Little
Pieces
E-POV
Ungläubig
starrte ich auf den Bildschirm.
„Sehr
geehrte Reisende, wegen der Aschewolke sind wir gezwungen, alle
anstehenden Flüge zu canceln. Wir bitten um ihr Verständnis.“
Meine
Hand, die ungläubig auf meinem Mund lag und mein Kopf, der
angestrengt versuchte zu realisieren, dass ich nicht die Chance
hatte, das Land zu verlassen, Jake, der es genau so wenig glauben
konnte was gerade geschehen war, rief Reinhard an. Unverständnis und
Unmut verbreitete sich unter den Passagieren.
Er
versuchte eine Möglichkeit zu finden, um auf den schnellsten Weg in
die USA einzureisen, aber es war vergebens. Man erlaubte uns einfach
nicht nach Hause zu reisen, damit wurde mir eine Möglichkeit
genommen, die Suche nach Bella zu beginnen, denn ich hatte das
Gefühl, dass meine Mutter der Schlüssel zur Lösung wäre, aber ich
traute mich nicht, ihr diese Nachricht am Telefon zu überbringen,
darum musste ich dringend nach Hause. Ich behielt mir diese
Möglichkeit als aller letzte Notlösung vor.
Die
ersten Tage verstrichen ohne Ergebnisse und dies nervte mich.
James,
Babette, Reinhard und wir versuchten alle möglichen Hebel in
Bewegung zu setzen, aber niemand konnte auch nur irgendwie in den
Luftraum gelangen. Kein Flugzeug oder Privatjet durfte die Rollbahn
verlassen und die Luftraumüberwachung ließ sich nicht bestechen,
sogar das Militär war eisern.
Tag
Zehn - Immer noch kein Lebenszeichen, weder von Bella, noch von
Alexis. Ich beschloss alles auf eine Karte zu setzten und rief meinen
Vater an, mit einem verheerenden Ergebnis.
Bellas
Schrei saß mir immer noch tief in den Knochen. Ich würde ihre
Stimme unter tausenden wieder erkennen. Eiskalt lief es mir den
Rücken hinunter, meine Hände fingen zu zittern an. Nervös fuhr ich
mir durch die Haare und überlegte, was ich machen sollte. Ihr
abgewürgter Laut machte mir Angst, durchfuhr mich und ich konnte
ihre Schmerz buchstäblich am eigenen Leib spüren.
Immer
wieder rief ich meinen Vater und sie abwechselnd an, aber die Leitung
war tot. Das Telefon glitt langsam aus meiner Hand und Verzweiflung
machte sich in mir breit. Ich konnte nicht mehr anrufen, da scheinbar
das Telefon abgeschaltet wurde. Verdammte Scheiße! Ich hatte schone
wertvolle Zeit damit vergeudet zu warten, es war das Einzige, was mir
noch über geblieben war, denn wir saßen hier fest. Man wollte, oder
durfte uns nicht abreisen lassen. Die letzten beiden Maschinen, die
uns ein Stückchen näher an zu Hause gebracht hätten, waren uns vor
zehn Tagen buchstäblich vor der Nase davon geflogen. Dreißig
verschissene Minuten bevor das Flugverbot ausgesprochen wurde, hoben
sie ab.
Während
mir die kostbare Zeit wie Sand durch meine Finger lief, versuchte ich
meine Mutter zu erreichen. So leid es mir tat, aber ich musste sie
damit belasten, denn diesmal war mein Vater zu weit gegangen.
„Cullen“,
sprach meine Mutter mit freundlicher Stimme ins Telefon.
„Mom,
ich bins, sag mal weißt du rein zufällig, wo sich mein Vater
herumtreibt?“, versuchte ich so normal wie nur möglich zu fragen
und hoffte, sie würde mich nicht sofort durchschauen.
„Hallo
Schatz, nein leider hatte er nur erwähnt, dass er etwas wichtiges zu
erledigen hatte, aber nicht wüsste, wie lange er brauchen würde.
