Montag, 1. April 2013

Und irgendwann......

Und irgendwann reisst der Himmel auf – Final curtain

Bella-Pov 3 Month later

Nichts war mehr so wie es einmal war. Die Zeit vergeht, egal wie sehr man versucht sie zurück zu drehen.

Es ist einem gleich ob die Sonne scheint, der Regen in dicken Tropfen vom Himmel fällt oder es die eisigen Hagelkörner nur so von der dicken fetten Gewitterwolke weg katapultiert. Äpfel waren wie Birnen und Birnen waren wie Orangen.. Huhn schmeckte wie Lamm und Lamm war nichts weiter als Fleisch eines Tieres, das die Menschen als Nahrung benutzten. Für mich war es bedeutungslos- so bedeutungslos wie alles um mich herum.

Alles versickerte buchstäblich emotionslos in mir ohne auch nur eine Gefühlsregung hervorzurufen. Ich war nichts weiter als eine Hülle voll von Gedenken und Vorwürfen, da war einfach kein Platz mehr für sowas wie Liebe, Leidenschaft oder Freude.

Einzig und allein was geblieben war, waren die Erinnerungen. Schmerzhafte Erinnerungen die mich verfolgten und quälten, die mich von innen nach aussen auffrassen ohne Rücksicht auf Verluste.

Oft dachte ich daran zurück, an den Tag an dem ich mich am Flughafen ganz bewusst für London entschieden hatte, weg von meiner Mutter und weit weg von Forks, Charlies Kleinstadt, meiner persönlichen Einöde.

Was wäre anders gewesen, wenn ich mich nicht so entschlossen hätte wie ich es nun mal getan habe?
Dann wäre ich niemals Edward über den Weg gelaufen oder James oder Jake oder Reinhard, aber dann hätte ich auch nie erfahren wie es ist jeden Tag einen Drahtseilakt zu begehen, zwischen Gut und Böse zu entscheiden oder zwischen Richtig und Falsch die Frage ist nur gibt es Richtig und Falsch überhaupt oder ist es wieder nur so eine Auslegung der Menschheit um uns selber zu geiseln?

Und vorallem wäre meine Mutter noch am Leben...sie wäre nie in diese Situation gekommen sie wäre zu Hause gewesen hätte sich vielleicht von selber von diesem wiederlichen Windsack von Phil getrennt und dann bei einem ihrer Selbstfindunsgtrips einen netten Handwerker oder einern Ergotherapeuten oder einen Esotheriker kennen gelernt der ihr das beste Leben auf Erden geboten hätte... Bestimmt wäre sie jetzt glücker statt, eiskalt in acht Meter Tiefe wo sie sich mit Regenwürmern, Maulwürfen und ekeligen Kriechgetier die Ewigkeit vertreiben müsste...

Immer wieder zog es mir bei diesen Gedanken alles zusammen und brach weinend an Ort und Stelle zusammen. Wieder musste mich Edward oder Reinhard, Jake oder wie doch alle hiessen aufklauben und in mein Bett bringen und den Arzt rufen. Der Arzt der mittlerweilen sicher schon ein oder zwei neue Autos mit uns verdient hatte, so oft wie wir ihn hier benötigen.

Nachdem er mich beruhigt hatte und wiedereinmal zwölf Stunden ausser gefecht gesetzt hatte, stand ich mit wackeligen Beinen auf, schlüpfte in frische Kleidung und begann den Tag erneut von vorne mit denken.

Tausend Gedanken durchquerten mein Gehirn die ganze Zeit über und ich hasste jeden einzelnen davon und die harten Fakten meines tatsächlichen realen Lebens liessen sich auf Dauer einfach nicht verleugnen...

An die Zeit auf der Insel wollte ich auf keinen Fall zurück denken, aber leider rückte der Tag, an dem ich mich entscheiden musste was ich mit dem Mörder meiner Mutter tun will immer näher, ausserdem so toll sich das jetzt alles anhörte war das auch nur die offizielle Version meines Ich´s. In wirklichkeit war alles eine düstere schwarze Einöde die mich Stückchenweise tötete, so blumige Gedanken wie der eben gerade war nur eine Einbildung um den anderen die mich auf Schritt und Tritt beobachteten vorzuspielen das es mir bestimmt bald besser ging.

Carlisle Cullen hatte meine Mutter auf dem Gewissen und somit das Concordat entgültig gebrochen. Selbst wenn dieses Concordat meiner Meinung nach immer schon etwas Schwachsinnig gewesen war, so war es jetzt entgültig hinfällig. Er müsste genauso so brutal zu tote gerichtet werden wie er es uns angetan hatte...

In einigen helleren Momenten erkannte ich aber dennoch etwas von der Realität und ab und zu gelang es mir auch ehrlich an dem Spießrutenlauf, der sich Leben schimpfte teilzunehmen wenn auch nicht lange.

Edward hatte sich in jedem Sinne von seinem Erzeuger- wie er ihn nur mehr nannte- losgelöst und gezwungen uns alles zu überschreiben und abzutanken. Soweit ich von James und Jake wusste, war dies ein leichtes Unterfangen und die Gebietsleiter des Cullen Coven waren nicht sonderlich überrascht das sie nun unter dem Volturiwappen dienten- es schien sie kaum zu stören.

Mich ließ man im Moment ausser vor, da ich mit allem nichts zu tun haben wollte. Der Tod meiner Mutter riss mich in ein bodenloses tiefschwarzes Loch aus dem ich so schnell nicht mehr herauskam. Großteils des Tages war ich damit beschäftigt nicht weinend zusammenzubrechen oder agressiv auf Sandsäcke oder andere Gegenstände einzuschlagen, aber es wurde besser- täglich, oder so ähnlich..

An manchen Tagen, wenn ich mich stark genug fühlte um hinaus zu gehen und wahllos und vorallem Kopflos durch den Hydepark zog beobachtete ich die Touristen, speziell Mütter die ihren Kindern versuchten die eine oder andere Sache zu zeigen oder wie sie Tauben fütterten oder den Eichkätzchen zu sahen wie sie flink über die Grünflächen liefen.

Jedesmal zog sich mein Herz zusammen und ich kämpfte erneut mit meinen Tränen.

Irgendwann in dieser Woche, ich glaub wir hatten Dienstag, sass ich zusammen gezogen am Ufer des kleinen See´s mitten im Park und beobachtete die Enten als sich ein Kerl neben mich setzte. Mein abwerternster Blick traf ihn, die Verachtung und all der Hass den ich verspürte hätte ihn gleichzeitig treffen müssen, aber er liess sich nicht abschrecken. Hartnäckig blieb er neben mir sitzen und schaute aufs Wasser. Irritiert stand ich auf und setzte mich gute 500 Meter von ihm weg, aber die einige Reaktion von ihm war, das er aufstand und es mir gleich tat.

Ungläubig und mit entsetztem Blick musterte ich ihn. Das konnte doch nicht sein, dass es ihm nichts ausmachte, das ihn meine Mimik buchstäblich ankotzte und meine Gedanken ihn zum Teufel wünschten. Jeder andere Mensch hätte schreinend die Flucht ergriffen, aber er nicht er sass da, wie angewachsen oder festgenagelt oder weiss der Geier was. Ich starrte ihn eiskalt an, mit todesähnlichen Blicken hatte ich mich an seine Gesichtshälfte geheftet. Es muss ihm doch aufgefallen sein das ich ihn hier nicht wollte.

Er war in etwa so alt wie ich, wobei er war bestimmt ein bisschen älter, aber so sicher war ich mir nicht und das Alter tat auch nichts zur Sache, da es nicht wichtig war.
Noch immer blickte ich ihn bistieg und saueran und versuchte ihn mit meiner übelsten Laune und unfreundlichsten Art zu vertreiben, aber er blieb hartnäckig neben mir sitzen und meinte nur salopp, dass sein Name Mike sei und er jetzt solange hier sitzen bliebe bis ich mich aufrichte und aufhöre mich selber in mein selbst erzeugtes schwarzes Loch zu ziehen und vorallem solche wiederlichen Grimassen zu schneiden, denn sonst liefern sie mich mit einem Gesichtskrampf demnächst ins nächste Kinderspital ein, weil so verhält sich maximal eine drei Jährige.

Mit großen ungläubigen Augen, sah ich ihn nur irritiert an und aus irgendeinem mir völlig unbekanntem Grund konnte ich mir auch ein ehrliches kleines Lächeln abringen, welches meine eisig gefrorenen Gesichtszüge ein wenig entspannte, denn mein inneres Ich, das seitdem dem Vorfall auf der Insel einfach nur vergraben gewesen war schrie buchstäblich das er Recht hatte, aber das konnte ich nicht einfach so zu geben.

Ich wurde diesen Kerl einfach nicht mehr los, noch nicht einmal, als ich aufstand und wie eine gestörte durch den Park lief, über Zäune sprang und mich an Bäumen gekonnt hochzog um behände nach oben zu klettern. Er folgte mir und kam dabei noch nicht mal ausser Atem. Seine Frage ob ich nicht zufällig bei einer Sonderkommision der Polizei arbeitete, entlockte mir ein lautstarkes Lachen und sein irritiert betroffener Blick war einfach zu göttlich. Noch verwirrter war er als ich beiläufig meinte, das ich wohl eher das Gegenteil davon wäre, aber mehr sagte ich nicht dazu, was ging es ihn auch an. Gar nichts! Wer war er schon... Na gut ok! Ich kannte seinen Namen und ich ahnte, dass er scheinbar viel Zeit hatte wenn er wollte und er war ein guter Zuhörer auch wenn man mit ihm nicht sprach. Mit seiner blossen Anwesenheit durchschlug er die bitter steinerne Mauer die ich mir mühsam aufgebaut hatte. Durch die kleinen Ritzen die sein emotionaler Angriff hinterliessen kamen die ekelhaften Strahlen des Glücksgefühles und das der aufrichtigen Aufmerksamkeit und vorallem das Gefühl von Zugehörigkeit. Welches ich einfach vegeschlossen hatte.

Ich kannte ihn ja noch nicht mal richtig- auch wenn es sich vom ersten Augenblick an anfühlte als wäre es schon ein Jahrhundert oder zwei. Was machte er nur mit mir und woher wusste er wo er ansetzten musstem was war er? Oder eher WER? Konnte ich ihm vertrauen? Mein Bauchgefühl sagte JA! Wie brachte ich das Edward oder den anderen bei, dass ich jemanden wildfremden aus dem Park mich mehr anvertrauen konnte als denjenigen die michtagtäglich begleiteten. Ich fand darauf keine richtige Antwort, aber ich suchte auch nicht richtig dannach. Ich musste es einfach laufen lassen.

