Dienstag, 7. Februar 2012

Little Pieces

Little Pieces

E-POV
Ungläubig starrte ich auf den Bildschirm.

„Sehr geehrte Reisende, wegen der Aschewolke sind wir gezwungen, alle anstehenden Flüge zu canceln. Wir bitten um ihr Verständnis.“
Meine Hand, die ungläubig auf meinem Mund lag und mein Kopf, der angestrengt versuchte zu realisieren, dass ich nicht die Chance hatte, das Land zu verlassen, Jake, der es genau so wenig glauben konnte was gerade geschehen war, rief Reinhard an. Unverständnis und Unmut verbreitete sich unter den Passagieren.

Er versuchte eine Möglichkeit zu finden, um auf den schnellsten Weg in die USA einzureisen, aber es war vergebens. Man erlaubte uns einfach nicht nach Hause zu reisen, damit wurde mir eine Möglichkeit genommen, die Suche nach Bella zu beginnen, denn ich hatte das Gefühl, dass meine Mutter der Schlüssel zur Lösung wäre, aber ich traute mich nicht, ihr diese Nachricht am Telefon zu überbringen, darum musste ich dringend nach Hause. Ich behielt mir diese Möglichkeit als aller letzte Notlösung vor.

Die ersten Tage verstrichen ohne Ergebnisse und dies nervte mich.

James, Babette, Reinhard und wir versuchten alle möglichen Hebel in Bewegung zu setzen, aber niemand konnte auch nur irgendwie in den Luftraum gelangen. Kein Flugzeug oder Privatjet durfte die Rollbahn verlassen und die Luftraumüberwachung ließ sich nicht bestechen, sogar das Militär war eisern.

Tag Zehn - Immer noch kein Lebenszeichen, weder von Bella, noch von Alexis. Ich beschloss alles auf eine Karte zu setzten und rief meinen Vater an, mit einem verheerenden Ergebnis.


Bellas Schrei saß mir immer noch tief in den Knochen. Ich würde ihre Stimme unter tausenden wieder erkennen. Eiskalt lief es mir den Rücken hinunter, meine Hände fingen zu zittern an. Nervös fuhr ich mir durch die Haare und überlegte, was ich machen sollte. Ihr abgewürgter Laut machte mir Angst, durchfuhr mich und ich konnte ihre Schmerz buchstäblich am eigenen Leib spüren.

Immer wieder rief ich meinen Vater und sie abwechselnd an, aber die Leitung war tot. Das Telefon glitt langsam aus meiner Hand und Verzweiflung machte sich in mir breit. Ich konnte nicht mehr anrufen, da scheinbar das Telefon abgeschaltet wurde. Verdammte Scheiße! Ich hatte schone wertvolle Zeit damit vergeudet zu warten, es war das Einzige, was mir noch über geblieben war, denn wir saßen hier fest. Man wollte, oder durfte uns nicht abreisen lassen. Die letzten beiden Maschinen, die uns ein Stückchen näher an zu Hause gebracht hätten, waren uns vor zehn Tagen buchstäblich vor der Nase davon geflogen. Dreißig verschissene Minuten bevor das Flugverbot ausgesprochen wurde, hoben sie ab.


Während mir die kostbare Zeit wie Sand durch meine Finger lief, versuchte ich meine Mutter zu erreichen. So leid es mir tat, aber ich musste sie damit belasten, denn diesmal war mein Vater zu weit gegangen.

„Cullen“, sprach meine Mutter mit freundlicher Stimme ins Telefon.

„Mom, ich bins, sag mal weißt du rein zufällig, wo sich mein Vater herumtreibt?“, versuchte ich so normal wie nur möglich zu fragen und hoffte, sie würde mich nicht sofort durchschauen.

„Hallo Schatz, nein leider hatte er nur erwähnt, dass er etwas wichtiges zu erledigen hatte, aber nicht wüsste, wie lange er brauchen würde. Ruf ihn doch einfach an.“, schlug sie liebevoll vor und wollte wissen, wie es mir geht. Ich wusste, dass sie es nur gut meinte und fürsorglich wie sie war, machte sie sich große Sorgen - wie immer, wenn ich anrief. Sie wusste auch, dass der Streit mit meinem Vater noch nicht zu Ende war, aber sie gab die Hoffnung wie immer nicht auf.

