Dienstag, 6. September 2011

In meiner psychologischen Konstitution manifestiert sich eine absolute Dominanz positiver Effekte für eine labil existente Individualität Deiner Person.



Langsam sank die Karte zu Boden, mein Blick starr darauf gerichtet. Diese allesverheißenden Worte konnte man kaum mehrfach deuten. Die Message war klar, sein Vorhaben deutlich und seine Absicht aufregend. Ich schloss die Augen und rief mir den angenehmen Teil unserer ersten Begegnung in den Kopf. Ehe ich diese Erinnerung genießen konnte schweiften meine Gedanken wieder zu James und wie schlimm er damals ausgesehen hatte. Tränen standen mir in den Augen. Achtlos wischte ich mit dem Ärmel meines Pullovers rasch übers Gesicht, aber sie wollten nicht versiegen. Das war doch der absolute Bockmist. Der eine geht mir aus dem Weg, der andere steht auf Postämter und deren Lieferservice, anders konnte ich es mir nicht erklären, denn wenn er schon wusste wo ich wohnte, wieso kam er dann nicht........wieso sagte er mir nicht persönlich was er von mir wollte? Da fiel es mir wieder ein...logisch…würde er auch nur einen einzigen Schritt in die Nähe dieses Hauses machen, dann wäre er so gut wie tot.

Heulend vor Aufregung, vor Verzweiflung und vor allem wegen der Angst was noch alles auf mich zukommen würde, sammelte ich mit brennend tränenden Augen die Sachen ein. Ich schaute sie mir nicht noch einmal an, stopfte sie achtlos in den Karton zurück und verstecke ihn zwischen den tausenden Schuhschachteln in meinem Schrank. Es war doch sowieso egal, was ich tat, oder nicht? In 3 Tagen war das Treffen mit Jake, James wollte sowieso nicht mit mir reden oder geschweige denn etwas mit mir zu tun haben.......Aro war sauer auf mich! Das nannte ich tolle Aussichten, denn was hatte ich den schon großartig zu verlieren...außer Allem...

Langsam rutsche ich die Wand in meinem Schrank hinab, winkelte meine Knie an und schlang die Arme fest darum, denn ich war fest entschlossen diesen Raum nicht so schnell zu verlassen, wippte mit angezogenen und umarmten Knien hin und her. Was war das schon für ein Leben? Wofür hat man schon alles, wenn man nichts hatte worauf man sich freuen konnte? Von den eigenen Eltern für einen Nasenrammel an Geld verkauft. Zumindest war es für Aro eine lächerliche Summe, bestimmt war es so.....Phil hatte ich seitdem ich ihn in Aros Büro antraf nicht mehr gesehen oder gehört. Was meine Mutter wohl gerade machte? Ob sie sich von der Kohle wohl ein Haus gekauft hatte? Bestimmt hatte sie auch ein Dienstmädchen und einen Pool Boy der den ganzen Tag im Tanga herumlief. Vermutlich hatte sie das..............ein Leben in Saus und Braus. Ein Leben, das sie immer haben wollte? Jetzt da ihre einzige Tochter verschachert wurde! Ob sie es überhaupt wusste? Bestimmt wusste sie es!

Das leise Knacken meines Türschlosses ließ mich aufhorchen, denn gleichzeitig erhellte irres Gekicher den totenstillen Raum. Intuitiv suchte ich zwischen T- Shirts und Jeans nach einer Waffe aber griff ins leere. Schlagartig viel mir wieder ein, dass ich den Schrank ausgelassen hatte, da ich nicht davon ausgegangen war, dass mir mein Schrank einmal als Versteck dienen würde.

Das Getapse nackter Füße verstummte augenblicklich. Viktoria...automatisch hielt ich den Atem an und hoffte sie würde wieder gehen, damit ich ihr nicht erneut wehtat aber diesen Gefallen tat sie mir selbstverständlich nicht. Leise und bedacht kein noch so kleines Geräusch von mir zu geben, rutschte ich Richtung Türe. Ich versuchte keinen Lärm zu machen, zog mein Handtuch eng an meinen Körper um es nicht zu verlieren und versuchte gleichzeitig die Geräusche von draußen zu deuten. Jetzt gerade hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Zentimeter für Zentimeter kam ich meinen Ziel näher und versuchte schlussendlich stirnrunzelnd um die Ecke zu spähen, was aber keinen besonderen Erfolg brachte, da ich sie nicht sah. „Wo zum Henker war dieses Biest nur hingegangen?“ fragte ich mich still und heimlich, aber darauf konnte ich mir einfach keine Antwort geben.