Von nun an trafen wir uns beinahe täglich zum spazieren gehen und um ehrlich zu sein war er eher schon mehr mein Psychologe als nur ein Jemand, der gerade da war. In seiner Gegenwart wurde alles so leicht- so locker beinahe schon schwerelos. Er durfte etwas was sonst keiner durfte- mich ständig begleiten. Er war dort wo ich auch war, sein zu Hause war meine zu Hause. Erst beschränkten wir uns nur auf die Londoner Parks und die umliegenden Starbucks und abends wenn ich wie so oft ohne Edward in mein Bett ging auf Kurznachrichten. So sehr ich Edward auch liebte ich konnte ihn noch nicht wieder an mich heranlassen, das konnte auch der ständige zu Mike nicht ändern. Anfangs wollte ich seine Existenz geheimhalten, aber das gelang mir ohnehin nicht, also legte ich die Karten auf den Tisch, auch wenn ich noch keinen Namen verriet.

Eines Tages beschloss ich Mike den anderen vorzuszellen, wobei so richtig war das auch nicht ausgedrückt, denn ich zog ihn hinter mir her während wir an allen vorbei gelaufen sind nur um irgendeiner Frage auszuweichen. Mike liess sich das zwar gefallen, aber so richtig Recht war ihm das nicht. Er meinte irgendwann, dass er mein Umfeld wie er es nannte gerne kennenlernen würde, aber eben nicht wie als wäre er dabei auf der Flucht... ich ignorierte seinen Wunsch für´s Erste, denn wer teilte so einen tollen Menschen schon gern mit anderen...

Seine permanente Anwesenheit gefiel niemanden so wirklich ausser mir, aber sie akzeptierten es, denn wenn er mir gut tat waren sie glücklich, wenn auch etwas gezwungen. Edward war rasend Eifersüchtig, aber in meiner Gegenwart versuchte er es gekonnt zu überspielen, auch wenn es ihm nicht sonderlich gut gelang. Nach einiger Zeit, als sich ein Zusammentreffen nicht mehr vermeiden liess stellte ich fest, wenn Ed und Mike im selben Raum mit mir waren, versuchte Edward immer einen Ticken besser zu sein, was mir natürlich ein Lächeln ins Gesicht zauberte, denn für mich gab es niemand anderen als Edward, aber ich konnte es ihm im Moment einfach nicht zeigen. Zuneigung und dergleichen war wie eingefroren, ich wusste das ich diese Emotionen irgendwo in meinem tiefsten Inneren besitze, aber sie waren einfach nicht abrufbar.

Es kam wie es kommen musste und Edward zog zusammen mit Jake und ungefähr 15 vollgeladene Lkw´s nach London. Es war schön ihn in der Nähe zu haben und er las mir wirklich jeden Wunsch von den Augen ab, beinahe war es wie damals in Frankreich, aber eben nur beinahe.

Unsere Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft hing wie ein Damoklesschwert über uns und keiner wusste so genau wie es weiter gehen würde. Wie würde es weiter gehen, jetzt wo es keine Volturi vs. Cullen Probleme mehr gab?

Was kommt als nächstes?

Eigentlich wäre es ja egal, aber von meinen Entscheidungen hing immer so viel ab und ich möchte nicht weiterhin nach Zielen streben die mich und meine Umgebung in Gefahr brachte oder anderen Unschuldigen das Leben schwer machte oder vielleicht sogar kostete.

Nach einem entspannenden Wochenende wo Mike und ich durch die Wetlands gewandert waren und Edward mich Abends an der Themse zu einem mehr als nur Privaten Abendessen eingeladen hatte kam auch schon der Tag vor dem ich mich am meisten fürchtete.

MONTAG.

Wir saßen seit sechs Uhr Früh in einem der Besprechungszimmer und diskutierten lautstark über den verbleib des ehemaligen Cullenoberhauptes. 26 Leute massten sich an über das Leben oder Ableben eines einzigen zu diskutieren und ich fragte mich ehrlich warum James darauf bestanden hatte dies vor allen anderen zu entscheiden, aber ich nehme an es sollte soetwas wie eine Lektion sein. Edward sass in einem der Sessel zurückgelehnt und rieb sich mit einer Hand seinen Nasenrücken. Er tat mir ehrlich leid und ich konnte mir vorstellen, welche Qualen ihm diese Versammlung bereitete, aber ich konnte sie ihm nicht abnehmen.


Lautstark diskutierten sie, schrien sich an , beflegelten sich. Es war kaum auszuhalten und das waren angeblich erwachsene Menschen wo jeder einzelne eine wichtige Position inne hatte.

Sehr geehrte Abgesante, ich bin beeindruckt wie viele es geschafft haben sich heute hier einzufinden, vorallem wenn man bedenkt das es zu einem anderen Anlass kaum möglich ist euch alle an einen Tisch zu bekommen.“ erhob ich nach gut zwei Stunden das Wort, denn mir langte es entgültig. Jake und Andrew, ein Mann aus dem Cullen Coven den Edward vorgeschlagen hatte, würden in weniger als einer Stunde hier sein und ich wollte es einfach zu einem Ende bringen, denn ich sah recht wenig Sinn darin.

Ich kann mir gut vorstellen, dass jeder hier mitreden möchte und entscheiden, aber Sie werden sicher verstehen, dass es Sie alle nur periphär zu tangieren hat was mit Carlisle Cullen passieren soll sondern einzig und allein die Konsequenz die wir daraus ziehen sollte Ihnen für lange Zeit in Erinnerung bleiben! Ich habe entschlossen ihn mit dem Härtesten zu bestrafen was für ihn in Frage kommt und dass ist mit Sicherheit nicht der Tod, denn dass wäre zu MILD! Einzig und alleine das Exil, weit abgeschottet von allem was ihm jemals wichtig war wird sein neues zu Hause sein. Seiner Frau steht es frei bei ihm zu bleiben oder sich meiner Familie anzuschliessen. Ich habe veranlasst das man ihm eine kleine Insel vor Grönland, die wie sie ja wissen auch zu den Habschaften des Volturi-Clans gehören umbauen lassen. Zufahrt zu der Insel hat man nur durch 3 Schleusen die von meinen Leuten überwacht werden, natürlich wird er mit dem nötigsten Versorgt, aber jeglichen Luxus wird ihm selbstverständlich verwehrt. Er wird einsam und alleine auf dieser Insel leben.Damit beende ich diese Versammlung und bedanke mich für Ihr erscheinen und Ihre Anteilnahme, aber seien sie gewarnt, wenn jemand von Ihnen denkt das wir immer so entscheiden haben Sie sich getäuscht. Guten Tag.“ beendete ich dieses armselige Unterfangen und verliess zielsicher den Raum.

Reinhard folgte mir und Edward blickte erleichtert auf. Der eine oder andere murmelte grantig vor sich her, aber es musste mir egal sein. Ich hatte entschieden und es war der einzige Kompromiss den ich eingehen konnte, denn Edwards Vater zu ermorden würde mich um nichts besser machen als Carlisle. Schlimm genug, dass ich ihm meine Entscheidung noch persönlich überbringen muss.

Bella?“ hörte ich Reinhard hinter mir sagen und bemerkte wie er mir eine Hand auf die Schulter legte. „ Du machst es schon wieder... hör auf dir auf der Unterlippe herumzu beissen, du blutest schon wieder und maltretier deine Knöchel nicht so, du hast die best Möglichste Entscheidung getroffen die man in eurer Situation treffen kann und du hast es dir nicht gerade leicht gemacht, ich mein schau dich doch mal an, du bist ein Schatten deiner Selbst so würde ich dich nie und nimmer auf das Staatsbanquet der Queen mitnehmen deren Einladung du mal wieder ausgeschlagen hast. Dir ist schon klar, das du dir ihren Unmut zuziehst und wer weiss wozu Connections ins Königshaus gut sein können.“ beendete er seinen Vortrag und wurde von jemanden den ich nicht einmal kommen hörte bestätigt.

Innere Ruhe und ein Stückchen Frieden brach über mich herein und ich wusste, das Mike gerade den Raum betreten hatte und Reinhard zugestimmt hatte. Mit einem lächeln auf den Lippen wand ich mich zu ihm um und lief auf ihn zu um ihn zu umarmen. In beängstigender kurzer Zeit war er für mich der Bruder den ich nie hatte geworden und ich genoss jeden Augenblick mit ihm denn wir hatten eine eindeutige Win-Win-Situation. Wir stützten uns gegenseitig und er war der Fels in der Brandung, Edward war die Sonne um die sich meine Existenzt drehte, Reinhard, James und Jake waren die Säulen die alles aufrecht hielten.

Alle zusammen waren wir mittlerweile eine große Familie, die mit Miss Babette, Emmett und Rose, Alice und Jasper sehr gute Freunde und Vertraute gefunden haben. Gemeinsam würden wir das Kind schon schaukeln, dachte ich während ich zwischen Reinhard und Mike zu dem Raum ging indem die letzte Hürde in diesem Kapitel zu nehmen war. Der letzte Schritt in eine ungewisse aber aufregende Zukunft und vielleicht brauchte man auch etwas Böses um die Welt ins richtige Licht zu rücken.

Ich atmete noch einmal tief und fest durch, straffte den Rücken so hart, das ich beinahe die Haltungsnote eins bekommen hätte müssen und ging erhobenen Hauptes mit einem mächtigen Knoten im Magen in den Raum hinein. Meinen Blick auf Edward gerichtet, der etwas abseits von Carlisle stand und einer zierlichen goldblonden Frau mit rotgeweinten Augen die Hand auf die Schulter gelegt hatte. Auf diese Art und Weise hätte ich mir auch nie gedacht meine hoffentlich zukünftige Schwiegermutter kennen zu lernen, aber besondere Umstände erfordern eben manchmal besondere Reaktionen.

„Carlisle Cullen, im Namen der Volturi möchte ich dir mitteilen, das wir uns dazu entschlossen haben dich für den Rest deines hoffentlich langen Lebens auf eine unserer Inseln zu verbannen. Ich weiss ja das du einen faibel für Inseln hast, aber auf dieser würde ich dir Schal und Handschuhe empfehlen, die ich dir in meiner grenzenlosen Gutmütigkeit selbstverständlich zur Verfügung stelle.

