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„Und jetzt?“, gab ich keuchend von mir, als wir uns voneinander lösten. Schwer atmend und mit zittrigen Knien schauten wir uns tief in die Augen.
„Klare Sache, ich entführe dich, zerr dich nach Vegas, Elvis vermählt uns und dann bauen wir einen Baum, pflanzen ein Haus und gründen eine glückliche Familie... Ich will mindesten vier Mädchen und drei Buben und du mutierst zur perfekten Hausfrau.“, lachte er total verpeilt, gab mir einen Kuss auf die Nasenspitze und hielt dabei mein Gesicht mit einer Hand fest.
„Ja ist klar und sonntags mach ich dann immer einen Braten und unter der Woche warte ich Punkt sechs, wenn du aus der stinknormalen Spießerarbeit heim kommst und dich ächzend aufs Sofa wirfst, mit dem Essen auf dich.“, lachte ich und boxte ihn sachte in die Seite.
Typischer Londoner Nieselregen setzte ein und ich musste grinsen, denn das war nicht das erste Mal, dass ich mit ihm im Regen stand.
„...Wahr/Nicht wahr...“, wisperte er heiser. Ich nickte nur zur Bestätigung, bedeutete ihm, dass keine weiteren Worte mehr notwendig waren, denn ich verstand ihn stumm. Ich ließ mich in seine Arme fallen und presste mich fest gegen seinen Körper. Seine Arme umschlossen mich prompt, die Hand fuhr in mein Haar und verkrallte sich dort buchstäblich. Die andere Hand um meine Hüfte geschlungen, schob er mich sachte gegen einen der meterhohen Bäume. Die Rinde des Baumes drückte sich in meinen Rücken, seine Hand, die sachte über meinen Hintern gelegt war streichelte zärtlich auf und ab.
Einerseits wollte ich flüchten, denn je länger wir hier so vertraut standen, um so schlimmer würde der Abschied auf Zeit werden. Sein Telefon unterbrach meine Gedanken und unsere, nur halb so unangenehme Situation, wandelte sich in eine nervenaufreibende, denn ich hasste es von diesen blöden, neumodischen Dingern unterbrochen zu werden. Selbst wenn auch ich ein Sklave des Telefons war, mochte ich sie nicht sonderlich. Wie diese blöden Sender, die ich aus unseren Nacken entfernen ließ, denn das Signal war ohnehin nicht sicher.
Vermutlich telefonierte er mit seinem Vater, denn er wiederholte sich monoton gelangweilt und machte nicht den Anschein, dass es ihn sonderlich interessierte, was derjenige zu sagen hatte.
Gelangweilt starrte ich in die Nacht, als ich in der Ferne, aus der selben Richtung aus der Edward gekommen war, eine meiner Meinung nach männliche Gestalt ausmachte. Instinktiv griff ich nach meiner Waffe, zog sie aus meiner Jacke, ließ sie bequem in meine Hand rutschen und entsicherte sie.
Der Neuankömmling, der zielstrebig auf uns zu kam, rechnete scheinbar damit, denn er hob seine Hände um mir zu zeigen, dass er nicht bewaffnet war, einzig und allein Edward bekam nicht mit, was gerade geschehen war, denn er telefonierte noch immer.
Zielstrebig bewegte sich die Silhouette auf uns zu.
Mir kam diese Gestalt bekannt vor, aber ich wusste nicht woher.
Sie kam noch immer mit erhobenen Händen in unsere Richtung, als es endlich klick machte und mein Hirn der Gestalt Name und Gesicht zuordnen konnte.
Jake, es war Jake.
Als ich ihn erkannte, ließ ich die Waffe wieder in der Jacke verschwinden und musste grinsen, denn diese peinliche Situation in Reinhards Wohnung, würde ich auch so schnell nicht vergessen.
Die letzten Meter legte er in wenigen Sekunden zurück, warf mir den Arm freundschaftlich um die Schultern, nickte mir zu und ich tat es ihm gleich. Er beugte sich zu mir herab und fragte mich flüsternd, mit wem er denn telefonierte, aber diese Frage konnte ich ihm nicht so einfach beantworten, denn ich mutmaßte ja nur, dass es sein Vater sei. Als Edward ihn sah, nickte er ihm nur zu und gab ihm ein Handzeichen, das nur aus einer kurzen Zahlenkombination bestand, die er mit seinen Fingern deutete.
Jake formte das Wort Vater und instinktiv verdrehte ich meine Augen zu einem hässlichen Schielen, das ihn zwar lautlos, aber zum Lachen brachte. Er nahm meine Hand, zog mich etwas abseits, zu einer Bank und wir ließen uns gemächlich darauf nieder. Ich hatte das Gefühl, ich kenne Jake mein halbes Leben schon, obwohl ich mit ihm noch kaum etwas zu tun hatte.
Ich fragte ihn, was er hier machte und er antwortet, mit einem hinterhältigen Lächeln auf den Lippen, dass er sicher gehen wollte, dass wir uns nicht gegenseitig umgebracht hatten.
Unwillkürlich begann ich zu grinsen, denn seine Vermutung hatte etwas Wahres in sich. Wir brachten uns gegenseitig um, denn wenn man uns auf die Schliche käme, wären wir Kanonenfutter.
Lautstarkes Rumoren erhellte die Nacht und Jake begann leise zu kichern. Fachmännisch und mit tiefer, männlicher Stimme stellte er fest, dass hier wohl jemand Hunger hätte. Schuldbewusst sah ich verlegen auf den Boden. Essen, stimmt, da war ja noch was gewesen. Das Knurren fand kein Ende und Jake hielt sich schon den schmerzenden Bauch, allerdings vor Lachen.
„Weißt du was scheiße ist? Dass ich mit euch nicht einfach so, in eines meiner Restaurants gehen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass man euch erschießt!“ lachte ich heiser.
Plötzlich stand Edward neben mir, wickelte seine Arme von hinten, wie ein Schraubstock um mich und feixte Jake spaßig an, dass er seine `Patschhändchen` von mir lassen sollte, denn ich sei quasi vergeben, verlobt und verheiratet. Jake sah ihn mindestens genau so erstaunt an, wie ich es tat, denn das waren gleich drei unvorstellbare Neuigkeiten auf einmal.
Jake hob seine Arme, schüttelte lachend seinen Kopf und erwiderte, dass ihm DAS klar sei, aber mir scheinbar nicht und da hatte er verdammt nochmal Recht. Er schlug Töne an, die gingen nicht runter wie ÖL, denn das hörte sich nicht nach, nur mal eben so an, das klang nach für immer.
Mein Magen begann wieder zu krachen, aber ob es diesmal nur der Hunger war, wagte ich zu bezweifeln. Ich erklärte ihnen, als sie mich ein bisschen irritiert ansahen, dass ich einfach nur Hunger hätte und Jake und Edward murmelten synchron das Wort „Zimmerservice“. Ich lehnte ab, da ich unmöglich mit einem Cullen in ein Hotel gehen konnte, welches bestimmt wieder zu einem der teuersten in dieser Stadt gehörte.
„Mensch Bella, jetzt stell dich nicht so an, wir haben einen Bärenhunger und das Hotel den besten Roomservice der Stadt. Dich schleusen wir einfach durch den Personaleingang, sei flexibel Baby.“, nuschelte Edward halblaut, aber ich hörte ihm schon fast nicht mehr zu, denn bei dem Wort Bär, kam mir Emmett in den Sinn. Er hatte sicher den Kühlschrank voll mit Essen und kein Problem, wenn ich mich bei ihm ungefragt bediente.
Ich zog einen kleinen Kugelschreiber aus meiner Jackentasche, ging zu Edward und kritzelte ihm eine Adresse auf den Arm. Irritiert schaute er mit in die Augen. Am liebsten hätte ich ihn jetzt umarmt und geküsst, aber mein Bauch hatte gerade ein ernsthaftes Problem damit, denn es fühlte sich an, als würde ich mich langsam aber sicher, selber verspeisen.
„Wenn du mir vertraust, dann treffen wir uns in zwanzig Minuten dort!“, flüsterte ich ihm zu, hauchte einen Abschiedskuss auf seine Wange, machte kehrt und lief zu meiner Maschine.