Gerade als ich mich dazu entschlossen hatte, mein Versteck zu verlassen, gruben sich zwei Hände gewaltsam in mein Haar. Das Handtuch hatte ich vorher dummerweise abgelegt, damit es mir nicht im Weg wäre...... Ruckartig wurde mein Kopf nach hinten gezogen, so dass ich jede einzelne, ausgerissene Haarwurzel besonders intensiv spürte. Mein Peiniger verstärkte den Griff und ich wusste, dass ich dieser Situation nicht so einfach entkommen konnte. Es tat so weh, dass ich instinktiv meine Hände an meinen Kopf legte um den bestialischen Zug auf meine Kopfhaut zu entlasten aber der Erfolg war nur mäßig. Fieberhaft suchte ich nach eine Lösung aber hier im Schrank hatte ich keine schnellgreifbaren Waffen zur Hand und Arees hatte ich aus irgendeinem Grund auf die Kommode gelegt. Ich konnte nur mehr hoffen, dass sie Arees nicht gefunden hatte. Wie konnte ich nur so blöd sein? Em sagt immer, dass man seine Waffe nie weiter als Armlänge von sich weg legt, denn man wüsste nie wer einem als nächster angriff und wie so oft hatte er Recht.

Meiner Kehle entwich ein heiseres Wimmern, denn meine Haare wurden lockerer gelassen um sie sogleich wieder ruckartig nach hinten zu ziehen. Ein leises, heiseres irres Gekicher hallte in meinem Ohr und veränderte sich in ganze Worte. Panisch zog ich die Luft ein, denn ich war mir jetzt absolut sicher, dass es Viktoria war. „Weißt du… Onkel Caius hatte so was von Recht. Du kommst hier her und machst dich breit, trampelst durch unser Leben und zerstörst alles was wir uns aufgebaut haben. Vati ist sauer, er spielt nicht mehr mit mir und daran bist nur  du schuld. Jamisi zieht hier aus, dann verschwindet er auch noch endlos lange und jetzt ist er wieder da und schreit sich die die Seele aus dem Leib. DAS IST ALLES NUR DEINE SCHULD! Es wäre besser, es gäbe dich gar nicht, weißt du? Du bringst nur Unglück über uns, ISABELLA. Immer nur Unglück, weißt du es gibt genug die dich hassen aber nur wenige die sich dir entledigen wollen, weil sie Angst haben vor dir und Vati. Mich hält hier jeder für gestört aber du bist hier doch die Gestörte. Du sprichst nicht, du isst nicht mit uns...nachts hört man dich auch die ganze Zeit, vergiss es du kannst sowieso nichts tun um uns zu gefallen. Du bist wertlos ISABELLA, so wie Dreck......

Sie hatte das letzte Wort noch nicht zu Ende gesprochen, da überkam mich ein beklemmendes Gefühl. Ich hasste Viktoria abgrundtief und am liebsten würde ich sie einfach nur eliminieren aber das würde meine Situation nicht entspannen, außerdem hatte ich im Moment gerade ganz schlechte Karten. Panik stieg in mir hoch, denn ich wusste nicht was jetzt auf mich zukam. Dennoch, irgendwo in meinem Inneren musste ich ihr zu stimmen, denn ich machte gar nichts richtig. Etwas Kaltes drückte plötzlich gegen meine Kehle und ich wusste nicht wie sie das gemacht hatte, dass ich es nicht mal mitbekam, dass sie mich nun mehr mit einer Hand hielt. Die Haut, die meine Kehle umspannte, gab unter dem Druck des metallischen Gegenstandes nach und ich konnte spüren wie meine Haut einriss. Die rote warme Flüssigkeit, die mein Blut darstellte, lief in einer feinen Bahn meinen Hals hinab. SIE HAT EIN MESSER, schrie es in meinem Kopf, wie??? Ach was fragte ich schon großartig, ich nahm an das hat ihr Caius zugesteckt…wer sonst.