Esme, Ihnen möchte ich anbieten, das Sie bei Ihrem Sohn und meiner Familie bleiben können. Es wäre mir eine Ehre sie bei uns begrüßen zu dürfen und Sie können sich gar nicht vorstellen wie dankbar ich bin, dass Ihr Sohn mehr nach Ihnen kommt als nach diesem Bastart hier. Ich möchte Sie natürlich zu nichts drängen, entscheiden Sie in Ruhe. Selbstverständlich können Sie Ihren Mann so oft besuchen wie Sie möchten, auch wenn es für mich nicht nachvollziehbar ist und ich mir wünschen würde, dass er dort einsam und verlassen sein Leben fristen muss.“ beendete ich meine Rede mit fester Stimme, nickte allen Anwesenden zu und ging hinaus. In mir brodelte es und ich musste mich zusammenreissen, das ich nicht über den Tisch langte und Carlsile den Hals umdrehte. Ich lief zurück in mein Büro und schloss die Türe ab, denn die nächsten Stunden gehörten nur mir und meiner Erinnerung an meine Mutter die für jetzt und alle Zeit in meinem Herzen weiterleben würde als die die sie war....

Meine liebevolle, spontane, kindische Mutter die immer nach einem Abenteuer gesucht hatte.

Bella Pov ENDE

Edward Pov – Let me Sign

Alles in mir entspannte sich, als Bella meinem dummen Erzeuger mitteilte, dass sie ihn am Leben lassen würde. Meine Mutter konnte ihren Ohren ebenfalls nicht trauen und frug mich, als Bella den Raum verlassen hatte noch gefühlte tausend Mal ob das wirklich Wahr war und ich nahm sie in den Arm drückte sie an mich und bestätigte ihr es immer und immer wieder. Einzig und allein Carlisle sass versteinert da und wusste nicht was er mit dieser Nachricht machen sollte, dass Bella ihm sein Leben geschenkt hatte konnte er nicht sehen, denn für ihn war es das Schlimmste was passieren konnte, wenn man ihm seine Freiheit nahm und das hatte sie getan.

Bella......

Sie war so anders seitdem die Ärzte ihr kaum 3 Tage nachdem wir wieder zurück in London waren die schreckens Nachricht überbracht hatten. Ihre Mutter starb an einem Herzkreislauf versagen, denn die Folgen der Verletzungen und der Gefangenschaft waren zu schwerwiegend gewesen und Renee war einfach zu schwach gewesen. Bella fiel in eine Art steinerne Starre. Sie ass nur wenn man sie buchstäblich zwang, den restlichen Tag sass sie apathisch in der Gegend herum, sprach kein Wort noch nicht einmal Reinhard kam an sie heran. Ich durfte mich ihr nicht einmal auf einen Meter nähern, wich sie schon zurück oder lief davon. Sie zerfrass sich selber und ich konnte ihr nur dabei zu sehen.

Sie anzusehen bereitete mir unendliche Schmerzen, denn ich konnte fühlen wie es ihr geht. Das war diese spezielle Bindung zwischen Bella und mir die wir hatten. Der andere konnte sich auf einen anderen Kontinent befinden wussten wir immer wie es uns geht und ob wir in Schwierigigkeiten steckten. Sie war meine Seelenverwandte, um so mehr tat es mir jetzt weh, den Zugang zu ihr verloren zu haben und ich wusste nicht wo ich ihn wieder finden würden.

Ich hatte ihr und James alles was den Cullen gehört hatte überschrieben und damit zwei Imperien einfach so zusammen geschlossen, nicht einmal diese Neuigkeit interessierte sie genug um sie aus ihrem verdammten Schneckenhaus zu holen. Einzig und alleine als gefühlte 15 Lkw´s die Oxford Street blockierten und sie von einem donnerten Geräusch beinahe vor Schrecken beim lesen von ihrer Fensterbank gefallen wäre, interessierte sie sich für ihre Umwelt. Sie kam angelaufen und das erste Mal nach langem strahlte sie beinahe mit der Sonne um die Wette. Das sie instinktiv gehandelt hatte konnte ich daran erkennen, dass sie mir um den Hals gefallen war und mir einen kleinen Kuss auf die Wange gedrückt hatte. Ich schlang meine Arme um sie herum, zog sie an mich und hob sie hoch, drehte sie ihm Kreis wie als hätten wir uns seit Wochen nicht mehr gesehen und so fühlte es sich auch an. Ein kleines Stückchen Bella war in diesem Moment wieder gekommen und ich liebte es.

Ich liebe dich mehr als mein Leben, Bella!“flüsterte ich in ihr Haar und sie sagte nur „Ditto“ darauf, was schon mehr Reaktion war als die Tage davor. So schön dieser Moment auch war so schwarz wurde der restliche Tag, denn sie kam vom spazieren gehen mit einem fremden Mann nach Hause. Sie schleppte ihn in ihre Etage und man hörte und sah den ganzen Tag nichts von den beiden. Zugegeben ich vertraute ihr blind, aber eifersüchtig war ich schon, denn sie machte uns nur im vorbei gehen miteinander bekannt. Diesmal blieb sogar Reinhard, der eigentlich immer eine Erklärung für ihr Verhalten fand, ratlos stehen und blickte ihr ungläubig nach. Die nächsten tage vergingen und ich spürte, dass es ihr immer Besser ging, aber der Kerl war noch immer da und verhielt sich wie ihr Schatten. Egal wo sie hing ging, er folgte ihr – fehlte nur mehr, dass er sie auch auf die Toilette begleitete so wie es Freundinnen nun mal taten, denn der Kerl war eindeutig ein verhautes Mädchen und stand sicher nicht auf das weibliche Geschlecht, auch wenn Reinhards Instinkt das Gegenteil behauptete, denn das wollte ich ganz und gar nicht wahrhaben. Es war einfach nicht möglich, dass man mir Bella streitig machte. Am liebsten hätte ich ihn in die Themse gespült oder bei Changing the Guards vor die Pferde geworfen und gehofft das sie ihn zertreten würden, aber das konnte ich nicht machen denn er tat ihr gut und da war doch eigentlich das Wichtigste. Ich konnte es aber nicht verhindern, dass jedesmal wenn er und ich im selben Raum waren, das ich versuchte ihre ungeteilte Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, was mir zugegebener Massen ziemlich gut gelang.

Irgendwann gewöhnt man sich an alles, hatte Reinhard zu mir gesagt und er hatte Recht. Ich sah diesen Mike als ihren Bruder an, denn das schien er für sie zu sein. Die beiden hatten manchmal nur Unfug im Kopf, damit übertrumpften sie sogar Jake und mich und wir ließen selten eine Gelegenheit aus um Unfug zu treiben, auch wenn es in letzter Zeit immer ziemlich ernst zuging.

Wie so oft stand ich gedankenverloren an meinem Fenster und spielte mit der gefühlten tonnenschweren Samtschachtel in meiner Hosentasche. Ich wartete noch immer auf den perfekten Moment, aber ob der jemals kommen würde? Ich möchte sie nicht plump fragen ob sie meine Frau werden möchte, aber wann war schon der „perfekte“ Moment? Gab es den in unserem Leben überhaupt? Ich holte den Ring hervor und liess ihn im Sonnenlicht glitzern, als sich vollkommen aus dem Nichts auftauchend ein Mann hinter mir räusperte. Bellas Schatten stand auf einmal hinter mir und grinste breit.

Wann willst du sie denn fragen?“ wollte er neugierig, das die Hälfte reichte wissen und ich murmelte nur ein flüchtiges „Bald“ und wollte weg gehen.

Ich weiss wir hatten nicht wirklich den Besten Start und ich hab sie dafür auch schon gerügt, aber es ging nicht anders. Du kannst dir vielleicht denken, das es für sie nicht sonderlich einfach war und ich fürchte wenn es anders gelaufen wäre, dann hätte sie sich demnächst etwas angetan...“ erklärte er sich und ging mir in dem Moment unglaublich auf den Sack.

„Was bist du ihr Psychologe? Nimm deine Weisheiten und mach dich vom Acker, ich kenn meine Bella gut genug, um zu wissen das sie schon richtig entscheidet und wenn sie der Meinung ist, dass du ihr gut tust , soll das so sein, aber erwarte nicht, das ich dich deshalb mag oder dich hier willkommen heisse und jetzt raus hier, das sind meine privat Räume.“ wand ich mich wieder von ihm ab, liess den Ring in der Tasche verschwinden.

Wie du möchtest..“erwiderte er und verschwand zum Glück genau so leise aus meiner Gegenwart wie er hier aufgetaucht war. Endlich wieder alleine stand ich an meinem Fenster und starrte auf das rege Treiben London´s und ich konnte die Narben der Vergangenheit in dem gebrochenen Licht, welches durch mein Fernster hereinblinzelte spüren, aber jede war es Wert, denn jede einzelne ebnete den Weg zu meiner Zukunft. Zu meiner Zukunft mit Bella.

Vermutlich vergingen wiedermal Stunden, in denen ich wie so oft hier stand und nachdachte, aber wir hatten Zeit-mindestens bis für immer....

Glockenhelles lachen flog durch den Flur und es erwärmte mein Herz, denn es war Bellas lang vermisstes ehrlichen Lachen was ich da zu hören bekam. Der Grund dafür war eigentlich egal, auch wenn es den müden ekeligen Beigeschmackes von ihrem Schatten trug. Ich ging schnellen Schrittes aus meinem Zimmer raus, als ich voller Wucht ein Sofakissen ins Gesicht bekam. Wieder erhellte das Lachen den Gang und ich musste unwillkürlich mitlachen, auch wenn ich wusste, wer das Kissen geschossen hatte, denn der Übeltäter sah betroffen in meine Richtung und man konnte es ihm ansehen, das er sehnsüchtigst darauf wartete, das ich sauer ausraste, aber den gefallen wollte und konnte ich ihm einfach nicht tun.

Flink bückte ich mich, um das Kissen aufzuheben und schleuderte es Jake ins Gesicht, der gerade zufällig aus der Dusche herauskam und entsprechend rar bekleidet war. Instinktiv hob er die Hände und liess aber sein Handtuch los, das sofort dem Gesetzt der Schwerkraft zum Opfer gefallen war. Erst wurde es beängstigend still am Flur und auf einmal brachen wir alle in schreiendes Gelächter aus. Als dann auch noch Reinhard um die Ecke blinzelte war und einen tierischen Laut von sich gab war es entgültig vorbei. Die Lachtränen sprudelten nur so aus den Augen der beteiligten, bis Jake dann irgendwann meinte, das es wohl besser sei, wenn er sich jetzt dann anziehen ginge, bevor hier noch der ein oder andere schwach werden würde.

