Würde mein Leben in einem Zeitraffer stattfinden, dann ließe es sich am einfachsten beschreiben, indem man eine tiefschwarze Nacht nimmt und diese in Endlosschleife durchlaufen lässt, denn so fühlte ich mich gerade.
Es waren kaum 14 Tage seit Aros Tod vergangen, 2 Wochen seitdem ich von Edward getrennt war, 336 Stunden, seitdem mein emotionales Dasein auf Sparflamme brannte und meine rationale Seite die Überhand gewonnen hatte. 1209600 Sekunden, die ich damit verbracht hatte, über alles nachzudenken und zu dem Entschluss gekommen war, dass ich zwar alles andere als bereit dafür war, aber ich werde Aros letzten Willen respektieren und auch ausführen, bis auf den Punkt in dem es um Vicky ging, denn das konnte ich auf keinen Fall.
So gut es eben ging verdrängte ich den Gedanken an Frankreich und an Edward nach hinten. Zwängte mich jeden Tag aufs Neue in eines der Kostüme und ging zur Arbeit. Aros Ableben nahm sich dort keiner sonderlich zu Herzen. Es schien so, als hätte dort jeder, jeden Tag damit gerechnet, denn die Enterprise lief weiter, auch ohne sein Zutun. Dass ich seine Nachfolgerin war, interessierte dort niemanden so richtig. Man nahm mich nicht ernst.
Ich hatte damit gerechnet, denn auf der Beerdigung, die eher der eines Königs glich, statt der eines Geschäftsmannes mit Mafiabackground, waren sie alle vertreten. Arschkriecherisch, scheißfreundlich und heuchelten alle Beileid, aber sobald man ihnen den Rücken zukehrte, fingen sie an zu tuscheln und begannen, die Firma unter sich aufzuteilen. Mir kam die Galle hoch und James ging es nicht viel anders. Er mochte Aro genauso viel oder weniger wie ich, aber das, was hier gerade abging war einfach nur geschmacklos. Beim Dinner zu Ehren Aros hatte ich dann die Schnauze mehr als nur voll. Vor der gesamten Belegschaft der Enterprise, so manche Partner der Inc. und vor allem, vor dem Aufsichtsrat, stand ich auf und James klimperte mit seinem Buttermesser gegen das Rotweinglas.
Ich räusperte mich und tat etwas, was sicher jeder als pietätlos eingestuft hätte, aber es war mir sowas von egal:
„Sehr geehrte Vorsitzende, Mitarbeiter und Partner, Freunde und Bekannte. Es ehrt uns sehr, dass ihr alle heute hier seit um Aro die letzte Ehre zu erweisen und ich finde die Wenigen, die aus aufrichtigen Gründen hier sind, sehr bewundernswert und möchte ihnen unsere Dankbarkeit aussprechen.
All Diejenigen, und damit meine ich ganz besonders die Herrschaften, die vor unserem Kamin nichts Besseres zu tun hatten, als Aros Anteile und seine Befähigungsbereiche unter sich aufzuteilen....denen möchte ich mitteilen, dass daraus leider nichts wird, denn ICH, ISABELLA MARIE VOLTURI, trete das Erbe an und werde in Aros Namen die Enterprise weiterführen und das werde ich zusammen mit Mister Fletcher machen. Ich hoffe ich habe mich klar genug ausgedrückt und vor allem HOFFE ICH, dass wir zudem Beweggrund zurückkehren können, weswegen wir leider hier sind und zwar, dass wir ARO VOLTURI die letzte Ehre erweisen und ihn als dem Menschen in Erinnerung behalten, was er in seinem tiefsten Inneren auch war.