Der Schnitt war nicht tief aber da die Klinge stumpf war, brannte die Verletzung wie Feuer. Ob es schon vorbei war? Hatte sie schon genug? Der Druck wurde leichter aber sie war unberechenbar. Ihr irres Gekicher hallte in meinem Kopf aber ob es real war oder mein Verstand gerade begann abzuschalten, wusste ich nicht so genau. Die Klinge schabte erneut über meine Haut, diesmal über meine linke Gesichtshälfte. Als ich das Metall spürte, zog ich die Luft scharf durch meine leicht geöffneten Lippen, mein Mageninhalt wollte sich schon den Weg an die frische Luft machen aber ich würgte es widerwillig wieder hinunter. Meine Muskeln verhärteten sich noch mehr und ich überlegte wie ich sie zu Fall bringen konnte ohne ihr dabei den Schädel einzuschlagen aber mein Geist war wieder in diesem handelsbeeinflussenden roten Tuch eingeschlagen. Langsam schob ich meine steifen Hände hinter meinen Rücken, meine Schultern knacksten beängstigend und so hoffte ich, dass sie es nicht mitbekam. Als meine Arme in der gewünschten Position waren, so dass ich ihre Beine weg ziehen konnte, sammelte ich alle meine vorhanden Kräfte und schnappte nach ihren Knöcheln. Als ich sie tatsächlich zu greifen bekam, schoss Adrenalin durch meinen Körper und ich stieß automatisch einen kleinen Freudenschrei aus.

Viktoria ging mit einen dumpfen Knall zu Boden und begann zu wimmern aber das brachte ihr auch nicht mehr viel, denn ich hatte mich schon ihr zugewandt und sie entwaffnet. Das kleine Messer landete mit einem gekonnten Wurf in der Wandvertäfelung auf der anderen Seite des Raumes. Noch ehe sich Vicky wieder orientieren konnte hatte ich sie schon am Oberarm gepackt und hoch gezerrt. Den Arm verdrehte ich ihr hinter den Rücken, so dass sie schon ein starkes Ziehen im angespannten Muskel spüren musste. Unkontrolliert aber mit festem Griff dirigierte ich sie zu Türe um sie mit viel Schwung aus der Tür zu befördern. Sie knallte mit voller Wucht gegen die vis a vis liegende Wand und sackte kurz darauf zusammen. Ich würdigte sie keines Blickes und schlug die Türe derartig fest zu, dass ich dachte das Schloss springt gleich heraus, drehte den Schlüssel um und ging ins Badezimmer um mir meinen Hals und mein Gesicht anzusehen. Dieses kleine Biest hatte es gewagt mich hinterrücks anzugreifen.