Bella schlich sich vorsichtig an mich heran und schlang ihre Arme um meine Mitte, stellte sich auf ihre Zehenspitzen und hauchte mir einen kleinen Kuss auf die Nasenspitze, grinste mich an und lief dann Richtung Treppe um hastig zwei Stufen auf einmal nehmend nach oben in ihre Etage zu laufen. Einmal blieb sie kurz stehen um zu sehen ob ich anstalten machte ihr nach zu laufen, als ich das jedoch nicht tat, weil ich einfach nicht wusste was ich mit dieser Aktion anfangen sollte, zwinkerte sie mir zu und ich verstand.

Wie von der Tarantel gestochen, nahm ich buchstäblich beide Beine in die Hände und lief als würde es um mein Leben gehen nach oben. Nichts ahnend was mich erwarten würde, machte sich in mir eine Vorfreude breit, das es grenzenloser nicht mehr gegangen war. Bei ihrer Türe angekommen, klopfe ich sachte an bevor ich den Raum betrat. Sie sass auf ihren monströsen Kissen am Boden und lächelte mich an als sie mich wahrnahm, klopfe auf das freie Kissen neben ihr und frug mich ob ich mir mit ihr ein paar Filme ansehen wollte, so wie ganz normale Paare.

Natürlich stimmte ich ihrem Vorschlag zu, denn ich konnte mich nicht erinnern, das wir schon jemals etwas getan haben wie ein ganz normales Paar. Ich liess mich neben sie auf die Kissen und wir schauen „ Ghost“. Eine Schnulze, die schnulziger nicht mehr sein konnte, da bekam man im wahrsten Sinne des Wortes „weiche Eier“, aber wenn es sie glücklich machte, dann machte es mich auch glücklich. Im laufe des Filmes kam sie mir immer näher und irgendwann, hatte sie sich ganz dich an mich gelehnt, ihren Kopf an meiner Schulter, meine Finger spielten mit einer Strähne ihres Haares und so sahen wir fern.

Eigentlich hätte es perfekter nicht sein können, als unsere Telefon gleichzeitig die schrecklichste aller Melodien spielte. Wir schauten uns mit wehleidigen Blicken an und drückten mehr als nur widerwillig auf die grüne Taste. Bella sass mit geschlossenen Augen da während sie kopfschüttelnd der Stimme am Telefon lauschte.


Irgendwo im westlichen Schottland ging ein Atomwaffen-Deal schief und die Amerikaner sind darüber nicht sonderlich erfreut und haben unsere Männer im wahrsten Sinne aufgeknüpft. Drei von Vieren kamen in Einzelteilen bei Babette an, der Vierte sang wie ein Kanarienvogel und James wollte jetzt wissen was wir dagegen unternehmen sollten, denn Stress mit den Amerikaner bedeutete, dass sich die Russen auch bald einmischen würden und dann würde es richtig blutig werden und das sollten wir weitgehenst verhindern. Bellas kopfschütteln wurde immer intensiver, sie verstand das gesagte konnte es aber nicht glauben, dass wir schon wieder Ärger an der Backe hatten. Sie unterbach James Vortrag mit einem eisigen Zischen und flüsterte einen Befehlscode der mir nichts sagte gefolgt von ein paar Namen. Meiner und Jakes fehlte, seltsamer weise. Ich konnte mir nur vorstellen, das die gefallen Namen die derjenigen waren die sich binnen kürzerster Zeit in der Zentrale einfinden mussten um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Emmett, Jasper und Babette sollten ihren sieben Sachen packen und sich mit meiner Bella in exakt 45 Minuten treffen. Von mir war nicht die Rede... als ob ich sie auch nur einen Schritt alleine machen lassen würde. Erwähnte sie mich deswegen nicht oder hatte sie mich absichtlich aussen vor gelassen? Wollte sie tatsächlich ohne mir gehen?

Sie beendete das Telefonat, sprang auf ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen und ging zu ihrem Multifunktionsschrank. Hämmerte automatisch einen Code in das Tastenfeld und wartete ungeduldig bis ihre Kampfgarderobe sichtbar wurde. Ich staunte nicht schlecht, denn ich kannte diesen Schrank nur aus Erzählungen von Reini. Sie entledigte sich ihrer Kleidung und wenn die Situation gerade nicht so verdammt Ernst und strange gewesen wäre, verdammt dann wäre mir auch das Wasser im Mund zusammen gelaufen, aber mehr als sinnloses gestarre brachte ich gerade nicht zusammen. Automatisch rutsche sie in ihren Anzug, verstaute eine Menge Waffen an ihrem Körper, eigentlich müssten die Sachen mehr als nur sichtbar sein, aber man sah einfach nicht. Es folgte eine ganze Batterie an Munition, auch die spurlos verschwunden in den scheinbar unendlichen weiten dieses perfektanliegenden Lederanzuges. Ihre endlosen Haare wurden geschickt mit nur wenigen Handgriffen geflochten und mit einem Lederband zusammengebunden. Mir war noch nie aufgefallen das sie wie eine kleine etwas blasse Amazone aussieht wenn sie im Kampfmodus ist. Ich konnte meine Augen nicht von ihr abwenden, aber ich wusste, das ich sie darauf ansprechen musste, denn ich war davon überzeugt, dass sie alleine gehen wollte.
Bells? Was hast du vor?“ sprach ich sie leise und ruhig an.
Nichts, ich klär das schnell und bin in ein paar Tagen wieder da“ kam monoton als Antwort.
Wir klären das, oder“ frug ich etwas dümmlich nach und wartete ihre Reaktion ab die leider genau so war wie ich befürchtet hatte. Sie seufzte und schaute mich eisig an.

Nein, Edward, nicht WIR sondern ICH! Dich brauche ich hier, denn irgendjemand muss ja die hochschwangere Rose und die etwas leicht nervöse Alice beschützen und Reini... Du weisst der Teufel schläft nicht und wenn das eine Falle ist wo sie hoffen das sie uns beide kriegen.... wir wollen uns doch nicht am Silbertablett servieren oder?“ erklärte sie mit leiser gebrochener Stimme. Ich konnte erkennen so richtig wohl fühlte sie sich bei ihrem Entschluss nicht, aber so betrachtet hatte sie Recht. Natürlich hatte sie das, denn sie war generell eine Mensch der versuchte alle Möglichkeiten durch zu denken bevor sie reagierte. Es war dumm von mir, dass ich dachte sie möchte mich nicht dabei haben. Ich stand auf, schlenderte betont lässig zu ihr rüber, legte ihr einen Arm um die Hüften und betrachtete uns im Spiegel.

Wie Bonnie und Clyde“ meinte ich lächelnd und betrachtete uns und sie kicherte und meinte salop, dass wir beide aber um Welten besser aussehen und tausendmal gefährlicher wären. Wieder hatte sie Recht, aber diesmal gab ich es nicht zu sondern küsste ihre Schläfe und liess sie sich in Ruhe fertig machen. Sie schlüpfte wie als würde sie es jeden Tag machen in ihre Martens und schnürrte sie flink nach oben. Ehe ich mich versah verschwanden jeweils zwei Wurfmesser darin und ich frug mich erneut wo zur Hölle die hin verschwunden waren, gab es aber auch gleich wieder auf, das ich versuch zu verstehen wie sie das machte. Sie band sich hier und da noch ein Accersoire um und betrachtete sich mit einem leisen zischen im Spiegel.

Mit der Lizenz zum Töten“ meinte sie grinsend und war sichtlich zufrieden, soweit das eben in diesem Fall ging. Ich bestätigte ihre Feststellung nur zu gern und gemeinsam Hand in Hand gingen wir hinunter. Im eigentlichen Wohnzimmer unserer heiteren „Wohngemeinschaft“ trafen wir auf Reini, Jake und Mike denen sichtlich der Atem wegblieb als sie uns sahen, weniger wegen mir aber das war ja nicht so wichtig.

Maria und Josef...“ war das einzige was Reinhard rausbrachte und Bella deutete artig einen Hofknicks an und grinste. Jake schlug Mike kräftig in die Rippen und hielt ihm ein Tempo hin und meinte er soll sofort aufhören zu sabbern sonder versaut er noch die Wildledercouch.

Wwwa..wassss ist denn passiert, das du so ein Outfit trägst? Steht Eddie neuerdings auf S&M oder was hat das zu bedeuten?“witzelte er und bekam als dank von Reinhard einen durchaus beachtlichen kräftigen Tritt gegen sein Schienbein. Bella erklärte in kurzen Sätzen die Sachlage und den Stand der Dinge und verschwand anschliessend sofort in die Garage. Ich folgte ihr, denn eigentlich wollte ich sie nicht gehen lassen.

Wie blieben vor ihrer Maschine stehen und sie sah mich traurig an. Ich wusste was jetzt kommt, aber ich wollte es nicht hören.
Edward, sollte ich.....“ noch bevor sie den Satz auch nur annähernd zu Ende sprechen konnte presste ich meine Lippen wie ein Besessener auf die ihren und wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich sie nicht mehr losgelassen - nie mehr. Meine Gedanken rasten mit meinem Puls um die Wette. Als sie meinen Kuss erwiederte stiess ich ein kleines leises Stoßgebet gen Himmel, denn diese geteilte Zweisamkeit war etwas, dass wir schon lange nicht mehr in dieser Intensität geteilt hatten. Meine Gedanken drängten den Ring immer wieder und wieder vor mein geistiges Auge, jedoch...

War jetzt der perfekte Zeitpunkt sie zu fragen ob sie meine Frau werden wollte? Wohl kaum, aber hatte ich dannach noch die Möglichkeit? Würde sie, die in letzter Zeit immer so umsichtig denkt überhaupt „ja“ sagen? Ich verschob den Gedanken ganz schnell wieder und beschloss zu warten bis sie wieder nach Hause käme. Tief in meinem Inneren war ich davon überzeugt das sie wieder nach Hause kommt- Irgendwie & Irgendwann

Sie löste sich von mir, wischte eine Träne weg, legte ihre Hand an meine Wange und wand sich von mir ab. Zögerte kurz und griff nach ihrem Helm, setzte in auf, drückte den Türöffner des Tores, schwang sich auf die Maschine, starte und fuhr los.

