Bellas „bester Freundin“ erfuhr, aber diese Infos waren so unbedeutend, als wenn in China ein Fahrrad neben einem Sack Reis fiel - aber es tat gut zu hören, dass es ihr, den Umständen entsprechend, besser ginge...
Gerade mal so, erkannte ich den Namen des Hotels, so verpeilt wie heute, war ich schon lange nicht mehr. Die Kombination langer Flug mit der Tatsache, dass ich meinen Vater die Stirn geboten hatte und das ich Bella hoffentlich bald wieder sehen werde, die Zweifel daran, dass unser Gespräch das genau Gegenteil ergeben konnte von dem was ich wollte, ließ mich auf ganzer Linie neben mir stehen.
Jake meldete uns an, zog mich hinter sich her, wie ein Betreuer seinen leicht debilen Schützling, der ich heute auch war. Er zerrte mich beinahe mühelos hoch in die Suite, ich nur hinterher trappelnd....
Oben angekommen, warf ich meine Jacke achtlos in die Ecke und ließ mich auf die übergroße Couch fallen. Erschöpft von nichts, legte ich meine Hände auf mein Gesicht und seufzte. Jake ermahnte mich, dass ich mich nicht so gehen lassen und das ich endlich wieder zurück zu mir finden sollte, denn ich benahm mich, wie ein liebeskranker Troll, der das Leid der Welt nicht ertragen konnte. War ich das? War ich ein Troll? Bestimmt war ich das.. Mit einem Mal setze ich mich wieder auf, mein Blick starr auf Jake gerichtet, welcher sicher dachte, ich sei absolut übergeschnappt.
„Jake, du musst Reinhard bitten, dass er Bella eine Nachricht überbringt, ja?“ Unnötig flehentlich fragte ich ihn mit zitternder Stimme. Jake blickte gequält auf mich herab, denn er hasste es, wenn jemand in seiner Nähe sich so fühlte, als würde er das Leid der Welt auf seinem Rücken tragen, aber ich konnte nicht anders. Ohne Bella fühlte ich mich so leer. Auch wenn es lächerlich klang, denn wie viel Zeit hatten wir schon miteinander verbracht, aber diese wenigen Tage, die wir in Frankreich erleben durften, reichten aus, um mich ihr so nahe, so verpflichtet und vor allem, sie so dringend notwendig brauchend zu machen, dass ich es mir nicht vorstellen konnte, dass die Welt ohne sie, auch nur annähernd Sinn machen konnte.
All diese Gedanken und Erkenntnisse versuchte ich in den Blick zu legen, den ich Jake zuwarf. Er nickte stumm und verließ das Zimmer durch die Verbindungstüre in Richtung seines Schlafzimmers.
Jeder Gedanke an sie schmerzte, aber es waren nicht des Schmerzes Schmerzen sondern der, der unabdingbarer Sehnsucht, die sich beim bloßen Gedanken ihres Namens, oder die paar Erinnerungen unserer gemeinsamen Zeit, in mir breit machten.
Die gesamte Situation war verfahren, aber ohne Bella war ich nicht komplett, denn sie war meine Zukunft, mein Leben, mein Universum....
Jake kam zurück und teilte mir mit, das er Reinhard erreicht hatte, das Treffen stand und ich sollte in Hamsted Heath warten....
Erleichterung machte sich in mir breit, alles rund herum löste sich gefühlsmäßig in rosa-rotes Watterauschen auf. Erleichtert fiel ich auf das Sofa zurück und begann, langsam ruhiger werdend, weg zu dämmern. Alles wirkte so surreal, aber was war hier schon wirklich real...
Bella Pov:
„Edward“, brachte ich mit bebender Stimme hervor, aber meine Knie flogen mir nicht wie erwartet weg, im Gegenteil, sie waren stärker als sie sich anfühlten, denn sie trugen mich Schritt um Schritt näher an ihn heran. Er wich nicht zurück, aber empfing mich auch nicht mit offenen Armen. Er wirkte verletzlich, auch wenn ich mir dessen bewusst war, das Edward Cullen alles andere als verletzlich war.
Die Schmetterlinge, die sich gerade noch in meinem Inneren austobten, fühlten sich an, als wären sie in einem Kescher gefangen und krampfhaft am Boden festgebunden worden.
Das Hochgefühl verflog, die Freude erstarrte. All die Aufregung der letzten paar Stunden verflog, als wäre sie nie da gewesen.