„Das habe ich schon, aber als ich Isabella Volturi im Hintergrund schreien hörte, wurde die Verbindung unterbrochen und die Leitung gekappt...“, sagte ich betont trocken und wartete ihre Reaktion ab.

Meine Mutter schwieg, ich konnte hören, wie sie die Luft scharf einzog und ihre Faust auf den Tisch schlug. Ihre sonst so zarte Stimme klang eisig und hart, sie fluchte leise und wünschte ihn offenkundig zum Teufel. Ich musste leicht grinsen, auch wenn es so überhaupt nicht angebracht war.

„Mom, ich sitze in London fest und komme in den nächsten 72 Stunden nicht weg. Ich muss wissen wo er ist, bitte hilf mir.“ Ich legte jeden Funken Verzweiflung in meine Worte und hoffte sie würde sich noch einmal gegen ihn auflehnen, wobei das eher ein Vertrauensbruch war, aber er hatte es nicht anders verdient...

Ich hörte, wie sie den Hörer auf den Tisch knallte und das nervige Piepen der Tasten ihres Mobiltelefons. In fließendem portugiesisch begrüßte sie jemanden, aber ich verstand nicht so genau, wer dran war. Erst als sie sich unterhielt und eine mehr oder weniger lockere Konversation begann und ich endlich den Namen des Gesprächspartner hörte, ging mir ein Licht auf. Es war mir ein Rätsel, wieso Mutter wusste, wo sie meinem Vater finden würde, aber ich stempelte es als weibliche Intuition ab, denn das erschien mir als die logischste Variante.
Er war der Gärtner und sie vertraute ihm blind, warum auch immer. Ich verstand nicht jeden Satz, da die Verbindung nicht die Beste war, aber ich wusste, dass ich dringend einen Flug nach Rio brauchte, um auf Esmes Insel zu gelangen.

„Edward? Schatz, Tiagio sagt, dass dein Vater die gesamte Insel in Beschlag genommen hat und keiner ein und ausgehen darf. Er sagte, er hat gesehen, wie Carlisle ein bewusstloses zierliches Mädchen in einen der Bungalows gebracht hatte und seitdem hat man sie nicht mehr gesehen. Schatz, es tut mir leid, bitte glaub mir, ich habe davon nichts gewusst.“, redete meine Mutter entschuldigend und wieder in leisem Tonfall mit mir. Ich kam mir vor, wie in einem schlechten Film, nur dass ich eine der Hauptrollen ergattert hatte. Ich nuschelte ein Danke und beendete das Gespräch.

Jake, der noch immer neben mir stand und die Nachrichten studierte, bekam recht wenig mit, so vertieft war er.
„Jake, wir müssen auf die Insel“, sagte ich bestimmend und riss ihn aus seiner Konzentration.

„DIE INSEL?“, fragte er irritiert und ich nickte. Sein erschüttertes „Fuck“ ignorierte ich und suchte nach einem passenden Flug. Jake hatte sofort das Handy gegen sein Ohr gedrückt und begann mit Reinhard zu diskutieren. Mein Versuch, einen passenden Flug zu bekommen, blieb bei einem mickrigen Versuch.

Es war zum aus der Haut fahren. Meine Nerven waren zum Bersten gespannt, eine Runde nach der anderen lief ich hier in der Suite. Die Onlineanzeigen von Gatewick und Heathrow prüfte ich nahezu jede Minute. Der britische Nachrichtensender lief auch den ganzen Tag, denn ich wollte möglichst früh erfahren, falls die
britische Regierung oder Luftfahrtbehörde das Flugverbot mittlerweile aufgehoben hatte. James und Reinhard konnten auch nichts in Erfahrung bringen und auch sie konnten London nicht verlassen, außerdem hatten die beiden beide Hände voll damit zu tun, um zu verhindern, dass Bellas Verschwinden auffiel, denn wenn die Presse mitbekäme, was hier passiert war, denn wäre das eine Katastrophe, die in ihrer Art nicht zu stoppen wäre. Die Enterprise wäre in Gefahr, denn die Neider hatten nicht aufgegeben und wenn Bella nicht da wäre, dann wäre James das perfekte Opfer, denn so sehr er sich auch bemühte, er konnte Bella nicht ersetzen.
Tagein, Tagaus taten wir das selbe, bis heute, denn mir riss eindeutig der Geduldsfaden...