Ruf ihn doch einfach an.“, schlug sie liebevoll vor und wollte
wissen, wie es mir geht. Ich wusste, dass sie es nur gut meinte und
fürsorglich wie sie war, machte sie sich große Sorgen - wie immer,
wenn ich anrief. Sie wusste auch, dass der Streit mit meinem Vater
noch nicht zu Ende war, aber sie gab die Hoffnung wie immer nicht
auf.
„Das
habe ich schon, aber als ich Isabella Volturi im Hintergrund schreien
hörte, wurde die Verbindung unterbrochen und die Leitung
gekappt...“, sagte ich betont trocken und wartete ihre Reaktion ab.
Meine
Mutter schwieg, ich konnte hören, wie sie die Luft scharf einzog und
ihre Faust auf den Tisch schlug. Ihre sonst so zarte Stimme klang
eisig und hart, sie fluchte leise und wünschte ihn offenkundig zum
Teufel. Ich musste leicht grinsen, auch wenn es so überhaupt nicht
angebracht war.
„Mom,
ich sitze in London fest und komme in den nächsten 72 Stunden nicht
weg. Ich muss wissen wo er ist, bitte hilf mir.“ Ich legte jeden
Funken Verzweiflung in meine Worte und hoffte sie würde sich noch
einmal gegen ihn auflehnen, wobei das eher ein Vertrauensbruch war,
aber er hatte es nicht anders verdient...
Ich
hörte, wie sie den Hörer auf den Tisch knallte und das nervige
Piepen der Tasten ihres Mobiltelefons. In fließendem portugiesisch
begrüßte sie jemanden, aber ich verstand nicht so genau, wer dran
war. Erst als sie sich unterhielt und eine mehr oder weniger lockere
Konversation begann und ich endlich den Namen des Gesprächspartner
hörte, ging mir ein Licht auf. Es war mir ein Rätsel, wieso Mutter
wusste, wo sie meinem Vater finden würde, aber ich stempelte es als
weibliche Intuition ab, denn das erschien mir als die logischste
Variante.
Er
war der Gärtner und sie vertraute ihm blind, warum auch immer. Ich
verstand nicht jeden Satz, da die Verbindung nicht die Beste war,
aber ich wusste, dass ich dringend einen Flug nach Rio brauchte, um
auf Esmes Insel zu gelangen.
„Edward?
Schatz, Tiagio sagt, dass dein Vater die gesamte Insel in Beschlag
genommen hat und keiner ein und ausgehen darf. Er sagte, er hat
gesehen, wie Carlisle ein bewusstloses zierliches Mädchen in einen
der Bungalows gebracht hatte und seitdem hat man sie nicht mehr
gesehen. Schatz, es tut mir leid, bitte glaub mir, ich habe davon
nichts gewusst.“, redete meine Mutter entschuldigend und wieder in
leisem Tonfall mit mir. Ich kam mir vor, wie in einem schlechten
Film, nur dass ich eine der Hauptrollen ergattert hatte. Ich
nuschelte ein Danke und beendete das Gespräch.
Jake,
der noch immer neben mir stand und die Nachrichten studierte, bekam
recht wenig mit, so vertieft war er.
„Jake,
wir müssen auf die Insel“, sagte ich bestimmend und riss ihn aus
seiner Konzentration.
„DIE
INSEL?“, fragte er irritiert und ich nickte. Sein erschüttertes
„Fuck“ ignorierte ich und suchte nach einem passenden Flug. Jake
hatte sofort das Handy gegen sein Ohr gedrückt und begann mit
Reinhard zu diskutieren. Mein Versuch, einen passenden Flug zu
bekommen, blieb bei einem mickrigen Versuch.
