Toyrun....der ewige Kreis beginnt sich zu schliessen..glaubt man
E-POV:
Ich war gerade eben noch mit Eifer dabei meine sieben Sachen zu packen und wie ein Wahnsinniger zum Flughafen zu rasen, um nach London zu fliegen, als sich Zweifel wie böse Schatten über mein Vorhaben legten.
Egal aus welchem Grund sie gegangen ist, Fakt war, dass sie gegangen war. Egal wie viele plausible Gründe ich mir zurecht legte um das zu rechtfertigen, genauso viele fielen mir ein, die mir bestätigten, dass sie es zumindest aus freien Stücken getan hatte.
Mag sein, dass sie sich nicht an mich erinnerte, oder an unsere Begegnung, wobei so ganz stimmte das ja nun auch wieder nicht, denn sie konnte sich ja an etwas erinnern, als wir...
Ich konnte diesen Gedanken nicht zu Ende denken, denn alles, was mich an letzte Nacht erinnerte, hinterließ ein schmerzhaftes Stechen in meiner Brust. Zum Teufel noch mal, was hatte diese Mädchen nur an sich, dass sie mich so fesselte und nahezu verweichlichte? Ich war doch sonst nicht so, nach jeder folgte die Nächste, keinen Gedanken habe ich jemals daran verschwendet, aber ihr wollte ich nachlaufen, wie ein Rüde der läufigen Hündin.
Wütend über mich selber, verzweifelt aufgrund der Situation, in der ich schon wieder steckte, und mit einem scheiß Gefühl in der Magengrube, ließ ich die gepackte Tasche achtlos fallen und ging zu der Kommode, die eigentlich eine Art Hausbar darstellte. Nur war diese besser gefüllt und luxuriöser als so manche in den Präsidentensuiten der Hotels, in denen ich normalerweise wohnte. Ich öffnete das eingebaute Gefrierfach und stand vor der nächsten schweren Entscheidung. Denn ich musste die Wahl treffen, welche Flasche der edlen Wässerchen mir die Sinne für diesen Tag rauben durfte, von denen ich ganze fünf Stück zur Auswahl hatte. Ich fragte mich, wer zur Hölle so viel trinken konnte, dass man gleich so viel Hochprozentiges brauchte, aber verkehrt war es nicht. Wahllos nahm ich eine Flasche Vodka heraus, welche sofort wegen des Temperaturunterschiedes beschlug, so dass ich mit meiner warmen Handfläche das eingravierte Emblem frei wischen musste. Green Moon stand in schnörkeligen Lettern darauf und war mit einer grün-silbernen Schrift ausgemalt.
Mir sagte der Name nichts, denn Namen waren nichts weiter als Schall und Rauch. Ich öffnete den verglasten Drehverschluss und setzte die noch immer sehr eisige Flasche an meinen Lippen an.
‚Prost Bella!’ dachte ich und nahm einen tiefen ersten Schluck. Das Zeug ging hinunter wie Wasser. Das war der Vorteil an tiefgekühlten Vodka, er brannte nicht so, als wenn er warm getrunken wurde, allerdings war die Wirkung dieselbe.
Meine Gedanken, die sich bis gerade eben noch um Bella und ihr ominöses Verschwinden drehten, wurden durch die Wirkung des rapide leer werdenden Vodkas getrübt. Mit verklärtem Blick und dem dumpfen Gefühl, so breit zu sein wie eine achtspurige Autobahn, ging ich, mit der Flasche in der einen Hand und mich mit der anderen an der Wand neben mir abstützend, hinüber zu der viel zu teuren und lauten Musikanlage. Ich drückte einen der drei Playknöpfe und wartete bis das Ding da endlich zu dudeln begann, aber nichts geschah.