Bella drehte sich nicht nocheinmal um, das hatte sie noch nie getan, damit machten wir es uns nicht noch schwerer als es ohnehin schon war, denn wir fühlten beide, dass wir uns heute nicht das letzte Mal im Arm hatten, aber würde ein positives Gefühl reichen um die Sache unter Kontrolle zu bringen?
Ein räuspern riss mich aus meinen Gedanken, hastig wand ich mich um und erkannte schnell, dass dies nicht nötig gewesen wäre, denn es war nur diese parasitäre Anwandlung die sich Bellas bester Freund schimpfen durfte. Ich zog gelangweilt eine Augenbraue nach oben und wartete darauf, dass er eine seiner Weisheiten vom Stapel lassen würde, aber das tat er nicht.
Du liebst sie wirklich, stimmt´s?“ meinte er besorgt
Mehr als mein Leben!“antwortete ich ohne zu zögern.
Hast du keine Angst, das sie sich gegen ein solches Leben entscheiden könnte? Immerhin ist sie nicht hineingeboren so wie du?“ stichelte diese parasitäre Ratte.
Woher,...“ ich wusste die Frage war unnötig und er winkte auch sofort ab und gab mir zu verstehen, das er alles und damit meinte er auch wirklich alles mittlerweilen wusste und ich konnte mir ein knurren nicht verkneifen.

Hey, komm runter Mann, ich tu dir nichts. Ich nehme sie dir nicht weg, hatte ich nie vor. Das Schicksal hatte mich damals im Park auf sie aufmerksam gemacht und ich hatte das Bedürfnis ihr zu helfen, aber ich sah zu keinem Zeitpunkt mehr in ihr als eine kleine Schwester auf die ich aufpassen darf, also hör auf mir den Tod an den Hals zu wünschen, das ist mit der Zeit echt unangenehm, wenn man nicht um die Ecke gehen kann, weil man Angst haben muss du erschiesst mich gleich.“ lachte er heisser, aber man sah ihm an das es die Wahrheit war.

Tja, dann muss ich dir wohl dankbar sein oder?“meinte ich vor Sarkasmus triefend

Nein, und du musst mich deswegen auch nicht in den Ritterstand erheben, aber zumindest aufhören mich zu erdolchen nur weil ich existiere und akzeptieren das wir befreundet sind würde schon mal reichen. Und wenn du artig bist, stelle ich dir auch mal meine Frau vor..“ meinter er und liess mich mit offenem Mund in der Garage stehen. Ich konnte gerade nur perpelx meinen Kopf schüttel so überfahren hatte er mich gerade. Ob Bella davon wusste?

Ich ging zurück ins Wohnzimmr um mich mit Jake und Reini zu beratschlagen, als ich oben ankam, stellte ich fest, das Rose und Alice mit gefühlten 100 Koffern bereits bei uns abegeladen wurden, wobei Rose eher gestrandet war. Auch wenn sie eher einem Wal glich als einer Frau sah sie wunderschön aus, ich meine natürlich nicht zu vergleichen mit meiner Bella, also so wie ich sie geistig vorstelle wenn sie unser Kind..... ja WENN und ich hoffte inständigst, dass sie das wird.

Zwanzig Minuten nachdem ich mich gemütlich zu den anderen gesellte, klingelte die Glocke an der Türe, instinktiv zog ich meine Waffe dich ich sicherheitshalber wieder angelegt hatte und öffnete die Türe. Esme traf beinahe der Schlag und fing sofort zu weinen an. Meine arme Mutter, so einen Schrecken hätte ich ihr nicht einjagen dürfen, aber wer rechnete damit, dass sie ausgerechnet heute zu uns kommen würde. Sie zitterte am ganzen Körper und versuchte mir zu erklären, dass Bella sie abholen hat lassen und hierher bringen. Sie hat ihr nur grob erzählt weswegen das Nötig seie, aber da Esme Bella blind vertraute, die beiden verstanden sich zum Glück bestens, vorallem wenn man die Umstände bedachte, war das für sie Grund genug ihrer Bitte folge zu leisten.

Ich führte sie in eines der Gästezimmer und liess sie fürs erste in Ruhe, damit sie sich von dem Schrecken erholen konnte und erstmal hier ankommen konnte.

Langsam wurde ich das Gefühl nicht los, dass Bella schlimmeres erwartete, denn im laufe der Nacht wurden Lebensmittel und Munition, Waffen und schusssichere Westen angeliefert. Desweiteren liess sie am nächsten Tag alle Fenster überprüfunen und gegenebenfalls gegen Panzerglas austauschen. Langsam aber doch entwickelte sich das hier zu einem Hochsicherheitstrackt und ich wusste nicht wieso, aber mein Gefühl irrte nie und Jake war sich mittlerweilen mehr als nur sicher, dass Bella ahnte, dass sie möglicherweise in eine Falle lief- wieder einmal und uns hier für den Notfall ausrüstete. James hatte ich seit Bellas Abreise nicht mehr gesehen, aber von Reinhard wusste ich das er in die Zentrale gezogen war um dort alles zu überwachen. Die Vier haben neue Sensoren und Peilsender bekommen, die um ein vielfaches besser waren als die Alten und bei weitem, nicht mehr so leicht deaktivierbar sind, aber mindestens genauso schwer lokalisierbar waren. Wenn ich ihn richtig verstanden hatte, wurden die Vitalfunktionen von ihnen im dreisig Minuten Takt an James geschickt genauso wie ihr aktueller Aufenthaltsort. Mir wurde plötzlich bewusst, wovon Babette die letzten Male geredet hatte, als sie sich mit James unterhalten hatte, aber ich hab das Ganze nicht als Wichtig genug eingestuft, denn immerhin hatte ich alle Hände voll damit zu tun, mich um Bella zu sorgen.

Es war ärgerlich, dass ich meiner Umwelt manchmal so wenig Aufmerksamkeit schenkte, so das mir so wichtige Details entgingen.

Die Tage kamen und gingen, genauso wie die Nächte die sowieso in letzter Zeit einsam waren, aber jetzt wo sie noch nicht mal in der Nähe war, kamen sie mir noch einsamer vor.
Ich wälzte mich wie jeder Nacht von einer Seite auf die und hoffte wenigstens diese Nacht schlafen zu können. Gerade als ich endlich mein Hirn dazu überreden konnte eine kleine Pause einzulegen um mich ein wenig regenerieren zu lassen hörte ich seltsam kratzende Geräusche.

In jedem normalen Haushalt würde man es auf einen Baum schieben der an der Hausmauer kratze, aber nicht mitten in der Stadt und schon gar nicht in Mitten von London, auch der Hund den wir nicht besassen viel aus. Genervt und auch ein wenig besorgt schob ich die Decke auf die Seite, zog meine 9 mm unter dem Kissen hervor, öffnete die lautlos die Türe und schlich mich hinaus auf den Gang.

Aus dem kratzenden Geräuschen wurde ein knackendes und ich war mir ziemlich sicher, da machte sich jemand an der Hintertür zu schaffen, aber wer um himmels willen war wirklich so dumm und versuchte in ein Volturi-Cullen-Haus einzubrechen. Das wäre ungefähr so, wie wenn man ins Gefängnis einbricht...

Vorsichtig schlich ich mich in die Küche und musste feststellen, dass das Geräusch aus der Garage kam. Langsam wurde mir etwas flau im Magen, denn sie waren ganz schön weit gekommen, für dass das wir hier eigentlich die höchsten Sicherheitsmassnahmen hatten die man für viel Geld kaufen konnte.

Sicherheitshalber entriegelte ich meine Waffe und , legte den Finger erneut auf den Abzug und hob sie so an, dass ich sofort Schussbereit wäre, für den Fall der Fälle. Mit der anderen Hand öffnete ich die Türe und hoffte das man mich nicht sofort sehen würde. Kaum stand sie offen traute ich meinen Augen nicht, denn die Garage war leer. Auf der Innenseite des Tores war eine harmlos aussehende Schachtel angebracht und ich fragte mich ernsthaft welche gestörte Person riskierte entdeckt zu werden und klebte sowas auf ein Garagentor...

Ich ging hinüber zum Schrank, griff mir das Sprengstoffgerät und fuhr damit vorsichtig über die Schachtel. Als es nicht Ausschlug wunderte es mich zwar, aber eigentlich wäre es zu einfach uns in die Luft jagen zu wollen und vorallem in der Garage dezent zwecklos. Ich löste die Schleife darauf und der Deckel fiel zu Boden und Bellas Ledernearmband mit dem kombinierten Volturi-Cullenemblem flog blutdurchtränkt auf den Boden.....


Sonntag, 1. April 2012

 One last breath


Ich stehe vor einem Abgrund, um mich herum sind alle Menschen, die mich angeblich
 lieben. Der Wind faehrt sanft durchs Haar und mein Schmerz schiebt mich immer weiter in den Abgrund. Ich schreie, doch keiner hoert meine Schreie. Sie schauen nicht einmal in meine Richtung. Ich falle in den Abgrund und spuere, dass mich niemand haelt.

Bella Pov:

Wenn das die Hölle war, dann bestehe ich auf den Himmel, denn im Leben nicht, war ich so kaltblütig, dass ich das verdient hätte. - so viel zur Theorie.

Carlisle Cullen redete nur von dem einen. Ich sollte diese Dokumente unterschreiben, als ob ihm das etwas bringen würde. Nichts würde sich ändern, denn er könne nicht alle ermorden, die ihm im Wege stehen und das wären eine Menge Menschen. So abscheulich die Situation gerade war, so seltsam waren meine Gedanken.

Ich dachte in verschiedenen Ebenen.

Ebene 1- Der Koerper

Mein Körper war nur mehr eine Hülle aus Fleisch, das wiederum Knochen und Adern mit einer Menge an Blut beherbergte, die alles aushalten musste, was auf sie einwirkte. Als dieser widerliche, ekelhafte Mensch mit seinem scheiß Messer versuchte mich wahnsinnig zu machen, indem er die Messerspitze Punkt um Punkt immer wieder auf meine Fingerkuppen setzte, wollte ich schreien, aber das konnte ich nicht zulassen. Ich verkniff es mir so stark, dass mir Tränen in die Augen traten. Meine Nervenenden leiteten den Schmerz doppelt so stark weiter, als es vermutlich tatsächlich wehtat, aber ich hatte es kaum unter Kontrolle.