Auf wackeligen Beinen schleppte ich mich völlig fertig Richtung Spiegel, Noch bevor ich dort ankam musste ich mich am Türstock festhalten und eine Pause einlegen, da mir sonst meine Knie weggeklappt wären.
Als ich am Spiegel ankam, sah ich in ein mehr als fremdes blutverschmiertes Gesicht. Der Schnitt war zwar nicht schlimm, aber es klaffte trotzdem eine Wunde an meinen Hals und erst da begriff ich endlich. Egal was ich tat, nichts würde je wieder so sein wie früher. Entweder ich spielte der Intrigen dieses Spiel mit oder ich würde verlieren. Ich fingerte irritiert an dem Wasserhahn herum und versuchte ihn auf eine angenehme Temperatur einzustellen, was mir nicht gelang. Zu heiß oder zu kalt, aber nie das Richtige......nie das Richtige...genauso wie das was ich tat...es war auch nie genau richtig Jedenfalls für mich, ich kam mir vor wie eine verdammte Marionette. Nie passte etwas, einfach weil es passte sondern weil es immer passend gemacht wurde. Ja so ist das Leben…Alles was nicht passt, machte man passend...was blieb mir schon großartig über? Jeder wusste immer was zu tun ist, aber ich? Was wusste ich schon.....weder wer ich war, noch wer ich sein werde. Ich hatte keine Ahnung wo dieses Leben hingehen würde aber ich wusste, dass es besser wäre, wenn ich diesen Weg alleine gehen würde. Ich bringe anderen Leuten nur Unglück, entweder ich verletze sie oder enttäusche sie........Das Wasser lief schon über den Beckenrand hinaus als ich bemerkte, dass ich mal wieder nichts bemerkte. Der Schnitt blutete, nicht so dass ich verblutete, aber stark genug, dass es an der Zeit wurde ihn zu säubern und ein Pflaster darüber zu geben. Ich streckte meinen Hals, was absolut keine gute Idee war, denn so begann es wieder stärke zu bluten, ein kleines Zischen konnte ich mir auch nicht verkneifen,denn es brannte wie Feuer. Ich fischte mit einer Hand nach einem Handtuch und tauchte es in das Wasser ein und drücke es aus. Das getrocknete Blut ablösend, versuchte ich gleichzeitig so viel frisches Blut aufzufangen, wir nur ging. Das Handtuch wusch ich schnell aus, drückte es direkt auf den Schnitt und suchte nach meinem Verbandskasten. Ich hatte einen, dass wusste ich. In diesem Haus hängt überall so ein Scheißteil, in erster Linie wegen Vicky aber wenn man es genau betrachtet, dann war es ja auch wegen Vicky. Was ihr nur diesmal eingefallen war? Sicher hatte da Caius seine ekeligen Finger im Spiel, wer den sonst...ABER DIESMAL IST SIE ZU WEIT GEGANGEN!!!!

Das Handtuch färbte sich mittlerweile schon stark rot und ich suchte noch immer nach diesem Kasten bis ich ihn endlich fand. Wer montiert so einen Kasten in einer Höhe von 190 cm in einem Kleiderkasten, ich mein da sucht doch kein Schwein danach... Ich schubste ihn mit einer Kleiderstange aus der Halterung und wich einige Schritte zurück bevor er mir auch noch auf dem Kopf landete. Natürlich sprang er auf, wie soll es denn auch sonst sein... ein Nutella Brot landete schließlich auch immer auf der bestrichenen Seite und nie auf der Trocken. Innerlich mehr als nur fluchend griff ich nach Octenisept, einigen Tupfern und einer Mullbinde, denn über Nacht sollte ich es zumindest soweit einpacken, dass ich nicht auch noch mein ganzes Bett einsaute. Es wird schon schwer genug es zu verstecken und um einen Schal werde ich nicht herum kommen. Zum Glück war hier so gut wie nie Sommer, geschweige denn subtropische Temperaturen. Ich stürmte zurück ins Badezimmer und warf die Sachen auf den teilweise nassen Waschtisch, schüttete etwas Desinfektionsmittel auf den Tupfer, nahm das Handtuch runter, ließ es auf den Boden fallen und drückte den durchtränkten Tupfer auf die Wunde. Es brannte so sehr, dass ich die Luft durch die zusammengepressten Zähne zog um keinen allzu lauten Schrei von mir zu geben. Himmel wer hatte diesen Scheiß nur erfunden? Ich presste den Tupfer fester auf den Schnitt und wartete ein paar Minuten. Scheinbar konnte ich die Wunde etwas stillen, wechselte den Tupfer aus und wickelte mir die Mullbinde straff um den Hals. Morgen früh konnte ich ja ein Pflaster suchen und es mit einem simplen Schal kaschieren. Profilacktisch nahm ich noch eine Ibuprofen, nur für den Fall der Fälle, dass die Schmerzen mich übermannten.