‚Edward, Herrschaftszeiten noch einmal, dann nimm eben den anderen Playknopf. Die haben da so viel eingebaut, dass du sie die aussuchen kannst,’ sprach ich zu mir selber und befolgte meinen Ratschlag prompt. Zielsicher wie ein Schütze, dem sie Schmierfett ins Auge geschmiert hatten, versuchte ich meinen verschwimmenden Zeigefinger auf den Knopf zu legen. Geduldig wartete ich darauf, dass etwas passierte, aber es geschah einfach immer noch nichts. Am liebsten würde ich diese blöde, nichtsnutzige Anlage im Meer versenken, aber es war ja nicht meine. Vielleicht hatte dieses Ding da auch nur vergessen, was die Aufgaben einer Musikanlage waren, vielleicht müsse man es ihr erst noch einmal erklären. Felsenfest dazu entschlossen, dem Ding da sein Berufsprofil zu erklären, befeuchtete ich meine Lippen und setzte zu einer weltbewegenden Rede an:
„Weischt du, du hascht verdammtesch Glück, du muscht den den ganschen lieben langen Tach nur da steht und duddeln, aber wennscht du dat auch nischt mehr duscht, dann machscht du was flasch!!“, belehrte ich die Anlage freundschaftlich. Auf einmal begann sie grün aufzuleuchten, denn ich bin wohl unbemerkt an den richtigen Playknopf gekommen, als ich ihr ungeniert auf die imaginäre Brust tippte. Also da, wo ich mir vorstellte, dass eine Musikanlage eben eine Brust hätte.
Während mir die französische Radiosprecherin mit der pornografischen Hammerstimme etwas erzähle, was ich nicht verstand, spürte ich, wie in meiner Gesäßtasche etwas vibrierte.
„Oh“, stieß ich freudig aus, denn es kitzelte und ich versuchte mich zu beeilen, an mein Handy zu kommen. Da es aber nicht gelang, beschloss ich eben meine Hose auszuziehen, denn etwas metallisches versperrte mir den Zugang zu meinem Handy. Gerade als ich verbissen daran arbeitete, um den Knopf öffnen zu können und sie rasch nach unten ziehen wollte, verlor ich das Gleichgewicht und fiel vorne über, konnte mich zur Seite abrollen und lag nun da, wie ein auf den Rücken gefallener Marienkäfer, der seine Hose bei den Knien trug.
Irgendwie schaffte ich es dennoch beizeiten zu meinem Telefon und ging mit einem gedehnten JAP ran. Die liebevolle, besorgte Stimme meines Vaters, donnerte mir ein gar nicht so freundliches „Was ist da los?“ entgegen und ich wusste, da ist mehr als nur Feuer am Dach, denn scheinbar brannte das ganze Haus. Amüsiert über meinen Gedankengang begann ich leise zu lachen.
„AHHHH, mein werter Herr Vater, schön dass du anrufst, ich hätte ja schon viel früher mit dir gerechnet, wie geht´s denn so?“ versuchte ich betont locker zu sagen um zu verhindern, dass er mit bekam, dass ich nicht gerade der Nüchternste war. Sein lautes Geschrei in einer sehr bedrohlichen Tonlage, brachte meinen Gehörgang zum Klingen, sodass ich beinahe einen Tinitus bekommen hätte. Instinktiv hielt ich das Handy ein bisschen weiter weg von mir und versuchte mich möglichst geräuschlos aufzurappeln.
„HEEEYYYY Papa, jetzt komm mal wieder runter, ich hab doch nur Bellas Va...“ rutschte es mir in meinem etwas sehr berauschtem Zustand heraus, aber ich konnte mir Gott sei Dank noch auf die Zunge beißen, sodass ich mich selber unterbrach, indem ich mir meine eigene Zunge blutig biss. Gedanklich fluchend, versuchte ich die nächsten Sätze im Eiltempo in meinem Kopf vorzuformulieren und erklärte ihm, dass wir hier einige Probleme hatten und ein bisschen Wahrheit in abgeänderter Form. An seinem bissigen „AHA“ erkannte ich, dass er mir kein Wort glaubte. Aber irgendwie wusste ich, dass es schier unmöglich war, ihm eine Story auftischen zu können, die er mir ungefragt glauben würde. Seine Standpauke bestätigte mir meinen unausgesprochenen Verdacht und ich wusste, wenn ich Heim kam, musste ich mich den Konsequenzen stellen.