Einzig und allein der speziellen Atemtechnik, die mir James zeigte, hatte ich es zu verdanken, dass ich diese Tortur über mir ergehen lassen konnte, ohne Schwäche zu zeigen. Als sich die Klinge seines Messers in mein Fleisch hineintrieb, war ich einer Ohnmacht beängstigend nahe. Der Schmerzimpuls trieb sich wie ein Fegefeuer durch meinen Körper und versuchte mich innerlich zu verbrennen. Tausend Tode hätte ich sterben können, aber kein Schmerz war groß genug, um Carlisle das zu geben was er haben wollte und wenn er mich solange ausbluten ließe, bis ich dem Tode ins Gesicht sah, nur um mich dann wieder zurück ins Leben zu holen...

Ebene 2 – mein Geist

Ich versuchte meinen Geist so gut es ging in eine Schublade zu stecken, aber das gelang nicht immer, denn geistig war ich immer noch an Edward gebunden, meine Gedanken kreisten weniger um mich, als um all Diejenigen, die mich in den letzten Monaten begleiteten. Ich war mir sicher, dass die Zeit gekommen war um Abschied zu nehmen, denn mein Körper wusste schon, dass es dem Ende zuging, aber ich haderte noch mit mir selber, denn so leicht würde ich es ihm nicht machen.

Carlisle ging dazu über, zu versuchen, mich über meine Emotionen zu quälen, was ihm auch gelungen wäre, wenn meine Mutter, meine liebe, chaotische, immer zu verpeilte, ahnungslose Mutter nicht das einzig Richtige getan hätte....

Mich eiskalt anzusehen und zu behaupten, ich wäre nicht ihre Tochter, war das Beste, was sie tun konnte, denn sie alleine gab mir den Funken, der gefehlt hatte, um die eiskalte Mitstücknummer durch zu ziehen.

Renee hielt dem Ganzen bei weitem weniger stark stand als man glaubte, aber auch sie war die perfekte Schauspielerin. Carlisle verzweifelte an uns beiden und das genoss ich in vollen Zügen. Es gab mir Kraft, ein wenig Hoffnung und die Zuversicht, dass es sein könnte, dass wir das hier beide überleben würden.

Aber es kam wie es kommen musste, Mutter brach unter Carlisles Attacken zusammen. Natürlich war ich mir bewusst, dass sie es nicht ewig aushalten würde, aber die Hoffnung starb zuletzt.

Wir waren ein Teil einer Geschichte, eines ziemlich schrägen Märchens. Nie im Leben hätte ich es mir vorstellen können, dass jemals so etwas passierte, aber das Hier und Jetzt war einfach nur real.
Ich wusste nicht welchen Tag wir hatten, das Datum war auch irrelevant, aber gefühlsmäßig war ich nun schon knappe vierzehn Tage hier, vielleicht waren es auch weniger oder mehr, wer weiß das schon. Es machte das Ganze nicht erträglicher.

Edward...

Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass er mich hier raus holen würde? Gab es überhaupt einen Ausweg aus dieser Hölle?


Ebene 3- Das tatsaechliche Geschehen

Alles was geschah, nahm ich zwar auf, aber verarbeitete es nur langsam, oder gar nicht. Träge öffnete ich meine Augen als Alexis, bestürzt wie immer, den Raum betrat. Ohne auch nur ein Wort zu verlieren, ging sie hinüber zu dem Bildschirm und schaltete ihn ein. Sofort strahlte mir das süffisante Grinsen von Carlisle entgegen. Er hieß mich Willkommen zu einem neuen Tag in seinem Paradies, auch wenn ich nicht viel davon  mitbekäme, aber über den weiteren Verlauf dieses Aufenthaltes hätte ich ja die Fäden in der Hand.

Verwirrt starrte ich auf dem Bildschirm und verzog angeekelt mein Gesicht. Dass er nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte, wusste ich ja schon, aber es wurde nicht besser, sondern schlimmer und um ehrlich zu sein, hoffte ich, dass ich endlich bald einfach nur meine Augen schließen konnte und sie nicht mehr aufmachen musste.

Tod zu sein ist komisch... aber am Leben zu sein ist es auch.

Alexis stellte sich hinten mich und atmete schwer. Meine Mutter hing in ihrem Stuhl, der Kopf leblos nach unten gerichtet. Ihre Beine zitterten, die Hände waren um die Lehne des Stuhles geklammert, leises wimmern dröhnte aus den Lautsprechern. Mir lief es eiskalt über den Rücken, meine Finger krampften sich ebenfalls um die Armlehnen, mein Blick fixierte meine Mutter, Respektive das, was von ihr noch über war. Man sah ihr an, dass er sie gebrochen hatte und ich wusste, dass ich daran schuld war...

In meinem ganzen beschissenen Leben, hätte ich weder ihr, noch irgendwem anderen, auch nur einen Bruchteil dieses Erlebnisses gewünscht.

Er trat hinter sie, fasste kräftig in ihr Haar hinein und zog ihren Kopf fest nach hinten.
Ein lauter, schriller Schrei brach die Stille, meine Augen weiteten sich, ich biss mir auf die Lippen, so fest, bis ich mein warmes Blut und dessen rostig-salzigen Geschmack auf meiner Zunge spürte.  Carlisle grinst nur debil und zog ein Messer von einem der Beistelltische hinter ihm und  hielt es deutlich in die Kamera, als wären wir hier in einer dieser Dauerwerbesendungen, wo der Zuschauer günstig für 99,99 ein zweites Messer dazu bekommt, wenn er sich beeilt und innerhalb der nächsten fünf Minuten anrief...

Mein Herz begann zu rasen, instinktiv hielt ich meinen Atem an. Er setzte die Klinge an ihren Hals und säuselte meiner Mutter ein paar unverständliche Worte ins Ohr. Tränen liefen ihre Wangen entlang und mit gebrochener Stimme flehte sie mich kaum hörbar und heiser an, ihm endlich alles zu geben, was er möchte. Zielsicheres Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit.

Drauf und dran sofort los zuschreien, dass er aufhören soll, sah ich, wie sie ihren Blick hob und direkt mit roten, verheulten Augen in die Kamera blickte. Ein letzter Funken Mut und Tapferkeit lag in ihrem Blick, sich vollkommen im Klaren darüber, was sie nun tat. Es lag klar auf der Hand, was sie vorhatte, aber ich wollte es verhindern, denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir hier lebend raus kämen war gleich Null.

**** Zeitraffer****Erzaehlerpov

Carlisle Cullen griff zum Messer, der moderne doppelt gefaltete, chinesische Stahl blitzte angsteinflößend im blendenden Sonnenlicht. Sein gestörtes, besessenes Lachen ließ sogar Alexis vor Angst erstarren. Es war einer dieser Augenblicke, die vor Anspannung nur so geladen war.

Renee riss ihre Augen weit auf und sprang von ihrem Stuhl. In der Hoffnung, dass ihre Fesseln, wie durch ein Wunder, zerreißen würden, riss sie daran und wurde sehr unsanft zurück gehalten. Das charakteristische Knacken in der Schulter und ihr unterdrückter Schrei ließ jeden, mit nur einem Minimum an Verstand wissen, dass sie sich so eben die Schulter überdehnt hatte.

Carlisle grinste nur dreckig. Seine vor Aufregung leicht bebende Hand, griff zielsicher nach ihrem Haarschopf und riss ihn gewaltvoll nach hinten. Das Messer fuhr in derselben Geschwindigkeit nach vorne, wie eine hungrige Kobra ihre Mahlzeit mit einem Biss betäubte. Lautlos und sauber glitt die Schneide nur durch die ersten Hautschichten, minimal liefen die ersten Blutstropfen über die bleiche, schweißnasse Haut von Bellas Mutter.  Ihr Wimmern durchzog das Schweigen wie Fingernägel auf einer Schiefertafel.

Mit weit aufgerissenen Augen saß Bella in ihrem Stuhl und zitterte am ganzen Körper. Alexis, die gerade noch starr wie eine Marmorstatue dastand, sank wie ein nasser Sack zu Boden. Im ersten Moment hätte man meinen können, es wäre der Schock gewesen, der sie dahin gerafft hatte. In Wirklichkeit jedoch, war es ein stattlicher, großgewachsener Mann mit  kurzen, schwarzen Haaren, der sie mit einem gekonnten Schlag ausgeknockt hatte. Mit nur einem einzigen, lockeren Handgriff löste er die Fesseln und trat vor Bella, ging in die Knie und wartete ihre Reaktion ab.

Sie stand unter Schock und egal wie sie reagieren würde, er würde es vertragen.

Bella zitterte und wippte leicht vor und zurück, den Blick starr auf den Monitor gerichtet, ohne wahr zu nehmen, was sich dort gerade zutrug. Das Szenario zwischen Edward und seinem Vater wirkte perfekt einstudiert, in Wirklichkeit war es nur der Umstand der Routine und der fahle Beigeschmack der Rache, der Edward dazu trieb, seinen Vater mit eisernen Griff gegen die Wand der Hütte zu drücken und ihn zu entwaffnen. Seine zittrige Faust landete zweimal in dem süffisanten Grinsen seines Vaters, jedoch waren die Schläge so schwach dosiert, dass sie maximal ein zwei blaue Flecken hinterlassen würden, aber mehr auch schon nicht mehr.
Keiner hatte das optisch eher nach einer Nussschale aussehende, pechschwarze Speed Boot mit dem silbrig, geschwungenen Namen „Thunderstorm“ kommen gehört, oder gesehen. Die beiden Jungs hatten es mit viel Glück geschafft, ungesehen und vor allem lebend, aus der Maschine zu kommen. Das Boot anmieten war Gott sei Dank nur eine Formalität, die man mit genug Vitamin B lösen konnte und wie so oft taten sie dies, ohne mit der Wimper zu zucken, aber diesmal mit einem gewichtigen Grund. Denn Edwards Liebe zu Bella und der Hass zu seinem Vater trieben ihn an.

Rache und Sehnsucht waren der betriebsame Motor und der Garant für den Erfolg dieser Rettung.

Jake hob seine Hände, legte sie an Bellas Gesicht, fixierte es vorsichtig und richtete ihren Blick auf sich. Willenlos ließ sie es geschehen, mit erschrockenen Augen sah sie ihn erst ängstlich, dann zornig an. Doch mit einem Mal löste sich ihre zornige Miene und ein erleichterndes Lächeln überzog ihr Gesicht. Instinktiv riss sie ihre Hände nach vorne und erwartete den gewohnten Widerstand, der jedoch blieb aus. Sie schlang ihre kraftlosen Arme um seinen Hals und er zog sie behutsam hoch.