Ein Mann, dem seine Kinder über alles gingen, der sich viel zu früh von seiner Frau trennen musste und der immer dafür gelebt hatte, dass es seinen Angestellten, seiner Familie und ganz besonders seinen Kindern gut ging. Als diesen MENSCHEN sollten SIE ihn alle in Erinnerung behalten. Danke, dass sie gekommen sind!“
Ich beendete meine Ansprache und setzte mich wieder auf meinen Stuhl, schlug die Beine übereinander und wartete, meinen Blick auf einen der Vorsitzenden gerichtet, auf die Reaktion der Menge. Die besagten Vorstandsmitglieder blickten betroffen und käseweiß auf den Tisch, einige hatten Tränen in den Augen, James blickte mich stolz an, Reinhard nickte mir anerkennend zu und tippte auf seinen imaginären Hut, James Mutter lächelte traurig und müde. Miss Babette schaute mich mit ihrem ernsten, fixierenden Blick an und ich wusste sie stünde hinter mir. Sie alle versuchten nicht in Tränen auszubrechen, aber bei einigen stand die Wut auf der Stirn geschrieben.
Ich wusste, die nächste Zeit würde alles andere als leicht für uns alle werden, aber zusammen und vor allem gemeinsam würden wir es schaffen Aro´s Machtwerk in die Zukunft zuführen. Victoria war bei James Mutter untergebracht und wir trafen sie jeden Sonntag zum Spazieren gehen oder um mit ihr Teeparty zu spielen. Sie hatte Aros Tod recht gut aufgenommen, auch wenn sie es nicht so ganz verstand. Das wichtigste war, dass es ihr gut ging und ich mit ihr ein bisschen besser zurechtkam. Es war zwar nicht perfekt oder so, wie es Aro wollte, aber es war in Ordnung.
Nach endlose Diskussionen, Mettings und Mittagsessen lief in der Firma alles so, wie vor Aros Tod. Wichtige Dinge mussten von mir abgezeichnet werden, ansonsten hatte der Aufsichtsrat dieselben Möglichkeiten wie bisher. Es lief beinahe alles wie am Schnürchen, James hatte sich diese Alexis geangelt und sie war mit Sack und Pack bei uns eingezogen. Wenigstens konnte sie kochen, da Andrea ja spurlos verschwunden war und mir dieses ewige Fast Food und essen gehen schon schwer auf die Nerven ging, außerdem musste ich mir abends immer stundenlang den Kopf zerbrechen, wie ich alle Inc. Angelegenheiten unter einen Hut brachte. Das eine oder andere Exempel musste statuiert werden und einige, sehr begriffsstutzige Kameraden, mussten ich zusammen mit Jasper, James und Emmett davon überzeugen, dass ich sehr wohl ernst zunehmen war und vor allem zu respektieren.
Mein Leben lief zwar nicht so wie ich es mir gewünscht hätte, aber es lief. Die Wochen und Monate verstrichen ohne besonders erwähnenswerte Komplikationen. Edward war fast aus meinem Kopf verbannt worden, denn seine Nachricht, die er mir durch den Aros Ableben übermittelte, war nur zu deutlich. James hatte ein schlechtes Gewissen, aber das trieb ihm Alexies mit nächtelanger, harter Arbeit hörbar aus. Ich freute mich für ihn, aber manchmal nervte es einfach nur.
Als ich vom Lunch mit Reinhard zurückkam, teilte mir die neue Sekretärin mit, dass der 14 Uhr Termin in meinem Büro, welches vorher Aro gehörte, wartete. Da Chelsea sich ja aus dem Staub gemacht hatte, als sie von Aros Tod erfuhr und war nicht mehr gesehen, aber es kümmerte mich nicht wirklich. Reinhard und ich unterhielten uns, wie meistens, über die aktuellen Musicals, die in London gerade spielten und das wir uns dringend Ghost ansehen mussten. Er hatte die Ablenkungsmasche perfekt drauf, auf ihn war einfach immer Verlass. Wir schlenderten zu meinem neuen Büro und als ich die Türe gut gelaunt, schwungvoll öffnete und ich die Gestalt am Fenster erkannte, ließ ich meinen Starbucks- Becher automatisch fallen und versteinerte.