Eigentlich hatte ich absolut kein Interesse an dem Geschreie meines Vaters, also erinnerte ich ihn daran, dass man nie wüsste, ob die Telefone nicht angezapft sind und es ohnehin keinen Sinn machen würde, wenn wir jetzt darüber reden würden. Er beendete unser Telefonat grußlos, aber das war nicht weiter schlimm, denn ich wusste, dass er mächtig sauer war.
Ich legte das Handy neben mich und versuchte, mit heruntergelassener Hose und einem Karussell in meinem Kopf, aufzustehen. Umständlich und sehr kompliziert schaffte ich es, mich übers Sofa und über den Couchtisch aufzuraffen und meine Jeans wieder an den gewohnten Ort zu bringen.
Fest stand, dass ich auf jeden Fall kurz nach Hause musste. Ich hoffte ja inständig, dass mich Vater vielleicht nach Portugal oder Mexiko schicken würde, aber ob er sich ernsthaft mit Hulio anlegen würde, wusste ich nicht. Das Karussell rotierte in meinem Kopf und mir wurde übel. Ich hätte wohl doch nicht die ganze Flasche auf leeren Magen trinken sollen...Mein Kopf und mein Magen zwangen mich dazu, mich zu setzten. Mittlerweile hatte ich große Mühe, meine Augen offen zu halten, und so beschloss ich, mir die nötige Ruhe zu gönnen, denn ob ich Morgen zu Hause ankam oder erst in ein paar Tagen, war mir gleich. Träge schloss ich meine Augen und rutschte rasch in den Schlaf.
***
Das Dröhnen donnerte durch meine Gehirnwindungen, ein Stechen durchfuhr meinen Körper. Jeder einzelne Muskel krampfte, als ich mich mühsam aufsetzte. Jeder einzelne Wirbel schmerzte, denn ich bildete mir ein zu spüren, wie sie ineinander griffen. Meine Füße auf den Boden stellend, versuchte ich etwas Stabilität in die ganze Angelegenheit zu bringen, aber so wirklich gelang mir das nicht. Nach endlosen Minuten der aktiven Bekämpfung des Ringelspieles in meinem Kopf und der Übelkeit, beschloss ich aufzustehen und ins Badezimmer zu wackeln. Nach dem müden Versuch, den schlechten Geschmack wegzuspülen, gab ich resignierend auf und schleifte meine müden Knochen zu meiner Tasche, um mir wenigstens was Frisches anzuziehen, bevor ich nach New Hampshire flog.
Die endlosen Stunden, bis ich direkt vor meiner Haustüre stand, vergingen nur langsam. Ich wollte nicht hier sein, denn die vorwurfsvollen Blicke meines Vaters konnte ich schon auf meiner Haut spüren, obwohl ich gerade erst aus dem Flugzeug gestiegen war. Meine ohnehin schon miese Laune verschlechterte sich rapide. Als ich das Gebäude verließ, stellte ich fest, dass mich natürlich keiner abholte, wie denn auch... Der Versuch, einen halbwegs passablen Mietwagen zu bekommen, endete in einem stinkenden, knallgrünen Mini. Ich verstand nicht, wie das möglich war, dass man als Cullen keinen vernünftigen Mietwagen bekäme, aber es war nun mal so. Vielleicht war es an der Zeit damit aufzuhören, sich immer wegen den kleinen Sachen aufzuregen...vielleicht.