Bella war schwächer als erwartet und Jake konnte sie nur stabilisieren, indem er einen Arm um ihre Mitte schlang. Immer wieder hörte man sie den Namen Edward nuscheln, nur tat sie sich gerade schwer damit, bei Bewusstsein zu bleiben, da ihr Kreislauf alles andere als richtig arbeitete.

Wütende Schreie kamen aus den Lautsprechern des Monitors und Jake erschrak, denn er wusste nicht, dass Bella immer alles via Liveübertragung zu sehen bekam, aber als er den bewegten Bildern folgte, konnte er erahnen, welch Qualen sie ausgesetzt war. Um nichts in der Welt hätte er das durchmachen wollen und er war sich sicher, dass er sich den tot herbei gewünscht hätte.


Plötzlich begann Bella um sich zu schlagen und schrie wie eine Gestörte los. Ihre geballten Fäuste schlugen rücksichtslos auf alles ein, was ihnen in die Quere kam. Geschockt ließ er sie los und sie rannte bei der Türe hinaus. Kaum zehn Schritte kam sie von alleine, als ihre Beine nachgaben.

Ihr tränennasses Gesicht in den heißen Sand gedrückt, wimmerte sie immer wieder den Namen ihrer Mutter und den von Edward. Hilfesuchend vergruben sich ihre Hände immer und immer wieder im Sand. Erst starrte er ihr nur hinterher, brauchte einige Minuten bis er ihr nachlief. Wieder hob Jakob sie hoch und wollte sie zielstrebig Richtung Speed Boot tragen, aber sie weigerte sich erneut. Wie von einer inneren Macht angetrieben, bestand sie lautstark darauf, dass er sie zu Edward brachte und er entschloss sich ihrem Wunsch Folge zu leisten. Federleicht wie sie war, waren die wenigen Meter, die die beiden Hütten eigentlich auseinander waren, schnell zurück gelegt.

Vorsichtig schob er die Türe mit der Fußspitze auf und trat ein.

Das Bild, das sich einem hier bot, glich dem einer Folterkammer. Renee blutete aus ihrer Wunde am Hals, hielt aber eine Hand hin, um die Blutung so gut wie möglich zu stoppen. Dieser Versuch gelang nur mäßig und es war nur eine Frage der Zeit, wie lange sie noch aushielt. Sie war schwach, beinahe zu schwach und so etwas wie Blutkonserven in der Universalblutgruppe Null-negativ  waren natürlich nicht vorrätig- wie denn auch, an so etwas dachte Edwards Vater nicht.

Edward war noch immer damit beschäftigt, seinen Vater gegen die Wand zu drücken, konnte sich nur nicht überwinden ihn zu töten, obwohl er sich in dem Recht sah, es zu tun, auch wenn es eigentlich Bella war, der es am ehesten zustand. Den Ellbogen fest gegen Carlisles Kehle gedrückt, sorgte er zwar für eine etwas knappe Luftzufuhr, aber es war nun mal alles andere als lebensbedrohlich. Jake stand mit Bella am Arm, wie bestellt und nicht abgeholt, da und wusste nicht so genau, was er denn nun am besten machen sollte. Isabella hing, fertig mit dieser Welt, gerade in Jakes Armen, als sie, wie von einem Stromschlag erfasst, hochfuhr.

Bella erschrak erneut, als sie das Gesamtbild wahrnahm und gleichzeitig forderte sie, stark wie eh und je, von Jake  losgelassen zu werden. Edward konnte seinen Augen kaum trauen, als er den Schatten sah, den Bella darstellte und ließ seinen Vater vor lauter Schrecken los. Carlisle landete unsanft auf dem harten Boden und blieb ebenfalls etwas irritiert sitzen.

Leichenblass, mager und ausgetrocknet, aber durch und durch beflügelt, durch das körpereigene Adrenalin, stichelte sie sich selber zu Höchstleistungen an. Logisch, war es nur eine Frage der Zeit, wie lang dieses anhielt, aber so genau konnte man das bei Bella nie sagen. Sie wuchs schon öfters über sich hinaus und überraschte alle mit ihrer Leistung.

Bella schob Jake eindrucksvoll zur Seite, griff nach einem der Messer, die wohl ebenfalls Carlisle gehörten und schritt erhobenen Hauptes, aber mit fixierendem Blick, auf Edwards Vater zu. Unsicher, was nun geschehen wird, trat Edward sicherheitshalber einige Schritte zur Seite, ließ aber die prekäre Situation keines Wegs aus dem Auge, denn er wusste, dass Bella jetzt zu allem bereit war. Natürlich war es für ihn eine ungewohnte Situation und eigentlich sollte er doch immer zu seiner Familie stehen, aber gerade in diesem Moment, erkannte er nur zu deutlich, dass Bella und Jake mehr seine Familie darstellten, als Carlisle es jemals getan hatte. Auch wenn die Beziehung zwischen Bella und ihm noch nicht einmal richtig begonnen hatte, wusste er, dass er sie für immer lieben würde und das allein, war für ihn Grund genug, sich gegen seinen Vater zu entscheiden.

Abrupt stoppte sie keine drei Meter von Carlsile entfernt. Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und ihr ohnehin schon aggressiv erhöhter Pulsschlag legte noch einen Takt zu.
„Du mieses Drecksschwein, hast es gewagt Hand an meine Familie zu legen. Dies wäre eine Sache zwischen dir und mir gewesen, aber du musstest unbedingt meine Familie mit hineinziehen.“, flüsterte Bella heißer.

Alle Blicke im Raum waren auf sie gerichtet und keiner außer ihr bemerkte, wie Carlisle sich an der  Wand hoch stemmte und nach einer 45iger griff, die auf dem Tisch lag. In unmenschlicher Geschwindigkeit hob Bella den Arm mit dem Messer und schleuderte es zielsicher auf die Hand des Vaters, welche sogleich, mit einem erbärmlichen Schrei, durchbohrt wurde. Der Wurf saß, natürlich nicht perfekt, aber die eine oder andere Sehne hatte die Klinge auf alle Fälle zerschnitten.

Jake und Edward zogen scharf die Luft ein, Renee bekam von dem Ganzen kaum mehr etwas mit. Ihr recht lebloser Körper lag leicht zitternd auf dem staubigen Fußboden, ihre Augen waren halb geschlossen und ihr Atem war flach, um ihren Hals herum bildete sich allmählich eine Blutlache. Vermutlich hatte Carlisle doch etwas tiefer geschnitten, beziehungsweise dürfte er die Hauptschlagader angeritzt haben. Im Normalfall keine große Angelegenheit, aber da Renee ja nicht unbedingt die Jüngste und körperlich sehr angeschlagen war, beeinflusste ihre Verletzung  dramatisch ihren Körper.

„Jake, bring meine Mutter hier raus und verdammt noch mal hilf ihr, statt nur dumm herumzustehen und wie ein Fisch zu glotzen!“, befahl sie in rauem Ton. „Edward, schau zu das der Spastmatiker hier nicht noch mehr Schaden anrichtet, ich bin noch nicht fertig mit ihm.“ Unschlüssig, was er mit diesem Befehl jetzt machen sollte, hob er ratlos die Schultern und packte seinen Vater am Shirt, riss ihn daran hoch und platzierte ihn grob auf einem der Hocker, der in der Nähe stand.

Bella setzte unsicher einen Fuß vor dem anderen und blieb direkt vor Carlisle stehen, blickte ihn mit eiskaltem Blick von oben herab an und begann zu lautstark, hysterisch zu lachen. Es war eine natürliche Überreaktion ihres Unterbewusstsein, dass sich nach wie vor  gut versteckt in ihrem Geist hielt, denn im Moment agierten nur Bellas Killer und Rache- Instinkte. Vermutlich versuchte ihr „Ich“ einen dauerhaften Schaden vorzubeugen.

„Du bist so arm Carlisle, weißt du das eigentlich? Phil war schon ein armer Trottel und ich hätte nie damit gerechnet, dass es noch armseliger geht, aber wie heißt es so schön, schlimmer geht immer.“, beendete sie ihre Ansage und nahm ein weiteres Messer von denen, die noch herumlagen.

Für jemanden mit der Menge an Erfahrung, wie sie Carlisle Cullen eigentlich haben sollte, ging er reichlich sorglos mit seinen Waffen um, welche ihm diesmal vermutlich endgültig zum Verhängnis werden würden. Edward hielt seinem Vater mit eisernem Griff an Ort und Stelle, bis Bella direkt vor ihnen stand.

Bella und Edward standen sich das erste Mal seit ihrer Entführung wieder gegenüber. In ihren Blicken lagen so viele Worte, das sie selbst Shakespeare nicht gerecht, formschön niederschreiben hätte können. Die Liebe der beiden war durchwegs spürbar und beinahe plastisch darstellbar gewesen, wenn dieser Moment nicht so einen brutalen Beigeschmack gehabt hätte und Carlisle zwischen den beiden nicht die ganze Zeit hin und herschauen würde. Ed hob seinen rechten Arm,  wollte seine zitternde Handfläche an ihr aschfahles, eingefallenes Gesicht legen und sie auf die Stirn küssen, unterließ dies aber, wollte sich diesen Moment für einen späteren, besonderen Zeitpunkt aufheben. Ließ stattdessen von Carlisle ab und entschloss sich aus der Hütte zu gehen, denn er wusste, dass sie vermutlich kein Erbarmen mit ihm haben würde.

Einen kurzen Moment blickte sie ihm sehnsüchtig nach, konnte sich aber sofort wieder auf ihr eigentliches Vorhaben fokussieren.

„Weißt du, eigentlich sollte ich dich auf die nächste Palme hängen und ausbluten lassen, oder dich einfach den wilden Tieren hier auf der Insel überlassen, aber sogar das wäre eine noch zu milde Strafe für jemanden wie dich.  In den letzten Tagen habe ich mir so einiges zurecht gelegt, wie ich dich foltern würde, wenn ich den die Gelegenheit dazu bekäme, aber keiner der Methoden würde dem gerecht werden, was du eigentlich verdient hättest.“, zischte sie und setzte das Messer an seiner Wange an.