Schneller als erwartet, kam ich bei meinem Bike an, schwang mich darauf und fuhr, wie immer viel zu schnell, zu Emmetts Apartment. Ich stellte mein Gefährt ein paar Straßen weiter ab und ging die kurze Strecke zurück, kletterte behände auf die Feuerleiter und ging vorerst einmal in Deckung.
Mit der Absicht, Edward und Jake ein bisschen rein zulegen, verkroch ich mich, in einer schlecht beleuchtete Ecke und verharrte stillschweigend. Als ich zehn Minuten später, Jake und Edward um die Ecke biegen sah, musste ich still und heimlich kichern, denn wie zwei Touristen, klammerte sich Edward an eine Straßenkarte und Jake an sein Mobiltelefon.
Irritiert blieben sie vor dem Haus stehen und sahen sich hastig um. Sie fühlten sich unwohl, das stand ihnen direkt ins Gesicht geschrieben. Ich ließ sie noch einige Minuten, in der Gegend herum suchend, stehen und sprang, in einem unerwarteten Moment, die Treppe herab.
Als ich lauter aufkam, als ich gewollte hatte, blickte ich in den Lauf zweier 45iger und musste grinsen.
„Tagchen Jungs!“, wisperte ich und beide begannen erleichtert zu seufzen.
„MACH SO ETWAS NIE WIEDER, hast du verstanden?“, zischte mich Edward an und küsste mich auf offener Straße. Zum Glück war hier offensichtlich keine Menschenseele unterwegs.
Mit absichtlich, viel zu bewegten Schritten, ging ich zu Türe und klingelte bei EM. Ein sehr verschlafen klingender Emmett brummte ein zorniges `JAAAA?` in den Hörer und ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Lautstark pfiff ich die Melodie ins Mikro, mit der mich beim Schießtraining immer erschrak, wenn ich mal wieder hochkonzentriert da stand und auf die, viel zu schnellen Zielschreiben zielte.
„Bells“ brummte er, schob ein halb freundliches ´komm hoch´ hinter her und drückte den Türöffner.
Jake und Ed traten unruhig von einem Bein aufs andere und zappelten, als hätten sie einen Sack Flöhe unter ihrem Shirt.
Ich wusste, dass ich gerade eine große Portion Vertrauensvorschuss bekommen hatte und ich rechnete es den beiden hoch an. Sie hinter mir her winkend ging ich voraus und hoffte, dass sie mir folgen würden. Nur zögerlich kamen sie hinterher, instinktiv verlangsamte ich mein Tempo und führte sie ins obere Stockwerk. Em´s Türe war leicht angelehnt, ich stieß sie mit dem Fuß auf und rief ihm ein freundliches `Hallo` zu.
Statt einer Antwort, packten mich zwei muskelbepackte Arme und zogen mich hinter einen, noch breiteren Rücken. Ich vergaß immer wieder, wie stark und breit Emmett war, aber er hatte es wiedermal bewiesen.
Ehe ich reagieren konnte, sah ich, wie Em seine Waffe entsicherte und auf Ed gerichtet hatte. Mit weit aufgerissenen Augen versuchte ich, hinter diesem Schrank von Mann, hervor zu schauen, vergrub meine rechte Hand, mittig auf seinem Rücken und quetschte alles, was ich greifen konnte, in meiner Faust zusammen. Vergebens versuchte ich, diesen Koloss auf die Seite zu ziehen.
Inzwischen hatte auch Jake seine Waffe gezogen und zielsicher auf Emmett gerichtet. Da Em mich noch immer festhielt, konnte ich mich nicht dazwischen stellen, aber ich zog ebenfalls meine Waffe, denn auch wenn ich Ed vertraute, war ich mir nicht sicher, bis wohin Jake eine Situation einschätzen konnte.
Ich zerrte und zeterte an dem Riesen herum, aber er bewegte sich keinen Zentimeter. Mit der einen Hand, mit der er mich hielt und meine Versuche, ihn nach hinten zu ziehen abwehrte und der anderen, bewaffneten Hand auf meinen Edward zielend, machte ihn gerade zu einem Störfaktor, der ruhig gestellt werden musste.
„Emmett, nimm die verfluchte Waffe runter und lockere deinen Griff, bevor mir der Arm wegen Blutmangels abstirbt. Keiner tut hier irgendwem etwas. VERSTANDEN?“, redete ich auf ihn ein. Versuchte ihn, mit meinen Worten, so gut es ging zu beruhigen. Ed wollte grinsen, hatte es aber zum Glück unterlassen, denn das hätte den Bogen vermutlich überspannt.
Wie auf einen kranken Hund, redete ich auf Emmett ein, mühsam ließ er sich davon überzeugen, das die Beiden harmlos waren. Zumindest in diesem Moment. So wirklich glauben konnte er es mir nicht, aber immerhin nahm er die Waffe runter.
Skeptische Blicke schwirrten durch den Raum, ich konnte die Finger, die meinen Oberarm umklammerten, nur mühsam lösen und bugsierte mich direkt zwischen die Fronten, wand mich zu Emmett um und bat ihn, uns etwas zu essen zu machen.
„Wie wäre es mit frisch geschossene Amerikaner, gedünstet?“, feixte er Edward an.
„Nein, du kannst ihn nicht kochen EM, den brauch ich noch.“, erwiderte ich kleinlaut.
„Dünsten Bella, dünsten!! Da ist ein Unterschied von mindesten 40 Grad“, schnaubte er und sah zu Edward hinüber.
„Emmett, du bewegst deinen Arsch sofort in die Küche, sonst kannst du dir sicher sein, dass ich Rose anrufe und ihr erzähle, wie unfreundlich du zu meinen Gästen bist.“, fuhr ich ihn zornig an. Er äffte noch das Wort `Gäste` nach und verschwand Richtung Küche. Ich lotste die beiden in das helle Wohnzimmer und platzierte sie gut sichtbar.
Betroffenes Schweigen beherrschte die Situation, denn keiner wollte etwas sagen, dass diese Angelegenheit hier eskalieren lassen würde. Klapperndes Geschirr verriet, dass Emmett scheinbar langsam, aber doch soweit war, dass er uns etwas zu Essen kredenzen konnte und es wurde auch langsam Zeit, denn ich war am Verhungern.
Mit finsterem Gesichtsausdruck bog er aus der Küche heraus. In der einen Hand hielt er einen Topf und in der anderen einen Stapel Teller. Die Löffel hatte er in die Gesäßtasche gesteckt. Als er mitbekam, dass ich entsetzt auf das Essbesteck starrte, grinste er wie ein kleiner Lausbube, der mal wieder etwas ausgeheckt hatte.
„Was gibt es leckeres?“, fragte ich ihn überspitzt freundlich.
„Sagte ich doch schon, Gulasch“, maulte er. Ich konnte ihm an der Nasenspitze ansehen, dass ihm das Wort Amerikaner schon auf der Zunge lag, er es sich aber noch mal überlegte.
Schwungvoll stellte er seine Fracht auf den Tisch und Edward und Jacob stürzten sich auf den Kochtopf. Die Kelle, die darin lag, wechselte schnell den Besitzer und der Topf war beinahe leer.
Sie schaufelten Löffel um Löffel in ihre Münder, beinahe so, als hätten sie seit Wochen nichts mehr anständiges gegessen, oder es eilig hatten und so schnell gehen wollten, wie es nur irgendwie möglich war.
Mit vollem Mund nuschelte Jake, welches Fleisch das sei und Emmett antworte nur Augen verdrehend `Schwan, was denn sonst`. So schnell hatte man gar nicht schauen können, da spuckten die Beiden den Inhalt ihrer Münder über den Tisch.
Schallendes Gelächter erhellte den Raum. Emmett hielt sich den Bauch und brüllte etwas, das so klang wie `dumme Amerikaner, wusste ich´s doch`. Ich musste selber lachen, auch wenn ich mich etwas angesprochen fühlte. Immerhin war ich auch Amerikanerin, auch wenn jeder etwas anderes glaubte.
Edward funkelte uns böse an und Jake versuchte, sich von den Gulaschresten auf seiner Kleidung zu befreien. Ich glaube Em´s Scherz fanden sie nur halb so witzig.
Ohne aufgegessen zu haben, stellte ich meinen halbvollen Teller auf den Tisch, stand auf, entschuldigte mich bei Em und forderte die Jungs auf, mit mir mit zu kommen. Wortlos folgten sie mir, noch nicht mal ein paar Worte zum Abschied hatten die Männer für einander über.