Es
war zum aus der Haut fahren. Meine Nerven waren zum Bersten gespannt,
eine Runde nach der anderen lief ich hier in der Suite. Die
Onlineanzeigen von Gatewick und Heathrow prüfte ich nahezu jede
Minute. Der britische Nachrichtensender lief auch den ganzen Tag,
denn ich wollte möglichst früh erfahren, falls die
britische Regierung oder Luftfahrtbehörde das Flugverbot mittlerweile aufgehoben hatte. James und Reinhard konnten auch nichts in Erfahrung bringen und auch sie konnten London nicht verlassen, außerdem hatten die beiden beide Hände voll damit zu tun, um zu verhindern, dass Bellas Verschwinden auffiel, denn wenn die Presse mitbekäme, was hier passiert war, denn wäre das eine Katastrophe, die in ihrer Art nicht zu stoppen wäre. Die Enterprise wäre in Gefahr, denn die Neider hatten nicht aufgegeben und wenn Bella nicht da wäre, dann wäre James das perfekte Opfer, denn so sehr er sich auch bemühte, er konnte Bella nicht ersetzen.
britische Regierung oder Luftfahrtbehörde das Flugverbot mittlerweile aufgehoben hatte. James und Reinhard konnten auch nichts in Erfahrung bringen und auch sie konnten London nicht verlassen, außerdem hatten die beiden beide Hände voll damit zu tun, um zu verhindern, dass Bellas Verschwinden auffiel, denn wenn die Presse mitbekäme, was hier passiert war, denn wäre das eine Katastrophe, die in ihrer Art nicht zu stoppen wäre. Die Enterprise wäre in Gefahr, denn die Neider hatten nicht aufgegeben und wenn Bella nicht da wäre, dann wäre James das perfekte Opfer, denn so sehr er sich auch bemühte, er konnte Bella nicht ersetzen.
Tagein,
Tagaus taten wir das selbe, bis heute, denn mir riss eindeutig der
Geduldsfaden...
„JAKE,
wir fahren zum Flughafen, es kann nicht sein, dass es keine
Möglichkeit gibt, das Land zu verlassen. Ich sitze seit zehn Tagen
hier fest und keiner kann uns sagen, wann wir hier weg kommen...“
Kämpferisch zog ich ihn hinter mir her zum Auto. Er ließ es zu,
auch wenn er nicht wusste, was ich vor hatte. Im erstbesten Taxi
fuhren wir zum Flughafen nach Heathrow. Jake versuchte noch immer
über die amerikanische Botschaft eine Sondererlaubnis zu bekommen,
aber bisher war sein Erfolg nichtssagend.
Ich
zog ihn noch immer hinter mir her und stürmte in die Halle hinein,
blieb in der überfüllten Check In Halle stehen und drehte mich um
meine eigene Achse. Mein Blick blieb bei einer überaus blonden
Mitarbeiterin der KLM-Linie hängen. Frei nach dem Motto, wenn es
nicht hilft, schaden kann es auch nicht, schlenderte ich betont
lässig hinüber, fixierte die Frau mit meinem charmantesten Lächeln
und den eindringlichsten Blicken, die ich aufbringen konnte und
lehnte mich lasziv über den Schalter.
„Wie
kann so eine schöne Frau nur in so einer dunklen Halle arbeiten?“,
säuselte ich in perfekter Schleimbolzenmanier und sie kicherte
verlegen.
„Das
geht schon!“, flüsterte sie verlegen. „Was kann ich tun für
Sie, Mister...“
„Edward,
für Sie Edward. Eine so nette Persönlichkeit muss mich nicht mit
dem Nachnamen anreden. Wissen Sie, gleich nach der Frage, ob sie mir
vielleicht sagen können, ob nicht doch eine Maschine Richtung Rio
geht, stellt sich mir die Frage, ob Sie nicht mit mir zu Mittag essen
wollen?“
Ihre
Augen waren an meinen Mund geheftet, also tat ich ihr den Gefallen
und befeuchtete meine Lippen mit der Zungenspitze, was sie sichtlich
erschauern ließ. Ihre Blicke zogen mich förmlich aus und ich
lächelte sie nur verschmitzt an. Sie stammelte etwas davon, dass sie
nachsehen will, ob eine Maschine fliegt, aber versprechen kann sie es
mir nicht.