Die Distanz zwischen ihm und mir konnte man schon mit „nächster Nähe“ betiteln, seinen warmen Atem auf meine Haut spürend, seine Blicke, die mich abtasteten, das Knistern, das mir noch immer drohte, den Boden unter den Füssen weg zu ziehen, aber trotzdem, unerreichbar nah. Die peinliche Stille zwischen uns war erdrückend. Seine Finger, die er mal wieder malträtierte, knacksten leise, aber hörbar. In seinen Augen lag ein unscheinbares Flackern, das er vor mir aber nicht verbergen konnte.
„Bella, ich...“ setze er im selben Augenblick an als ich gerade seinen Namen flüsterte. „Du zuerst“ erwähnten wir synchron und lachten, es wirkte aufgesetzt. Die reine Ehrlichkeit aus Frankreich war verflogen.
„Bevor du mir jetzt sagst, wie leid es dir tut, möchte ich dir sagen, dass es mich nicht interessiert. Ich möchte nicht wissen, wieso du es getan hast, nicht wissen, wie du es geschafft hast und auch nicht, wie es dir damit jetzt geht......Akzeptire, dass es mich nicht interessiert!
Du kannst dir denken, was du damit angerichtet hast. Vor dir steht, die einzige und wahre Nachfolgerin des Volturiclans. Das ist bestimmt etwas, was dein Vater besonders toll fand, so wie Aros eingefleischte Berater und Anwälte....und vermutlich der Rest der Welt.“ Schulterzuckend schob ich etwas Erde vor mir zusammen, nach weiteren Worten suchend.
Weist du wie das ist, wenn man morgens aus dem Haus geht und sich auf den Weg, wohin auch immer, machen will und von sechs Leuten in Empfang genommen wird, die einem dicht auf den Fersen sind, mit all ihren Fragen, Belehrungen, Meinungen und Ratschlägen. Ich hatte mehr Mühe, all das auszublenden und mich diesen Quälgeistern zu entziehen, als mir Gedanken darüber zu machen, was ich jetzt war, wohin ich ging und was auf mich zu kam.
Sechs eingebildete Klugscheißer, die nichts besseres zu tun hatten, als sich um ihre Beteiligungen zu sorgen, mich dazu zwingen wollten, das ich ihnen noch mehr Macht und Zeichnungsrecht zugestand...“ Ich ließ den Satz einfach so stehen, denn es gäbe dazu noch so viel zu sagen, aber dies war nicht der richtige Ort dafür. Edward starrte mich noch immer an, aber wagte es nicht seinen Stimme zu erheben.
„Ich musste noch nie in meinem Leben, so oft meinen Standpunkt verteidigen und darauf achten, dass man mir nicht meinen Schädel weg schießt. Weißt du, und das Schlimmste an dem ganzen Szenario ist, dass ich mich noch nicht mal selber wiedererkenne. Börsenberichte, Aktienkurse, sogar den Gold und Silberpreis, Baupläne von Windrädern und erneuerbare Energien sind mir eher ein Begriff, als meine Gefühle, meine Bedürfnisse...
Neben den ganzen Scheiß mit Begräbnis, Erbschaft, Gebietsverwaltung und Businessplänen, musste ich auch noch irgendwie verarbeiten, dass meine Mutter doch nicht die gleichgültige und verhasste Rabenmutter war, wie ich dachte. Das sie wohl weder wusste, dass ich noch lebte, noch das ich hier dem Paten wohl die schärfste Konkurrenz machte, nur weil jemand, der meinte „nur zu meinem Besten“ gehandelt zu haben, sich einbildete, seine Schulden gegen mein Leben zu begleichen. Weißt du, es ist ziemlich fürn Arsch, wenn sich die ´Wie-führe-ich-mein-Leben-Perspektive´ täglich ändert. Nichts passt hinten genauso zusammen wie vorne, keiner in meinem Umfeld traut sich, mir die volle Wahrheit oder auch nur die Meinung zu sagen. Jeder denkt, nur weil ich nicht wie ein Orkan wüte, das alles in Ordnung ist. Das ich mich, mit der Art und Weise zu Sein, einfach abgefunden hatte, ohne auch nur darüber nachzudenken, denkt keiner. Ich habe zu funktionieren, nicht mehr oder weniger. Immerhin war ich es Aro schuldig.