Langsam, wie ein Großvater mit Hut, Hörgerät und Brille, fuhr ich nach Hause. Als ich die drei Kilometer lange Auffahrt hochfuhr, überkam mich das beklemmende Gefühl, dass ich mächtig viel Ärger bekommen würde, sobald ich die Schwelle der Haustüre überschritten hatte. Als ich einparkte und die paar Meter zur Türe hinüber ging, stand die Haustüre schon auf. Man erwartete mich. Natürlich erwartete man mich. Esme saß reserviert, mit Blut unterlaufenen, von Tränen geröteten Augen, in einem der Stühle im Wohnzimmer. Carlisle stand mit einem Brandy vor der Terrassentür und fixierte einen mir unbekannten Punkt im Garten.
Als ich im Türrahmen stand und Esme mich erblickte, wollte sie aufstehen und zu mir laufen um mich zu umarmen, aber Vater verbat es ihr und sie setzte sich wieder hin. Sie wischte sich ihre Tränen aus den Augen und tat, wie immer, so als würde es ihr nichts ausmachen.
„Der verlorene Sohn kehrt zurück, nachdem er eine Spur der Zerstörung hinterlassen hat.“ Sarkastisch wie mein Vater nun mal war, ließ ich ihn einfach reden. Seine Wut über mein Handeln und Aro´s Tod konnte er nur schwer verbergen.
„HERRGOTT nochmal, denkst du auch nur einmal nach, bei dem, was du eigentlich machst?“ schrie er.
„Meinen Job“, antworte ich ihm emotionslos.
„Nur DEINEN Job?“, schrie er, „NUR DEINEN JOB, DEIN verdammter Job ist, mein Sohn zu sein, deinen Arsch auf irgendeine Universität zu schleppen und gute Noten zu schreiben, einen Abschluss zu machen und ein normales Leben zu führen. DAS IST DEIN JOB!“
„ACHSO, das hörte sich aber bis vor kurzem noch ganz ANDERS an... DA hast du noch gesagt...EDWARD, MEIN SOHN, du bist die Zukunft BLABLABLABLA, du wirst uns in eine neue Ära führen. BLABLA Du warst doch der, der mir unmissverständlich klar gemacht hatte, wo mein Platz ist. Du hast mich zu einem deiner Männer gemacht. Du warst doch der, der meine Kampfausbildung über mein Studium gestellt hat. Du warst doch derjenige, der dafür gesorgt hatte, dass ich gute Noten bekam, auch ohne anwesend zu sein. DU warst.....“
„Edward es reicht! Hör auf deinem Vater solche Vorwürfe zu machen. Es geschah nur zu deinem Besten. So kannst du dich wenigstens verteidigen und als sein Sohn, lebst du eben gefährlich. Du bist ein wunder Punkt, solange du dich nicht verteidigen kannst. Edward, du bist und bleibst unser ganzer Stolz, aber DAS hättest du einfach nicht tun dürfen!“, meldete sich meine Mutter zu Wort. Ihre leise, zittrige Stimme erhellte den ganzen Raum, focht die Wut und den Zorn mit einer unmenschlichen Leichtigkeit davon, sodass ich vergaß, wie sauer ich eigentlich war, ebenso mein Vater, dem es offensichtlich ähnlich ging. Egal was mein Vater tat, sie verzieh es ihm, so war es schon immer...
Carlisle unterbrach das betroffene Schweigen mit einem gekünstelten Räuspern und schickte mich in mein Zimmer, um zu duschen. Er erwartete mich zum Abendessen. Natürlich tat er das, denn mein Vater hatte gerne das Gefühl der absoluten Kontrolle. Auf dem Weg in mein Zimmer begann ich schon mein Hemd und mein Shirt auszuziehen, mit halb geöffneter Hose stieß ich meine angelehnte Türe auf und warf meine Kleidung unbeachtete in die nächste Ecke. Esme hatte mal wieder mein Zimmer aufgeräumt. Auch wenn ich ihr tausendmal sagte, dass sie es nicht machen sollte, es half einfach nichts.