Angestrengt
starrte sie auf ihren Monitor, verbiss sich konzentriert in ihrer
Lippe und musste sich sichtlich dazu zwingen, mich nicht ständig mit
ihren Blicken zu fixieren.
“Es
tut mir leid Sir, aber ich kann nichts für sie tun. Die einzige
Maschine, die vom Senator die Sondererlaubnis für einen Flug mit
Sicht bekommen hat, fliegt in etwa einer Stunde von Gate E ab, aber
ich denke nicht, dass George Michael, der Papst, die Queen oder wer
auch immer, denn das geht Sie nichts an...., Sie mitnehmen werden.",
beendete sie ihre Ansage und es fühlte sich beinahe so an, als hätte
sie mir gerade den Laufpass gegeben.
Ich
schenkte ihr noch ein atemberaubendes Lächeln, wand ihr den Rücken
zu und ging zurück zu Jake. Natürlich hatte er das Szenario gerade
mitbekommen, genauso wie den Korb, den ich gerade bekommen hatte und
grinste mich unverschämt an. Ich zischte ein grimmiges „Schnauze“
und boxte ihm in die Seite. Beinahe wäre dieser Moment so
unbeschwert wie früher gewesen, aber nur beinahe.
"Jake....kannst
du dich noch an die Flugstunden erinnern, die wir gemeinsam genommen
haben?", fragte ich ihn leise. Er nickte nur, grinste mich
schelmisch an und ich wusste, er hatte dieselbe Idee wie ich.
Gleichzeitig drehten wir einander den Rücken zu und checkten die
Flughafenmitarbeiter in unserer Umgebung ab. Unglaublich, was so
alles auf einem Flughafen arbeitete, aber es war schwierig jemanden
zu finden, dem wir auch nur annähernd ähnlich sahen. Plötzlich
machte Jake mehrere schelle Schritte nach vorne und lief einem Mann
nach, der ihm körperlich zu gleichen schien. Gekonnt verfolgte er
ihn bis in die Herrentoilette.
Kaum
fünf Minuten später, stand Jake völlig umgekleidet vor mir und
hielt mir einen "Acsess all areas"- Pass unter die Nase.
Dieser Pass wäre unsere erste Eintrittskarte zum Flughafeninneren.
Ich passte einen durchschnittlich aussehenden Mann ab und tat das
selbe wie Jake. In einem günstigen Augenblick, indem ich mir sicher
war, dass man mir nicht übertrieben viel Aufmerksamkeit schenkte,
schob ich mein Opfer Richtung Waschraum. Dort setzte ich ihn dann mit
einem altbewährten Griff außer Gefecht und verschaffte ihm einige
schöne Schlummer - Stunden. Gut platziert, fiel es von außen nicht
auf, dass hier jemand bewusstlos lag. Ich hatte mehr Glück als
Verstand, denn mein Opfer hatte auch einen AAA- Pass dabei, auch wenn
ich davor nicht darauf geachtet hatte. Die Klamotten von dem armen
Trottel waren mir um Eckhäuser zu groß, aber das windige Schlackern
der Kleidung ließ mich hoffentlich nicht auffliegen.
Ich
trat wieder hinaus in das öffentliche Geschehen, nickte Jake kurz zu
und wir schlenderten zu der Schleuse, die Mitarbeitern das schnellere
Passieren der obligatorischen Kontrollen ermöglichte. Bis hierhin
ging alles nur erstaunlich einfach, aber wir mussten noch einen Jet
kapern und es schaffen, sich knapp dreizehn Stunden, mehr oder
weniger unbemerkt, unter dem Radar im Luftraum zu bewegen, ohne vom
Militär abgeschossen zu werden.