Als ich langsam die Augen aufschlug wusste ich nicht so genau wo ich war. Ein Schmerz schoss durch meinen Körper, sofort tastete ich mit einer Hand meinen Hals ab und bekam die Bestätigung, dass ich es mir nicht nur einbildete. Ich strampelte die schwere Daunenbettdecke von meinem Körper und schwang die Beine aus dem Bett. Gemächlich ließ ich sie zu Boden sinken und erhob mich schwerfällig. Ich schlüpfte in eine Jeans und in einen meiner hundert Rollkragen Pullis und stellte fest, dass man den Verband doch zu stark sah. Ich suchte mir aus dem noch immer am Boden liegenden Erste- Hilfe-Kasten einen Pflasterstreifen, schnitt mit der Verbandschere meinen Verband auf und hielt ihn aber auf der Mullbinde fest. Langsam löste ich den festgeklebten Tupfer mit etwas lauwarmem Wasser, sprühte erneut etwas Desinfektionslösung darauf und ließ die Stelle kurz trocknen und begutachtet die Wunde genau. Es wird eine feine Narbe über bleiben, aber die machte einem angeblich nur interessanter. Ich löste die eine Seite des Trägerpapieres und positionierte den Streifen. Da der Schnitt ohnehin länger was als ich vermutete brauchte ich den ganzen Streifen, was das Ganze nicht erleichterte. Ich klebte ihn so gut wie geht ab und suchte mir ein passendes Tuch welches ich, möglichst zufällig aussehend, um meinen Hals drapieren konnte. Als ich beschloss das alles an mir zufällig genug aussah entschied ich am Frühstück teilzunehmen und schlenderte besonders lässig hinunter in unser Esszimmer. Auf halben Weg sah ich wie Tanya gerade hinunter ging und wusste das Viktoria schon unten war. Ich blieb kurz stehen um meinen rasenden Puls zu beruhigen und meine Atmung unter Kontrolle zu bringen, denn eigentlich würde ich sie am liebsten zerstückeln, aber das wäre mitunter einer meiner letzten Fehler.

Mit geballten Fäusten stieg mit langsamen Schritten die letzten Stufen herab stoppte am letzten Absatz, streckte meine Oberkörper durch, prüfte das Halstuch, zog den Rollkragen hoch atmete tief durch und ging zielstrebig ins Esszimmer. Viktoria hatte sich auf meinen Platz gesetzt, in der Annahme, dass ich wie immer, das Frühstück ausließ. Ich setzte das freundlichste Lächeln auf das ich zu Stande brachte und ich ging direkt auf sie zu. Ihre Augen wurden immer größer, ihre Pupillen weiteten sich und ich konnte die Angst förmlich in ihrem sommersprossenüberzogenen Gesicht sehen. Nur zu gern würde ich ihr jetzt eine verpassen aber das ging ja nun mal nicht. Direkt vor ihr stoppte ich und jedes Augenpaar in diesem Raum war auf mich gerichtet. Sogar Andrea, die gerade die Rühreier brachte, blieb abrupt stehen und umklammerte die weiße Emailleschale mit dem Rührei. Boris hing noch ein Stück Speck aus dem Mund und Aro legte die Morning Post vor sich auf dem Tisch um dem Geschehen aufmerksam zu folgen. Ich lächelte wie ein frisch glasiertes Honigkuchenpferd, gab Viktoria einen Kuss auf die Stirn und begrüßte sie mit einem zuckersüßen „Guten Morgen Kurze!“ Aro blieb der Mund offen stehen, Andrea ließ die Schale fallen, Tanya spuckte den Orangensaft über den halben Tisch und Viktoria lief schreiend aus dem Zimmer. Ich tat so als würde mich ihre Reaktion erstaunen, blickte ihr gespielt ratlos hinterher und setze mich auf meinen Platz, nahm das geschmierte Brötchen in meine Hand und biss herzhaft hinein. Als sich der Geschmack von englischen Senf und Himbeermarmelade in meinem Mund ausbreitete musste ich würgen aber ich kaute es tapfer und schluckte es hinunter. Jeder hier anwesende versuchte seine Fassung wieder zu gelangen um seinem täglich Trott weiter zu führen aber niemanden außer Boris und Ivan gelang dies, was mich aber nicht sonderlich wunderte.