Sie hassten sich und das nicht zu knapp.
„WIE KONNTEST DU UNS NUR ZU SO EINEN PRIMATEN MITNEHMEN?“, zischte Edward wütend, als wir in den Fahrstuhl einstiegen.
„Ich dachte, ihr wärt erwachsenen genug, euch auch so zu benehmen. Es tut mir leid, dass ihr es nicht seit.“, antwortete ich giftig und wand mich von ihm ab.
Als wir im Erdgeschoss ankamen, ging Jake voraus. Edward, der mich keines Blickes würdigte, schritt hinter ihm her. Fassungslos über das Szenario, warf ich meine Hände in die Luft, nur um sie gleich wieder gegen meinen Körper fallen zu lassen.
„Ich fahr noch zu Reini“, lächelte Jake dreckig und setzte seinen Satz fort. „Bella kann zu dir mit kommen, ich denke ein Kapuzenpullover sollte reichen, um sie an den Angestellten vorbei zu bringen.“
„Aber ich …..“ wollte ich erwidern, aber Edward sah mich hochgezogenen Augenbrauen an und ich wusste, Widerrede war zwecklos. Mein Körper reagierte noch immer in seiner Nähe. Ich fühlte mich zu ihm hingezogen und wollte gar nicht von ihm weg, aber ich wusste, dass es zu unvorsichtig wäre.
Jake war schon längst zur Türe hinaus und hatte sich unauffällig in das nächtliche Treiben Londons gemischt. Wir standen noch etwas unbeholfen in dem Hausflur und ich analysierte die Stuckatur an der Wand. Meine Gefühle brodelten, innerlich zitternd, erregt durch seine bloße Anwesenheit, verlagerte ich, unsicher darüber, was jetzt passieren würde, mein Gewicht von einem Bein auf das andere, kaute an meiner Unterlippe und mied direkten Blickkontakt.
Zwei feste Hände umklammerten meine Hüfte, rissen mich an ihn und drückten mich gleichzeitig gegen die kalte, kalkfarbene Steinmauer. Seine Lippen pressten sich auf meine und sein Zunge bat fordernd um Einlass. Sein Geruch vernebelte meine Gedanken, selbst wenn ich mich noch wehren hätte wollen, wäre es jetzt zu spät gewesen. Auf ein neues war ich ihm einfach nur verfallen.
Fest umklammerten meine Hände seinen Nacken, krallte mich in seinem Haaransatz fest, presste mich noch näher an ihn ran und er ließ es zu. Er legte eine Hand unter meinen Po, mit der anderen hielt er mich an der Taille fest. Er hob ich mich etwas an und ich schlang meine Beine fest um ihn. Ich presste mich enger an ihn und begann meine Hüften zu bewegen. Das genüssliche Stöhnen, das seine Lippen verließ und kaum durch meine gedämpft wurde, hallte im Hausflur.
„Wir sollten, ähhm wo hingehen, wo es etwas, ähhhm privater ist.“, krechtzte ich, mein Puls raste.
„Privater als dieser Flur hier? Die Frage zu dir oder zu mir, scheint mir etwas unangebracht, in Anbetracht der Tatsache...“, murmelte er, während ich mich erneut an ihm rieb und deutlich spürte, dass es ihm mindestens genau so ginge, wie mir. Langsam versuchte ich mich von ihm zu lösen, wenn ich nicht wollte, dass er mich hier im Flur nahm, was mir auch egal wäre, aber Emmett wohl nicht.
Schwer atmend lösten wir uns voneinander. Nach einem Taxi suchend, kamen wir an einem dieser Geschäfte vorbei, die alles mögliche verkauften. Ohne ihn vorzuwarnen, bog ich in den Laden ab. Die Verkäuferin zog scharf die Luft ein, als sie erkannte, wer ich war, presste sich eng an die Wand hinter ihr und wartete was passiert. Ich tat so, als hätte ich ihre Reaktion nicht mitbekommen und suchte nach einer Jacke oder einem Pullover, einer großen Sonnenbrille und einem Schal.
Edward dürfte mitbekommen haben, dass ich hier war und trat durch die Türe. Rein zufällig, als hätte ich seine Anwesenheit gespürt, drehte ich mich um und lächelte ihn an, gab ihm aber zu verstehen, dass er so tun sollte, als kenne er mich nicht.
Die Verkäuferin jammerte ein leises `Oh mein Gott´ und lief ins Büro. Zusammen mit zwei Männern, kam sie zurück. Beide trugen unter ihren Jacken Schusswaffen. Vermutlich befürchtete die drei sonst was, denn sie waren uns nicht feindlich gesinnt. Sie hatten Angst. Verständlich. Die Anwesenheit einer Volturi war schon schlimm, aber wenn dann auch noch ein Cullen zur Türe herein marschierte, hieß das bis vor kurzem, nichts Gutes.
Edward lächelte schief und begrüßte die ängstliche Verkäuferin, griff sich eine Cola aus dem Regal, ein Päckchen Kaugummi und noch etwas, was ich von meiner Position aus nicht sehen konnte und zahlte. Erleichtert verabschiedete sich die Verkäuferin und ich tat weiter so, als wäre ich so vertieft in meinen Einkauf, dass ich das eben Geschehene nicht mit bekommen hatte.
Entschlossen griff ich nach einem schwarzen Pullover, auf dem das U-Bahnsymbol abgebildet war und einer dunklen Sonnenbrille mit schwarzen Gläsern. Den violetten Schal, der scheinbar noch aus der Frühjahreskollektion hier hing, nahm ich auch noch mit. Ich stolperte an die Kasse, legte noch eine Cola und eine Packung Erdbeerkaugummi auf den Stapel und bezahlte. Noch im Laden zog ich die Jacke aus und den Pullover an, steckte Arees in den Hosenbund, leerte die Taschen und warf die Jacke der Verkäuferin zu. Ich sagte ihr, dass ich sie mir morgen wieder abholen würde.
Mein offenes Haar band ich mir, mit dem dünnen Schal, zu einer enganliegend, stylischen Kopftuchfrisur zusammen und zog die Kapuze halb nach oben. Die Sonnenbrille steckte ich vorerst ein, denn sonst wäre ich wieder über meine eigenen Füße gestolpert. Als ich aus dem Laden hinaus trat, sah ich Edward an der nächsten Ecke stehen, den Blick in die andere Richtung gerichtet.
Langsam ging ich auf ihn zu, nur um zu sehen, ob er mich erkennen würde. Er blickte zwar plötzlich in meine Richtung, schaute aber an mir vorbei. Wie damals am Flughafen, dachte ich und grinste.
Unauffällig stellte ich mich, etwas abseits von ihm, hin und rutschte langsam näher an ihn heran. Nachdenklich blickte er in Richtung Laden.
Ob er sich wohl gerade dachte, dass ich wohl auch nur einer dieser Frauen wäre, die zum Pullover einkaufen Stunden brauchte? Oder ob er über seine Entscheidung nachdachte? Ich wusste es nicht.
„Gerade eben, wolltest du mir noch die Kleidung vom Leib reißen und jetzt schaust du an mir vorbei?“, flüsterte ich. Er erschrak, wand sich schnell zu mir um und küsste mich hektisch.
Mitten auf den Straßen von London.
Er nahm mich an der Hand und zog mich, wie ein Gestörter, Richtung Hotel. Ich hatte Mühe mit zu halten, aber es gelang mir gerade so.
Währen wir schnellen Schrittes voran liefen, zog ich meine Brille aus der Tasche und setzte sie mir im laufen auf. Gerade noch rechtzeitig, denn ehe ich mich orientieren konnte, bremste er abrupt ab und zog mich durch die pompösen Glastüren des Hotels. Er nickte dem Personal nur schnell zu und schleuste mich an ihnen vorbei.
Verwunderte Blicke folgten uns, aber als wir im Aufzug verschwanden, grinsten sie nur dreckig. Der Page deutete dem Rezeptionisten ein obszönes Handzeichen, das sogar ich verstand. Dieser grinste dreckig.
Wenn Edward mich nicht schon im Aufzug erneut gegen die Wand gedrängt und mich mit seinen reizvollen Lippen abgelenkt hätte, wäre ich diesem perversen Lüstling an die Gurgel gesprungen, aber Edwards Argumente es nicht zu tun, waren atemraubend.