„Reinhard, bitte geh und hol die Statusberichte aus den Abteilungen und sei so gut und fahr in der Reinigung vorbei und hol unsere Sachen ab, ich denke ich muss diesen Termin allein erledigen.“ meinte ich flüsternd und er verstand. Ich atmete tief ein und aus und trat ein, schloss die Türe leise und griff nach Arees. Meine Hand hatte schon zu schwitzen begonnen, mein Körper pumpte eine gehörige Portion Adrenalin durch die Blutbahnen.
Ich räusperte mich lautstark und er zuckte zusammen. Ob er schon wusste, was ihn jetzt erwartete?
„WAS MACHST DU HIER? HABE ICH MICH DAS LETZTE MAL NICHT DEUTLICH GENUG AUSGEDRÜCKT?“ zischte ich durch meine Zähne und schaute ihn aggressiv an.
Arees zeigte auf seinen Hinterkopf, ich musste nur mehr abdrücken, aber was ist, wenn er wichtige Informationen für mich hätte. Wobei es ist Phil, der konnte keine wichtigen Dinge wissen, so dumm wie er war.
„Bella.“ stammelte er.
„JA BELLA.“ wiederhole ich pissig. „WAS WILLST DU HIER?“ zischte ich ihn wieder an
„Bloss zu Aro, ich hab einen Termin. Du darfst mir jetzt nichts tun.“ meinte er mit zittriger Stimme.
Schallend begann ich zu lachen, obwohl es eigentlich gar nicht lustig war. „ARO, mein Lieber, da wirst du lange warten können, es sei denn er erscheint dir, aber ich denke, sogar dort, wo er gerade ist, hat er besseres zu tun, als sich freiwillig mit dir abzugeben.“ erhob ich zornig meine Stimme und er verstand nicht, denn aus seinem hässlichen Mund kam nur ein wiederliches „HÄÄÄÄ?“ und ich erklärte ihm noch einmal, dass Aro gerade etwas unpässlich wäre, da er tot sei.
Plötzlich dürfte in seinem Kopf dann auch der Groschen gefallen sein, denn er schien zu verstehen. Seine Lippen waren zu einem O geformt und ich musste grinsen. Seine Augen wanderten schnell alle möglichen Fluchtrichtungen ab und als er erkannte, dass er mir nicht entkam meinte er nur, dass er ein anderes Mal wiederkäme, wenn meine Laune bessere wäre und ich lachte.
„Phil, meine Laune ist bestens und du verschönerst gerade meinen Tag. Du gehst nirgend wo hin. Die einzige Möglichkeit, diesen Raum zu verlassen, ist in der waagrechten und in einem dieser stylichen, schwarzen Plastiksäcken, denn die Teppiche, in denen wir unsere Leichen normalerweise einrollen, sind gerade alle in der Reinigung.“ meine ich mit glockengleicher Stimme und man sah wie ihm das Blut buchstäblich in den Adern gefror.
„Bella-Schätzchen, Prinzesschen, dass kannst du jetzt aber nicht ernst meinen, denn denk mal, wäre ich nicht gewesen, dann stündest du jetzt nicht so gut da. Schick in Prada und Gucci gekleidet, mit all dem Zaster auf dem Konto....ich finde, du solltest dich etwas mehr erkenntlich dafür zeigen, meinst du nicht auch? Ich mein, immerhin verdankst du es...“ Noch bevor der Idiot seinen Satz zu Ende sagen konnte, löste sich ein Schuss aus meiner Waffe. Ich schoss ihm genau auf seinen vorderen Teil des Fußes und er schrie erbärmlich auf. Das gute an Aros Büro war, das er es, kurz vor seinem Tod, noch einmal umbauen hat lassen. Panzerglas und Lärmdämmung, zwei der wichtigsten Dinge, die in einem Büro besser nie fehlen sollten, wenn man möchte, dass Gott und die Welt nicht erfuhr, was sich gerade hinter der Türe abspielte.
„DU glaubst doch nicht echt, dass ich dir auch noch Geld gebe? Du hast mich an Aro verkauft, also bist du selber schuld, dass du dort bist, wo du bist und ich hier bin. DU NENNST DAS DIE SONNENSEITE? Du bist wirklich noch dümmer als ich dachte. Was wolltest du eigentlich von Aro und was macht meine Mutter eigentlich?“ meinte ich zynisch, während er sein Loch im Fuß begutachtete und heulte.