„Aro, es wäre nett wenn wir eine weitere Türe in meine Etage einziehen lassen könnten!“ flötete ich engelsgleich. Er schaute mich nur mit hochgezogener Augenbraue an und meinte mit tiefer konzentrierter Stimmer, wenn dies mein Wunsch sei, so könnten wir das tun aber ich müsse ihm sagen wieso ich das wollte. „Das ist ganz einfach zu erklären, scheinbar hat gestern Nacht unsere Alarmanlage nicht richtig funktioniert und so ein bekloppter Spinner kam in mein Zimmer und versuchte mir die Kehle durchzuschneiden.“ führte ich belanglos meine Erklärung fort und zog an meinem Tuch so das eine Ecke des Pflaster zu sehen war. Aros Blick erstarrte und seine Augen wurden zu zwei dünnen Schlitzen. Plötzlich sprang er auf und begann wild in der Gegend herum zu schreien. „Viktoria Amalia Esmeralda Volturi, bewege sofort deinen Arsch herunter sonst setzt es was!“ rief er zornig und lief 2 Stufen auf einmal nehmend nach oben. Zufrieden ließ ich mich in meinem Sessel zurückfallen und angelte mir einen Apfel und ein Messer. Biss aber trotzdem herzhaft in den Apfel hinein und blickte Tanya fest in die Augen.

„Schätzchen, es wäre nett wenn du künftig auf die Prinzessin besser aufpasst, denn das nächste Mal nagel ich sie ungefragt an die Wand und wenn ich drauf komme, dass Caius dich dafür bezahlt, dass du unvorsichtig bist, dann hängst du gleich daneben kapiert?“ zischte ich zwischen meinen Zähnen hindurch und knallte das Messer mit der Spitzen voran in die Tischplatte. Ihr standen die Tränen in den Augen und sie wimmerte etwas davon, dass es ihr leid täte aber er hätte sie gezwungen. Ich teilte ihr mit, dass sie für uns arbeite und nicht für Caius. Sie nickte nur stumm, ich erhob mich zufrieden von meinem Stuhl und ging hinauf in mein Zimmer. Als ich bei Viktorias Räumen vorbei kam versuchte ich zu lauschen traute mich aber dann doch nicht so recht, denn ich wusste, dass es ohnehin schon auffällig genug gewesen war, dass ich alles so nebenbei erwähnte aber es war mir egal. Ich beschloss kurz in die Firma zu fahren um ein Wörtchen mit Caius zu wechseln, also sprintete ich hoch in mein Zimmer und schultere Arees, denn vorhin trug ich sie wiedermal im Hosenbund. Zusätzlich legte ich mir noch ein Messer um die Wade und ließ es unter der Jeans verschwinden. Zur Feier des Tages beschloss ich heute mal ein auffälliges Auto zu nehmen, also nahm ich den violetten Ferrari. Im Vorbeigehen angelte ich mir eine dieser Pilotenbrillen von meiner Kommode und lief in die Garage. Das Haus wirkte wie ausgestorben aber man hörte Aro klar und deutlich, wie er mit Tanya diskutierte und sie aus vollem Halse anbrüllte. Diese Reaktion zauberte mir nicht nur unverschämt gute Laune sondern auch noch ein verdammt fettes Lächeln auf die Lippen. Ich öffnete das Auto und rutsche geschmeidig wie eine Raubkatze hinter das Lenkrad. Wieder etwas was ich mir von Rose abgekuckt hatte und ich übte es bei jeder Gelegenheit.

Wie immer viel zu schnell und mit quietschenden Reifen bremste ich vor der Parkplatzeinfahrt ab und stellte mich ins hinterste Eck, denn Caius übertriebener Hummer war noch nicht da. Eilig lief ich über die Feuertreppe in die Etage seines Büros und verschaffte mir über das Fenster zutritt, denn ich wusste das dieser Zugang die einzige Schwachstelle in Aros Gebäude war. In seinem Büro hing der schwere Duft von weißen Rosen und einer Nuance Mandelöl. Diese Kombination war genauso so brechreizerregend wie Himbeere mit Senf, wenigstens hatte sie was gemeinsam. Ich verstecke mich hinten den dunkelblauen, schweren Samtvorhängen. Dieser Mann hatte nicht nur einen gewaltigen Vogel, sondern auch ein überdurchschnittliches Geschmacksproblem aber das war nun wirklich nicht mein Fehler. Dieser überaus geschmacklose Vorhang bot mir ein ziemlich gutes Versteck hinter seinem Rücken und so schlüpfte ich dahinter bis ich seine raue, ekelig heisere Stimme hörte. Seinen ekeligen Kadaver warf er in dem unter ihm ächzenden Bürostuhl und seine Beine landeten auf der Tischplatte. Einen kurzen Augenblick verweilte ich noch hinter ihm bis ich mir sicher sein konnte, dass er alleine war. Meinem Wissen nach hatten wir keine Kameras in den einzelnen Büros. Ich zog Arees und wollte gerade hinter dem Vorhang hervorschlüpfen, als sein Handy läutet. Er sprach mit leiser Stimme, ich konnte ihn gut verstehen aber das was ich hörte, konnte ich kaum glauben. Er sprach mit jemandem, den er Sir nannte und ich wusste, dass es nicht Aro war. Dieser Mistkerl verriet die Einzelheiten des Franzosendeals, den ich nächste Woche abschließen sollte und zwar auch die, welche auf meinem PC passwortgeschützt waren und er eigentlich nicht hätte sehen dürfen. Sein Gespräch beendete er mit den Worten: „Dr. Cullen Sir, ich habe verstanden Sir, das Mädchen wird ihnen nicht noch einmal in die Quere kommen, dafür sorge ich.“ dann war das Telefonat beendet und ich hörte wie das Gerät auf den Tisch knallte. Blitzschnell schlüpfte ich hinter dem Vorhang hervor, legte den Lauf beinahe an seinem Hinterkopf an und entsicherte sie absichtlich erst jetzt, so dass er auch aufmerksam wurde.