Gerade als ich meine Beine wieder um seine Hüften geschlungen hatte, ging die Fahrstuhltür auf. Ich wollte mich schon wieder von ihm lösen, doch er hatte eine andere Idee.
Er balancierte mich, auf ihm hängend, behände zu der Türe seiner Suite. Er zog die Karte durch, gab den Code ein, trat die Türe mit dem Fuß auf und ging hinein.
Leise knackend fiel diese ins Schloss und wir krachten an die Wand im Vorraum.
Gegen die kalten Marmorsteinplatten gedrückt, überzog ein wohliger Schauer meinen Körper.
Mein erhitzter Leib und die kalten Platten spielten harmonisch zusammen, seine starken Hände, die mich flink aus Pullover und Shirt schälten und seine Lippen, die in erreichbarer Gegend jeden Zentimeter küssten, trieben mich in den Wahnsinn. Ich zog ihn noch näher an mich heran, sodass das Einzige, was uns trennte, nur mehr unsere restliche Kleidung war und die störte ohnehin.
Mit kreisenden Bewegungen gab ich ihm zu verstehen, was ich gerne wollte und das war nicht hier stehen bleiben. Mit einem leisen, gequälten Stöhnen löste er uns von der Wand und visierte das Schlafzimmer an.
Wäre ich nicht so verflucht abgelenkt, hätte ich bestimmt mitbekommen, in welchem Palast er wiedermal wohnte, aber es war mir gleich, denn mein Ziel war das Bett, auf das er mich auch fallen ließ.
Schwer atmend lag ich da und musterte ihn. Schief lächelnd stand er vor mir und öffnete die ersten Knöpfe seinen Hemdes, zog es sich einfach über den Kopf und seine Hose flog in die nächstbeste Ecke. Gerade als ich es ihm gleich tun wollte und meinen Gürtel behände öffnete, nahm er abrupt meine Hände, kniete sich zu mir aufs Bett, drückte sie neben meinen Kopf und hielt sie mit einer Hand fest. Mein Widerstand war nicht besonders effizient, zumal er kaum vorhanden war.
Mit seiner freien Hand strich er mir zärtlich über meine Wange, ließ seine Fingerspitzen sachte über meinen Hals wandern, an meiner Seite entlang, hinunter bis zu meinem Bauchnabel.
Mein Körper bebte regelrecht unter seinen Berührungen. Sein fester, unbeugsamer Griff ließ es nur sehr begrenzt zu, dass ich mich unter seinen Fingern wand, seine Knie die meine Beine fixierten, erschwerten jeder Bewegung obendrein.
Sein Zeigefinger zog leichte Kreise über meinen Bauch, umspielte den Rand meiner Jeans, öffnete den Knopf und mit einer Hand, zog er mir die Jeans vom Leib. Bereitwillig hob ich mein Becken an, kurz ließ er von meinen Händen ab, damit die letzten Kleidungsstücke den Weg zum Fußboden fanden.
Tausend heiße Küsse setzte er auf meine Haut. Jeder einzelne ließ meinen Atem stocken, mein Herz noch einen Takt schneller pochen und meine Sehnsucht nach ihm größer werden. Seine Hand, die immer fordernder dem Weg zu meiner Mitte suchte, ließ mich leise, heiser aufstöhnen. Ungeduld machte sich in mir breit. Ich konnte seine Finger schon auf mir spüren, reckte ihnen mein Becken entgegen. Nur wenige Zentimeter fehlten noch,....
… als mein Handy diese eine alles verheißende Melodie spielte. Diese Melodie, die eine Katastrophe bedeutete. Nur eine Nummer hatte diesen Ton zugewiesen bekommen. Es war die Nummer des geheimen Telefons in meiner Schreibtischschublade. Nur einer wusste davon und ich war mir sicher, dass er nicht einfach so anrufen würde.
Automatisch versteifte ich mich wie ein Brett, meinen Atem anhaltend. Edward sah mich verwirrt an. Zweifel las ich in seinem Gesicht, er dachte er hätte etwas falsch gemacht und er war zornig über diese Störung. Ich schob ihn von mir weg und entschuldigte mich bei ihm. Seine Hand umfasste mein Handgelenk, wollte mich aufhalten, wieder an sich ziehen.
„Edward... ich muss.., es ist James...irgendetwas muss...“, stammelte ich vor mich hin und suchte panisch nach meinem Telefon.
„Ja, James mal wieder...Er wird uns auch immer im...“, maulte er, aber ich hatte mein Handy schon in der Hand, legte ihm eine Hand auf seinen Mund und brachte ihn so zum Schweigen.
Ich wusste, dass er James nicht leiden konnte, aber er musste verstehen, dass ich meiner Verantwortung für einige Menschen nach kommen musste.
Zögernd drückte ich auf die grüner Taste, meldete mich leise und hörte James, der aufgebracht wirres Zeug von sich gab zu.
„Bella, jemand war in unserem Haus. Alexis ist verschwunden, unsere Zimmer sehen aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Man hat jeden Schrank geleert. In Aros altem Büro war keiner, sie dürften es aber versucht haben, denn man sieht Spuren einiger Einschläge. Alexis Schlüssel, Tasche und Telefon liegen auf der Kommode. So leid es mir tut, aber ich denke, dass eurer Treffen nur ein Vorwand war, um dich aus dem Haus zu locken.“ schilderte er mir so gut es nur ging.
„Mhm“ ,antworte ich nur und bestätigte ihm, dass ich verstanden hätte und auf dem Weg zu ihm sei.
„Du wirst ja wohl jetzt nicht gehen?“, donnerte mir Edward entgegen, nachdem ich aufgelegt hatte und mich schweigend anzog.
„Doch, werde ich und ich denke du weißt genau wieso.“, flog ich ihn an. „Du denkst wohl nicht wirklich, dass ihr damit durchkommt, oder? Das war der mieseste Versuch mich abzulenken, den es jemals gegeben hatte. Ich hätte dir mehr Stil zugesprochen. Ich gebe dir drei Tage, dann ist Alexis wieder da, andernfalls lass ich dich und deinen Vater auseinander nehmen und DAS ist ein Versprechen. Wenn sie wieder da ist, möchte ich dich nie wieder sehen. Leb wohl Edward.“, sprach ich mit gepresster, trauriger Stimme, wand ihm den Rücken zu und verließ sein Zimmer....
„Isabella, du kommst sofort zurück und klärst mich auf, wovon du zur Hölle redest!“, schrie er mir nach, aber ich dachte noch nicht mal daran.
Ein weiteres Kapitel, dass ich innerlich gerade abgeschlossen hatte, auch wenn sich unbändiger Schmerz in mir breit machte, aber ich hatte kaum Zweifel daran, dass dies ein Ablenkungsmanöver war.
Jake, der sich angeblich zu Reinhard verzogen hatte. Edward, der einfach so, hier plötzlich auftauchte und mich sehen möchte. Alexis, die spurlos verschwand und die wir jetzt suchen mußten und jemand, der so mutig war und unser Haus auf den Kopf gestellt hatte...
Er reihte sich damit in der imaginären Liste der Menschen, die ich verloren hatten, auch wenn es sein eigenes Verschulden war.
Wild vor mich her fluchend, versuchte ich keine Passenten um zu laufen. Immer wieder nach hinten schauend, versuchte ich mich zu vergewissern, dass er mir nicht nach lief. Dieser miese Dreckskerl, erst erzählt er dir was von Häuser bauen und Bäume pflanzen und Kinder und für immer und ewig und während er das sagt, räumt dir einer die Bude aus und entführt die Freundin eines Freundes. Oh, wenn er mir jemals wieder unter die Augen tritt, dann bring ich ihn eigenhändig um...
Während ich nach Hause hetzte, erinnerte ich mich wieder an mein „altes Leben“, an meine Mutter, wie sie war, bevor sie diesen ekeligen, schmierigen Kerl kennen lernte. Mein Vater, der, als ich noch klein war, mir immer niedliche Kuscheltiere schickte und sich um mich kümmern wollte und meine Granny. Als ich an meine Mutter dachte, zog sich mein Herz schmerzhaft zusammen, denn mir wurde bewusst, dass ich sie nie wieder sehen würde, so wie alle aus meinem alten Leben.
Was sie wohl die letzte Zeit über getan hatte?
Wehmütig wischte ich mir die Tränen aus den Augen und bog in die Oxford Street ein.....