Und dann kommst du jetzt an und willst dich entschuldigen?“ schrie ich hysterisch.
Es fühlte sich an, als käme alles aus mir heraus. Natürlich war es nicht alles, es war vielleicht ein Bruchteil, aber es tat gut. Bestimmt war es für ihn verwirrend, aber das war mir gleich, denn seine starken Arme schlangen sich um meine Schultern, sein unverkennbarer Geruch kletterte meinen Geruchssinn empor und vernebelte meine Gedanken. Ich wurde müde, so müde, wie nach einer langen Reise auf dem Weg nach Hause. Ich fühlte mich gerade zu Hause angekommen. Mir sicher zu sein, nach all dem, was in letzter Zeit geschehen war, dass er mein Zuhause war, meine eigene, kleine, heile Welt. Mir innerlich zustimmend, gestand ich mir selber, dass er noch hunderte Male weggehen konnte, ich es ihm noch tausende Male verzeihen würde.
„Isabella, ich liebe dich“, raunte er heiser. „Ich würde mich bei dir entschuldigen, wenn du es verlangen würdest.....“ Ich legte meinen Zeigefinger auf seine vollen Lippen, langsam hob ich meinen gesenkten Blick, abgelenkt von seinen weichen Lippen unter meinem Zeigefinger, die brennende Sehnsucht in meinem Inneren, die sich nach ihm verzehrte. Mein Verstand forderte Aufmerksamkeit, versuchte gewaltsam mich von dem innerlichen Gefühlsausbruch abzuwenden und rational zu denken. Ich zwang mich dazu, ihm zu verstehen zugeben, dass er aufhören sollte, sich selber kleiner zu machen, als er war.
Wie stellte er sich das Ganze vor?
„Weißt du..“, begann ich leise, krampfhaft versucht, ein Zittern in meiner Stimmer zu verdecken, „wir wissen beide, dass wir nicht gut füreinander sind. Du nicht für mich und ich nicht für dich. Wir sollten weder Freunde sein, noch das getan haben, was wir miteinander teilten. Das einzige Gefühl, was wir füreinander haben sollten, sollte Hass sein, Edward. Nicht Liebe, nicht Freude, kein Verständnis und schon gar nicht Geborgenheit. Das alles hier, ist eine sehr schräge Version von Romeo und Julia, nur das nicht allein unsere Väter an dem ganzen Mist schuld waren. Verstehst du Edward? Egal was wir machen, es ist auf die eine oder andere Weise immer falsch.“
„Das ist Bullshit“, presste er zornig hervor, nahm mich an den Schultern und schüttelte mich leicht, etwa so, als würde er versuchen, dadurch meine Gedanken zu ordnen. „Nur wir alleine sind dafür verantwortlich, was in Zukunft passiert. Wir müssen beide Organisationen zusammen legen und....“ Ich unterbrach ihn mit meinem schrillen, hysterischen Lachen. Er verstummte und schaut mich irritiert traurig an.
„Edward, denk doch mal nach. Beide Organisationen zusammenlegen....natürlich, deinem geldgierigen, rachsüchtigen Vater alles auf dem silbernen Tablett servieren. Weißt du, ich hab zwar noch nicht den gesamten Überblick über all seine Geschäfte, aber ich weiß, dass sich Aro in seinem Sarg umdrehen würde, wenn ich die INC. in die Hände eines Cullens legen würde.“
„NEIN, das stimmt so nicht, ich tu alles dafür, dass man Vater abdankt. Gib mir einfach noch ein bisschen Zeit, Bella bitte.....so war das alles nicht geplant...nein, ich dachte, dass unsere Begegnung anders abläuft....Scheiße Mann...“ schrie er schon beinahe verzweifelt, aber wütend, seine Faust gegen die harte Baumrinde schlagend.
„Denkst du wirklich, du bist fehlerfrei? Glaubst du wirklich, dass du nichts falsch gemacht hast? Du verschwindest einfach...im Erdgeschoss liegt ein Brief, dass ich nicht gut bin für dich, im Schlafzimmer schmierst du ein „sorry“ an den Spiegel. Kannst du dich nicht entscheiden, oder hast du dafür auch eine, deiner perfekten Erklärungen?“ schrie er mich regelrecht an.