Wie
immer vertraute ich darauf, dass Jake sich einen Plan ausgedacht
hatte, denn es schien so, als folge er einer imaginären Liste, die
nur er kannte. Der Weg auf die Rollbahn von Gate E war leicht. Gerade
mal die Techniker waren erst an dieser Maschine beschäftigt. Von der
berühmten Person und dessen Gefolge war zum Glück noch nichts zu
sehen. Wir verhielten uns ruhig und warten ab, bis die Techniker
fertig waren. Auf dem Klemmbrett des einen, welches achtlos in der
Gegend herum lag, konnte ich erkennen, dass der Bestimmungsort der
Reise Rio wäre, das hieße wir müssten nur schauen, dass wir an
Board kämen ohne gesehen zu werden. Jake verriet mir, dass dies eine
Boing 777-300 wäre und seines Wissens nach, gäbe es im Bauch des
Vogels sogenannte Personalkabinen. Diese seien zwar pervers
unangenehm, aber für unsere Zwecke perfekt.
Ich
ahnte schon, dass wir die nächsten Stunden Sardinen - Feeling
genießen würden, aber aktuell wäre das, die legalste Möglichkeit
nach Rio zu gelangen. Unentdeckt schlichen wir uns hinein und suchten
den Abgang zu den Personalnischen. Ich verschwendete wenig
Aufmerksamkeit daran, mir die Umgebung genau anzusehen, denn wenn wir
unentdeckt bis Rio kommen würden, dann fliegen wir beim Aussteigen
sowieso auf und dann hieße es, den Flughafen auf schnellstem Wege zu
verlassen.
Wir
suchten uns die kleinsten Kojen aus und in mühsamer Kleinarbeit,
quetschten wir uns in zwei, parallel zu einander liegenden, hinein.
Wir
hörten Stimmen und scheinbar wurden die letzten Handgriffe erledigt,
um den Vogel in die Luft zu bringen. Es war ohnehin unsere einzige
Chance und wenn wir den Flug überleben würden, also wenn wir nicht
entdeckt werden würden, oder uns diese verdammte Aschewolke vom
Himmel holen würde, dann wäre ich Bella näher, als die letzten
zehn Tage. Das ungleichmäßige Ruckeln verkündete mir, dass wir uns
in Bewegung setzten. Wie immer, hielt ich verkrampft die Luft an und
hoffte, dass wir nicht schon beim Start Schwierigkeiten bekämen.
Die
puren Zweifel manifestierten sich in meinem Kopf. Würden wir
überhaupt bis Rio kommen? Hatten wir eine reale Chance, unbemerkt
auf die Insel zu kommen? Rechnete er damit, dass wir ihm schon so
nahe waren? Was war mit Bella? Ob sie schwer verletzt war? Sie war am
Leben, das spürte ich einfach. Es musste einfach so sein. Unruhig,
aber still lag ich nun hier und konnte mein Leben überdenken und
malte mir aus, wie es wäre, mit Bella glücklich irgendwo zu leben,
aber jeder positive Gedanke wurde mit dem, bis ins Mark
erschütternden, Schrei von Bella zunichte gemacht.
Nichts
war so wie es sein sollte, aber ich hatte eine Chance, eine
Möglichkeit und einen Funken Hoffnung, dass das meine Gelegenheit
war, in Zukunft alles richtig zu machen...
Keks
POV: Erzähler POV
Die heißen, tropischen Temperaturen am Tag und die kühlen Nächte
machten Renee und Bella schwer zu schaffen. Bellas Mutter war kaum
noch mehr als ein Schatten ihrer Selbst. Man konnte es nur schwer
verstehen, mit welchem verbissen Willen beide Frauen versuchten,
eisern ihren Widerstand aufrecht zu halten. Keine gab auch nur einen
Funken Schmerz preis. Das allgemein bekannte Band, das zwischen
Mutter und Kind ab dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens der
Schwangerschaft entsteht und in den meisten Fällen bis weit über
den Tot hinaus geht, war eiserner untermauert und unzerstörbarer,
als Carlisle Cullen jemals gedacht hatte. Jede war für sich bereit,
wenn es nötig wäre, für die andere zu sterben.