„Und jetzt?“, gab ich keuchend von mir, als wir uns voneinander lösten. Schwer atmend und mit zittrigen Knien schauten wir uns tief in die Augen.
„Klare Sache, ich entführe dich, zerr dich nach Vegas, Elvis vermählt uns und dann bauen wir einen Baum, pflanzen ein Haus und gründen eine glückliche Familie... Ich will mindesten vier Mädchen und drei Buben und du mutierst zur perfekten Hausfrau.“, lachte er total verpeilt, gab mir einen Kuss auf die Nasenspitze und hielt dabei mein Gesicht mit einer Hand fest.
„Ja ist klar und sonntags mach ich dann immer einen Braten und unter der Woche warte ich Punkt sechs, wenn du aus der stinknormalen Spießerarbeit heim kommst und dich ächzend aufs Sofa wirfst, mit dem Essen auf dich.“, lachte ich und boxte ihn sachte in die Seite.
Typischer Londoner Nieselregen setzte ein und ich musste grinsen, denn das war nicht das erste Mal, dass ich mit ihm im Regen stand.
„...Wahr/Nicht wahr...“, wisperte er heiser. Ich nickte nur zur Bestätigung, bedeutete ihm, dass keine weiteren Worte mehr notwendig waren, denn ich verstand ihn stumm. Ich ließ mich in seine Arme fallen und presste mich fest gegen seinen Körper. Seine Arme umschlossen mich prompt, die Hand fuhr in mein Haar und verkrallte sich dort buchstäblich. Die andere Hand um meine Hüfte geschlungen, schob er mich sachte gegen einen der meterhohen Bäume. Die Rinde des Baumes drückte sich in meinen Rücken, seine Hand, die sachte über meinen Hintern gelegt war streichelte zärtlich auf und ab.
Einerseits wollte ich flüchten, denn je länger wir hier so vertraut standen, um so schlimmer würde der Abschied auf Zeit werden. Sein Telefon unterbrach meine Gedanken und unsere, nur halb so unangenehme Situation, wandelte sich in eine nervenaufreibende, denn ich hasste es von diesen blöden, neumodischen Dingern unterbrochen zu werden. Selbst wenn auch ich ein Sklave des Telefons war, mochte ich sie nicht sonderlich. Wie diese blöden Sender, die ich aus unseren Nacken entfernen ließ, denn das Signal war ohnehin nicht sicher.
Vermutlich telefonierte er mit seinem Vater, denn er wiederholte sich monoton gelangweilt und machte nicht den Anschein, dass es ihn sonderlich interessierte, was derjenige zu sagen hatte.
Gelangweilt starrte ich in die Nacht, als ich in der Ferne, aus der selben Richtung aus der Edward gekommen war, eine meiner Meinung nach männliche Gestalt ausmachte. Instinktiv griff ich nach meiner Waffe, zog sie aus meiner Jacke, ließ sie bequem in meine Hand rutschen und entsicherte sie.
Der Neuankömmling, der zielstrebig auf uns zu kam, rechnete scheinbar damit, denn er hob seine Hände um mir zu zeigen, dass er nicht bewaffnet war, einzig und allein Edward bekam nicht mit, was gerade geschehen war, denn er telefonierte noch immer.
Zielstrebig bewegte sich die Silhouette auf uns zu.
Mir kam diese Gestalt bekannt vor, aber ich wusste nicht woher.
Sie kam noch immer mit erhobenen Händen in unsere Richtung, als es endlich klick machte und mein Hirn der Gestalt Name und Gesicht zuordnen konnte.
Jake, es war Jake.
Als ich ihn erkannte, ließ ich die Waffe wieder in der Jacke verschwinden und musste grinsen, denn diese peinliche Situation in Reinhards Wohnung, würde ich auch so schnell nicht vergessen.
Die letzten Meter legte er in wenigen Sekunden zurück, warf mir den Arm freundschaftlich um die Schultern, nickte mir zu und ich tat es ihm gleich. Er beugte sich zu mir herab und fragte mich flüsternd, mit wem er denn telefonierte, aber diese Frage konnte ich ihm nicht so einfach beantworten, denn ich mutmaßte ja nur, dass es sein Vater sei. Als Edward ihn sah, nickte er ihm nur zu und gab ihm ein Handzeichen, das nur aus einer kurzen Zahlenkombination bestand, die er mit seinen Fingern deutete.
Jake formte das Wort Vater und instinktiv verdrehte ich meine Augen zu einem hässlichen Schielen, das ihn zwar lautlos, aber zum Lachen brachte. Er nahm meine Hand, zog mich etwas abseits, zu einer Bank und wir ließen uns gemächlich darauf nieder. Ich hatte das Gefühl, ich kenne Jake mein halbes Leben schon, obwohl ich mit ihm noch kaum etwas zu tun hatte.
Ich fragte ihn, was er hier machte und er antwortet, mit einem hinterhältigen Lächeln auf den Lippen, dass er sicher gehen wollte, dass wir uns nicht gegenseitig umgebracht hatten.
Unwillkürlich begann ich zu grinsen, denn seine Vermutung hatte etwas Wahres in sich. Wir brachten uns gegenseitig um, denn wenn man uns auf die Schliche käme, wären wir Kanonenfutter.
Lautstarkes Rumoren erhellte die Nacht und Jake begann leise zu kichern. Fachmännisch und mit tiefer, männlicher Stimme stellte er fest, dass hier wohl jemand Hunger hätte. Schuldbewusst sah ich verlegen auf den Boden. Essen, stimmt, da war ja noch was gewesen. Das Knurren fand kein Ende und Jake hielt sich schon den schmerzenden Bauch, allerdings vor Lachen.
„Weißt du was scheiße ist? Dass ich mit euch nicht einfach so, in eines meiner Restaurants gehen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass man euch erschießt!“ lachte ich heiser.
Plötzlich stand Edward neben mir, wickelte seine Arme von hinten, wie ein Schraubstock um mich und feixte Jake spaßig an, dass er seine `Patschhändchen` von mir lassen sollte, denn ich sei quasi vergeben, verlobt und verheiratet. Jake sah ihn mindestens genau so erstaunt an, wie ich es tat, denn das waren gleich drei unvorstellbare Neuigkeiten auf einmal.
Jake hob seine Arme, schüttelte lachend seinen Kopf und erwiderte, dass ihm DAS klar sei, aber mir scheinbar nicht und da hatte er verdammt nochmal Recht. Er schlug Töne an, die gingen nicht runter wie ÖL, denn das hörte sich nicht nach, nur mal eben so an, das klang nach für immer.
Mein Magen begann wieder zu krachen, aber ob es diesmal nur der Hunger war, wagte ich zu bezweifeln. Ich erklärte ihnen, als sie mich ein bisschen irritiert ansahen, dass ich einfach nur Hunger hätte und Jake und Edward murmelten synchron das Wort „Zimmerservice“. Ich lehnte ab, da ich unmöglich mit einem Cullen in ein Hotel gehen konnte, welches bestimmt wieder zu einem der teuersten in dieser Stadt gehörte.
„Mensch Bella, jetzt stell dich nicht so an, wir haben einen Bärenhunger und das Hotel den besten Roomservice der Stadt. Dich schleusen wir einfach durch den Personaleingang, sei flexibel Baby.“, nuschelte Edward halblaut, aber ich hörte ihm schon fast nicht mehr zu, denn bei dem Wort Bär, kam mir Emmett in den Sinn. Er hatte sicher den Kühlschrank voll mit Essen und kein Problem, wenn ich mich bei ihm ungefragt bediente.
Ich zog einen kleinen Kugelschreiber aus meiner Jackentasche, ging zu Edward und kritzelte ihm eine Adresse auf den Arm. Irritiert schaute er mit in die Augen. Am liebsten hätte ich ihn jetzt umarmt und geküsst, aber mein Bauch hatte gerade ein ernsthaftes Problem damit, denn es fühlte sich an, als würde ich mich langsam aber sicher, selber verspeisen.
„Wenn du mir vertraust, dann treffen wir uns in zwanzig Minuten dort!“, flüsterte ich ihm zu, hauchte einen Abschiedskuss auf seine Wange, machte kehrt und lief zu meiner Maschine.