„JAKE, wir fahren zum Flughafen, es kann nicht sein, dass es keine Möglichkeit gibt, das Land zu verlassen. Ich sitze seit zehn Tagen hier fest und keiner kann uns sagen, wann wir hier weg kommen...“ Kämpferisch zog ich ihn hinter mir her zum Auto. Er ließ es zu, auch wenn er nicht wusste, was ich vor hatte. Im erstbesten Taxi fuhren wir zum Flughafen nach Heathrow. Jake versuchte noch immer über die amerikanische Botschaft eine Sondererlaubnis zu bekommen, aber bisher war sein Erfolg nichtssagend.

Ich zog ihn noch immer hinter mir her und stürmte in die Halle hinein, blieb in der überfüllten Check In Halle stehen und drehte mich um meine eigene Achse. Mein Blick blieb bei einer überaus blonden Mitarbeiterin der KLM-Linie hängen. Frei nach dem Motto, wenn es nicht hilft, schaden kann es auch nicht, schlenderte ich betont lässig hinüber, fixierte die Frau mit meinem charmantesten Lächeln und den eindringlichsten Blicken, die ich aufbringen konnte und lehnte mich lasziv über den Schalter.

„Wie kann so eine schöne Frau nur in so einer dunklen Halle arbeiten?“, säuselte ich in perfekter Schleimbolzenmanier und sie kicherte verlegen.

„Das geht schon!“, flüsterte sie verlegen. „Was kann ich tun für Sie, Mister...“

„Edward, für Sie Edward. Eine so nette Persönlichkeit muss mich nicht mit dem Nachnamen anreden. Wissen Sie, gleich nach der Frage, ob sie mir vielleicht sagen können, ob nicht doch eine Maschine Richtung Rio geht, stellt sich mir die Frage, ob Sie nicht mit mir zu Mittag essen wollen?“
Ihre Augen waren an meinen Mund geheftet, also tat ich ihr den Gefallen und befeuchtete meine Lippen mit der Zungenspitze, was sie sichtlich erschauern ließ. Ihre Blicke zogen mich förmlich aus und ich lächelte sie nur verschmitzt an. Sie stammelte etwas davon, dass sie nachsehen will, ob eine Maschine fliegt, aber versprechen kann sie es mir nicht.

Angestrengt starrte sie auf ihren Monitor, verbiss sich konzentriert in ihrer Lippe und musste sich sichtlich dazu zwingen, mich nicht ständig mit ihren Blicken zu fixieren.
“Es tut mir leid Sir, aber ich kann nichts für sie tun. Die einzige Maschine, die vom Senator die Sondererlaubnis für einen Flug mit Sicht bekommen hat, fliegt in etwa einer Stunde von Gate E ab, aber ich denke nicht, dass George Michael, der Papst, die Queen oder wer auch immer, denn das geht Sie nichts an...., Sie mitnehmen werden.", beendete sie ihre Ansage und es fühlte sich beinahe so an, als hätte sie mir gerade den Laufpass gegeben.