Er erstarrte in seiner jetzigen Position und jeder seiner Wirbel spannte sich an. Angstschweiß schoss ihm aus allen Poren und seine heisere Stimme versuchte herauszubekommen, wer hinter ihm steht und ich antwortete nur mit einem irren, heiseren Kichern, welches ich mir von Vicky abschauen konnte. Ich hatte es ja immerhin schon oft genug gehört. „Vicky, Schatz nimmt die Waffe runter, ich bin doch der liebe Onkel, dass weißt du doch.“ säuselt er und ich senkte meinen Kopf herab, so dass ich an sein anderes freies Ohr kam. „Ach lieber Onkel, ich schieß dir dein verschissenes und verlogenes Hirn raus, du kleiner, mieser, ekelhafter Scheißkerl. Du bist der Grund wieso in Bangkok alles schief gelaufen ist und du wolltest mir an Leder. Du hast gerade Geheimdokumente an die Cullens geliefert du Endprodukt eines Kuhmagens, du mieser, kleiner Flachwixer.“

„Isabella...tu nicht was dir hinterher leid tun könnte, denn ich bin immer noch...“ stotterte er aber ich würgte ihn ab, in dem ich ihm den Lauf leicht auf den Hinterkopf schlug. „Es ist besser, du hältst dein blödes Maul und jetzt steh schön langsam auf, wenn du zu schnell bist, bist du tot.“ befahl ich ihm und er tat was ich ihm sagte. Er erhob sich langsam und ich zielte weiter auf ihn, jede Bewegung die er tat verfolgte ich mit Adlersaugen. Jedes noch so kleine muskelzucken erfasste ich. Mein Killerinstinkt wurde langsam wach, denn ich war absolut und unwiderruflich entschlossen ihn zu töten. „Knie dich langsam  hin, aber mit dem Gesicht zu mir, wehe du kommst auch nur auf die Idee, dass du versuchst mich zu entwaffnen, denn wir wissen beide, dass ich drei Kugel abgefeuert habe bevor du auch nur bei deinem Waffengurt bist! Und jetzt mach schon, ich hab nicht ewig Zeit!“ zischte ich ihn zu.

Gerade als er sich auf seine Knie lassen wollte klickte das Schloss seiner Bürotür und diese schwang auf. Aro stand im Türrahmen und hob eine Hand um mir zu deuten ich soll meine Waffe herunter nehmen. Ich senkte sie für einen kurzen Augenblick, schloss meine Augen, riss sie entschlossen wieder auf und schüttelte meinen Kopf um Aro so zu sagen, dass ich diesmal seinen Befehl nicht befolgen werde. Er verdrehte die Auge und erhob seine alte Stimme, die vom vielen Schreien heute früh, mehr als nur angeschlagen war: „Isabella, nimmt die Waffe herunter, er hatte mit dem Ausbruch von Vicky nichts zu tun. Nimm sie SOFORT runter und gib sie mir, dass ist keine Bitte, Herrgott Kind, hör auf mich!“

„Er hat was nicht? Himmel-Arsch Aro, er hat gerade Cullen Senior alle Daten für den Frankreichdeal zukommen lassen und ihm versprochen, dass ich ihm nicht mehr in die Quere kommen werde und jetzt erkläre mir nochmal, dass er nichts damit zu tun hat.“ schrie ich ihn an. Weniger hysterisch, dafür mehr verzweifelter als ich mich je in seiner Gegenwart gefühlt hatte.