„Ich und die perfekten Erklärungen, sag mal hörst du dir denn selber zu, wenn du redest? Du glaubst wohl echt, dass du hier das Opfer bist, oder? Eigentlich hätte es dir von Anfang an klar sein müssen, dass der Brief nicht von mir war, aber bitte. Es dreht sich ja so und so alles nur um dich. Du bekommst einmal nicht das, was du scheinbar willst und schon muss einer ins Gras beißen, blöd nur, dass es diesmal der Erzfeind deines Vaters war. Wenn es nach meinen Leuten gegangen wäre, dann wärt ihr nur mehr ein Stückchen Vergangenheit, in den geheimen Geschichtsbüchern der amerikanischen Mafiabewegung, aber aus irgendeinem verdammt dummen Grund, konnte ich es einfach nicht zu lassen. Weißt du Edward, wenn du klug wärst, dann würdest du dem Ganzen hier ein Ende setzten, mich abknallen oder auch so hinterhältig vergiften lassen, wie Aro und als glorreicher Sohn zu Papi heimkehren und ihn als neuen Boss der europäischen Mafia feiern. Das wäre doch bequem und einfach, meinst nicht auch?“ giftete ich ihn an.
Er schnalzte verächtlich mit der Zunge und ging einen Schritt auf mich zu.
„Weißt du“, setze er an „wenn ich es gerne einfach gehabt hätte, dann wärst du aus Bangkok gerade mal als Organspende hinausgekommen, zusammen mit deinen Gehilfen und über meinen Intelligenzquotienten will ich mich mit dir nicht unterhalten, denn wenn es um dich geht, dann schickt der Verstand die Vernunft in den Urlaub und mein gesamtes Dasein strebt danach, an deiner Seite zu sein. Ich gestehe dir meine Liebe und du hast nix besseres zu tun, als mich mit meinen Vater zu vergleichen, ich verstehe nur nicht warum, denn mit ihm habe ich am wenigsten gemeinsam und das weißt du....Du nennst mich egoistisch... ok, das mag stimmen... du hältst mich für dumm, weil ich noch immer dran glaube, dass da mehr ist, als du gerade zu gibst... du bist aber trotzdem einfach abgehauen, ohne mir persönlich zu erklären, was war. Vermutlich wolltest du nur austesten, ob dein Fletcher wohl die richtige Entscheidung war... aber dann versteh ich nicht, wieso du eine deiner Angestellten zu mir schickst, das geht mir nicht ein.“ Zornig verbiss er sich einige Schimpfwörter. Seine Augen glühten ….
„Verdammte Scheiße nochmal, ich hatte keine andere Wahl....ich musste gehen, du wärst sonst ...“ Ich unterbrach mich selber, da ich mir nicht sicher war, ob er mir die Wahrheit glauben würde. Ich wollte schnell das Thema wechseln, aber ehe ich was sagen konnte, hatte er mich schon an den Schultern gepackt und schüttelte mich so, als ob er dachte, er könnte mir die Worte hinaus schütteln.
„Hör auf“ schrie ich ihn an „Ob du's glaubst oder nicht, aber du tust mir weh!“
„Sag schon was ich war, was dachtest du, was ich war.“ zischte er durch die fest zusammen gebissenen Zähne. Ich hob meine Arme und versuchte seinen Griff zu lockern, in dem ich seine Hände von innen nach außen drückte. Er dürfte begriffen haben, dass er mir weh tat und murmelte eine halblautes 'sorry', schaute mich aber noch immer wütend an.
Ich begann meinen Satz von vorhin noch einmal, aber die Wörter überschlugen sich förmlich und statt einem geraden Satz brachte ich nur ein zittrig gestammeltes „James hatte gesagt, dass er mich an Aro verpfeifen würde und der dich dann, bei der erstbesten Gelegenheit, auf die Seite schaffen würde!Verstehst du es jetzt?“
Schallendes Gelächter erhellte die Nacht.
Edward lachte mich aus... er lachte mich tatsächlich aus.
Wut ballte sich in meinem Inneren an und instinktiv verkrampfte meine Hand zu einem, für eine Frau beängstigend starken, sektenähnlichen Ballen. Ehe ich mich versah, donnerte diese auch schon in sein Gesicht. Reflexartig hatte sie sich von selber zu einer flachen Hand gestreckt und man konnte das laute Klatschen meiner flachen Hand auf seiner, gerade noch eher bleichen, Wange hören.