Schneller als erwartet, kam ich bei meinem Bike an, schwang mich darauf und fuhr, wie immer viel zu schnell, zu Emmetts Apartment. Ich stellte mein Gefährt ein paar Straßen weiter ab und ging die kurze Strecke zurück, kletterte behände auf die Feuerleiter und ging vorerst einmal in Deckung.
Mit der Absicht, Edward und Jake ein bisschen rein zulegen, verkroch ich mich, in einer schlecht beleuchtete Ecke und verharrte stillschweigend. Als ich zehn Minuten später, Jake und Edward um die Ecke biegen sah, musste ich still und heimlich kichern, denn wie zwei Touristen, klammerte sich Edward an eine Straßenkarte und Jake an sein Mobiltelefon.
Irritiert blieben sie vor dem Haus stehen und sahen sich hastig um. Sie fühlten sich unwohl, das stand ihnen direkt ins Gesicht geschrieben. Ich ließ sie noch einige Minuten, in der Gegend herum suchend, stehen und sprang, in einem unerwarteten Moment, die Treppe herab.
Als ich lauter aufkam, als ich gewollte hatte, blickte ich in den Lauf zweier 45iger und musste grinsen.
„Tagchen Jungs!“, wisperte ich und beide begannen erleichtert zu seufzen.
„MACH SO ETWAS NIE WIEDER, hast du verstanden?“, zischte mich Edward an und küsste mich auf offener Straße. Zum Glück war hier offensichtlich keine Menschenseele unterwegs.
Mit absichtlich, viel zu bewegten Schritten, ging ich zu Türe und klingelte bei EM. Ein sehr verschlafen klingender Emmett brummte ein zorniges `JAAAA?` in den Hörer und ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Lautstark pfiff ich die Melodie ins Mikro, mit der mich beim Schießtraining immer erschrak, wenn ich mal wieder hochkonzentriert da stand und auf die, viel zu schnellen Zielschreiben zielte.
„Bells“ brummte er, schob ein halb freundliches ´komm hoch´ hinter her und drückte den Türöffner.
Jake und Ed traten unruhig von einem Bein aufs andere und zappelten, als hätten sie einen Sack Flöhe unter ihrem Shirt.
Ich wusste, dass ich gerade eine große Portion Vertrauensvorschuss bekommen hatte und ich rechnete es den beiden hoch an. Sie hinter mir her winkend ging ich voraus und hoffte, dass sie mir folgen würden. Nur zögerlich kamen sie hinterher, instinktiv verlangsamte ich mein Tempo und führte sie ins obere Stockwerk. Em´s Türe war leicht angelehnt, ich stieß sie mit dem Fuß auf und rief ihm ein freundliches `Hallo` zu.
Statt einer Antwort, packten mich zwei muskelbepackte Arme und zogen mich hinter einen, noch breiteren Rücken. Ich vergaß immer wieder, wie stark und breit Emmett war, aber er hatte es wiedermal bewiesen.
Ehe ich reagieren konnte, sah ich, wie Em seine Waffe entsicherte und auf Ed gerichtet hatte. Mit weit aufgerissenen Augen versuchte ich, hinter diesem Schrank von Mann, hervor zu schauen, vergrub meine rechte Hand, mittig auf seinem Rücken und quetschte alles, was ich greifen konnte, in meiner Faust zusammen. Vergebens versuchte ich, diesen Koloss auf die Seite zu ziehen.
Inzwischen hatte auch Jake seine Waffe gezogen und zielsicher auf Emmett gerichtet. Da Em mich noch immer festhielt, konnte ich mich nicht dazwischen stellen, aber ich zog ebenfalls meine Waffe, denn auch wenn ich Ed vertraute, war ich mir nicht sicher, bis wohin Jake eine Situation einschätzen konnte.
Ich zerrte und zeterte an dem Riesen herum, aber er bewegte sich keinen Zentimeter. Mit der einen Hand, mit der er mich hielt und meine Versuche, ihn nach hinten zu ziehen abwehrte und der anderen, bewaffneten Hand auf meinen Edward zielend, machte ihn gerade zu einem Störfaktor, der ruhig gestellt werden musste.
„Emmett, nimm die verfluchte Waffe runter und lockere deinen Griff, bevor mir der Arm wegen Blutmangels abstirbt. Keiner tut hier irgendwem etwas. VERSTANDEN?“, redete ich auf ihn ein. Versuchte ihn, mit meinen Worten, so gut es ging zu beruhigen. Ed wollte grinsen, hatte es aber zum Glück unterlassen, denn das hätte den Bogen vermutlich überspannt.
Wie auf einen kranken Hund, redete ich auf Emmett ein, mühsam ließ er sich davon überzeugen, das die Beiden harmlos waren. Zumindest in diesem Moment. So wirklich glauben konnte er es mir nicht, aber immerhin nahm er die Waffe runter.
Skeptische Blicke schwirrten durch den Raum, ich konnte die Finger, die meinen Oberarm umklammerten, nur mühsam lösen und bugsierte mich direkt zwischen die Fronten, wand mich zu Emmett um und bat ihn, uns etwas zu essen zu machen.
„Wie wäre es mit frisch geschossene Amerikaner, gedünstet?“, feixte er Edward an.
„Nein, du kannst ihn nicht kochen EM, den brauch ich noch.“, erwiderte ich kleinlaut.
„Dünsten Bella, dünsten!! Da ist ein Unterschied von mindesten 40 Grad“, schnaubte er und sah zu Edward hinüber.
„Emmett, du bewegst deinen Arsch sofort in die Küche, sonst kannst du dir sicher sein, dass ich Rose anrufe und ihr erzähle, wie unfreundlich du zu meinen Gästen bist.“, fuhr ich ihn zornig an. Er äffte noch das Wort `Gäste` nach und verschwand Richtung Küche. Ich lotste die beiden in das helle Wohnzimmer und platzierte sie gut sichtbar.
Betroffenes Schweigen beherrschte die Situation, denn keiner wollte etwas sagen, dass diese Angelegenheit hier eskalieren lassen würde. Klapperndes Geschirr verriet, dass Emmett scheinbar langsam, aber doch soweit war, dass er uns etwas zu Essen kredenzen konnte und es wurde auch langsam Zeit, denn ich war am Verhungern.
Mit finsterem Gesichtsausdruck bog er aus der Küche heraus. In der einen Hand hielt er einen Topf und in der anderen einen Stapel Teller. Die Löffel hatte er in die Gesäßtasche gesteckt. Als er mitbekam, dass ich entsetzt auf das Essbesteck starrte, grinste er wie ein kleiner Lausbube, der mal wieder etwas ausgeheckt hatte.
„Was gibt es leckeres?“, fragte ich ihn überspitzt freundlich.
„Sagte ich doch schon, Gulasch“, maulte er. Ich konnte ihm an der Nasenspitze ansehen, dass ihm das Wort Amerikaner schon auf der Zunge lag, er es sich aber noch mal überlegte.
Schwungvoll stellte er seine Fracht auf den Tisch und Edward und Jacob stürzten sich auf den Kochtopf. Die Kelle, die darin lag, wechselte schnell den Besitzer und der Topf war beinahe leer.
Sie schaufelten Löffel um Löffel in ihre Münder, beinahe so, als hätten sie seit Wochen nichts mehr anständiges gegessen, oder es eilig hatten und so schnell gehen wollten, wie es nur irgendwie möglich war.
Mit vollem Mund nuschelte Jake, welches Fleisch das sei und Emmett antworte nur Augen verdrehend `Schwan, was denn sonst`. So schnell hatte man gar nicht schauen können, da spuckten die Beiden den Inhalt ihrer Münder über den Tisch.
Schallendes Gelächter erhellte den Raum. Emmett hielt sich den Bauch und brüllte etwas, das so klang wie `dumme Amerikaner, wusste ich´s doch`. Ich musste selber lachen, auch wenn ich mich etwas angesprochen fühlte. Immerhin war ich auch Amerikanerin, auch wenn jeder etwas anderes glaubte.
Edward funkelte uns böse an und Jake versuchte, sich von den Gulaschresten auf seiner Kleidung zu befreien. Ich glaube Em´s Scherz fanden sie nur halb so witzig.
Ohne aufgegessen zu haben, stellte ich meinen halbvollen Teller auf den Tisch, stand auf, entschuldigte mich bei Em und forderte die Jungs auf, mit mir mit zu kommen. Wortlos folgten sie mir, noch nicht mal ein paar Worte zum Abschied hatten die Männer für einander über.