Aros blick glitt von mir zu Carius. Entsetzen war in seine Augen zu sehen. Aro fragte Caius ob das stimmte aber er antworte ihn nicht. Caius kniff nur seine Augen zusammen und begann zu heulen wie ein kleines Kind. Sein Leib zitterte und es gab keinen Muskel, der nicht vibrierte. So muss sich Todesangst anfühlen, dachte ich mir, als Aros Stimme mich erreichte. „Wenn das so ist, dann knall ihn ab, Bella!“ sagte er mit eiskalter Stimme aber den Blick noch auf Caius gerichtet, so dass sogar mir die Gänsehaut über den Körper lief und er warf mir seinen Schalldämpfer zu, welchen ich mit meiner freien Hand auffing und blitzschnell auf den Lauf schraubte.

Die letzten 5 Schritte, die zwischen mir und Caius waren, legte ich mir selbst Mut zuredender Weise zurück und bestätigte mir, dass ihn zu töten kein Schaden wäre, denn er wollte mich töten, er hatte uns alle in Gefahr gebracht. Er musste sterben. Diesen Satz wiederholte ich so lange bis sich das altbewehrte rote Tuch über meinen Verstand legte und ich ihn nur mehr in der Farbe des Blutes vor mir sah. Keine 3 cm war der Lauf von seiner Stirn entfernt und ich spannte meine Muskeln an. Geistig markierte ich mir die Stelle an dem die Kugel eintreten sollte aber ein Zittern ergriff meine Hände und er erkannte, dass ich zögerte. Ein widerlich schmalziges Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit und er sagte süffisant zu Aro, dass ich noch nicht mal töten konnte. Was er denn mit mir wollte. Ich versagte ja doch, wenn es darauf ankäme. Aro schüttelte den Kopf und forderte mich bestimmend auf jetzt endlich diesen scheiß Abzug zu drücken, worauf ich den noch warten wollte und meine Hände begannen noch mehr zu zittern. Das ekelige, schallende Gelächter von Caius brachte meinen Verstand dazu eins zu werden mit dem imaginären roten Tuch......

Ich wollte den Abzug noch nicht drücken, dafür war es zu früh, denn er sollte leiden. Schob die Waffe wieder in den Halfter, schnell holte ich das Messer hervor und betrachtete es zufrieden drehte es in der Hand und mein Blick fiel wieder auf Caius. Langsam ging ich auf ihn zu und Aro zog scharf die Luft ein, denn ich war mir sicher dass er das nicht sehen wollte. Die Messerspitze zielte auf seine vor Angst geweitete Pupille und ich stach zu. Das war für James und Caius linkes Auge steckte, nachdem ich den Messergriff genussvoll gegen den Uhrzeigersinn drehte, auf der Klinge und sein markerschütternder Schrei erschallte im Büro. Aro schloss die Türe und stellte sich davor. Der zweite Stich war für den Verrat an der Inc und an Aro und landete punktgenau im rechten Auge aber noch war er nicht tot, er sank bloß vorne über. Der alles vernichtende Schuss traf ihn genau in den Hinterkopf und drückte sein Hirn an der Austrittstelle in den weißen, noblen Teppichboden. Caius verstummte und war tot. Noch bevor ich das Messer aus der Hand gleiten ließ und zusammen sackte denn das Adrenalin, das mich vorantrieb, setzte schlagartig aus teilte ich Aro mit, das er die Augen an Cullen Senior schicken sollte um ihn dabei einen netten Gruß zu bestellen und ihm mitzuteilen, dass wir ihn beobachten. Ich wusste nicht wie ich das jemals James erklären sollte oder mir selber oder irgendjemanden. Ich war ein Monster und meine Umgebung wurde immer schwärzer.

Ende Teil 1

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