Ein lautes, schmerzverzerrtes Schreien löste sich aus seiner Kehle und seine Hand flog, beinahe unmenschlich schnell, nach oben. Ich zuckte zusammen und ging einige Schritte instinktiv zurück - in Deckung, bereit, jederzeit einen Hacken zu schlagen und ab zu hauen.
Kaum geschehen, tat es mir auch schon wieder leid, aber er hatte sich diese Ohrfeige verdient, auch wenn er jetzt da stand und sich seine Backe hielt und beleidigt drein schaute.
„Du hast mich doch nicht allen ernstes geschlagen?“ fragte er unglaubwürdig nach und seine Hand legte sich erneut auf die Stelle, die ich gerade getroffen hatte.
„Doch, das habe ich.“ antworte ich und meine Stimme, mit der ich dies sagte, war nicht meine. In ihr lag Schmerz, Verachtung, Sehnsucht…. „und du hast es dir ehrlich verdient!“ schob ich noch schnell hinterher, ging drei schnelle Schritte zurück und biss mir auf die Lippe, denn ich wollte ihn schon angrinsen, aber das hätte ihm wohl mit Sicherheit, die falschen Signale gesendet. Gab es hier falsche oder richtige Signale?
„Bella“, sagte er eindringlich „egal wer oder was, niemand hätte mir auch nur ein Haar krümmen können, auch wenn man es dir erzählt hat. Von wem war der Brief?“ Er fixierte mich mit seinen leuchtend, grünen Augen. Meine Nervenenden begannen sich automatisch wie Tintenfischarme zu räkeln. Es kostete mich einiges, mich nicht an ihn zu drücken, ihm zu sagen, dass ich mit ihm ans Ende der Welt gehen würde und noch viel weiter, aber ich besann mich wieder auf meine Schiene und gab ihm höflicher weise eine Antwort.
„James“, murmelte ich beinahe lautlos und mein Blick senkte sich etwas, da ich ja eigentlich damals bei ihm bleiben wollte.
Ich bildete mir ein, er hätte gerade geknurrt, ging aber nicht weiter darauf ein.
„James“, wiederholte er beinahe kreischend vor Zorn. „Dieser miese, kleine Scheissk...“
„Pass auf, was du sagst!“ schrie ich ihm dazwischen, “Auch wenn er einen sehr dummen Fehler begannen hatte, muss ich zugeben, dass er einer derjenigen war, die nach deiner dummen Aktion mit Aro, für mich da waren oder erklärst du mir jetzt, dass das auch dein Vater war?“
Er schüttelte, den Blick auf den Boden gerichtet, seinen Kopf und murmelte noch ein undeutliches 'Nein, das war ich'.
„Und wieso?“ schrie ich ihn beinahe an. Jeder Gedanke an die Art, wie Aro starb, jeder Gegenstand im Haus, der direkt daran erinnerte, dass er hier mehrere Jahrzehnte wohnte, sein großes Portrait, das in der Bibliothek von der Wand prangte, seine Vorliebe für Gemälde, all das war noch da. Wir konnten es nicht aus der Hand geben, denn auch wenn ich ihn nicht sonderlich gut kennen lernen wollte, war er einer der wenigen Menschen in meinem Leben, der mich freiwillig zu sich geholt hatte, weil er mehr in mir sah, weil er mir etwas zu traute, weil ich ihm was Wert war. Ich schob meinen traurigen Gedanken beiseite und sah Edward fordernd an.
„Wieso???“, presste ich mit etwas mehr Druck heraus und wartete noch immer auf eine Antwort.
„WARUM? Fragst du wirklich WARUM? Scheiße, denk doch mal nach.... ich war in unserem Haus in Frankreich mehr als nur glücklich, ich dachte, es wäre vielleicht der Beginn einer Zukunft, mit dem Hauch eines geregeltem Lebens und dann, komm ich nach der vermutlich besten Nacht in meinem Leben, wieder zurück und mit einem Mal wird mir schlagartig klar, dass alles vorbei ist. Natürlich dachte ich, dass Aro dich gefunden hatte, natürlich war er der Hauptschuldige, wie hättest du in meiner Situation reagiert? Du bist nicht so ungehobelt, unberechenbar und eiskalt, wie du immer tust. Du fürchtest dich vor dir selber, du hast Angst alles falsch zu machen, du gehst dir selber auf die Nerven, du hasst dich doch für das, was aus dir geworden ist?“ warf er mir mit bebender Stimme vor.