Ich versuchte, den fahlen Beigeschmack der vergangenen Geschehnisse abzuwaschen, aber jedes Mal, wenn ich dachte, dass alles besser werden würde, dann sah ich ihr Bildnis vor meinem inneren Auge. Mein Magen zog sich zusammen, mein Herz schlug schneller, meine Hände begannen zu zittern. Nichts machte mehr Sinn, solange SIE nicht bei mir war.
Bella, oh Bella, wie konntest du nur...
Immer wieder fragte ich mich, wieso sie nur gegangen war, denn ich dachte ernsthaft, dass es dieses eine Mal etwas Besonderes war, dass sie etwas Besonderes war, dass einfach DAS der Anfang der Zukunft wäre... dachte ich.
Mehr als nur unfreiwillig schleppte ich mich hinunter zum Essen, denn das war das Letzte was ich gerade gebrauchen konnte, aber ich tat es um meinen Vater nicht noch mehr zu verärgern. Gerade als ich im Erdgeschoss ankam, läutete es an der Türe, augenrollend legte ich die Hand auf den Türknauf und drehte ihn. Als ich sah, wer davor stand, musste ich grinsen.
„Grins nicht so“, lachte Jake, klopfte mir auf die Schulter und ging an mir vorbei in den Vorraum hinein.
„War das gerade eine Begrüßung?“ scherzte ich.
„Jap, sah so aus. Ich hoffe ich störe nicht“, fragte er halbernst.
„Quatsch, du doch nicht, es ist immer genug da...“ geistesabwesend antwortete ich ihm und wir gingen ins Speisezimmer. Mein Vater rümpfte nur die Nase und ich wusste, dass es ihm nicht gefiel, dass Jake hier war, aber es war mir relativ egal. Mutter begrüßte ihn wie einen Sohn, denn sie war vom Wesen her ganz anders als mein Vater.
Als wir beim Hauptgang waren, diskutierte Dad gerade mit Jake über die Lage in Südmexiko und unsere Chancen, dass wir es Aro wegnehmen könnten, als mich der Zorn überkam und ich nur ein schmerzlich verzehrtes „Bella“ herausbrachte. Beide hielten inne und schauten mich fragend an.
„Bella, ob man es Bella wegnehmen könnte“, besserte ich die Beiden aus. Jake stimmte mir nur beiläufig zu, wischte meinen Einwand lapidar aus dem Gespräch und fuhr weiter fort. Sie ignorierten mich einfach. Keiner gab auch nur einen Deut darauf, was ich zu sagen hatte und was nicht. Meinen Vater interessierten sowieso nur seine Geschäfte, Jake konnte sich nur schwer auf meinen Herzschmerz konzentrieren und Esme wollte, aber durfte sich nicht damit auseinander setzen.
„Edward? EDWARD, denkst du nicht auch, dass es besser wäre, wenn man Hulio in einen Hinterhalt locken würde und ihm dann sein Gebiet abzunehmen?“, riss Jake mich aus meiner emotionalen Starre heraus.
„Um ehrlich zu sein, ist es mir egal, was „man“ mit Hulio macht. Außerdem, wer kommt als nächstes, Giacomo? Reißen wir uns Italien unter den Nagel? Nehmen wir Marcus auseinander und warten darauf, dass Isabella reagiert und persönlich kommt? Sich einen unerbittlichen Kampf auf Leben und Tod mit mir liefert, nur damit Du, Vater, als Sieger hervorgehst, weil du sie aus einem Hinterhalt erschießen lässt? Jake, das wäre doch mal eine Aufgabe für dich, meinst du nicht auch?“ verbittert presste ich diese Worte zwischen meinen Lippen hervor. Ich wusste, dass DAS sein Plan gewesen war. Er konnte es nicht ertragen, dass er wieder leer ausgeht. Es war ihm ein Dorn im Auge, das sie weiter führte, was Aro erschaffen hatte. Es stieß ihm mehr als nur sauer auf, dass er wieder einmal durch die Finger sah. Zudem war jetzt sein einziger, offizieller Sohn, sein Erbe, sein Nachfolger im Begriff, sich gegen ihn zu stellen und allem, was er aufgebaut und erreicht hatte, den Rücken zu zukehren und sich auf die Seite des Feindes zu stellen.