Ich schenkte ihr noch ein atemberaubendes Lächeln, wand ihr den Rücken zu und ging zurück zu Jake. Natürlich hatte er das Szenario gerade mitbekommen, genauso wie den Korb, den ich gerade bekommen hatte und grinste mich unverschämt an. Ich zischte ein grimmiges „Schnauze“ und boxte ihm in die Seite. Beinahe wäre dieser Moment so unbeschwert wie früher gewesen, aber nur beinahe.
"Jake....kannst du dich noch an die Flugstunden erinnern, die wir gemeinsam genommen haben?", fragte ich ihn leise. Er nickte nur, grinste mich schelmisch an und ich wusste, er hatte dieselbe Idee wie ich. Gleichzeitig drehten wir einander den Rücken zu und checkten die Flughafenmitarbeiter in unserer Umgebung ab. Unglaublich, was so alles auf einem Flughafen arbeitete, aber es war schwierig jemanden zu finden, dem wir auch nur annähernd ähnlich sahen. Plötzlich machte Jake mehrere schelle Schritte nach vorne und lief einem Mann nach, der ihm körperlich zu gleichen schien. Gekonnt verfolgte er ihn bis in die Herrentoilette.
Kaum fünf Minuten später, stand Jake völlig umgekleidet vor mir und hielt mir einen "Acsess all areas"- Pass unter die Nase. Dieser Pass wäre unsere erste Eintrittskarte zum Flughafeninneren. Ich passte einen durchschnittlich aussehenden Mann ab und tat das selbe wie Jake. In einem günstigen Augenblick, indem ich mir sicher war, dass man mir nicht übertrieben viel Aufmerksamkeit schenkte, schob ich mein Opfer Richtung Waschraum. Dort setzte ich ihn dann mit einem altbewährten Griff außer Gefecht und verschaffte ihm einige schöne Schlummer - Stunden. Gut platziert, fiel es von außen nicht auf, dass hier jemand bewusstlos lag. Ich hatte mehr Glück als Verstand, denn mein Opfer hatte auch einen AAA- Pass dabei, auch wenn ich davor nicht darauf geachtet hatte. Die Klamotten von dem armen Trottel waren mir um Eckhäuser zu groß, aber das windige Schlackern der Kleidung ließ mich hoffentlich nicht auffliegen.
Ich trat wieder hinaus in das öffentliche Geschehen, nickte Jake kurz zu und wir schlenderten zu der Schleuse, die Mitarbeitern das schnellere Passieren der obligatorischen Kontrollen ermöglichte. Bis hierhin ging alles nur erstaunlich einfach, aber wir mussten noch einen Jet kapern und es schaffen, sich knapp dreizehn Stunden, mehr oder weniger unbemerkt, unter dem Radar im Luftraum zu bewegen, ohne vom Militär abgeschossen zu werden.
Wie immer vertraute ich darauf, dass Jake sich einen Plan ausgedacht hatte, denn es schien so, als folge er einer imaginären Liste, die nur er kannte. Der Weg auf die Rollbahn von Gate E war leicht. Gerade mal die Techniker waren erst an dieser Maschine beschäftigt. Von der berühmten Person und dessen Gefolge war zum Glück noch nichts zu sehen. Wir verhielten uns ruhig und warten ab, bis die Techniker fertig waren. Auf dem Klemmbrett des einen, welches achtlos in der Gegend herum lag, konnte ich erkennen, dass der Bestimmungsort der Reise Rio wäre, das hieße wir müssten nur schauen, dass wir an Board kämen ohne gesehen zu werden. Jake verriet mir, dass dies eine Boing 777-300 wäre und seines Wissens nach, gäbe es im Bauch des Vogels sogenannte Personalkabinen. Diese seien zwar pervers unangenehm, aber für unsere Zwecke perfekt.
Ich ahnte schon, dass wir die nächsten Stunden Sardinen - Feeling genießen würden, aber aktuell wäre das, die legalste Möglichkeit nach Rio zu gelangen. Unentdeckt schlichen wir uns hinein und suchten den Abgang zu den Personalnischen. Ich verschwendete wenig Aufmerksamkeit daran, mir die Umgebung genau anzusehen, denn wenn wir unentdeckt bis Rio kommen würden, dann fliegen wir beim Aussteigen sowieso auf und dann hieße es, den Flughafen auf schnellstem Wege zu verlassen.
Wir suchten uns die kleinsten Kojen aus und in mühsamer Kleinarbeit, quetschten wir uns in zwei, parallel zu einander liegenden, hinein.

Wir hörten Stimmen und scheinbar wurden die letzten Handgriffe erledigt, um den Vogel in die Luft zu bringen. Es war ohnehin unsere einzige Chance und wenn wir den Flug überleben würden, also wenn wir nicht entdeckt werden würden, oder uns diese verdammte Aschewolke vom Himmel holen würde, dann wäre ich Bella näher, als die letzten zehn Tage. Das ungleichmäßige Ruckeln verkündete mir, dass wir uns in Bewegung setzten. Wie immer, hielt ich verkrampft die Luft an und hoffte, dass wir nicht schon beim Start Schwierigkeiten bekämen.

Die puren Zweifel manifestierten sich in meinem Kopf. Würden wir überhaupt bis Rio kommen? Hatten wir eine reale Chance, unbemerkt auf die Insel zu kommen? Rechnete er damit, dass wir ihm schon so nahe waren? Was war mit Bella? Ob sie schwer verletzt war? Sie war am Leben, das spürte ich einfach. Es musste einfach so sein. Unruhig, aber still lag ich nun hier und konnte mein Leben überdenken und malte mir aus, wie es wäre, mit Bella glücklich irgendwo zu leben, aber jeder positive Gedanke wurde mit dem, bis ins Mark erschütternden, Schrei von Bella zunichte gemacht.

Nichts war so wie es sein sollte, aber ich hatte eine Chance, eine Möglichkeit und einen Funken Hoffnung, dass das meine Gelegenheit war, in Zukunft alles richtig zu machen...