„Das sagt gerade der Richtige...Mister Perfekt himself, oder wie? Bist du immer Herr der Lage, läuft bei dir immer alles perfekt? Vermutlich, denn du bist unfehlbar, willst du mir das damit sagen? Oder erklärst du mir, das es vollkommen in Ordnung ist, wenn man einem Kind den Vater nimmt, mir damit alles aufbürdet, nur weil man kurz mal SAUER ist?“ schrie ich ihn an.
„BELLA, ICH BIN NICHT SAUER! Ich bin hier, weil ich dich sehen wollte, ich wollte weder mit dir streiten, noch diese Diskussion hier führen. Bella, das einzige, was ich will, ist eine Zukunft mit dir. Nicht mehr und nicht weniger. Ich werde meine Familie nicht aufgeben, denn das kann ich nicht, aber ich kann und werde Carlilse in die Knie zwingen, so wahr ich hier stehe!“ Seine leise, eindringliche Stimme vernebelte mir wieder meinen Kopf. Die Wut auf ihn verschwamm restlos, das unmenschliche Gefühl machte sich in mir breit, dass sein Gesagtes wahr war, aber wie soll das gehen?
Gedankenverloren, wie vom Schlag getroffen, stand ich nun hier und realisierte seine Worte. Es war tatsächlich sein Ernst. Seine, vom Mondlicht hell erleuchtete, Gestalt kam immer näher. Sein Arme schlangen sich, wie zwei feste Seile, um meinen Oberkörper, sein Atem spürbar in meinem Nacken. Obwohl er einige Zentimeter größer war als ich, legte er seinen Kopf auf meine Schulter und drückte mich fest an sich. Innerlich erzitternd, stand ich noch immer mit herabgesenkten Armen da. Sein Geruch vernebelte meinen Sinne, wie von selber wanderten mein Arme doch noch nach oben. Ich ließ sie erst über sein Hinterteil wandern, legte sie am Steißbein ab, verflocht mein Finger ineinander und sog seinen Geruch fest ein, jede Nuance in mir aufnehmend, schwelgte ich in Erinnerungen.
Wir standen einfach nur da, eng umschlungen, die Körper aneinander gepresst. Wir wärmten uns gegenseitig. Leise hörte man aus der Ferne die Nachtigall ihre Melodie singen, das leise rascheln der Blätter vertrieb die Stille. Wir vergaßen die Konflikte unserer Familien, das nutzlose Konkordat. Nichts war in dem Moment wichtiger, als wir beide.
Es war einfach nur irgendwie so, als hätte die Welt es tatsächlich doch noch geschafft stehen zu bleiben. Mein Geist wollte flüchten, mein Körper bleiben und meine Gefühle sprangen herum, wie ein Gummibärchen auf LSD. Meine Beine waren so schwer, als hingen zwei 500 Kilo schwere Zementklötze daran.......
„Dir ist schon klar, dass ich dich erst wieder loslasse, wenn du mir schwörst, dass wir uns wieder sehen, dass du dich jetzt nicht umdrehst und zu deiner Maschine läufst und wie eine Gestörte durch die Nacht rast und auf Gott und die Welt sauer bist, weil das hier so ist, wie es ist. Ich verspreche dir im Gegenzug, dass ich fieberhaft an einer Lösung arbeite, aber ein bisschen Zeit brauche. Wir machen es, wie in so einem alten kitschigen Film.....wir treffen uns heimlich, immer unter einem anderen Vorwand...dann sollten alle anderen eigentlich beruhigt sein, wenn es doch wie gewohnt weiter geht.“, flüsterte er mir so dich an meinem Ohr, dass sich die feinen Härchen in meinem Nacken steil nach oben richteten.
„Bella...“ Noch ehe er seine Ansprache beenden konnte, hatte ich ihn schon meine flache Hand an die Wange gelegt, was ihn für einen kleinen Moment zusammen zucken ließ. Als er sich sicher war, dass er nicht noch eine Ohrfeige kassieren würde, entspannte er sich etwas. Mein Daumen fuhr langsam über seine perfekten Lippen, die im Mondschein noch perfekter aussahen.
„Halt einfach nur die Klappe und küss mich, bevor ich es mir anders überlege!“ Kaum hatte ich den Satz beendet, trafen seine Lippen hart auf meine und wir versanken in einem, schier endlos anhaltendem Kuss.
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