„Edward, du überspannst gerade den Bogen maßlos! Denke nicht, dass du dir alles erlauben kannst und vor allem, hüte deine Zunge!“ schrie mein Vater, der gerade dabei war seine Beherrschung wegen einer Nichtigkeit zu verlieren.
„Ach spar es dir einfach, du kannst es sowieso nicht verhindern und jetzt entschuldige, ich hab noch zu tun. Jake, wir gehen!“ lächelte ich meinen Dad schamlos ins Gesicht und sah ihm dabei zu, wie er zornig die Gesichtsfarbe wechselte. Jake, der gerade seinen halbvollen Teller beiseite geschoben hatte und seine Mundserviette auf den Tisch legte, seinen Sessel geräuschlos zurückschob und aufstehen wollte, wurde von meinem Vater an der Schulter gepackt und nach unten gedrückt.
„DU gehst nirgends wo hin Jacob! Und Edward, setze dich sofort wieder hin. Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, wirst du gefälligst tun, was ICH Dir sage, haben wir uns verstanden?“ schrie er mit rot gefärbten Gesicht, sein Pulsschlag presste seine Adern weit heraus.
„Schön“, schrie ich ihm mindestens genau so lautstark entgegen. „Dann zieh ich eben aus, aber sei dir dessen bewusst, dass ich keinen Finger mehr für dich rühren werde! IST DAS KLAR, VATER?“
Ich wand mich von ihm ab und ging Richtung Vorraum. Jake war hin und her gerissen, aber entschied sich, mir zu folgen.
„EDWARD“ hörte ich meine Mutter leise, flehend sagen, aber schon ertönte ein lautstarkes Poltern. Erschrocken drehte ich mich um, denn dieses Geräusch lies nichts Gutes vermuten, aber ich hatte mich getäuscht. Es war nur der Saucentopf, der gegen die eichenfarbene Wohnzimmerverkleidung geflogen war.
„Einer von uns hat den anderen offensichtlich unterschätzt“, hörte ich meinen Vater sagen und ich nickte zustimmend.
„Lass es einfach sein, Dad. Es gibt Momente im Leben, da muss auch ein Carlisle Cullen einsehen, dass er einfach nur ein alter, verbitterter Mann ist, der um jeden Funken Respekt kämpfen muss, solange er nicht einsieht, dass sich die Zeiten einfach ändern.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, verließ ich das Haus. Jake folgte mir wie mein Schatten, flink und wortlos.
In der Garage ließ ich mich tonlos in den nachtschwarzen Bugatti gleiten und startete ihn, da der Schlüssel mal wieder steckte. Gedankenlos und viel zu schnell raste ich durch die Nacht. Jake saß gelangweilt daneben und hämmerte auf seinem Handy herum. Ich hielt nur zum Tanken und da nicht länger als notwendig. Nach 10 Stunden intensiver Raserei wurde Jake langsam ungeduldig. Er zappelte auf dem Beifahrersitz hin und her und kontrollierte ständig sein Handy.
„Verdammt noch mal ED, was ist mit dir los? Fahr langsamer, Himmel noch mal, dass ist der Wagen deines Vaters und er ist NEU. Der ist noch nicht mal eingefahren, du ruinierst den Motor und um ehrlich zu sein, hattest du heute Nacht noch vor das Land zu verlassen?“ schrie er, denn das Radio und die PS- starke Maschine brachen die Stille um ein Vielfaches.
Ich stieg auf die Bremse und blieb drehend mitten auf der Straße stehen.
„BITTE, dann steig aus, wenn du nicht mitkommen willst. Lauf zurück zu meinem Vater......Was machst du da überhaupt?“ zischte ich, riss ihm sein Handy aus der Hand und blickte auf das Display.