Keks POV: Erzähler POV

Die heißen, tropischen Temperaturen am Tag und die kühlen Nächte machten Renee und Bella schwer zu schaffen. Bellas Mutter war kaum noch mehr als ein Schatten ihrer Selbst. Man konnte es nur schwer verstehen, mit welchem verbissen Willen beide Frauen versuchten, eisern ihren Widerstand aufrecht zu halten. Keine gab auch nur einen Funken Schmerz preis. Das allgemein bekannte Band, das zwischen Mutter und Kind ab dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens der Schwangerschaft entsteht und in den meisten Fällen bis weit über den Tot hinaus geht, war eiserner untermauert und unzerstörbarer, als Carlisle Cullen jemals gedacht hatte. Jede war für sich bereit, wenn es nötig wäre, für die andere zu sterben.
Jeder seiner verzweifelten Versuche, die Frauen mürbe zu machen, scheiterte an der verbissenen Sturheit, das Leben der anderen noch vor dem eigenen zu retten. Carlisle quälte Renee bis zur Bewusstlosigkeit und Bellas Kopf wurde von Alexis, nur mit Widerwillen, fixierend auf den Bildschirm gehalten. Tränen schossen ihr in die Augen, aber tapfer blinzelte sie das salzige Zeugnis ihrer eigentlichen Stärke weg und richtete den Blick eisern wieder auf den Monitor.

Alexis hingegen verbiss sich in ihre Lippe und hielt den Kopf gesenkt. Von außen betrachtet, war ihr Gesicht gezeichnet von dem Schmerz, den beide Frauen in sich trugen. „Grausamer Bastard“, zischte sie kaum hörbar.

Carlisle ließ es sich nicht nehmen, seine Geiseln so gut zu versorgen, dass ihnen die Beste medizinische Hilfe zur Verfügung stand, denn um nichts in der Welt wollte er riskieren, dass eine der Beiden zu früh stirbt, ohne dass er an sein Ziel kam.

Seit über elf Tagen durchlebte Bella die Hölle auf Erden. Sie hatte Angst, das erste mal in ihrem Leben war die Angst größer, als die panischen Gefühle, die ihr verhasster Stiefvater in ihr ausgelöst hatte. Sie sah ihr Leben an sich vorbei ziehen und hatte schon geistig mit allem abgeschlossen, war felsenfest davon überzeugt, dass sie diesem ekelhaften Arschloch von Cullen, unter keinen Umständen, auch nur einen Ziegelstein überschrieb - eher würde sie sterben. Sie ahnte, wie nah sie an dieser Tatsache dran war, aber ein kleiner Teil in ihr kämpfte permanent gegen das Gefühl an, dem Ende nahe zu sein. Dieser kleine, kämpferische Gedanke bläute ihr die ganze Zeit ein, dass Edward bestimmt auf dem Weg war und sie retten würde. Nicht unbedingt mit der silbernen Rüstung und dem weißen Schimmel, aber wer brauchte schon ein Pferd, oder eine Rüstung, wenn man einen Edward haben konnte. Wobei sie mit Sicherheit auch nichts gegen James oder sogar Reinhard gehabt hätte, der sie retten würde. Hauptsache sie könnten dem Irrsinn entkommen.

Sie ahnte nicht, dass er ihr schon so nahe war. Tatsächlich trennten ihn nur mehr ein paar läppische Stunden von ihr und eingepfercht in diese kleine Koje, erging es ihm nicht besser. Er wusste nicht, was ihn erwarten würde und er betete, dass er sie nicht in einem Sarg nach Hause bringen musste, aber er schloss es nicht aus, denn er wusste, wie brutal sein Vater sein konnte, wenn er etwas erreichen wollte.

Alle waren an einem Punkt angekommen, wo der Weg sich gabelte, wo das Schicksal noch soviel mit zu reden hatte, dass keiner den Ausgang vorhersagen konnte.

Bellas Kopf senkte sich machtlos nach vorne, als Alexis sie ausließ, die Tortur war für diesen Tag beinahe überstanden, die Übertragung beendet und Carlisle sank zufrieden, nach einer ausgiebigen Dusche, in die Hängematte und erfreute sich darüber, dass er seinem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen war. Das es nicht so war und er sich Meilenweit von seinem Sohn und seiner Frau entfernt hatte, wusste er noch nicht, aber es konnte sich nur mehr um Stunden handeln.





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