„Ja, was wollte ich schon von Aro…bloß meine monatliche Rate, die ich von ihm für dich bekomme und seitdem Renee mich verlassen hatte, brauche ich noch mehr Kohle, da ich ja das Hotel und alles auch noch zahlen muss!“ beklagte er sich erbärmlich und ich musste wieder lachen.
„Meine Mutter hat dich also tatsächlich vor die Türe gesetzt, das ich das noch erleben darf grenzt an ein Wunder.“ In einer seltsamen Art und Weise war ich stolz auf sie, dass sie es endlich begriffen hatte…
„JA hat sie und daran bist aber auch nur DU schuld, denn ich musste ja ihre Unterschrift fälschen, so dass Aro dich adoptieren konnte. Sie denkt ja immer noch, dass du zurückkommst. Egal wie viele Abschiedsbriefe ich in deinem Namen geschrieben habe. Ohne dich hätte alles so einfach werden können, bis zu dem Tag, wo du deine Großmutter in ein anderes Heim verlegen lassen hasst und den Antrag auch noch mit Isabella Volturi unterschrieben hast. Dann fand sie die Kopie der Adoptionsurkunde und dann saß ich auf der Straße.“ funkelte er mich sauer an und ich zog nur eine Augenbraue argwöhnisch nach oben und schnalzte mit der Zunge.
„PFFFFTT, daran bist du geldgeiles Arschloch jawohl selber schuld oder siehst du das anders als ich? Ich bin diesmal großzügig, du kannst dir aussuchen wie du sterben willst. Ich gebe dir 3 Minuten zum überlegen.“ feixte ich.
Seine Augen wurden riesen groß, Panik, dass ich meine Drohung sofort in die Tat umsetzen würde, machte sich bemerkbar und er schrie mir die Antwort beinahe sofort ins Gesicht.
„GAR NICHT!“ fiepte er verzweifelt.
„Falsche Antwort!“ meinte ich kalt und schoss ihm in den anderen, noch unverletzten Fuß und wieder schrie er, diesmal ging er auch auf die Knie.
„Tz Männer, immer meinen sie, sie seien stärker als wir Frauen und bei zwei kleinen, harmlosen Verletzungen brechen sie schon zusammen.“ meinte ich ungläubig und schüttelte den Kopf.
Langsamen Schrittes ging ich hinüber und vor ihm in die Knie. Ich zog seinen Kopf an den Ohren in die Höhe, damit er mir in die Augen sehen musste. Hätte er noch Haare am Kopf, hätte ich ihn daran hochgezogen, aber da war ja nichts greifbares mehr.
„SO du Pissnelke, vielleicht verstehst du es ja so besser. Du kannst auswählen, ob ich dich qualvoll oder schnell umbringe, eine andere Wahl hast du nämlich nicht.“ raunte ich ihm zu als auf einmal meine Bürotür aufschwang und Reini quietschend und freudestrahlend in der Türe stand.
„Oh, falsches Timing, nehm ich mal an aber Schätzchen ich hab Nachrichten, die rechtfertigen das, aber tu mir einen Gefallen und erschieß ihn da links, da kann man wenigstens noch einen Kommode über die Flecken am Boden dann stellen, was beim Fenster nicht so leicht geht...türiliöö ich komm dann so in 10 Minuten wieder. Hoffe er ist dann fertig mit sterben.“ flötete er und machte die Tür von außen wieder zu.
Augenblicklich musste ich grinsen und Phil wurde kreidebleich.
“Du hast es ja gehört, 10 Minuten hast du noch...gibt es noch irgendwas was du sagen wolltest?“ meinte ich lachend.
„E..E...es..t...tttt....tut mir leid“ stotterte er.
„Zu spät mein Freund, zu SPÄT und du weißt ja, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ meinte ich nur und richtete Arees genau dorthin wo ich seinen Schwanz vermutete....
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