„Ein kleiner Schnitt für die Ärzte des örtlichen Krankenhausen, aber ein großer Schnitt für mich, oder wie war das nochmal? Ich bin so vergesslich geworden in letzter Zeit. Naja, ist auch nicht wichtig...“, setzte sie leise ihr Gespräch fort, auch wenn Carlisle in diesem Fall eher wortkarg wirkte. Noch immer hielt sie die Messerspitze an seine Wange und begann langsam den Druck auf seiner Haut zu erhöhen. Sie wünschte sich gerade sehnsüchtigst ein stumpfes Messer, so dass er noch mehr davon spüren würde, wie sich die Klinge mühselig, erst durch die ersten Hautschichten arbeitet, um schlussendlich das Fleisch zu entzweien, aber da hier nun mal keine abgenutzten Messer herumlagen, begnügte sie sich notgedrungen damit.

Ihr Opfer zischte erst nur mit schmerzverzerrtem Gesicht, konnte es sich aber dann nicht mehr verkneifen. Carlisle begann zu schreien, ob vor Schmerzen oder Angst, war ihr egal.

Der erste Schnitt glich einer schmalen, schrägen Linie und begann allmählich zu bluten. Langsam begannen die Blutstropfen ihre Reise und verendeten auf seinem Shirt. Sie legte die Klinge seitlich an die Wunde und drückte darauf, so dass sie aufklaffte.

Wieder schrie er, das war etwas, zu dem er Bella nie bewegen hätte können, zu winseln wie ein Hund. Er war schwach, das sah man, aber ihr war es noch nicht genug. Er sollte sich sein Leben lang, nicht nur geistig, an sie erinnern können, nein, sie musste ein Zeichen setzen, das jeder, der ihn zu Gesicht bekam wusste, dass er sich mit ihr angelegt und himmelhoch verloren hatte.

Erneut setzte sie sein Messer an und schnitt ein weiteres Mal einen Strich in sein Fleisch, nahm einen Tupfer und wischte das Blut weg, aber nicht, ohne ihn vorher in Sterilium zu tauchen, so dass es schön brannte, als der Alkohol seine Wunde berührte.

Edward lief ungeduldig vor der Türe auf und ab. Unsicher, ob er wieder hineingehen, oder ob er tatsächlich das Schicksal seines Vaters in die Hände von Bella legen sollte. Noch bevor er einen Entschluss fassen konnte, geschah etwas, womit er hätte rechnen müssen und auch diese Erkenntnisse werden nicht die letzten des Tages sein....

Wieder traten fürchterliche Schreie nach außen, so dass Edward erschrocken zusammenzuckte.
Egal wie sehr er es verbergen wollte, aber er konnte den Schmerz mitfühlen und er hoffte, dass Bella es nicht endlos in die Länge ziehen würde, denn das würde er nicht mit ansehen können.

Dick gerötet hatte das V auf Carlisle Wange allmählich aufgehört zu bluten, dennoch war Bella noch nicht ganz zu Frieden mit ihrem Werk. Sie setzte erneut an und schnitt zwei gleichgeformte, etwas geschwungene Halbkreise an den ersten Strich und lächelte sanft, als es erneut begann zu bluten.

„Bella Volturi, Carlisle, du bist gebrandmarkt wie eine Weide Kuh.“ Ihr helles Lachen übertöne sogar seine Schreie, als sie wieder den Tupfer anfeuchtete und darüber wischte. Nicht zärtlich, aber auch nicht brutal fest.

Sie rief Edward herein und bat ihn, seinen Vater zu fesseln und auf den, ach so bequemen Sessel zu setzten. Nur wiederwillig tat er, was sie gesagt hatte und bemerkte zu spät, dass sie auf schwankenden Beinen nach draußen lief. Keine zehn Schritte an der frischen Luft angekommen, sackte sie in sich zusammen, wie ein nasser Sack. Der Adrenalinschub, den sie hatte, ließ nach und sie sickerte in ihre eigene, warme, friedvolle Welt ab, in der es so etwas, wie gerade eben, einfach nicht gab.

Edward setzte seinen gut verschnürten Vater in eine, seiner Ansicht nach, halbwegs bequeme Position, wünschte ihm beiläufig noch einen schönen Tag und lief schnellen Schrittes zu Bella. Diese lag, nach wie vor, regungslos im heißen Sand und bewegte sich nicht. Besorgt ließ er sich unsanft vor ihr auf die Knie fallen. Er versuchte sich krampfhaft daran zu erinnern, was man ihm damals in der Schule beigebracht hatte zum Themenschwerpunkt Ohnmacht, aber er vermutete, dass er ausgerechnet an diesem Tag mal wieder unpässlich gewesen war.


Er konnte sich dunkel daran erinnern, dass die in den Baywatchfilmen immer den zu Retteten so leichte Ohrfeigen verpasst hatten, aber er wollte Bella ja nicht misshandeln, oder ihr irgendwelche Hämatome zufügen. Wertvolle Minuten verstrichen, in denen er sich nicht absolut sicher war, dass er das richtige tat, aber gab es in so einem Fall viel Richtig oder Falsch? Er half ihr mit Sicherheit nicht, indem er nichts tat, dessen wurde er sich auch bewusst und legte vorsichtig seine Hand an ihre Wange. Die ersten zwei Versuche glichen eher einer Liebkosung als einer Backpfeife. Versuch drei und vier waren schon etwas härterer Natur und zeigten in der Tat Wirkung.

Bella kam nur langsam zu sich und als sie die Augen aufschlug, zuckte sie instinktiv zusammen und als sie die Hände vor die Augen schlagen wollte, traf sie, zum Leidwesen Edwards, seine Nase. Obgleich der Schlag auch eher zarter Natur war, dürfte er schmerzlich gewesen sein, denn ein schmerzverzerrtes Zischen löste sich von seinen Lippen und seine Hand fuhr automatisch auf den von ihr getroffenen Fleck.

„Edward.....“, flüsterte sie mehr heiser, als leise und mit einem schmerzdurchzogenes Lächeln. Liebevoll besorgt, legte er seinen Zeigefinger auf ihre Lippen und brachte sie automatisch zum Schweigen, löste den Finger wieder und schob beide Hände, sachte unter ihren, viel zu schmalen Körper, hob sie hoch und brachte Bella zum Speed Boot, wo hoffentlich Jake schon auf sie wartete. Leise flüsterte er immer wieder an ihr Ohr, dass sie nur mehr kurze Zeit durchhalten müsste, bis sie sich ausruhen konnte und das er sie liebte und es ihm unendlich leid täte, was sein Vater mit ihr und ihrer Mutter getan hatte und das er es niemals soweit hätte kommen lassen dürfen und das er ein unglaublicher Vollidiot war.

Sie lächelte jedes Mal bei dem Wort Vollidiot.

Edward lief noch ein letztes Mal zurück, nachdem er Bella sicher im Boot abgesetzt hatte und vergewisserte sich, ob Alexis noch lebte. Es kam schon mal vor, das Jake in seiner Hektik etwas zu fest zuschlug und diese Person dann leider verstarb. Gerade als er in die Behausung kam, wo Bella tagelang gefangen war, sah er, wie sich besagte Person, leicht verwirrt, am Boden rührte. Er ging angedeutet vor ihr in die Knie, hob ihren Kopf vorsichtig an und erklärte ihr in kurzen Schritten, was nun ihre Aufgabe sei. Sie bejahte den Befehl, hier bei Carlisle zu bleiben, bis Edward sie abholen ließ. Er trug ihr auf, sich um den Trottel von Vater zu kümmern, ihn aber keinesfalls loszubinden.

Sie nickte nur zustimmen, hatte insgeheim ganz andere Pläne mit ihm, denn er musste ihr noch verraten, wo er ihre Tochter versteckt hielt. Sie kannte die Mittel und Wege, aus ihm herauszubekommen, was sie wissen wollte. Sie würde ihn mit denselben Mitteln schlagen. Edward legte ihr zum Abschiedsgruß kurz seine Hand auf die Schulter, nickte, erhob sich und ging hinaus.

Die Rückfahrt ans Festland ging, dank Jakes rücksichtslosen Fahrstiles und des guten Wellenganges, erstaunlich schnell. Unweit von der Küste lag eine kleine Privatklinik, die in der Regel eigentlich immer die Highsociety des Showbiz beherbergte, wenn mal wieder der Nasenrücken verrutscht war, oder Oma´s Weihnachtskekse mal wieder die Kleidergröße 34,5 auf eine normale 38+ wachsen ließ. Jake´s geistiger Allgegenwertigkeit war es zu verdanken, dass die Ärzte dort schon bescheid wussten und auf das Quartett warteten. Obwohl er und Edward noch am fittesten aussahen, bestand der  Arzt darauf, alle durchzuchecken. Unfreiwillig gaben sie sich geschlagen und stellten zwei Stunden später fest, dass Renées Zustand beängstigend und trotz ihres eisernen Willens, es beinahe zu spät gewesen war, doch noch lebte sie, aber keiner der Ärzte traute sich, eine genaue Überlebensprognose zu stellen. Sie hatte viel Blut verloren und ihr Allgemeinzustand war bei Gott nicht der Beste gewesen. Psychologisch gesehen, würde sie eine längere Therapie in Anspruch nehmen müssen, aber das war aktuell die kleinste Sorge.

Bei Bella sah die Sache schon etwas besser aus, denn sie hatte kaum dramatische Verletzungen davon getragen, aber einen schweren Schock erlitten. Ein wenig mager war sie und dehydriert, aber dies konnte man mit geregelten Mahlzeiten und einigen Infusionen wieder heilen.

Jake war sich in dieser Hinsicht ziemlich sicher, dass sie das nicht lange außer Gefecht setzten würde. In der Tat war es so, dass Edward es gedeichselt bekam, dass Mutter und Tochter nach nur wenigen Tagen nach England zurück transportiert werden konnten. Bella verließ den Flieger eigenständig und hatte gleich nach dem Aussteigen ein Mobiltelefon am Ohr, wo sie geschäftsmäßige Anweisungen an Reinhard übergab, der sich sofort um einen Platz in einer der besten Privatkliniken Londons zu kümmern hatte und er fragte nicht sonderlich lange, denn er wusste, zum Plaudern wäre später, bei einer guten Tasse Chai Latte, Zeit.

Edward, der inzwischen versucht hatte, seiner Mutter, möglichst schonend beizubringen, wie sich die Sache mit seinem Erzeuger zugetragen hatte, veranlasste einen Transport von Carlisle und Alexis nach London, um mit Bella über ihren restlichen Verbleib zu sprechen, auch wenn dieses Thema kein leichtes sein würde...