„WAS machst du da?“ fragte ich irritiert.
„Ach, ich beobachte nur, was Reinhard und Bella machen“, grinste er.
„Du machst was?“ ich verstand nicht was er meinte. Wieso musste er immer in Rätseln sprechen? Augenrollend versuchte er mir zu erklären, dass er Reinhards Handy orten konnte und dass er vermutete, dass überall wo er war, auch Bella war.
Hysterisch lachend warf ich mich in den Sitz und kriegte mich nicht mehr ein. Sollte alles wirklich so einfach sein? War DAS, das einzige, was ich tun musste?
Meinem Alten die Stirn bieten und wie der Prinz auf weißen Pferd und mit eisern, glänzender Rüstung bei ihr ankommen und um ihre Hand anhalten? War es tatsächlich so einfach? Meine Euphorie riss ab, als Jake mich ohrfeigte und mich anschrie, dass ich den beschissenen Motor starten sollte, um aufs Gas zu steigen, denn hinter uns kamen zwei ziemlich schnelle Autos und er vermutete, dass es Dads Leute waren, die uns zurück bringen sollten.
Geistesgegenwärtig tat ich das, was Jake von mir verlangte, startete und trat das Gaspedal voll durch, betend, dass der Motor diese Eskapaden mitmachte und zitternd, weil gerade das Adrenalin freigesetzt wurde. Wir erreichten schnell einen Abstand zu unseren Verfolgern, denn keines der Autos war schneller, als das meines Vaters, auch uneingefahren. Gerade als ich siegessicher die Faust in die Höhe riss und einen lautstarken Seufzer von mir geben wollte, erschrak ich und verriss für einen Moment das Lenkrad, um es in der selben Sekunde sofort zu korrigieren, denn ich war wenig motiviert in der Steinwand zu landen. Von dem kleinen Display der integrierten Freisprecheinrichtung starrte mich mein Vater an. Scheiß Videotelefonie, wer hatte das erfunden und wieso war das ausgerechnet in diesem Auto schon eingebaut.
„Edward kehr um, ich warne dich.“ sprach mein Vater mit ruhiger Stimme, als Esme ihn scharf zischend ermahnte, das er mir nicht drohen sollte.
„Hi MOM.“ lachte ich schallend. Kleinlaut redete Vater weiter, aber ich hörte ihm nicht wirklich zu. Irgendwann fragte Jake, ob das seine Vollidioten da hinter mir waren und er verneinte.
In derselben Sekunde traf es uns wie ein Blitzschlag. Wir wussten alle, dass es eigentlich nur jemand aus Bellas Truppe sein konnte, aber ich verstand nicht, wieso sie nur hinter mir herfuhren, denn wenn es tatsächlich die Jungs aus der Inc. waren, dann hatten sie Autos, die den Bugatti im Regen stehen ließen. Ob sie auch dabei war? Bella.....
„EDWARD, du musst das Auto sofort loswerden. Schau zu, dass du zu Nehlia kommst und versenke den Bugatti im nächsten See.“ befahl er im geschäftsmäßigen Ton und die Verbindung unterbrach.
Natürlich... ich fahr mal eben nach Kanada, das lag ja um die Ecke... er hatte manchmal schon großartige Phantasien, mein werter Herr Vater.
„Jake...nach dem nächsten Tunnel sollte eine Art Plateau sein, da werde ich langsamer und du lässt dich aus dem Auto fallen und verschwindest in der Böschung. Wir treffen uns bei Reinhard, sagen wir in 14 Tagen. Wenn was ist, du weißt wie du mich erreichst!“ Bestimmend gab ich ihm die Anweisung, bevor ich in den Tunnel hinein fuhr. Er hatte verstanden und machte sich für den Ausstieg bereit. Zog seine Kapuze über den Kopf und verstaute alles, was hinausfallen konnte, sicher in den Taschen. Er warf mir eine Kusshand zu und ließ sich, während ich langsamer wurde, aus dem Auto fallen.
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