Sie hassten sich und das nicht zu knapp.
„WIE KONNTEST DU UNS NUR ZU SO EINEN PRIMATEN MITNEHMEN?“, zischte Edward wütend, als wir in den Fahrstuhl einstiegen.
„Ich dachte, ihr wärt erwachsenen genug, euch auch so zu benehmen. Es tut mir leid, dass ihr es nicht seit.“, antwortete ich giftig und wand mich von ihm ab.
Als wir im Erdgeschoss ankamen, ging Jake voraus. Edward, der mich keines Blickes würdigte, schritt hinter ihm her. Fassungslos über das Szenario, warf ich meine Hände in die Luft, nur um sie gleich wieder gegen meinen Körper fallen zu lassen.
„Ich fahr noch zu Reini“, lächelte Jake dreckig und setzte seinen Satz fort. „Bella kann zu dir mit kommen, ich denke ein Kapuzenpullover sollte reichen, um sie an den Angestellten vorbei zu bringen.“
„Aber ich …..“ wollte ich erwidern, aber Edward sah mich hochgezogenen Augenbrauen an und ich wusste, Widerrede war zwecklos. Mein Körper reagierte noch immer in seiner Nähe. Ich fühlte mich zu ihm hingezogen und wollte gar nicht von ihm weg, aber ich wusste, dass es zu unvorsichtig wäre.
Jake war schon längst zur Türe hinaus und hatte sich unauffällig in das nächtliche Treiben Londons gemischt. Wir standen noch etwas unbeholfen in dem Hausflur und ich analysierte die Stuckatur an der Wand. Meine Gefühle brodelten, innerlich zitternd, erregt durch seine bloße Anwesenheit, verlagerte ich, unsicher darüber, was jetzt passieren würde, mein Gewicht von einem Bein auf das andere, kaute an meiner Unterlippe und mied direkten Blickkontakt.
Zwei feste Hände umklammerten meine Hüfte, rissen mich an ihn und drückten mich gleichzeitig gegen die kalte, kalkfarbene Steinmauer. Seine Lippen pressten sich auf meine und sein Zunge bat fordernd um Einlass. Sein Geruch vernebelte meine Gedanken, selbst wenn ich mich noch wehren hätte wollen, wäre es jetzt zu spät gewesen. Auf ein neues war ich ihm einfach nur verfallen.
Fest umklammerten meine Hände seinen Nacken, krallte mich in seinem Haaransatz fest, presste mich noch näher an ihn ran und er ließ es zu. Er legte eine Hand unter meinen Po, mit der anderen hielt er mich an der Taille fest. Er hob ich mich etwas an und ich schlang meine Beine fest um ihn. Ich presste mich enger an ihn und begann meine Hüften zu bewegen. Das genüssliche Stöhnen, das seine Lippen verließ und kaum durch meine gedämpft wurde, hallte im Hausflur.
„Wir sollten, ähhm wo hingehen, wo es etwas, ähhhm privater ist.“, krechtzte ich, mein Puls raste.
„Privater als dieser Flur hier? Die Frage zu dir oder zu mir, scheint mir etwas unangebracht, in Anbetracht der Tatsache...“, murmelte er, während ich mich erneut an ihm rieb und deutlich spürte, dass es ihm mindestens genau so ginge, wie mir. Langsam versuchte ich mich von ihm zu lösen, wenn ich nicht wollte, dass er mich hier im Flur nahm, was mir auch egal wäre, aber Emmett wohl nicht.
Schwer atmend lösten wir uns voneinander. Nach einem Taxi suchend, kamen wir an einem dieser Geschäfte vorbei, die alles mögliche verkauften. Ohne ihn vorzuwarnen, bog ich in den Laden ab. Die Verkäuferin zog scharf die Luft ein, als sie erkannte, wer ich war, presste sich eng an die Wand hinter ihr und wartete was passiert. Ich tat so, als hätte ich ihre Reaktion nicht mitbekommen und suchte nach einer Jacke oder einem Pullover, einer großen Sonnenbrille und einem Schal.
Edward dürfte mitbekommen haben, dass ich hier war und trat durch die Türe. Rein zufällig, als hätte ich seine Anwesenheit gespürt, drehte ich mich um und lächelte ihn an, gab ihm aber zu verstehen, dass er so tun sollte, als kenne er mich nicht.
Die Verkäuferin jammerte ein leises `Oh mein Gott´ und lief ins Büro. Zusammen mit zwei Männern, kam sie zurück. Beide trugen unter ihren Jacken Schusswaffen. Vermutlich befürchtete die drei sonst was, denn sie waren uns nicht feindlich gesinnt. Sie hatten Angst. Verständlich. Die Anwesenheit einer Volturi war schon schlimm, aber wenn dann auch noch ein Cullen zur Türe herein marschierte, hieß das bis vor kurzem, nichts Gutes.
Edward lächelte schief und begrüßte die ängstliche Verkäuferin, griff sich eine Cola aus dem Regal, ein Päckchen Kaugummi und noch etwas, was ich von meiner Position aus nicht sehen konnte und zahlte. Erleichtert verabschiedete sich die Verkäuferin und ich tat weiter so, als wäre ich so vertieft in meinen Einkauf, dass ich das eben Geschehene nicht mit bekommen hatte.
Entschlossen griff ich nach einem schwarzen Pullover, auf dem das U-Bahnsymbol abgebildet war und einer dunklen Sonnenbrille mit schwarzen Gläsern. Den violetten Schal, der scheinbar noch aus der Frühjahreskollektion hier hing, nahm ich auch noch mit. Ich stolperte an die Kasse, legte noch eine Cola und eine Packung Erdbeerkaugummi auf den Stapel und bezahlte. Noch im Laden zog ich die Jacke aus und den Pullover an, steckte Arees in den Hosenbund, leerte die Taschen und warf die Jacke der Verkäuferin zu. Ich sagte ihr, dass ich sie mir morgen wieder abholen würde.
Mein offenes Haar band ich mir, mit dem dünnen Schal, zu einer enganliegend, stylischen Kopftuchfrisur zusammen und zog die Kapuze halb nach oben. Die Sonnenbrille steckte ich vorerst ein, denn sonst wäre ich wieder über meine eigenen Füße gestolpert. Als ich aus dem Laden hinaus trat, sah ich Edward an der nächsten Ecke stehen, den Blick in die andere Richtung gerichtet.
Langsam ging ich auf ihn zu, nur um zu sehen, ob er mich erkennen würde. Er blickte zwar plötzlich in meine Richtung, schaute aber an mir vorbei. Wie damals am Flughafen, dachte ich und grinste.
Unauffällig stellte ich mich, etwas abseits von ihm, hin und rutschte langsam näher an ihn heran. Nachdenklich blickte er in Richtung Laden.
Ob er sich wohl gerade dachte, dass ich wohl auch nur einer dieser Frauen wäre, die zum Pullover einkaufen Stunden brauchte? Oder ob er über seine Entscheidung nachdachte? Ich wusste es nicht.
„Gerade eben, wolltest du mir noch die Kleidung vom Leib reißen und jetzt schaust du an mir vorbei?“, flüsterte ich. Er erschrak, wand sich schnell zu mir um und küsste mich hektisch.
Mitten auf den Straßen von London.
Er nahm mich an der Hand und zog mich, wie ein Gestörter, Richtung Hotel. Ich hatte Mühe mit zu halten, aber es gelang mir gerade so.
Währen wir schnellen Schrittes voran liefen, zog ich meine Brille aus der Tasche und setzte sie mir im laufen auf. Gerade noch rechtzeitig, denn ehe ich mich orientieren konnte, bremste er abrupt ab und zog mich durch die pompösen Glastüren des Hotels. Er nickte dem Personal nur schnell zu und schleuste mich an ihnen vorbei.
Verwunderte Blicke folgten uns, aber als wir im Aufzug verschwanden, grinsten sie nur dreckig. Der Page deutete dem Rezeptionisten ein obszönes Handzeichen, das sogar ich verstand. Dieser grinste dreckig.
Wenn Edward mich nicht schon im Aufzug erneut gegen die Wand gedrängt und mich mit seinen reizvollen Lippen abgelenkt hätte, wäre ich diesem perversen Lüstling an die Gurgel gesprungen, aber Edwards Argumente es nicht zu tun, waren atemraubend.