Jeder
seiner verzweifelten Versuche, die Frauen mürbe zu machen,
scheiterte an der verbissenen Sturheit, das Leben der anderen noch
vor dem eigenen zu retten. Carlisle quälte Renee bis zur
Bewusstlosigkeit und Bellas Kopf wurde von Alexis, nur mit
Widerwillen, fixierend auf den Bildschirm gehalten. Tränen schossen
ihr in die Augen, aber tapfer blinzelte sie das salzige Zeugnis ihrer
eigentlichen Stärke weg und richtete den Blick eisern wieder auf den
Monitor.
Alexis
hingegen verbiss sich in ihre Lippe und hielt den Kopf gesenkt. Von
außen betrachtet, war ihr Gesicht gezeichnet von dem Schmerz, den
beide Frauen in sich trugen. „Grausamer Bastard“, zischte sie
kaum hörbar.
Carlisle
ließ es sich nicht nehmen, seine Geiseln so gut zu versorgen, dass
ihnen die Beste medizinische Hilfe zur Verfügung stand, denn um
nichts in der Welt wollte er riskieren, dass eine der Beiden zu früh
stirbt, ohne dass er an sein Ziel kam.
Seit
über elf Tagen durchlebte Bella die Hölle auf Erden. Sie hatte
Angst, das erste mal in ihrem Leben war die Angst größer, als die
panischen Gefühle, die ihr verhasster Stiefvater in ihr ausgelöst
hatte. Sie sah ihr Leben an sich vorbei ziehen und hatte schon
geistig mit allem abgeschlossen, war felsenfest davon überzeugt,
dass sie diesem ekelhaften Arschloch von Cullen, unter keinen
Umständen, auch nur einen Ziegelstein überschrieb - eher würde sie
sterben. Sie ahnte, wie nah sie an dieser Tatsache dran war, aber ein
kleiner Teil in ihr kämpfte permanent gegen das Gefühl an, dem Ende
nahe zu sein. Dieser kleine, kämpferische Gedanke bläute ihr die
ganze Zeit ein, dass Edward bestimmt auf dem Weg war und sie retten
würde. Nicht unbedingt mit der silbernen Rüstung und dem weißen
Schimmel, aber wer brauchte schon ein Pferd, oder eine Rüstung, wenn
man einen Edward haben konnte. Wobei sie mit Sicherheit auch nichts
gegen James oder sogar Reinhard gehabt hätte, der sie retten würde.
Hauptsache sie könnten dem Irrsinn entkommen.
Sie ahnte nicht, dass er ihr schon so nahe war. Tatsächlich trennten
ihn nur mehr ein paar läppische Stunden von ihr und eingepfercht in
diese kleine Koje, erging es ihm nicht besser. Er wusste nicht, was
ihn erwarten würde und er betete, dass er sie nicht in einem Sarg
nach Hause bringen musste, aber er schloss es nicht aus, denn er
wusste, wie brutal sein Vater sein konnte, wenn er etwas erreichen
wollte.
Alle
waren an einem Punkt angekommen, wo der Weg sich gabelte, wo das
Schicksal noch soviel mit zu reden hatte, dass keiner den Ausgang
vorhersagen konnte.
Bellas
Kopf senkte sich machtlos nach vorne, als Alexis sie ausließ, die
Tortur war für diesen Tag beinahe überstanden, die Übertragung
beendet und Carlisle sank zufrieden, nach einer ausgiebigen Dusche,
in die Hängematte und erfreute sich darüber, dass er seinem Ziel
wieder einen Schritt näher gekommen war. Das es nicht so war und er
sich Meilenweit von seinem Sohn und seiner Frau entfernt hatte,
wusste er noch nicht, aber es konnte sich nur mehr um Stunden
handeln.
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