Gerade als ich meine Beine wieder um seine Hüften geschlungen hatte, ging die Fahrstuhltür auf. Ich wollte mich schon wieder von ihm lösen, doch er hatte eine andere Idee.
Er balancierte mich, auf ihm hängend, behände zu der Türe seiner Suite. Er zog die Karte durch, gab den Code ein, trat die Türe mit dem Fuß auf und ging hinein.
Leise knackend fiel diese ins Schloss und wir krachten an die Wand im Vorraum.
Gegen die kalten Marmorsteinplatten gedrückt, überzog ein wohliger Schauer meinen Körper.
Mein erhitzter Leib und die kalten Platten spielten harmonisch zusammen, seine starken Hände, die mich flink aus Pullover und Shirt schälten und seine Lippen, die in erreichbarer Gegend jeden Zentimeter küssten, trieben mich in den Wahnsinn. Ich zog ihn noch näher an mich heran, sodass das Einzige, was uns trennte, nur mehr unsere restliche Kleidung war und die störte ohnehin.
Mit kreisenden Bewegungen gab ich ihm zu verstehen, was ich gerne wollte und das war nicht hier stehen bleiben. Mit einem leisen, gequälten Stöhnen löste er uns von der Wand und visierte das Schlafzimmer an.
Wäre ich nicht so verflucht abgelenkt, hätte ich bestimmt mitbekommen, in welchem Palast er wiedermal wohnte, aber es war mir gleich, denn mein Ziel war das Bett, auf das er mich auch fallen ließ.
Schwer atmend lag ich da und musterte ihn. Schief lächelnd stand er vor mir und öffnete die ersten Knöpfe seinen Hemdes, zog es sich einfach über den Kopf und seine Hose flog in die nächstbeste Ecke. Gerade als ich es ihm gleich tun wollte und meinen Gürtel behände öffnete, nahm er abrupt meine Hände, kniete sich zu mir aufs Bett, drückte sie neben meinen Kopf und hielt sie mit einer Hand fest. Mein Widerstand war nicht besonders effizient, zumal er kaum vorhanden war.
Mit seiner freien Hand strich er mir zärtlich über meine Wange, ließ seine Fingerspitzen sachte über meinen Hals wandern, an meiner Seite entlang, hinunter bis zu meinem Bauchnabel.
Mein Körper bebte regelrecht unter seinen Berührungen. Sein fester, unbeugsamer Griff ließ es nur sehr begrenzt zu, dass ich mich unter seinen Fingern wand, seine Knie die meine Beine fixierten, erschwerten jeder Bewegung obendrein.
Sein Zeigefinger zog leichte Kreise über meinen Bauch, umspielte den Rand meiner Jeans, öffnete den Knopf und mit einer Hand, zog er mir die Jeans vom Leib. Bereitwillig hob ich mein Becken an, kurz ließ er von meinen Händen ab, damit die letzten Kleidungsstücke den Weg zum Fußboden fanden.
Tausend heiße Küsse setzte er auf meine Haut. Jeder einzelne ließ meinen Atem stocken, mein Herz noch einen Takt schneller pochen und meine Sehnsucht nach ihm größer werden. Seine Hand, die immer fordernder dem Weg zu meiner Mitte suchte, ließ mich leise, heiser aufstöhnen. Ungeduld machte sich in mir breit. Ich konnte seine Finger schon auf mir spüren, reckte ihnen mein Becken entgegen. Nur wenige Zentimeter fehlten noch,....
… als mein Handy diese eine alles verheißende Melodie spielte. Diese Melodie, die eine Katastrophe bedeutete. Nur eine Nummer hatte diesen Ton zugewiesen bekommen. Es war die Nummer des geheimen Telefons in meiner Schreibtischschublade. Nur einer wusste davon und ich war mir sicher, dass er nicht einfach so anrufen würde.
Automatisch versteifte ich mich wie ein Brett, meinen Atem anhaltend. Edward sah mich verwirrt an. Zweifel las ich in seinem Gesicht, er dachte er hätte etwas falsch gemacht und er war zornig über diese Störung. Ich schob ihn von mir weg und entschuldigte mich bei ihm. Seine Hand umfasste mein Handgelenk, wollte mich aufhalten, wieder an sich ziehen.
„Edward... ich muss.., es ist James...irgendetwas muss...“, stammelte ich vor mich hin und suchte panisch nach meinem Telefon.
„Ja, James mal wieder...Er wird uns auch immer im...“, maulte er, aber ich hatte mein Handy schon in der Hand, legte ihm eine Hand auf seinen Mund und brachte ihn so zum Schweigen.
Ich wusste, dass er James nicht leiden konnte, aber er musste verstehen, dass ich meiner Verantwortung für einige Menschen nach kommen musste.
Zögernd drückte ich auf die grüner Taste, meldete mich leise und hörte James, der aufgebracht wirres Zeug von sich gab zu.
„Bella, jemand war in unserem Haus. Alexis ist verschwunden, unsere Zimmer sehen aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Man hat jeden Schrank geleert. In Aros altem Büro war keiner, sie dürften es aber versucht haben, denn man sieht Spuren einiger Einschläge. Alexis Schlüssel, Tasche und Telefon liegen auf der Kommode. So leid es mir tut, aber ich denke, dass eurer Treffen nur ein Vorwand war, um dich aus dem Haus zu locken.“ schilderte er mir so gut es nur ging.
„Mhm“ ,antworte ich nur und bestätigte ihm, dass ich verstanden hätte und auf dem Weg zu ihm sei.
„Du wirst ja wohl jetzt nicht gehen?“, donnerte mir Edward entgegen, nachdem ich aufgelegt hatte und mich schweigend anzog.
„Doch, werde ich und ich denke du weißt genau wieso.“, flog ich ihn an. „Du denkst wohl nicht wirklich, dass ihr damit durchkommt, oder? Das war der mieseste Versuch mich abzulenken, den es jemals gegeben hatte. Ich hätte dir mehr Stil zugesprochen. Ich gebe dir drei Tage, dann ist Alexis wieder da, andernfalls lass ich dich und deinen Vater auseinander nehmen und DAS ist ein Versprechen. Wenn sie wieder da ist, möchte ich dich nie wieder sehen. Leb wohl Edward.“, sprach ich mit gepresster, trauriger Stimme, wand ihm den Rücken zu und verließ sein Zimmer....
„Isabella, du kommst sofort zurück und klärst mich auf, wovon du zur Hölle redest!“, schrie er mir nach, aber ich dachte noch nicht mal daran.
Ein weiteres Kapitel, dass ich innerlich gerade abgeschlossen hatte, auch wenn sich unbändiger Schmerz in mir breit machte, aber ich hatte kaum Zweifel daran, dass dies ein Ablenkungsmanöver war.
Jake, der sich angeblich zu Reinhard verzogen hatte. Edward, der einfach so, hier plötzlich auftauchte und mich sehen möchte. Alexis, die spurlos verschwand und die wir jetzt suchen mußten und jemand, der so mutig war und unser Haus auf den Kopf gestellt hatte...
Er reihte sich damit in der imaginären Liste der Menschen, die ich verloren hatten, auch wenn es sein eigenes Verschulden war.
Wild vor mich her fluchend, versuchte ich keine Passenten um zu laufen. Immer wieder nach hinten schauend, versuchte ich mich zu vergewissern, dass er mir nicht nach lief. Dieser miese Dreckskerl, erst erzählt er dir was von Häuser bauen und Bäume pflanzen und Kinder und für immer und ewig und während er das sagt, räumt dir einer die Bude aus und entführt die Freundin eines Freundes. Oh, wenn er mir jemals wieder unter die Augen tritt, dann bring ich ihn eigenhändig um...
Während ich nach Hause hetzte, erinnerte ich mich wieder an mein „altes Leben“, an meine Mutter, wie sie war, bevor sie diesen ekeligen, schmierigen Kerl kennen lernte. Mein Vater, der, als ich noch klein war, mir immer niedliche Kuscheltiere schickte und sich um mich kümmern wollte und meine Granny. Als ich an meine Mutter dachte, zog sich mein Herz schmerzhaft zusammen, denn mir wurde bewusst, dass ich sie nie wieder sehen würde, so wie alle aus meinem alten Leben.
Was sie wohl die letzte Zeit über getan hatte?
Wehmütig wischte ich mir die Tränen aus den Augen und bog in die Oxford Street ein.....
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